Gelesen: Ritus

von Markus Heitz.

Ich habe mir dieses Ebook gekauft, weil ich schon beim Lesen des Begleittextes an den Film Pakt der Wölfe und das Rätsel rund um die tatsächlich historisch verortete Bestie des Gévaudan dachte.

Das Gute zuerst: Ich habe bis zum Schluss durchgehalten. Obwohl es mir schwer fiel.

Die Erzählung verknüpft zwei Handlungsstränge; einen von damals, einen von heute. Ersterer war definitiv interessanter als Letzterer, was daran liegt, dass ich in solchen Zusammenhängen einfach nicht das Klientel für Schilderungen gestählter Oberkörper samt harter Schäfte bin. Außerdem halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass selbst im tiefst verschneitesten St. Petersburger-Winter ein großer, schwarzhaariger, äußerst männlicher Mann in voller weißer Lackledermontur – und damit sind gemeint: Handschuhe, langer Mantel, Hose und Stiefel mit Silberkappe, so mit der Umgebung verschmilzt, dass er nahezu unsichtbar wird. Okeh, vielleicht wird er so tatsächlich nahezu unsichtbar, aber Lackleder, Lackleder gibt doch Geräusche von sich?! Oder vielleicht nicht, vielleicht ist es ja so eingefettet, dass es eben keine gibt und hier liegt auch schon das Problem des Buches: Ich fange an, bei eigentlich nebensächlichen Bemerkungen abzudriften und mir meine eigenen Fragen zu stellen und schon bin ich raus aus einem Spannungsbogen, bevor ich auch nur richtig drin war.

Also: Ich gab „Lackleder quietscht“ in die Suchmaschine ein und stieß auf diesen Thread und bin jetzt zumindest bei der Hose davon überzeugt, dass seine Oberschenkel wahrscheinlich so weit auseinander stehen, dass sie sich nicht berühren. Wahrscheinlich trägt er Puder und Öl bei sich, falls es dann doch mal passiert. Gut, er trägt also Handschuhe, langen Mantel, Hose, Stiefel mit Silberkappe und außer den Kappen ist alles aus Lackleder. Weißem Lackleder. Aber was trägt er drunter? Unter dem Mantel? Einen Lacklederpullover oder ein Lacklederhemd oder nur seinen gestählten Oberkörper ohne alles?

Davon mal abgesehen wird von Beginn an bei beiden Strängen immer klarer, wer hinter wem oder was steckt und das Ende kommt nach einer recht langatmigen Strecke dann sehr abrupt und es erscheint der Hinweis auf die Fortsetzung.

Weckt mein Interesse daran aber nicht. Auch nicht bei dem Hinweis, dass der Autor als Großmeister deutscher Fantasy gilt. Da sei dann bitte, danke, doch mindestens Hohlbein vor!

Lacklederschaftoberkörper hin oder her.

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