Hier spielt die Musik

Hier steht sie, an diesem wenig einladenden Durchgang zwischen den verblühenden Seidenbäumen und dem Außenbereich der Bäckerei.

Vor kurzem stand hier ein abgerockter Rollstuhl voller alter Plastiktüten. Immer wieder teilt sich das kärgliche Grün diese Stelle mit leeren Bierflaschen, Zigarettenkippen und einmal auch mit einer Kotzepfütze.

Wer mag sie wo gespielt haben? War sie irgendwann nicht mehr gut genug? Trug sie zu viele Erinnerungen oder zu wenige

Samba pa ti oder Gamma ray?

 

Früher Morgen-Farben

Getaggte S-Bahn.

Fadengehaltener Überkopfmohn an Ladenpfeiler – dieses Bild tat mir wie es da vor sich hin hing so leid, dass ich kurz, es war definitiv noch viel, viel zu früh für Ladenöffnungszeiten, in Versuchung war, es aus seiner misslichen Lage zu befreien, um es ab sofort besser zu behandeln. Für solcherarten mir deuchenden Kunstraub bin ich aber viel zu redlich! Also habe ich mich einfach daran erfreut.

Kein Ei(n)erlei

So lange genug Eier, Butter, Milch, Mehl daheim sind, ist alles gut.

Wenn nicht, dann dann sorge ich dafür, dass es wieder so ist.

Ich weiß nicht, woher das kommt, es liegt mir wohl in meinen Genen.

Ich mache da keine Kompromisse.

Das Mehl soll ein gutes sein, die Butter eh ohne Gentechnik, die Milch im Bestfall von Demeter in der Glasflasche und die Eier ungestempelte und tatsächlich von Hühnern, denen es gut geht.

 

Gerade und hoffentlich noch lange da: En détail

Dieser Kopf einer bezaubernden jungen Dame mit Hut hält an einem alten Haus in unserem Ort die hölzernen Fensterläden fest, wenn sie zur Seite geklappt werden. Steht man vor ihr, so scheint ihre linke Seite noch ganz zart und filigran, die rechte aber, die der Morgensonne zugedachte, ist doch schon recht verwittert.

Ein liebevolles Detail an diesem Haus, dem hoffentlich irgendwann beschieden sein mag, dass es voller Behutsamkeit renoviert werden wird, um noch viele Jahre mehr das Dorf zu bereichern.

Shrub & Fruchtleder

Shrub – Rezept:

1 kg Fruchtmischung (Kirsche, Erdbeere, Brombeere, weiße Johannisbeere, 2 Vanilleschoten) ansetzen mit 900 g Zucker und für eine Woche in einem verschlossenen Glas ziehen lassen. Täglich umrühren.

Nach der Woche durch ein Passiertuch abgießen und die Fruchtmasse gut ausdrücken. Die Fruchtmasse für das Fruchtleder beiseite legen.

Den Shrub-Ansatz mit 1 l gutem Bio-Apfelessig (ich habe naturtrüben genommen) verrühren und aufkochen lassen. In frisch sterilisierte Flaschen füllen, Deckel festdrehen. Fertig.

Nach Wunsch verdünnen.

Für das Fruchtleder die Fruchtmasse so gut als möglich pürieren. Ich habe dafür die Kerne und auch die Vanilleschoten mit drin gelassen. Die Masse mithilfe einer Winkelpalette dünn und gleichmässig auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech ausstreichen. Den Backofen auf 80° C vorheizen, das Bachblech in die Mitte schieben, zwischen Herd und Backofentür einen Holzkochlöffel klemmen, sodass sie sich nicht schließt und die Flüssigkeit entweichen kann. Ca. 5 Std. so trocknen lassen, bis die Oberfläche nicht mehr klebt. Dann die Platte herausnehmen, mit der Schere in Streifen schneiden. Die aufwickeln und in einem ebenfalls sterilisierten Glas verschlossen aufheben, damit sie schön trocken bleiben.

Nachdem die Menschen um mich herum weder den Begriff „Fruchtleder“ kennen, noch jemals vorher eines probiert haben, rief die liebe L., als ich ihr das Tütchen hin hielt, damit sie zugreift, sofort begeistert „Pastila“ und erzählte mir, dass das von ihrer Mama in Russland noch heute jedes Jahr selbst gemacht und ruckzuck verputzt wird.

Was für eine Freude für mich – auch für das große Pastila-Lob der lieben L. und ich bleibe bei Pastila, denn das hört sich so sehr viel schöner an als unser Fruchtleder!

Hallöchen, Popöchen!

Mit dem Fotografieren von Insekten ist das so eine Sache, wenn man kein Pro ist oder keine High-End-Kamera zur Verfügung hat. Schöne Photos kann man trotzdem knipsen, wenn man ein bischen Zeit und die Fähigkeit zum Ausharren mitbringt.

Durchaus einige Anläufe braucht es dazu, denn oft hat man nur einen Hummelpopo im Bild,

DSC02449

wenn mal selbige doch viel lieber beim Nektar schlürfen und Pollen sammeln knipsen möchte.

DSC02505

Besonders fummlig ist die Angelegenheit mit den kleinen, flinken Schwebefliegen, denn meist erwischt man sie nur nur im Flug

DSC02482

und nur selten bei einer Ruhepause.

 

Den Joker aber, denn kann man mit einem Blick hinein in Blüten erwischen:

DSC02446

Am liebsten ist es mir, wenn ich beim Fotografieren nicht nachdenken, nur den Auslöser drücken brauche, in solchen Momenten aber, da wäre eine richtig gute Makrokamera schon eine tolle Sache!

DSC02444

Todtenauer Moor

Todtenauer Moor (3).JPG

Ich hege eine große Moorliebe.

Zum großen Teil liegt das daran, dass Moorgebiete eine ganz eigene, auf den ersten Blick sehr karg erscheinende, auf den zweiten aber voller großartiger Fülle eine ganz eigene Diversität aufweisen.

Zum anderen ist es so, dass Moore als Kohlenstoffspeicher für uns alle eine ganz wichtige Lebens- und Klimagrundlage bilden, was viel zu vielen Menschen nicht bewusst oder gleich ganz egal ist.

Wer sich dafür interessiert, dem möchte ich als Einstieg den NABU-Beitrag Der unterschätzte Klimaschützer – Moore als Kohlenstoffspeicher wärmstens ans Herz legen.

Klar also, dass ich mich riesig auf einen Spaziergang in und um das Todtenauer Moor freute.

Für viele sind Moor gruselige Orte voller unbekannter Schrecken und grausamer Mythen, auch um dieses ranken sich solche. Ganz einfach aber lässt sich so etwas für Hasenfüsse umgehen, wenn man am hellen Tag hindurchwandert ;).

Moore sind voller Leben:

Todtenauer Moor (4).JPG

Viel lernen lässt sich auf den Schautafeln, wen das nicht interessiert, der sollte einfach genießen:

Todtenauer Moor (1).JPG

Entlang der Magerwiesen geht es hinein ins Moor.

Todtenauer Moor (36).JPG

Todtenauer Moor (33).JPG

Todtenauer Moor (10).JPG

Den Wanderweg hatten wir fast ganz allein für uns, nur von einem Radler wurden wir überholt.

Todtenauer Moor (8).JPG

Todtenauer Moor (11).JPG

Vorbei an blühenden Heidelbeerbüschen, Sumpf-Vergissmeinnicht, jungen Ebereschen und Farnen ging es bis in einen herrlich kühlen und stillen Wald, der mit seinen hohen Nadelbäumen wie eine Kathedrale wirkte.

Todtenauer Moor (16).JPG

Todtenauer Moor (14).JPG

Todtenauer Moor (24).JPG

Wälder wie diese sind mir meine liebsten Kraftorte.

Todtenauer Moor (23).JPG

Perfekte Plätze, um völlig zur Ruhe und ganz zu sich selbst zu kommen.

Todtenauer Moor (44).JPG

Todtenauer Moor (41).JPG

perplex verbjörkt

verbjoerkt-2-e1529060656331.jpg

Hier strickte ich noch an einem ganz einfachen, ganz normalen Sommer-Streifen-Shirt.

verbjoerkt (1).JPG

Dann sah ich eine grandiose Björk-Doku, in der sie in einer Szene ein langes Kleid in Pink trug, welches sich bei einer Drehung auf der Rückseite nur in Shirt-Länge erwies, also vorne lang, hinten kurz und da war sie meine Idee zu meinem Shirt:

verbjoerkt (5).JPG

Ebenfalls, aber nur ganz dezent: Vorne länger, hinten kürzer. Eigentlich trägt man das ja genau anders herum, aber der Gedanke gefiel mir sehr und wie auch immer, war er da der nächste Gedanke, das Ganze mit stilisierten Schürzenträgern zu ergänzen. Mit der Idee eines gestrickten Schürzenoberteils gehe ich schon viele Jahre schwanger, fand bisher aber nicht das passende Garn. Ich entdeckte einige Anleitungen, welche mir für meine kleine, sehr runde Figur aber nicht als passend erschienen.

verbjoerkt (6).JPG

Aber zu diesem Shirt sollten es endlich wenigstens solche Träger sein!

verbjoerkt (4).JPG

Das Garn dazu fand sich schnell in meinem Stash: ITO Urugami in der Färbung “Mauve” passt für mich perfekt und um dem Ganzen eine gewisse Stabilität zu verleihen, verstrickte ich mit einem zweiten Faden ITO Tetsu “Mauve” dazu.

verbjoerkt (7).JPG

Befestigt habe ich die beiden Träger mit großen alten Perlmuttknöpfen aus meiner Knopfsammlung.

verbjoerkt (8).JPG

Von vorne sieht das Shirt ganz vormal aus, aber von hinten, da kommt er dann, mein ureigener, kleiner Björk-Moment ;)!

Technische Daten:

5 Knäuel RICO Design essentials cotton, 100 % Baumwolle, 50 g ca. 170 m, Farbe 001 – Weiss

5 Knäuel RICO Design essentials cotton, 100 % Baumwolle, 50 g ca. 170 m, Farbe 007 – Helles Grau

1 Knäuel ITO URUGAMI, 72 % Wolle, 28 % Papier, 40 g ca. 240 m, Farbe 206 Mauve

1 Knäuel ITO TETSU, 61 % Seide, 39 % Stainless Steel/Edelstahl

1 Rundstricknadel 4,0 mm

4 alte Perlmuttknöpfe

 

Gartenleid und Gartenfreud

Nun drei Wochen schon ein steter Wechsel von Brüllheiß, steigender Luftfeuchtigkeit bis große Schwüle, Gewitter mit starken Windböen, Regen bis hin zu Starkregen, fordern im Garten ihren Tribut.

Meine Rosen verblühen nicht, sondern verfaulen.

Die Äpfel, auf die ich mich so gefreut habe, liegen fast alle auf dem Boden.

Aber es gibt auch positives, denn der weiße ungarische Kürbis, den mein Mann ausgesät und -gepflanzt hat, wuchert wie Hulle. Seine Blüten werden fleißig besucht und sorgen so dafür, dass all die Wildbienen und Hummeln sich weiterhin am Pollenbuffett bedienen können.

Traktorpulling der anderen Art

Als wir bei dampfenden Nieselregen zufällig an Poschetsried vorbei kamen, sahen wir von der Straße aus erst einmal viele Kaltblüter, die unsere Neugier weckten.

20180531_160207.jpg

So vielen so nah zu kommen, war das erste Mal für uns.

20180531_160218.jpg

Schnell war klar, dass mit ihnen hier ein Wettbewerb stattfindet. Nur was für einer?

20180531_160349

Die Pferde wurden vor einen Anhänger gespannt, auf dem ein Traktor befestigt war.

20180531_160418

Das Gespann wurde an einer Startlinie ausgerichtet und dann erschien ein zweiter Traktor:

20180531_160930.jpg

Der wird doch wohl nicht? Doch, er wurde!

20180531_161301.jpg

Nämlich, hinten an den ersten Anhänger mit dem Traktor gespannt und dann ging es los, die Pferde legten sich ins Zeug – und – nein – denkt erst gar nicht daran, das alles gänzlich ohne Peitscherei, nur mit lauten Anfeuerungsrufen!

20180531_162904.jpg

Wenn man damit noch nie in Berührung kam, mutet dieser Wettbewerb erst einmal sehr fremd an. Letztendlich ist es aber so, dass in Niederbayern noch viel mit Zug- und Rückepferden gearbeitet wird, was in unserer technisierten Zeit alles andere als überholt, sondern sehr ökologisch und umweltschonend ist, wie sich im Artikel Im Rottal läuft die Holzernte noch mit Mensch und Pferd der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2017 nachlesen lässt.

Auf der Homepage des Kaltblut-Hengst-Club e.V. Poschetsried kann man zum Zugpferdetreffen, das wir so zufällig entdeckten, auch noch einmal mehr dazu nachlesen.