Der Mensch wird am Du zum Ich

Zitat von Martin Buber – eine großartige und doch so einfache Weisheit!

Ihre Worte, mit denen sie zum letzten Weg ihrer Urne begleiten ließ, wirken noch immer so intensiv in mir nach, als hätte sie sie gerade eben erst verlesen lassen.

Und ihr „trotzdem war mein Leben schön“. Trotz dem jahrelangen Krebs, der sie uns entriss. Obwohl sie wusste, dass sie nun ihre so von Liebe zu ihr erfüllte Familie verlassen musste.

Der Mann, der sich vor ihrer Urne verbeugte, sprach davon, dass er vor wenigen Wochen, als sie den Ablauf für die Trauernden plante, auf eine starke, eine stolze Frau traf.

Ja.

So war sie.

Anders als die meisten anderen.

Wirklich anders.

Und doch so vertraut. So voller Leben und Liebe, dass es mir ein unendliches Geschenk war ist und bleiben wird, ihr begegnet sein zu dürfen. „Sprecht von mir, als wäre ich noch unter Euch“.

Ich bin so glücklich um die Wurzeln, die ihren Schlaf nun umarmen. Nun am Ende ihrer Schmerzen.

Neben diesem Schmerz, dieses Du nur noch in der Seele und ihren Erinnerungen zu spüren, leben zu lassen, es nicht mehr körperlich umarmen zu können. Ihr nicht mehr an einem sonnigen Tag begegnen und ihn mit ihr teilen zu können.

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde.

Entzückender Pilzwildwuchs und die Frage nach der Spinnenhäutung

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Im Töpfchen mit den ersten zarten Pfefferminzschößlingen wachsen unerwartet ganz entzückende Schwindlinge. Natürlich dürften sie bleiben. Ich bringe es nicht übers Herz, sie daraus zu vertreiben.

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Und am Wetterhäuschen drehte sich dieses Spinnehäutlein zart im Wind und ich muss zugeben, dass ich bisher überhaupt noch nie einen Gedanken daran verschwendet habe, ob sich Spinnen häuten oder nicht. Jetzt weiß ich es besser.

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Ganz erstaunlich finde ich ja diese zwei kugelig aufgeblähten Ballons ganz vorne an den vordersten Fangarmen.

Stashperlentauchen

Handarbeiten ist nicht nur ein Hobby für mich, nein, es ist viel eher eine Leidenschaft.

Und wie das mit Leidenschaften so ist, bergen sie die Tendenz zur Maßlosigkeit in sich.

Ich bekenne mich schuldig. Zur Leidenschaft. Und auch zur Maßlosigkeit innerhalb dieser Leidenschaft.

Als ich als Teenagerin nicht mehr von den Stricknadeln loskam, war das Stricken sehr zielgerichtet auf die Anleitungen und das Garn dafür. Auf dem Dorf gab es nur einen Laden mit Wolle, für eine größere Auswahl, musste man dann schon nach PB oder BI fahren.

Der nächste Meilenschritt war einige Jahre später mit Karlsruhe erreicht, wo ich, immer noch mit einer Wollquelle im Dorf, dort mehr oder weniger aus dem Vollen schöpfen konnte: Wolle-Känguru (das war so etwas wie ein Wollediscounter, mit wenn-weg-dann-weg, Grabbeltischen, keiner Beratung und einer ziemlich großen Auswahl), Wolle-Rödel, Kaufhäusern mit Wolle-Regalen, einem Laden mit den Edelgarnen von Anny Blatt, etc. und einem Laden abseits der Fußgängerzone, in denen man die Originalgarne für z. B. trendige Brigitte-Anleitungen bekam.

So gegen Ende der 1980er-Jahre flaute der Stricktrend merklich ab und in den Folgejahren schlossen viele Wolleläden und die Wege hin zu den noch vorhanden Wollequellen wurden wieder merklich länger und diese trotzdem heiß geliebt – exemplarisch dieser winzig kleine und doch so grandiose Wolleladen in Bammental! Und außerdem gab es da ja auch noch die Wollekataloge samt Anleitungen z. B. von Bergere de France.

Der nächste Meilenschritt erreicht mich Ende 2004, als ich nicht mehr nur noch leidenschaftliche Leserin der damals in ihrer Zahl noch sehr überschaubaren Strickblogs war, sondern ebenfalls mit dem Bloggen begann. Nicht lange danach eröffnete sich mir die bunte Welt der Handfärberinnen genau hier, an diesem Punkt zog die Maßlosigkeit in meinen Stash ein, mit „Hach, guck mal!“, „Oh! Mein! Gott! Diese! Färbung! MUSS! Ich! Haben!“ – schöne neue, bunte, wollleidenschaftliche Inet-Welt und all ihre Bestellmöglichkeiten. Der Stash wuchs beharrlich an, meist lust- nicht so oft projektorientiert. Die absoluten Höhepunkte darin waren das allererste deutsche ravelry-Treffen 2010 in Backnang, gefolgt von den Backnanger Wollfesten bis einschließlich 2015. Seit 2010 hat sich in dieser Hinsicht viel mit Wollfesten an anderen Orten in der ganzen Republik getan, was ein wahrer Wollsegen war und ist, aber eben auch den Stash stetig vergrößerte.

Irgendwann verliert man dann den Überblick, weiß gar nicht mehr, was da alles an Bestand daheim lagert, bis man sich damit konfrontiert und sprachlos ist. Nein, ich ersaufe nicht in Garnen und verglichen mit anderen weiß ich schon, dass da noch wesentlich mehr lagert als bei mir, aber das, was ich habe, das reicht nun definitiv.

Vorletztes Jahr habe ich meinen gesamten Garnvorrat gesichtet und dann etwas gemacht, was ich bis dato nicht für durchführbar gehalten hätte: Ich sortierte gnadenlos alles aus, was mir an Garn nicht mehr gefiel und von dem ich sicher war, dass ich es auch nicht mehr verarbeiten würde. Auch unzählige Reste in allen möglichen Farben waren dabei. Einen Teil hatte ich schon vorher an den Kindergarten und für eine ehrlicherweise im Nachhinein maßlose Geburtstagsüberraschung gespendet. Alles was zu hochwertig für Basteleien, nicht von Polytieren geschoren und noch sehr ansehnlich war, legte ich sorgfältig zu einem Farbrad von weit über 15 kg Gewicht zusammen, das ich fotografierte und dann für einen Startpreis von 1 € bei ebay einstellte. Mein Schatz war davon überzeugt, dass dieser Versuch in die Hose gehen würde, aber ich wollte einfach wissen, was passieren würde und das Ergebnis war ein Verkauf zu einem sehr ansehnlichen Preis und das unbezahlbare Gefühl, überflüssigen Ballast abgeworfen zu haben. Seither habe ich noch so einige handgefärbte Stränge einfach so verschenkt, zum Verkauf freigegeben oder auch getauscht.

Ich habe einen schönen Stash, den ich mir gerne anschaue – aber auch noch viel lieber endlich verarbeiten möchte!

Denn was bringt es mir, wenn ich meine Schätzchen nur hege und pflege, wenn ich doch so gerne handarbeite? Das ist alles nichts gegen das gute Gefühl, sie zu verarbeiten, die Strickstücke an mir liebe Menschen zu verschenken und sie voller Leidenschaft für diese herrlichen Materialen selber zu tragen!

Keine Bange, ich stricke nicht nur.

Da wären dann auch noch Häkeln, Sticken, Filzen, Papier, Knöpfe, Perlen, …

Wir können alle was für Vögel, Insekten, Pflanzendiversität machen!

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Dieser Leserbrief spricht mir so aus der Seele!

Allenthalben wird in unterschiedlichsten Medien auf einen dramatischen Rückgang der nicht nur heimatlichen Vogel- und Insektenbestände hingewiesen.

Tut sich in der Natur was dagegen bzw. für diese unsere Mitlebewesen?

Nein.

Bis ins Frühjahr hinein folgte an vielen Strassen und auch an Bahntrassen ein radikaler Kahlschlag und das direkt vor der Brutsaison, was nicht nur für Vögel, sondern auch für Kleintiere verheerende Folgen hat.

Landwirtschaftliche Felder fließen immer größer ineinander und bepflanzte, trennende Feldraine werden immer weniger. Dabei sind gerade sie für z. B. wildlebende Bienen, Hummeln sowie auch Schmetterlinge überlebenswichtig.

Also darauf warten, dass sich von oben her etwas durch Gesetze, Bestimmungen und Verordnungen etwas ändert?

Das ist mir zu wenig.

Machen können wir alle etwas, indem wir unsere Balkone und Gärten wieder mit Leben füllen. Nicht mit Styling, sondern mit Pflanzen, die nicht einfach nur grün sind, sondern mit Pollen und Nektar nur so um sich werfen. Noch vor 20 – 30 Jahren war es ganz normal, dass, wenn man einen Garten ums Haus hatte, darin Obstbäume standen. Und heute, in wievielen Gärten siehst Du heute noch Apfel-, Birnen-, Kirsch- oder Pflaumenbäume?

Mal ganz abgesehen davon, dass man eigenes Obst ganz besonders zu schätzen lernt, sind diese Bäume auch Nahrungs- und somit Lebensraum für Insekten und auch Vögel.

Und auch, wenn man keinen Garten, sondern z. B. „nur“ einen Balkon hat, kann man ihn mit Natur, Genuß und sogar einem eigenen Bienvolk erfüllen, wie es das Garten Fräulein so herrlich lebt.

Ihr wollt mündige Bürger sein und Flagge zeigen?

Gut so!

Fangt damit in Euren Gärten und auf Euren Balkonen für eine bessere Umwelt an.

Ja, vielleicht ist es für uns alle schon kurz nach 12, aber ist das ein Grund, gar nichts mehr zu tun?!