Einfach mal malen

Kreativität war von Beginn meines Lebens an ein großes Thema.

Sobald ich einen Stift halten konnte, malte ich mit großer Begeisterung Portemonnaieknöpfchen. Später dann Kühe, Schweine, Meerjungfrauen.

Wie gesagt, durch mein ganzes Aufwachsen hindurch war Kreativität ein großes Thema. Für alles mögliche. Außer Malen.

Ich malte mich für mich durch bis in den Kindergarten, wo der freundliche Schutzpolizist mein Bild in die Höhe hielt, weil doch auf dem richtigen Fußgängerschild kein Schornsteinfeger zu sehen sei und in die Schule hinein. Mit großer Lust und Freude daran. Unermüdlich durch jede Kunststunde. Nur mein Erfolg damit, der blieb äußerst mäßig. Nein, ich konnte nicht gut malen. Um so größer war mein Erstaunen, als ich ausgerechnet beim letzten Malprojekt in der 10. Klasse, einer Hinterglasmalerei, eine 1 bekam, die mich kalt erwischte. Sie blieb ein einsamer Erfolg, in der Oberstufe gab es keinen Kunstunterricht mehr für mich.

Ich malte weiter: Meist Telefonnotizwerke und ich liebte es abstrakt: Augäpfel in geöffneten Mündern, statt Zähnen und Zunge und Mündern statt Augen. Für meine Kinder malte ich bestimmt 2.477 Haifische und einmal bei einem Fest im Kindergarten die Gesichter aller Kinder an.

Wenn ich malte, dann für mich, denn malen kann ich ja nicht.

Ich verehr(t)e die Malkunst von Frieda Kahlo, versuchte mich an einer dicken, nackten Man Ray-Violinen-Frau – natürlich nur für mich – fand Gefallen an Nanas, Klimt, Botero, überhaupt an Kunst.

Als das jüngste Kind so 3 Jahre alt war, belegte ich über die VHS einen Ausdrucksmalkurs. Was für eine Lust, auf riesigen Papierbögen nur mit den Händen als Malwerkzeug zu malen! Was für eine Freude dabei und später bei der Besprechung durch die Kursleiterin. Mit mir malten Ältere und Jüngere als ich, aber ich war die Einzige, die nicht im Abstrakten blieb, sondern figürlich malte und das, so wurde mir erklärt, sei ungewöhnlich, weil die meisten Erwachsenen, die, so wie ich, davon überzeugt sind, nicht malen zu können, vor lauter Scham nicht dort anknüpfen, wo sie als Kinder/Heranwachsende aufgehört haben zu zeichnen.

Immer wieder nehme ich mir vor, wieder zu malen, vergesse oder verdränge es dann  immer wieder. Anfang des Jahres schenkte ich mir ein Skizzenbuch und eine kleine, günstige Zeichengrundausstattung, einfach um mich selbst ein bischen zu motivieren und das zu machen, wozu die Kursleiterin einst riet: Das Denken abschalten und einfach mal malen. Für mich selbst, für niemanden sonst, ganz ohne irgendwelche Ansprüche, was am schwierigsten ist.

Ja, ich kann nicht malen, aber trotzdem das, was ich an diesem Abend auf dem Balkon vor mir sah, einfach mal auf das erste Blatt des Buches fließen zu lassen, das war und ist ein wirklich gutes Gefühl – Noten brauchts dafür sowas von überhaupt gar nicht. Gut, dass dieses Thema abgeschlossen ist!

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