Wir wissen woher unser Fleisch kommt!

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Vor einem Jahr lud so ein örtlicher Vermarkter zum Tag der offenen Tür auf einen Geflügelhof ein. Auf diesem Hof werden Puten, Gänse, Enten gezüchtet, die den Grundstock für eine Metzgerei und diverse Marktwagen bilden. Seit vielen Jahren sehen wir immer wieder so ab dieser Zeit die Maisfelder und dazwischen die Gänse:

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Jedes Jahr. Jahr, um Jahr, um Jahr. Ohne Fruchtwechsel. Immer Mais. Immer Gänse. Für den, der es noch nicht wissen sollte: Mais ist ein Starkzehrer, der dem Boden viel Stickstoff entzieht und deshalb viel Dünger benötigt.

Wir sind aus diversen Gründen keine Kunden dieses Herstellers, für meinen Mann war es wichtig, sich mit dieser Möglichkeit vor Ort noch ein weiteres eigenes Urteil zu bilden. Der Hof selber ist, da er in einer leichten Senke liegt, nicht ohne Weiteres einsehbar, es sei denn, man besucht ihn direkt. Das erste was auffiel, war nicht das auf der Homepage angepriesene (ich zitiere) “ … schnattert das Geflügel auf dem … fröhlich um die Wette …“ sondern ein unglaubliche Ammoniakwolke, die über, auf, um das Gehöft lag. So stark, dass wir allein schon deshalb noch nicht einmal ein Biomilcheis hätten essen wollen, das dort ebenfalls angeboten wurde. Zur Hofbesichtigung kamen wir durch eine große Halle, in der viele Leute saßen und alles mögliche aßen, was dort angeboten wurde, vorbei an einem Podest mit der Bitte, der Herr möge den Bauernstand segnen.

Aus der Halle hinaus, ging es an einigen kreativen Ausstellern vorbei und die ersten Vögel die wir trafen, war dieser stolze Puter mit zwei Puten:

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“ … Um einen vollkommenen Geschmack zu erzielen, achten wir in erster Linie auf eine artgerechte Aufzucht und Tierhaltung. …“ 

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Artgerecht?! Diese drei Puten waren die, denen auf dem ganzen Hof am nächsten gekommen werden konnte. Waren tatsächlich diese drei erbarmenswerten Kreaturen die drei schönsten des ganzen Hofes? Der Hahn tat sein bestens, um seine zwei Hennen zu schützen, die zwei Hennen hechelten und ihre Schnäbel waren offensichtlich kupiert.

Die nächsten Puten waren, obwohl es ein heißer Sommertag war, alle unter Dach und Fach zu finden:

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Kaum vorstellbar, aber hier war der ätzende Ammonikgestank noch sehr viel schlimmer als überall sonst auf dem Gelände und ja, dieser kann u. a. auch bei Puten zu Schleimhautreizungen führen, nicht nur bei uns Menschen. Nein, so sehen keine natürliche gewachsenen, sondern gekürzte Putenschnäbel aus:

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Müsste ich so eingezwängt leben, in solchem Gestank, würde auch ich wohl damit anfangen, mit meinem Schnabel um mich zu hacken, wenn alles zuviel wird. Wie Hohn klingt es da, dass es noch immer Ausnahmen von der Regel gibt und ein Forschungsprojekt zur Reduktion von Federpicken und Kannibalismus in der Putenhaltung.

Ob sich all die vielen Esser das auch alles selber angesehen haben oder war es für die nur wichtig, sich mit BilligBilligViel den Bauch vollzuschlagen? Viele Leute liefen nicht über den Rundweg zu den Puten und den nicht glücklicher oder sehr viel gestankfreier gehaltenen Gösseln:

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Ich konnte meinen Tränen schon ab den Puten nicht mehr zurückhalten. Der Herr segne einen solchen Bauernstand bitte nicht, der kann sich selber helfen, sondern diese armen, rechtlosen Geschöpfe, die dazu nicht in der Lage, sondern ihrem Schicksal gegenüber hilflos ausgeliefert sind.

Seit mehr als einer Woche schreit alles auf wegen des Eierskandals und wie kriminell das ist, aber warum erst jetzt? Ist ja nicht schwer, sich zu informieren und sich mal selber ein eigenes Bild zu machen. Zutatenlisten zu lesen, sich mit Herstellern zu unterhalten und nicht einfach nur zu konsumieren, was sich zum Konsum anbietet.

Ihr habt Angst vor multiresistenten Krankenhauskeimen? Dann denkt mal drüber nach, was Ihr Eurem Körper u. a. mit antibiotikagepantschtem Qualfleisch zufügt, mit Lebensmittelzusätzen und -additiven, mit en masse Plastikverpackungen, Fast- und Conveniencefood!

Kauft nicht alles sang- und klanglos beim Discounter, wenn Ihr in der Lage seid, Euch andere Hersteller finanziell leisten zu können, denn auch die sind mit ihrer Preisdrückerei an solchen schrecklichen Auswüchsen schuld! Zeigt Euren Kindern, wo und wie Obst und Gemüse wächst, wo das Milch, der Käse, die Wurst, das Fleisch herkommen. Verwertete alles, nicht nur die besten Stücke und werft den Rest nicht einfach weg. Das macht schon die Lebensmittelindustrie und hat somit z. B. die einheimische Geflügelzucht in Afrika nachhaltig geschädigt. Ein solches Verhalten ist in höchstem Maße pervers und dekadent. Euch und gerade den Menschen gegenüber, die sich nichts anderes leisten können.

Und macht Euch endlich klar, dass wir hier in unserem Land wie Fettaugen auf der Suppe schwimmen, die die Welt ausmacht und dass dieses ständige Konsumieren, dieser perverse Überfluss in dem wir leben, nicht endlos so weiter gehen wird. Unsere natürlichen Ressourcen für dieses Jahr haben wir bereits am 2. August 2017 aufgebraucht.

Unsere Ressourcen fangen bei einer solchen „Kleinigkeit“ wie einem Ei an …

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2 Gedanken zu „Wir wissen woher unser Fleisch kommt!

  1. Ja, es ist zum Heulen; v.a. die Gedankenlosigkeit sehr vieler Menschen, Motto: Hauptsache billig.
    Und der Bauernstand? Na ja.. da gibt es einige sehr ehrliche Bauern, aber die Mehrzahl, scheint mir, rennt auch nur dem Mammon hinterher; und übrigens: die Bauern „fressen“ so manches Zeugs selber natürlich NICHT (Zitat einer mir sehr bekannten alten Bäuerin schon vor vielen Jahren..)

    LG E.

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