Kochen & Backen

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So richtig Kochen & Backen habe ich in der Schule und danach mithilfe des Grundkochbuchs von Luise Haarer gelernt.

Leider nicht:

  • in der Küche meiner Oma mit dem Prinzessinnennamen, die so klein war, dass sie man auf ihren zwei Herdplatten nur als einzelne Person in ihr kochen konnte. Auch nicht
  • in der Küche meiner Oma mit dem Blumennamen, die immer alleine in der Küche werkelte, der traurige Grund dafür war wohl, dass sie nur so ihrem Mann entgehen konnte. Und leider auch nicht
  • in der Küche meiner Mutter, die zwar ebenso wie ihre Mutter und ihre Schwiegermutter wunderbar kochen und backen kann, aber sofort in eine unglaubliche Nervosität und Selbstunsicherheit verfällt, sobald sie dabei nicht mehr alleine ist, was auch der Grund dafür ist, dass sie es nie gemeinsam mit uns Kinder machte.

In der ersten Schule in der ich Hauswirtschaftsunterricht hatte, kochten und backten wir nach Rezepten von Dr. Oetker und von Sanella. Ersteren haben wir sogar einmal im Rahmen eines Schulausflugs besucht, durften (ekligen) Fertigpudding blindverkosten, und der war wirklich so eklig für mich, dass ich seitdem nie in die Versuchung kam, auch nur einen von diesen Bechern zu kaufen, die Versuchsküche besichtigen (meine Güte, die wirklich tatsächlich sowas von genial) und bekamen alle ein ordentliches Goodiepack (dabei war eine Mischung für Brot, aus der man am besten einen Schinken im Brotteig backen sollte) für eigene Versuche mit.

Ich glaube ich war 15, als ich mich das erste Mal traute, daheim zu kochen. Ich wusste,  dass meine Eltern erst spät am Abend wieder nach Hause kommen würden, ging einkaufen und kochte Miesmuscheln. Es war Herbst und das Rezept war,  so meine ich mich zu erinnern, aus einer Carina, vielleicht aber auch aus einer Brigitte meiner Mutter. Ich hatte Bammel, dass es nichts werden würde, hielt mich peinlichst genau an alle Angaben und putzte alle Spritzer sofort weg. Ich sehe noch immer das erstaunte und ein kleines bischen fassungslose Gesicht meiner Mutter vor mir, als meine Eltern heim kamen und ich sie an den Esstisch einlud. Es schmeckte, alles war gut, aber es war und blieb das einzige Mal, dass es daheim Muscheln gab.

In der Schule die folgte, entschied ich mich für die Absolvierung des Hauswirtschaftlichen Zweigs und legte meine Abschlussprüfung darin auch in Theorie und Praxis ab, denn mein sehnlichster Wunsch war damals, danach für das Abitur über die Straße ins Hauswirtschaftsgymnasium zu wechseln, vielleicht Diätassistentin im Krankenhaus auf dem Berg über dem Ort zu werden und mittags in der Mensa Spätzle mit Soß zu essen. Das war tatsächlich mein einziger (traurig genug in dem Alter) Wunschtraum  und da ich schon vor der Prüfung wusste, dass danach ein erneuter unvermeidlicher Umzug stattfinden würde, ich nie über die Straße in die Mensa zu Spätzle und Soß am Mittag gehen würde, litt ich, wie ich mir das Leiden schlimmer nie hätte vorstellen können. Wir zogen um und mein Vater, der überzeugt davon war, dass für mich Wirtschaft das einzig richtige nur ohne Haus davor sein würde, erzählte mir, dass es in der neuen Stadt nur diese einzige gangbare Möglichkeit für mich gäbe und damit, das entdeckte ich erst später, log er mich in der festen Überzeugung an, dass er es besser wüsste als ich. Das aber und meine bewusst eingegangenen Konsequenzen daraus, sind wieder ein ganz anderes Thema und das einzige an das ich mich aus dieser dumpf verschwendete Zeit gerne erinnere war die Antwort „Gluten“ (Anfang der 80er war das noch nicht in – oder besser aus – aller Munde) auf die Frage nach dem Klebereiweiß, die nur ich wusste ;). Nein, ich bereue meinen Weg, den ich dann selber in meine Hand nahm nicht – im Hauptfach das Leben zu studieren hat mich zu der gemacht die ich bin. Zum großen Glück tut nichts mehr weh, wenn ich an diese Jahre denke, das ist doch die Hauptsache.

Und am Herd und am Backofen war es halt Luise Haarer, deren Buch ich auch nach gar nicht mehr so lange dahin 40 Jahren immer wieder mal für eine Rezept in die Hände nehme – meinen herzlichsten Dank dafür!

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2 Gedanken zu „Kochen & Backen

  1. Liebe Ev, ich durfte und wollte in die Küche, vor allem weil meine Mutter diese nicht mochte und wir durften uns dort austoben. Kochen lernten wir durch learning by doing…3 von 4, denn bei Nr. 4 gabs leckeres Essen 😆, weil wir kochten. Meine Jungs dürfen in die Küche, helfen hin und wieder, lernen ihre Lieblingsgerichte kochen und ich hoffe, sie werden offen für alles, was nan darin so tun kann.

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    • Liebe Barbara, soooo schön von Dir zu lesen ♥!
      Ja, meine Kinder durften auch und – keine Überraschung – sie kochen beide wirklich richtig gut. Unsere Tochter hat mit 8 angefangen, sich selber an z. B. Schnitzel zu probieren, ohne dass ich dabei war und sie kocht ganz ohne Vorlage – ich hab immer gerne ein Rezept neben mir liegen, dass ich dann meistens abändere.
      Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder und ich umarme Dich heftig virtuell!
      Herzlichste Dir,
      Ev

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