Grashüpfervoyeurismus

Da geh ich in der Abenddämmerung mit der Kamera wegen etwas ganz anderem in den Garten und da seh ich diesen Grashüpfer mitten auf einer halbverblühten Rosenblüte sitzen, der sich anschickt auf eines der Blätter zu schleichen.

„Schickes Mimikri“ denke ich mir, drückte auf den Auflöser, nur am dann später am PC ausgerechnet diese Aufnahme zu löschen.

War die einzige scharfe Aufnahme des Hüpfers, aber macht nix, denn was dann passierte, damit hatte ich nicht gerechnet:

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Da kommt noch ein zweiter vorbei und die beiden versinken doch glatt im Liebesspiel! Meine Güte, wer rechnet denn mit sowas?

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Sie ist übrigens rechts, er links.

Grashüpfer beim Liebe machen – das ist für mich Premiere, weckt sogleich aber den Forschergeist in mir, denn wie geht es denn jetzt weiter? Wie lange dauert das? Wird sie gleich Eier legen? Und wenn ja, wohin? Und was für eine schöne rote Färbung seine Liebste auf dem Rücken trägt!

Zumindest den Blitz an der Kamera habe ich dann gschamig ausgemacht, weshalb die nächsten Bilder etwas verschwommen sind, aber ich knipse ja auch nicht mit einem Hightechgerät:

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Hier hat sich der Galan (immer noch links) von seiner Herzensdame (immer noch rechts) bereits schon wieder getrennt, nachdem er ihr seine Spermatophore aufgeklebt hat, worüber ich mich auch erst einmal schlau machen musste. Kurz danach verschwand er in der Dunkelheit.

Und was macht die Dame?

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Ab hier streikte die Kamera, es wurde ihr schlicht zu dunkel, aber ich blieb noch ein bischen da und wunderte mich, da sie ihren Unterleib nach vorne krümmte und es so aussah, als würde sie das weißliche Gebilde auffressen.

Ja, das macht sie wirklich, wie in dem Link oben nachzulesen ist. Die Fortpflanzung der Grashüpfer ist ziemlich skurril aber auch ganz schön interessant.

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Reisend

Die Landkarte die ich bin

Voller Berge Täler

Untief und hoch

Bleibt mir manches selbst verborgen

Was ich zu kennen glaubte

Wälder wie Narben

Trockene Meere

Feuchte Wüsten

Meine Haut der Dünger meiner Äcker

Die sich losgelöst von meiner Seele

Formen, wachsen, ändern, fruchten,

Vergehen um sich neu zu errichten

Die Schwalben sammeln sich

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Es ist wieder diese Zeit im Jahr, in der die Rauchschwalben sich sammeln.

Es ist mir immer eine große Freude sie dabei zu beobachten. Seit einigen Jahren aber ist das fröhliche Treiben mir mit immer größer werdender Traurigkeit verbunden, denn es ist nicht mehr zu übersehen, dass sie von Jahr zu Jahr weniger werden.

Dabei leben wir am Dorfrand, fast in Spuckreichweite Feld, hinter Feld, hinter Feld und in einem der vordersten übrigens in diesem Jahr mal wieder Mais, doch in diesem wachsen dort, wo die Pflanzen sonst mickrig sind, wahre Monsterstängel, die dem Gatten nur ein trockenes „Die tragen auch keine größeren Kolben als sonst“ entlockte.

Traurig. Und mein Grundoptimismus schrumpft immer stärker zusammen …

Es grüßt der Tigerschnegel

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Dieses Jahr war die Scheckenplage im Garten nicht so schlimm wie im letzten, was, daran glaube ich ganz fest, an unseren Tigerschnegeln liegt.

Alle Schnecken mit Häusern habe ich gerne und sie dürfen bleiben wo sie sind; die roten und die braunen Nacktschnecken aber, die sind eine grausliche Plage und schön finde ich sie auch nicht.

Das ist beim Tigerschnegel mit seinem Leopardenmuster ganz anders – wunderschön sehen sie aus!

I am a natural born Schisser

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Einen solchen Mut zur Luftfahrerei zu haben muss wunderbar sein!

Ich habe ihn nicht.

Als Kind kam ich problemlos auf die höchsten Bäume rauf, runter getraut habe ich mich aber nur dann, wenn mein Vater unten an der Wurzel stand und mir genaueste Anweisungen gab, wo ich welchen Fuß und welche Hand abwärts hin zu setzen hatte. Auf dem Fliegerhorst war ich auch mal in einer Noratlas drin, nur abgehoben bin ich weder mit ihr noch einem anderen Fluggerät.

Ich habe eine junge Kollegin mit massiver Höhenangst, deren Leidenschaft trotzdem das Fallschirmspringen ist und ich bewundere sie dafür aus tiefstem Herzen.

Da ich noch nie geflogen bin, vermisse ich es auch nicht, da ich ja gar nicht weiß, ob ich es wirklich mögen würde. Vielleicht fände ich es ja ganz entsetzlich. Und wenn ich nie erfahren werden würde wie es wäre, fände ich es auch nicht weiter schlimm, denn es gibt so viel anderes, worüber und worauf ich mich freuen kann, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren.

In der warmen Jahreszeit fliegen immer wieder Heißluftballons aus allen Richtungen an unseren Fenster vorbei und ich freue mich jedes Mal wie ein Kind, wenn ich einen sehe. Lasse dann alles stehen und liegen um zu sehen, wohin es für ihn und die Menschen unter ihm weiter geht. Einmal war einer so tief, dass ich problemlos nach oben und die oben problemlos nach unten zu mir winken und wir uns gegenseitig lachen hören konnten. Das war wirklich fein.

Solche Momente sind voller freudiger Magie für mich, in denen meine Phantasie abhebt und die ich sehr genieße.

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Pastrami auf die Hand!

Ich las Bücher, in denen der Held, die Heldin ein Pastrami-Sandwich aß. Ich sah Pastrami-Huldigung-Dokus. Ich las in Blogs darüber. Das Sandwich begegnete mir im TV und auf der Kinoleinwand und es dauerte viele Jahrzehnte, bis ich auch eines auf die Hand und in den Mund bekam und – ja – nun verstehe warum, wieso, weshalb. So unglaublich lecker!

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Der Automechaniker unseres Vertrauens ist nicht nur ein aufs Beste versierter Schrauber, er war es auch, der schon letztes Jahr in höchsten Tönen das Loblied auf die Alte Wutz der Metzgerei Brath in Karlsruhe sang.

Und nun singe ich:

Seht Ihr das Pastrami-Schild vor dem Laden auf dem Gehweg stehen, dann tretet ein und bestellt Euch eines, damit Ihr wisst, was Ihr bis dato vermisst habt! Frisch zubereitet, ein feines Senf-Dressing, dieses hauchdünn aufgeschnittene, zarteste Pastrami, der Karotten-Kraut-Salat und drumrum ein knusprig perfekter Pattie!

Ich war leider noch nie selber bei Katz’s Delicatessen in New York zu Gast und wage ob meines flugunwilligen Gatten leider auch nicht zu behaupten, dass das jemals passieren wird und so beharre ich jetzt einfach aus vollster Überzeugung darauf, dass es stimmt, dass das Pastrami-Sandwich dort tatsächlich das der Welten beste ist, das zweitbeste aber, dass gibt es bei Braths! Jawohl!

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Natürlich gibt es noch sehr viel mehr an der großen Theke zu entdecken und zu erschmecken und wenn schon Fleisch, dann bitte wie hier kein gequältes und schlecht verarbeitetes voller Chemie, sondern Fleischkunst ohne Chemie auf höchstem Niveau, für das wir sehr gerne einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen.

Und dann noch die Menschen hinter der Theke:

Selten welche erlebt, die so mit Spaß an der Arbeit waren, ganz egal ob das nun die Chefin, der Chef oder das gesamte Team war. Jede/r mit einem Lächeln auf den Lippen, mit sehr viel Freundlichkeit – einfach sehr, sehr nett. Ein herzliches „Danke schön“ von mir dafür.

Also bitte: Hört auf Euren Autokumpel, wenn er Euch von gutem Essen erzählt und dann singt selber weiter davon!