Stashperlentauchen

Handarbeiten ist nicht nur ein Hobby für mich, nein, es ist viel eher eine Leidenschaft.

Und wie das mit Leidenschaften so ist, bergen sie die Tendenz zur Maßlosigkeit in sich.

Ich bekenne mich schuldig. Zur Leidenschaft. Und auch zur Maßlosigkeit innerhalb dieser Leidenschaft.

Als ich als Teenagerin nicht mehr von den Stricknadeln loskam, war das Stricken sehr zielgerichtet auf die Anleitungen und das Garn dafür. Auf dem Dorf gab es nur einen Laden mit Wolle, für eine größere Auswahl, musste man dann schon nach PB oder BI fahren.

Der nächste Meilenschritt war einige Jahre später mit Karlsruhe erreicht, wo ich, immer noch mit einer Wollquelle im Dorf, dort mehr oder weniger aus dem Vollen schöpfen konnte: Wolle-Känguru (das war so etwas wie ein Wollediscounter, mit wenn-weg-dann-weg, Grabbeltischen, keiner Beratung und einer ziemlich großen Auswahl), Wolle-Rödel, Kaufhäusern mit Wolle-Regalen, einem Laden mit den Edelgarnen von Anny Blatt, etc. und einem Laden abseits der Fußgängerzone, in denen man die Originalgarne für z. B. trendige Brigitte-Anleitungen bekam.

So gegen Ende der 1980er-Jahre flaute der Stricktrend merklich ab und in den Folgejahren schlossen viele Wolleläden und die Wege hin zu den noch vorhanden Wollequellen wurden wieder merklich länger und diese trotzdem heiß geliebt – exemplarisch dieser winzig kleine und doch so grandiose Wolleladen in Bammental! Und außerdem gab es da ja auch noch die Wollekataloge samt Anleitungen z. B. von Bergere de France.

Der nächste Meilenschritt erreicht mich Ende 2004, als ich nicht mehr nur noch leidenschaftliche Leserin der damals in ihrer Zahl noch sehr überschaubaren Strickblogs war, sondern ebenfalls mit dem Bloggen begann. Nicht lange danach eröffnete sich mir die bunte Welt der Handfärberinnen genau hier, an diesem Punkt zog die Maßlosigkeit in meinen Stash ein, mit „Hach, guck mal!“, „Oh! Mein! Gott! Diese! Färbung! MUSS! Ich! Haben!“ – schöne neue, bunte, wollleidenschaftliche Inet-Welt und all ihre Bestellmöglichkeiten. Der Stash wuchs beharrlich an, meist lust- nicht so oft projektorientiert. Die absoluten Höhepunkte darin waren das allererste deutsche ravelry-Treffen 2010 in Backnang, gefolgt von den Backnanger Wollfesten bis einschließlich 2015. Seit 2010 hat sich in dieser Hinsicht viel mit Wollfesten an anderen Orten in der ganzen Republik getan, was ein wahrer Wollsegen war und ist, aber eben auch den Stash stetig vergrößerte.

Irgendwann verliert man dann den Überblick, weiß gar nicht mehr, was da alles an Bestand daheim lagert, bis man sich damit konfrontiert und sprachlos ist. Nein, ich ersaufe nicht in Garnen und verglichen mit anderen weiß ich schon, dass da noch wesentlich mehr lagert als bei mir, aber das, was ich habe, das reicht nun definitiv.

Vorletztes Jahr habe ich meinen gesamten Garnvorrat gesichtet und dann etwas gemacht, was ich bis dato nicht für durchführbar gehalten hätte: Ich sortierte gnadenlos alles aus, was mir an Garn nicht mehr gefiel und von dem ich sicher war, dass ich es auch nicht mehr verarbeiten würde. Auch unzählige Reste in allen möglichen Farben waren dabei. Einen Teil hatte ich schon vorher an den Kindergarten und für eine ehrlicherweise im Nachhinein maßlose Geburtstagsüberraschung gespendet. Alles was zu hochwertig für Basteleien, nicht von Polytieren geschoren und noch sehr ansehnlich war, legte ich sorgfältig zu einem Farbrad von weit über 15 kg Gewicht zusammen, das ich fotografierte und dann für einen Startpreis von 1 € bei ebay einstellte. Mein Schatz war davon überzeugt, dass dieser Versuch in die Hose gehen würde, aber ich wollte einfach wissen, was passieren würde und das Ergebnis war ein Verkauf zu einem sehr ansehnlichen Preis und das unbezahlbare Gefühl, überflüssigen Ballast abgeworfen zu haben. Seither habe ich noch so einige handgefärbte Stränge einfach so verschenkt, zum Verkauf freigegeben oder auch getauscht.

Ich habe einen schönen Stash, den ich mir gerne anschaue – aber auch noch viel lieber endlich verarbeiten möchte!

Denn was bringt es mir, wenn ich meine Schätzchen nur hege und pflege, wenn ich doch so gerne handarbeite? Das ist alles nichts gegen das gute Gefühl, sie zu verarbeiten, die Strickstücke an mir liebe Menschen zu verschenken und sie voller Leidenschaft für diese herrlichen Materialen selber zu tragen!

Keine Bange, ich stricke nicht nur.

Da wären dann auch noch Häkeln, Sticken, Filzen, Papier, Knöpfe, Perlen, …

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