Was glaub ich?

Schwierige Frage.

Schwieriges Thema.

Ich bin protestantisch geprägt aufgewachsen. Einem stolzen Protestantismus, der zutiefst der inneren und gelebten Überzeugung entsprach, der aber nicht kirchlich stattfand.

Ich bin gerne und alleine in die Kirche zum Gottestdienst gegangen, habe an die Zeit des Unterrichts bis hin zur Konfirmation nur gute Erinnerungen.

Ich war in einer katholischen Jugendgruppe, weil es keine andere gab und später in einer sehr überzeugt ökumenisch stattfindenden.

Ich bin immer gerne zum Religionsunterricht gegangen, weil es mir gefiel, dass dort allermeistens offen diskutiert werden konnte. Nur einmal stieß ich in der 8. Klasse auf heftigen Widerstand seitens des Lehrers bei meiner Frage, ob es nicht sein könne, dass der moderne Mensch aus einer Genmutation heraus entstanden ist.

Zweimal in meinem Leben bin ich im wahrsten Sinne des Wortes christlichen Seelsorgern begegnet, die mich tief beeindruckten, noch beeindrucken: Der erste, ich war damals so in der 6./7. Klasse, war ein katholischer, der unsere Schulgottesdienste abhielt. Voller Freude, Schwung, Charisma, Verve. Ich weiß nicht mehr wie er hieß, aber dass er zum Glauben in amerikanischer Kriegsgefangenschaft über die Gottesdienste der farbigen Amerikaner kam und sein Leben fortan daran ausrichtete. Er strahlte eine geradezu fassbare positivste Lebensfreude aus.

Der zweite ist ein evangelischer, der sich seine Entscheidung, diesen Lebensweg zu wählen nicht leicht machte, vor allem auch durch das System, in dem er lebte. Wo der erste regelrecht sprühte, strahlte er eine nahezu hypnotische Ruhe aus. Ja, er ruhte regelrecht in sich selbst mit jederzeit offenen Händen für die Seele gegenüber. In einem Moment tiefster Verzweiflung half er mir nach meinem Hilferuf diese Situation durchzustehen, ohne in Wut und Ärger zu straucheln, sondern auf einen tieferen Sinn zu vertrauen und das, was passierte, zuzulassen, sogar Verständnis statt Hass dafür zu entwickeln.

Das System Kirche war mir bereits zu diesem Zeitpunkt nahezu völlig abhanden gekommen, wären aber nicht hunderte Kilometer zwischen uns gewesen, hätte ich es zumindest probiert, wieder regelmäßig in die Kirche zu gehen.

Das sind meine positivsten Erlebnisse in Bezug auf die Kirche und mich.

Es gibt aber auch noch eine andere Seite:

Ein Klassenkamerad, der ganz kurz vor Weihnachten mit seinem Zweirad auf dem Heimweg tödlich verunglückte und unser Pfarrer, der die Weihnachtspredigt dazu nutzte, den Leichtsinn uns Jüngerer abzukanzeln wegen der Schmerzen, den wir dadurch unseren Eltern zufügen. Da war dieser katholische Pfarrer, der sich nach der Trauung voller Wut mit der Bemerkung „Hätte ich das gewusst, hätte ich sie nie getraut“ abwandte, weil vor der Kirche ein Spalier der befreundeten Motorradfahrer stand. Und da war die ehemalige ökumenische Jugendgruppe, die ich nach vielen Jahren wiedertraf und von dort zu hören bekam „Nein, zwischen Konfessionen darf man nicht heiraten, das ist nicht gottgefällig!“. Nicht gottgefällig? Ich drehte mich um und ging.

Ich gehe weiter gerne in Kirchen, um sie mir anzusehen und bei manchen, so wie der Klosterkirch Lobenfeld, berührt mich etwas, was ich nicht näher beschreiben kann, was aber in mir eine Saite zum Klingen bringt, die mir durch und durch geht. Mag sein, dass diese Räume der Menschen durchtränkt sind, die hier glaubten, hofften, beteten.

Die Institution Kirche aber, egal welche Konfession, ist mir mit den Jahren immer stärker abhanden gekommen. Ich halte es mit Georg Danzers „Gott statt Religion“.

Früher habe ich gesagt, ich bin ein christlich gläubiger Mensch. Heute sage ich von mir, dass ich ein spiritueller Mensch bin. Innerlich hat sich nichts geändert, nur in meinem äußerlichen Umgang. Wobei es bei mir nicht so weit ist, dass ich aus der Kirche austreten möchte, denn meine geleistete Kirchensteuer sehe ich als Beitrag in eine Solidargemeinschaft, die eben auch viel Gutes leistet.

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2 Gedanken zu „Was glaub ich?

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