An mir gibt es viel zu verbergen

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Ich weiß nicht, wie das mit Euch so ist, ich aber kann an einer solchen Installation nicht vorbeigehen, ohne zu versuchen mich in ihr zu spiegeln. Ich finde, die Spiegelung mit sich selbst ist doch letztendlich die Intention jeglicher Kunst.

Ich spiegelte so vor mich hin, als eine ältere Frau mit dem Juchzer neben mich trat „Das macht mich ja ganz schlank!“ – Schlank?! Ja, nee, da konnte ich mich drehen und wenden wie ich wollte, schlanker machte mich die Spieglei nun wirklich nicht.

Schon kam die nächste nach, eine jüngere diesmal „Schlank? Ja, dass muss ich ausprobieren. Ich habe so viel zu verbergen!“ Ja, nee, auch da konnte ich mich drehen und wenden wie ich wollte, diese Dame war doch tatsächlich vor und im Spiegel, schlank, wunderschön, große Augen, volle Lippen, groß, mit allen Proportionen an den richtigen Stellen, Was ich ihr komplimentierend auch sagte. Ich, die mit den kleinen Augen, den schmalen Lippen, dem kürzeren und voluminösem Körper. „Ach“ sagte sie sich rötend und mit viel Traurigkeit „Ach, es gibt so viele Stellen an mir, die zu verbergen sind“ und mir fehlten die Worte vor soviel trauriger Schönheit und als sie mich niedergeschlagen ansah, da wiederholte ich noch einmal, dass sie wunderschön ist, stellte mich neben sie vor den Spiegel und wies erst auf sie, dann auf mich.

Sie ging mit ihrem traurigen Lächeln, ich blieb und spiegelte erst sehr nachdenklich, dann froh über all das, was mein Leben zu einem glücklichen macht.

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