Gelesen: Wandernde Pflanzen

von Wolf-Dieter Storl. Auf dem Cover des Buches ist das wunderschöne Drüsige Springkraut, auch Bauernorchidee genannt, abgebildet. Die Blüten dieser Pflanze sind einfach prachtvoll, wie hier bei dieser zu sehen, die ich vor einigen Jahren in Tschechien am Ufer der Jizera photographiert habe:

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Wolf-Dieter Storl ist Ethnobiologe und Kulturanthropologe mit einer ganz besonderen Ausstrahlung, voller Wissen und großer Weisheit.

Ich habe bereits mehrere Bücher von ihm gelesen, kann ihm nicht in allem folgen, nichtsdestotrotz ist er für mich einer der ganz großen Wissenden unserer Gegenwart, dem ich immer wieder gerne durch seine Publikationen folge. Vielleicht werde ich ja doch einmal das große Glück haben, ihn selber bei einem Vortrag erleben zu dürfen.

Dieses Jahr ist noch nicht einmal zur Hälfte herum, trotzdem aber ist und wird dieses Buch für mich das wichtigste, bereicherndste und berührendeste sein und bleiben.

Herr Storl, der sein Wissen nicht nur in Europa vertiefte, beschreibt auf nachvollziehbarste Art und Weise, wie weltweit zum Teil mit Neophyten umgegangen wird, die sehr oft gar keine sind. Natur ist in stetigem Wandel, nicht nur Menschen, auch Pflanzen wandern dorthin, wo es ihnen möglich ist, zu wachsen und zu gedeihen. DIe meisten von ihnen waren vor langer Zeit hier ansässig, bis sie Klimawandlungen weichen ließen. Diese Neueinwanderer mögen zum Teil verdrängen, wachsen letztendlich auch gerade auf Flächen, die zu besiedeln unseren vermeintlich vom Usprung her rein einheimischen Pflanzenwelt nicht mehr möglich ist. Sie erfüllen dort einen wichtigen Zweck, indem sie den Boden aufbereiten und regelrecht renaturieren. Man denke da mal nur an den Schmetterlingsflieder, der entlang vieler Bahntrassen regelrecht wuchert oder die Kartoffel-Rose, die oft im Trennstreifen zwischen Autobahnspuren gepflanzt wird, da sie die Fähigkeit besitzt, trotz eines starken Salzeinsatzes im Winter gegen Glatteis, zu wachsen und zu gedeihen.

Die Maßnahmen, die gegen endemische Pflanzen eingesetzt werden, ähneln nicht zuletzt auch in gewisser Art und Weise ganz anderen Maßnahmen im Hinblick auf moderne Völker“wanderungen“. Herr Storl setzt sich damit sehr informativ und umfassend auseinander.

Für den, der lernen möchte, der bereit ist, alle Sinne für neue Sichtweisen zu öffenen, ist dieses Buch von unschätzbarem Wert. ich kann nur sagen „Lest – lernt – setzt um“.

Für das einfachste Beispiel komme ich hier wieder auf das bereits oben erwähnte Drüsige Springkraut zurück, das zur großen Familie der Balsampflanzen gehört. Wie die angeriebenen Blätter des Wegerichs, können auch die angeriebenen des Springkraut als ein erstes kühlendes und abschwellendes Mittel bei Insektenstichen verwendet werden. Außerdem stellen die Blüten eine ausgezeichnete Bienen- und Hummelblütenweide dar, in dem sie ihnen bis weit in den Herbst hinein durch ihren Nektar und ihre Pollen Nahrung bietet, wenn viele Felder und Pflanzen schon nicht mehr blühen. Und wen die Pflanze dann immer noch stört, wer sie sich noch nicht mal in eine Vase stellen möchte, der isst mit dem Verzehr ihrer Samen gegen sie an.

Wer möchte da noch von einem feindlichen Einwanderer sprechen, der unserer Flora und Fauna angeblich nachhaltig Schaden zufügen wird?

Ich auf jeden Fall nicht!

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