Worauf wachsen Champignons?

Gerade in der kälteren Jahreszeit gehören frische Champignons für mich unbedingt mit auf den Speisezettel.

In den 1970ern noch habe ich mit meiner Mutter in jedem Sommer frei wachsende Champignons auf den Wiesen rund um den Ort, in dem wir lebten, gesammelt. Die Rezepte aus ihnen waren unglaublich vielfältig: Pilzsuppe, als Sauce für Nudeln, Pilzküchle, … Damals wurden die Wiesen aber auch noch in einer ganz anderen Art und Weise wie heute üblich genutzt, zwischen ihnen verliefen Klinken (so nannten wir die Abzugsgräben für Wasser) oder ganze Sträucherzeilen, und auf ihnen grünte und blühte es in großer Vielfalt.

Als ich dieses Champignons-Anzuchtset für daheim beim Einkaufen sah, wanderte es natürlich sofort in meinen Einkaufswagen:

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Pilze selber ziehen bzw. ernten können, das wollte ich schon immer einmal ausprobieren und ich freute mich so sehr darüber, dass ich ganz gegen meine Gewohnheiten eben nicht auf die Liste der Zusammensetzung schaute. Das habe ich dann erst – und tatsächlich absolut zufällig – daheim gemacht:

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100 % Hochmoortorf?! Ich fasse es nicht. Hochmoortorf! Moore und ihre Renaturierung sind so unglaublich wichtig für uns alle, wenn wir unsere Welt auch nur ansatzweise gesund erhalten wollen. Und so sehr ich mich auch mit allem rund um eine gesunde Ernährung auseinandersetze, alleine weil ich es schon wegen meiner Gesundheit muss, muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich mich bis dato noch niemals intensiver mit dem Thema Pilzzucht auseinander gesetzt habe. Ich habe gewusst, dass sie auf Substraten wachsen und irgendwie verband sich das in meinen Gedanken z. B. mit dem Tomatenanbau und damit war es auch fertig für mich.

Ich begab mich also auf Recherche, fand bei Wikipedia einen Artikel zum Thema Pilzanbau, in dem allerdings auch nur der Begriff „Substrat“ Erwähnung findet. Ich suchte mich weiter durchs Inet und stieß u. a. auf den FAZ-Artikel Warum die deutschen Champignons in Polen wachsen vom 11.02.2014, aber ich denke, er wird auch heute noch Gültigkeit haben. In ihm entdeckte ich eine ganz andere Grundlage der Champignon-Zucht: Hühnerscheiße. Jawohl, die Scheiße von Hühnern aus genau der Maßentierhaltung, die ich meide wie der Teufel das Weihwasser, deren Qualhühner mir einfach zutiefst in der Seele leidtun. Und genau auf der Scheiße von diesen armen missbrauchten Kreaturen wachsen dann die Pilze, die ich esse, weil ich genau eines nicht will: Billigstes Qualfleisch. Auch hier wird wieder Hühnerkot als Substratbasis für Edelpilze erwähnt und ich bin nicht so blauäugig, dass ich mir vorstelle, dass das alles 1a-Scheiße von glücklichen Biohühner ist … wie bescheuert ist dieses System eigentlich und um wieviele Ecken muss man eigentlich noch denken, um nicht auch nach vielen Jahren noch auf Fakten zu stoßen, die einfach nur widerwärtig sind? Einfach mal den Umkehrschluss über die Qualhühner, ihre beschissene Ernährung und der medikamentöse Substanzkonsum, der ihnen zugemutet wird, nachdenken und dann darüber, was davon alles in ihrer Scheiße landet, auf der dann wieder andere Lebensmittel gezogen werden. Einfach widerwärtig.

Insofern ist das Hochmoortorf in meiner Pilzanzuchtset tatsächlich noch appetitlicher, es sei denn, dass hier jemand mitliest, der so viel Ahnung hat, mir auch noch die Illusion zu rauben, dass hier nicht doch noch ebenfalls Billigqualhühnerscheiße mit drin ist.

Pfui Teufel. Mir vergeht der Appetit und mir ist einfach schlecht und wenn ich könnte, würde ich jetzt gerne die Champignons aus der letzten Zelle meines Körpers wieder herauskotzen, die ich vor fünf Tagen noch voller Appetit gegessen habe.

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2 Gedanken zu „Worauf wachsen Champignons?

  1. Ich kann mich erinnern, meine Tante hatte einen Strohballen (den „kleinen handlichen“ rechteckigen) in einer alten Badewanne, an einem schattigen Platz, und schön feucht gehalten und darauf Germ verteilt – das war ihre Zucht. Natürlich musste der Ballen immer wieder einmal ausgetauscht werden – aber wozu hatte sie einen wirklich großen und starken Mann.
    Also ich denke mit feuchter Erde in einem nicht zu hohen Topf ginge es auch – denn wer hat schon den Platz für eine Badewanne mit Strohballen?
    Falls mir einmal Germ übrig bleibt verteilt ich diesen einfach im Garten und manchmal habe ich dann schöne Champion.

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    • Wow, liebe Brigitte, das ist ein neuer Denkansatz für mich, das muss ich ausprobieren. Ich werde auf jeden Fall an dieser Champignon-Geschichte dran bleiben. Das Set darf bleiben, aber ich werde mich nach weiteren Möglichkeiten umschauen und weiter auf selber Pilze sammeln, trocknen, einfrieren setzen, um sie weiter zu genießen.
      Herzliche Dir,
      Ev

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