„Finden Sie Hirschhorn schön?!“

Auf unserem Weg von der Karmelitenklosterkirche zurück auf die Klostergasse liefen wir auf zwei leise diskutierende Frauen zu. Die eine sehr sportlich, mit einem Prospekt für den Altstadtrundgang in der Hand, die andere, untersetzt und mit großer Discountertasche über der Schulter, sah so aus, als wäre sie vom Einkaufen her auf dem Heimweg.

Unten angekommen warf mir ausgerechnet Letztere voller unterschwelliger Aggression“Finden Sie Hirschhorn schön?!“ regelrecht an den Kopf, sodass gleich klar war, dass meine Antwort „Ja“ von Beginn an zum Scheitern verurteilt war.

Erstere stand mit einem verzweifelten Gesichtsausdruck daneben, den Prospekt in ihren unruhigen Fingern. Unterhalten haben wir uns dann, und das sehr nett und sympathisch, ausschließlich mit ihr, denn ja, Hirschhorn ist wirklich schön, wenn man dazu bereit und in der Lage ist, diese Schönheit zu erkennen, zu würdigen und zu genießen.

Hirschhorn ist einer diesere Orte, dem man glücklicherweise sein Werden noch deutlich ansehen kann. Häuser wurden hier nicht einfach neuzeitlich auf dem Reissbrett geplant, sondern gebaut, wie sie passten:

Der Ort hat eine deutliche Hanglage und ist voller Treppen, Windungen, Steigungen:

Große Teile der alten Stadtmauer sind noch erhalten:

Ebenso wie alte Stadttore:

Natürlich ist auch Hirschhorn der Struktur- und Gesellschaftswandel der letzten 20 Jahre deutlich anzumerken. Daran, dass Ortskerne durch nicht mehr vorhandenen Einzelhandel und/oder Gastronomie regelrecht ausbluten und somit verarmen, sind auch wir mit unserem veränderten Einkaufsverhalten und die sich immer stärker ausbreitenden Discounterpest verantwortlich. So ehrlich soll und muss man einfach sein.

Auch dieses „Höher, Schneller, Weiter!“ trägt daran Schuld, denn der Wunsch nach servierfertig präsentiertem Entertainment und Spektakulärem sind in immer stärkerem Ausmaß für viele von uns regelrecht Freizeitpflicht. Der Sinn für das Einfache, Ursprüngliche und die Schönheit daran, der versandet so ganz langsam immer mehr.

Für alle die aber, die das noch Sehen und Fühlen können, für die ist Hirschhorn tatsächlich noch immer eine der Perlen im Neckartal. Ganz besonders natürlich im Frühling, Sommer, Herbst, wenn alles grünt und blüht. Wir aber, wir kommen gerne auch ohne Trubel hierher, genießen den Ort auch dann, wenn er ganz ruhig, still und besonders tiefsinnig ist:

Hirschhorn_03_03_2017 (28).JPG

Hirschhorn unbedingt zu besuchen, dafür gibt es noch einen ganz anderen Grund, von dem ich später erzählen werde. Also, einfach dran bleiben mit dem Lesen ;)!

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3 Gedanken zu „„Finden Sie Hirschhorn schön?!“

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