Hätte ich

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Hätte ich wie alle neben mir nur auf meinem Handy gewischt, dann hätte ich sie nicht gesehen, die tief einfliegende Taube mit dem veritablen Stöckchen im Schnabel, die von unten hier in die Baumkrone schlüpfte.

Manchmal sitze ich nur da, schaue zu und wundere mich: Über Menschen, die blicklos, die Straße, die Gleise betreten, vertieft in ihr bewischtes Display. Über Frauen, die wie gebannt auf den Inhalt ihrer Hände starren, während sie Wägen schieben, aus denen Kinder halb heraushängen und versuchen, mit dem Asphalt, ihren Füßen oder Autoreifen zu kommunizieren.

Unglaublich, wie sehr diese multifunktionalen, portablen Telefone unsere Leben, unsere Umwelt und die Art und Weise in ihr zu leben und sie wahrzunehmen, verändert haben. Schon nützlich, für mich vor allem die eingebaute Kamera, aber von der Gesamtheit her sehe ich vieles daran sehr kritisch, mal ganz davon abgesehen, dass da Verknüpfungen entstehen, die auch mir in ihrer Umfassenheit immer wieder neu sind. Im Urlaub schaltete ich aus Gründen erstmals die GPS-Funktion ein, machte später für meinen Mann Photos, war zu abgelenkt, die auf dem Display erscheinende Nachricht gründlich zu lesen, wischte (sic!) sie weg und – schwupps, hast Du nicht gesehen – merkte ich nicht, dass G**gle die Bilder auf seiner virtuellen Landkarte veröffentlichte, was mir erst bewusst wurde, als ich die Mitteilung bekam, ich hätte innerhalb von kürzester Zeit einen Traffic von 5.000 interessierten Ansehern erreicht.

Bitte, wie pervers ist das denn?

Meine Konsequenz daraus: ich lasse es noch viel öfter stecken und überlege mir sehr genaus, was, wie, wo und wann.

Nehme lieber ganz bewusst wahr, was um mich passiert. Sehe, rieche, schmecke, fühle.

Ich weiß nicht, wie Ihr das seht, ich aber bin zunehmend widerständlich angenervt.

 

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4 Gedanken zu „Hätte ich

  1. und ich freue mich, dass es Menschen wie sie/dich gibt und deren „Denke“ meiner nicht unähnlich ist und die dazu stehen, manchmal eben eine andere Sicht der Dinge zu haben (statt dem Mainstream zu folgen). Bitte weiter so! Danke! Ka

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  2. Da schließe ich mich doch auch gern an. Lange habe ich das smartphone verweigert, jetzt mag ich es nicht mehr missen, für viele was es kann. Wie so oft ist halt ein kritischer Umgang damit das, was hilft. Die Vorteile nutzen und es beizeiten einfach wegstecken oder gar ausschalten. Liebe Grüße, Christine

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    • Genau so liebe Christine – es nutzen, sich aber nicht davon beherrschen lassen, was manchmal gar nicht einfach ist.
      Herzlichen Dank Dir für Deine Worte, die Du hier gelassen hast, worüber ich mich sehr freue,
      Ev

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