Ins Auge gegangen – oder – Dinge übers Älterwerden, von denen ich nicht gewusst habe, dass ich von ihnen nichts wissen wollte

Zu dieser Überschrift hatte ich eigentlich einen Text geschrieben über das Älterwerden, dass man das ruhig mit Humor nehmen kann und darf und wie doof ich dieses „50 ist das neue 30“ finde.

Uneigentlich ist mir momentan zu allem, nur nicht lustig. Das fängt schon bei den 20:15 Uhr-Nachrichten, die für mich seit den frühen 70ern zur Tagespflicht gehören. Ich ertappe mich dabei, dass mir immer öfter die kurzen aus dem Radio reichen, denn eigentlich drehen sie sich doch nur noch um die Frage „Welcher Schwachmat hat wieder neu unter was für einem Verbaldurchfall gelitten?“. Mit Shoppen braucht mir auch niemand kommen, hab ich noch nie gerne gemacht. In den 70ern legte man die Polytierklamotten ab – ich sag nur Schweißgeruch – jetzt hängen die Klamottenständer überall wieder voll davon. Überhaupt Plastik: Ich bin alt genug, um mich an die Anfänge der Bioläden zu erinnern, wie sie aussahen, mit was für einem Anspruch sie betrieben wurden, an „Jute statt Plastik“ und heute? Heute gehe ich immer noch in Bioläden, aber bei den Unmengen an Plastik dort bekomme ich jedes Mal die Krätze so wie bei der Frage an der Kasse „Haben sie eine Payback-Karte?“.

Und allermeistens macht mir das Älterwerden aber auch so gar nichts aus, aber dann kommt die Muddi mit ner Hautkrebsdiagnose heim – puuh, zum Glück bis auf den noch ausstehenden Befund weiß statt schwarz. Und bei mir löst sich der eine Glaskörper nur mit Mikroblutungen und ich seh seit Tagen nur noch wie durch einen Klumpen aus Zillionen von Froschlaicheiern, durchwabert von einer bewegungsfreudigen Rauchfahne – puuh, zum Glück völlig ungefährlich, aber eben auch völlig nervig.

Und da freu ich mich, wenn ich morgens wenigstens in der Stadt an einem Frühvogelkonzert vorbei komme, wenn das schon nicht mehr daheim aufem Dorf gelingen will … auch wenn ich momentan nicht mal mehr Lust dazu habe, wenigstens über mich zu lachen.

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2 Gedanken zu „Ins Auge gegangen – oder – Dinge übers Älterwerden, von denen ich nicht gewusst habe, dass ich von ihnen nichts wissen wollte

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