Zutiefst urmütterlich

Das urmu in Blaubeuren ist in vielerlei Hinsicht ein herausragender Genuss für museal Beflissene und da es mir zu einfach erscheint, in einem Beitrag gleich alles herunter zu beten, was es zu entdecken gibt, erfreue ich mich damit häppchenweise und so verweile ich nun mitten im Zentrum in der Urmütterlichkeit:

DSC09651

Die Reihenfolge der Ausstellungsräume und -stücke ist eine besonders gelungene Komposition, die zum Entdecken, Staunen, Träumen und zur Auseinandersetzung einlädt und für hier gäbe es für mich tatsächlich kein besseres als dieses eine Wort: Frau.

Genau in der Mitte, da stehen sie, die Repliken all dieser archäologischen Frauenschätze – Mater an Mater, Venus an Venus aus dem Gravettien, und somit zwischen stolzen 28.000 und 23.000 Jahren alt:

DSC09646

Sie alle aus einer Zeit, die so ganz anders ist als die Moderne in der wir leben – augenscheinlich war es aber schon damals eine Selbstverständlichkeit, etwas Unvergängliches festzuhalten: Die pure Weiblichkeit an sich, denn unübersehbar ist ihnen fast allen eines gemeinsam: Schwere, große Brüste, schwere Bäuche, Pos und Hüften. Das sind keine jungen, zarten Mädchen an der Schwelle zum Frausein, sondern meist Frauen, die geboren, Kinder getragen, Leben weitergegeben haben. Und ebenso augenscheinlich hat wohl gefallen, was man da sah, denn sie stehen alle aufrecht da. Nicht verschämt ihre Massen verbogen bedeckend.

Ich weiß nicht warum, aber sie hier, sie zog mich am stärksten an:

DSC09647

Unsere Zeit definiert solche Frauen als, vorsichtig ausgedrückt, unschön, krank, fett, dumm, ungepflegt, willensschwach, unverschämt der Gesellschaft gegenüber, als Versagerinnen. Viel zu oft sind hier perverserweise Frauen die aggressivsten Gegnerinnen ihrer so aus dem Rahmen fallenden Geschlechtsgenossinnen.

Im Gegensatz dazu im gleichen Raum auch das schräge Plastikfrauenbild unserer Zeit:

DSC09650

Zumindest eines ist mal sicher: Barbie & Co werden die nächsten 23.000 – 28.000 Jahren in der Vitrine definitiv nicht so unbeschadet überstehen wie die ganze Materrunde zusammen genommen.

Ich habe hier sehr viel für mein Selbstverständnis mitnehmen können.

Holunderelfe

Über das Blog Lebendige Handarbeit und zwar, um es genau zu sagen, über diese herrliche Freiform Mütze mit Kringel, entdeckte ich die Zeitschrift Holunderelfe und – keine Frage, ich habe ein großes Herz für kreative Individualisten – musste ich die ersten beiden Ausgaben unbedingt bestellen, was ich absolut nicht bereue:

20170619_192241.jpg

Die Zeitschrift selbst erinnert mich an Das Lavendelschaf, an dem ich von 2005 bis 2010 mitschreiben durfte, woran ich mich mit sehr viel Freude erinnere und alle meine Ausgaben weiter als großen Wissens- und Informationsschatz hüte.

Trotz den Ähnlichkeiten steht die Holunderelfe nichtsdestotrotz ganz für sich selber auf beiden Beinen und ich bin schon sehr gespannt auf die nächste Ausgabe, die ich mir unbedingt auch wieder bestellen möchte.

P. S.: Die Sommerelfe kann jetzt bereits bestellt werden ;)!

Ich brauch keinen Tag, der mich daran erinnert, dass ich Dich liebe

Nur Deine Blicke, Deine Stimme, Dich.

 

Ich brauch kein Essen im Nobelrestaurant.

Nur die Nahrung, die Du meiner Seele gibst.

 

Ich brauch kein Gold von Dir, keinen Karfunkelstein.

Nur den Wert Deiner Worte in Gedanken und im Schweigen.

 

Ich brauch keine Versprechen von Dir, keine Wolkenschlösser.

Nur mein Leben mit Dir.

 

All diese geliebten Jahre.

 

Wenn einmal im Jahr der Granatsplitter ruft!

In Heidenheim begegnete ich ihm vor vielen, vielen Jahren das erste Mal, da nannte man ihn Bergsteiger.

Wer beide nicht kennt, sollte dem Link zur Beschreibung dieser kleinen, leckeren Geschmacksbombe folgen.

Ja, genau so soll er nämlich sein: Fein, klein, da sehr mächtig.

Als ich von der Feier letztens gen Daheim fuhr, da überkam mich plötzlich der Granatsplitter-Gusto und ich wusste, dass ein Café direkt am Weg liegen und mir helfen würde, mich durch zartbittrige Kuvertüre hindurch ins cremig stückige Vergnügen zu knacken.

In der Auslage lagen tatsächlich Granatsplitter. Doch, oh Graus, schlagartig verging mir der Appetit, denn statt einem kleinen, feinen Splitter schwitzen sie dort mit Vollmilchkuvertüre überzogen in einer Größe vor sich hin, die einen spontanen HbA1c-Overkill zur Folge gehabt hätte und an die Hinterlassenschaft mindestens eines Tyrannosaurus Rex gemahnte … lecker sah das nicht mehr aus …

Vier Tage hätte ich an diesem Riesenteil essen müssen, um es ganz zu besteigen. Mindestens!

Mit Genuss hat für mich sowas nichts mehr zu tun, eher mit einer ich-stopf-in-mich-rein-bis-ich-fast-platze-XXL-Fress-Challenge ohne Sinn und Verstand.

Tschüss, Granatsplitter – bis nächstes Jahr. Vielleicht!

 

 

Zwei glückliche dicke Mädchen

20170617_112049

Flohmärkte sind toll.

Früher konnte ich es gar nicht abwarten alles zu sehen, finden, entdecken zu können. Heute bin ich da wesentlich entspannter und besuche sie nach der Devise „Was zu mir gehört, wird da sein und was ich nicht gesehen habe, das war halt gerade in dem Moment – und wenn es ganz genau etwas ist, dem ich nicht hätte widerstehen können – nicht das, was zu mir wollte.“

Das dicke lesende Mädchen saß inmitten vieler Sachen, die es auffällig überdeckten, so dass es inmitten von ihnen völlig unauffällig, fast unsichtbar, wurde.

Mein Blick wollte an ihr vorbeigehen, aber irgendwie hielt sie ihn mit ihrem Buch, ihrem Nanakörper, ihrem Pferdeschwanz, ihrem Kleid und ihrem Lächeln fest und so hob ich sie auf, setzte sie zärtlich in meine Ellbogenbeuge und schlenderte an all den Sammeltasen, dem angeschlagenen, traurigen Wedgewoodtellerchen, dem ich seit geschlagenen drei Jahren immer wieder begegne, den Zinnbechern, ausgeblichenen Kerzen, alten Gürteln und Backformen vorbei, um sie auszulösen.

Daheim setzte ich sie neben meine Pflanzennamensschwester, füllte und leerte x-mal die Gießkanne und gab, als auf dem Balkon niemand mehr Durst hatte, ihren Namen von der Unterseite in das www-Suchfenster ein, staunte sehr und dann bekam sie einen neuen Platz von mir, ihr, die so wundervoll neben meine Pflanzennamensschwester passt, die es aber verdient, nicht in der prallen Sonne, sondern neben Büchern zu sitzen, die sie und mich glücklich machen.