Eij die Pilze giehn

Dieses Jahr ist ein schwieriges Schwammerljahr. Zumindest hier bei uns. Wenn ich gehe, dann ist mein Pilzrepertoire sowieso ein eher eingeschränktes, da ich nur Röhrlinge sammle, außerhalb davon lediglich Pfifferlinge und Parasolpilze. Wir haben großteils Buchenwald, Pfifferlinge habe ich hier noch nie gefunden, einige Male Steinpilze, Maronenröhrlinge, zwei Mal eine Krause Glucke, dann noch wenige Parasolpilze, Goldröhrlinge, den größten Anteil halten Rotfußröhrlinge.

Über einen sehr großen Zeitraum hinweg war das Wetter zu warm, vor allem aber zu trocken für Pilze. Nun, wo es endlich wieder feuchter ist, ist es wiederum nicht wirklich warm genug, so dass die mit Feuchtigkeit recht vollgesaugten Schwammerl ruckzuck zu schimmeln beginnen.

schwammerl_10_2016-26

Keine schlechtes Ergebnis bei einer Erwartungshaltung von Null nach den ergebnislosen Spähgängen der letzten Tage.

Das sind de guten:

Daneben aber gab es noch Unmengen anderer – auch die liebe ich genauso innig, sind sie doch ein ebenso unverzichtbarer Teil einer intakten Natur und die Achtung dafür, die sog ich bereits mit der Muttermilch auf. Ich pirsche nach Pilzen genauso gerne lediglich auf Fototour, wie ich sie in mein Pilzkörbchen lege. Zum Fotografieren hatte ich dieses Mal nur mein Handy dabei und darauf kann ich nur schwer erkennen, ob die Bilder auch wirklich scharf sind, da mein Sehvermögen leider ziemlich nachgelassen hat. Besonders bedaure ich das bei diesem zauberhaft verpilzten Pilz, der so etwas wunderbar surreales hat:

schwammerl_10_2016-13

 

Ebenfalls ganz bezaubernd sind diese zarten Gesellen:

Bei Knollenblätterpilzen empfiehlt sich sowieso nur das fotografische Sammelkörbchen:

schwammerl_10_2016-19

Die größte Freude bereiten mir Pilzgruppen:

 

Als wäre sie Balletteleven, balanciert hier ein zartes Hütchen nach dem anderen auf dem bemoosten Baumstamm:

schwammerl_10_2016-25

Und dieses Bild einer Pilzgemeinschaft, bei der sich unterschiedliche Sorten einen alten Baumstumpf teilen, ist mein liebstes:

schwammerl_10_2016-16

Wenn man nur dazu bereit ist, sich ohne Vorbehalte, mit Respekt, offenen Augen und Sinnen durch die Natur zur bewegen, gibt es so viel wunder- und prachtvolles zu entdecken, wie es einem schöner auch nicht ganz weit weg begegnen kann.

schwammerl_10_2016-28

Habt ein schönes Wochenende – geht einfach mal wieder raus und lasst Euch ganz einfach auf das ein, was es zu entdecken gibt!

Dienstag, 21. Juni 1977 – Sommeranfang

 

21juni1977-1

Erinnert sich eine von Euch noch an diese Taschenkalender, die man in der Schule kaufen konnte?

1977 sah er so aus und netter Weise ist oben links auch noch der Preis vermerkt: 1,30 DM:

21juni1977-2

Viel eingetragen habe ich nicht. Die Adressen und Telefonnummern meiner Freundinnen stehen drin und die eine oder andere Notiz.

Hätte ich heute morgen die Schublade mit dem festen Willen, sie auszumisten, nicht aufgemacht, hätte ich gar nicht mehr auf dem Schirm gehabt, dass dieses Büchle dort überhaupt drin lag. Mit einem Grinsen im Gesicht ließ ich die Seiten durch meine Finger sausen und blieb partout an diesem Eintrag hängen. Aha, Sommeranfang war es also, aber ich habe überhaupt gar keine Ahnung wie das Wetter damals war. Drei Bilder malte ich an ihm also für die Schule fertig und stellte fest, dass ich endlich RICHTIG stricken kann.

Köstliche Erinnerung!

Quittenstreusel

Dieses Jahr war kein gutes Quittenerntejahr.

Seit ich unser Quittenbäumchen halbtot aus einer Ramschecke neben einer Kasse zog, versorgte es uns Jahr für Jahr mit einer immer reicher werdenden Ernte. Dieses Jahr aber war das Wetter alles andere als optimal: Erst wochenlanger Regen, von Frühling war nicht viel zu merken, dann ein abrupter Übergang in den Sommer. Das Bäumlein trug sehr viele Blüten, sehr viel Fruchtansätze, aber letztendlich kam der Herbst für diese viel zu früh, die Quitten konnten nicht ausreifen und die, die es doch schafften, waren zum größten Teil dem Apfelwickler zum Opfer gefallen.

Aus dem was übrig blieb, habe ich einen aromatischen Quittenstreusel gebacken:

quittenstreusel_2016

Zutaten:

335 g Dinkelmehl

50 g Zucker

180 g Süßrahmbutter

Alle Zutaten zu einem Streuselteig kneten und diesen bis zur weiteren Verarbeitung kühl stellen.

1 kg Quitten

Schälen, vierteln, Kerngehäuse entfernen, die Viertel in Spalten schneiden.

4 cm Ingwerknolle

Schälen und ganz fein würfeln.

50 g Zucker und

1 Tl Zimt

Mischen und zusammen den Quittenspalten und den Ingwerwürfeln in einem Topf aufkochen (es kommt tatsächlich keine Flüssigkeit dazu), dann Deckel auf den Topf, die Hitze runterschalten und für eine Viertelstunde simmern lassen. Dann in einem Sieb abtropfen lassen, den Sud dabei auffangen.

250 g Topfen

2 Eigelb

25 g Zucker

1 Beutel Vanillepuddingpulver

alles zusammen mit dem Quittensud gut verrühren.

Nun 2/3 des Streuselteigs so in eine Springform drücken, dass dabei ein 3 cm hoher Rand entsteht, darauf die Topfenmasse streichen, die Quitten darüber verteilen, darüber den Rest der Streusel und alles für eine dreiviertel Stunde in den auf 200° C Ober-/Unterhitze vorgeheizten Backofen goldgelb backen. Über Nacht auskühlen und durchziehen lassen, damit sich das herrliche Quittenaroma so richtig entfalten kann.

Hat man viele Quitten,

quitten_2015

kann man natürlich noch ganz viele andere Quittenkuchen backen, z. B. einen mit Pistazien:

pistazienquittenkuchen_2015

Oder Quittenkompott einwecken:

quittenrezepte_2015-5

Oder Quittensaft einkochen, z. B. für Gelee oder für Sirup:

quittenrezepte_2015-7

Aus den Schalen lässt sich prima Likör ansetzen und die (unverletzten!!!) Kerne sind ein altbewährtes Heilmittel z. B. für die Haut oder auch bei Halsschmerzen:

quittenrezepte_2015-6

Passau: Goldpomeranzen, Klostergarten & Schokoladenhaus

In unserem allerersten Urlaub ganz für uns selbst und ohne Kinder machten wir auch einen Tagesausflug nach Passau und seitdem ist die Stadt an den zwei Flüssen meine zweitliebste Lieblingsstadt nach der heimischen Einflussstadt Heidelberg.

Ich freu mich immer wieder wie verrückt darauf, wenn wir wenigstens mal kurz für eine Stippvisite hierher kommen können und da in diesem Urlaub durch einen unerwarteten Krankenhausaufenthalt des Mütterlis wieder alles anders kam als geplant, hatte ich den Passautag schon ganz abgeschrieben. Zum großen Glück aber ging es dem Mütterli dann doch sehr viel schneller wieder besser als noch beim Arztgespräch angedacht und so kam dann doch wieder alles anders als umgeplant. Phew, was ein Glück das war und ist!

Mit dem Wetter hatten wir, trotz russischem Tief, auch an diesem Tag großes Glück, der angekündigte Regen kam wie geplant erst am frühen Nachmittag auf, Punkt 14:00 Uhr, als wir gerade wieder bei unserem Auto ankamen.

Die Flussfahrt auf der Ausflugsliste ließen wir ausfallen, schauten uns stattdessen eines der am Donaukai anliegenden Viking-Kreuzfahrtschiffe an und schlenderten über die wunderschöne Altstadt rüber ans Innufer zu der alten Baumpromenade, die vielleicht schon bald dem Hochwasserschutz geopfert werden muss. Wir lasen herrliche Kastanien vom Boden aus, ich schoss ein Bild von mir mit dem Schild der Nachnamensstraße und wir genossen in der Fussgängerzone all die unterschiedlichen Läden und ihre Auslagen.

Kurz vor St. Paul hielt mich eine der Passauer Goldpomeranzen ganz in ihrem Bann – ich muss zu meiner Schande zugeben, dass sie mir erst heuer auffielen:

20161011_111820

20161011_111857

Ganz oben in den Zweigen hingen einige Pomeranzen, die weiter unten sind bestimmt in so einigen Touristenjackentaschen gelandet, wogegen sich der Busch mit seinen ganz schön großen Dornen sicher ehrenhaft verwehrte.

Ich muss da mal genauer im Inet erurieren, ich hätte so gerne eine dieser winterfesten Planzen bei uns im Garten. Alleine wäre sie da nicht, denn mein Mann hat letztes Jahr einfach mal einige Zitronensamen in Anzuchterde gesteckt und mittlerweile haben wir drei schon ziemlich stattliche Pflanzen, die allerdings noch nicht geblüht haben.

Auf einen Kirchenbesuch verzichteten wir, hatten wir uns doch alle schon einmal angeschaut, dafür ging es aber weiter in den Laden „Der Klostergarten“ – hier gibt es Produkte aus vielen unterschiedlichen Klostermanufakturen, alles äußerst hochwertig, sodass der Laden an sich schon auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Also ich schaffe es nicht ohne etwas zu kaufen wieder herauszukommen:

Der Klostergarten, Steinweg 10, 94032 Passau

staticmap

Wem der Sinn mehr nach weltlicheren Genüssen stehen sollte, der wird garantiert bei Das Flämische Schokoloadenhaus fündig:

20161011_144057

Die Schokoladenbüste erst einmal im Schaufenster entdeckt, mussten wir so lachen, dass wir gar nicht anders als eintreten konnten – ein Schelm, der Übles dabei denkt ;)!

Meine Güte, man öffnet also diese Tür und findet sich in der Umarmung einer warmen und sanften Schokoladenduftwolke wieder und schon in diesem Moment ist es um die an den Geschmacksknospen anhängende Selbstbestimmung geschehen, erst recht dann, wenn die freundliche Damen hinter der Theke zum Kosten einlädt. Hach, ja, Schokolade! Richtige, gute, echte Schokolade – nicht so ein lausiges Geschmacksderivat aus dem Discounter, nichts was psychedelische Rindviecher zum Kaufanreiz nötig hätte. Aber für solches bin ich, seit der ehemals hauseigene Konditor zum ersten Lehrtag aufbrach, sowieso hoffnungslos verloren. Ich verzichte gerne auf alles 08/15-Zeugs und genieße freiwillig, wenn es sein muss, nur einmal im Jahr solch prächtige Confiseriekunst.

Wir probierten also und freundlicherweise durften wir auch noch fotografieren, bevor wir – Ehrensachen – einkauften:

dsc08351

dsc08352

dsc08353

dsc08354

Die Augen bitte nach oben links, was Ihr dort in Zellophan und grünen Schleifen seht, ist eine Ilzer Flussmuschel, die es bei den darunter stehenden Trüffeln auch in einer kleineren Ausführung gibt und welche herrlich himmlisch schmeckt. Man muss übrigens nicht nach Passau kommen, obwohl es schade ist, all das nicht vor Ort genießen zu können, denn über die Homepage kann man auch direkt bestellen.

Das Flämische Schokoladenhaus, Grabengasse 1, 94032 Passau

schokohaus

 

Mittwochslyrik: Beherrscht

Beherrscht

 

Schöne Vorstellung:

 

Wut in gläsernen Barrieren

sezieren zu können.

 

Scheibchenweise aufgehängt

zur Trocknung.

In klarer Luft flatternd.

 

Segmente im Blütenduft

weichgespült, bereit,

wie ein Puzzle geordnet

zu werden.

 

Jedes Stückchen begriffen &

ent-täuscht,

die Wahrheit im Kern

erkennend,

sie annehmend als Teil des Ganzen,

das ohne Detail nur

Nichts sagend wäre.