Gesehen: „Nanette“ = Hannah Gadsby

Es gibt nicht viel Comedy, über die ich lachen kann.

Atze Schröder = Herrenwitz

Hape Kerkeling = Hurz!!!

Hugo Egon Balder = Herrenwitz

Cordula Stratman = Strange

Ingo Appelt = Zu strange.

Bülent Ceylan = Yes

Johann König = Gähn

Mirja Boes = Umgedrehter Herrenwitz.

Michael Mittermeier = Viele Jahre Yes – momentan eher unentschiedenes Hmmmmm …

Caroline Kebekus = Gut böse.

Ausbilder Schmidt = Einschläfernd wäh …

Monika Gruber = Yes!

Ich denke man sieht, was mein Problem ist.

Zuviel wäre man hätte, täte, würde lachen lassen. Zuwenig Inhalt. Ganz egal ob gut böse oder böse gut.

Vor vielen, vielen Jahren bekam ich Karten für Mathias Richling geschenkt und es blieb mir (damals) kein anderer Ausweg als Freude zu heucheln, um heil durch die Nummer hindurch und wieder raus zu kommen. Zum Glück war das früher, heute würde mir so etwas nicht mehr passieren. Das einzige, was mir daran in Erinnerung ist, ist dass die obligatorische Mittelshowpause lustiger war als das davor und das danach und die war echt schlicht und einfach einschläfernd.

Noch nicht so lange her bekamen wir Karten für Michael Mittermeier geschenkt, kleiner Witz am Rande: Der Abend fand im selben Gebäude statt, wo ich mich vor vielen, vielen Jahren zu erheucheltem Lachen zwingen ließ, war aber im Gegensatz zu diesem ein Abend, bei dem mir nicht nur der Erhalt der Karten große Freude machte! Herrlich, denn ich lachte laut, ausdauernd, Tränen und hatte sogar meinen ureigenen, ganz mir gehördenden Michi-Moment mittendrin. Er auf der Bühne, ich auf dem Rang, lachend, dass ich mir den Bauch halten musste und Seitenstechen davon bekam. Wundervoll!

Ich lache nicht gerne über, sondern mit. Mit zu lachen ist das Beste von allem, mit zu lachen ist die beste Garantie für einen Lachflash, der am nächsten Tag in heftigen Muskelverspannungen nachfühlbar ist. Mit – nicht gegen, nicht über, MIT!

Die australische Comedien Hannah Gadsby, die zu suchmaschinen ich dringendst an Herz lege, begegnete mir auf NetXXix. Dort habe ich sie das erste Mal gesehen, dort blieb ich an dem, was sie zu sagen hat hängen. Ihr ist etwas gelungen, was ich so noch nie erlebt habe:

Herzhaftes Lachen (geht fort, natürlich erlebe ich das in meinem Leben immer wieder), zugleich aber auch einen solch tiefen Schmerz, dass ich nur noch weinen konnte. Nicht über, nicht gegen, sondern mit dem, was sie sagte.

„Selbsthass ist ein Same, der von außen eingesetzt wird.“

Das ist nicht Comedy, sondern brennende Wahrheit.

Denn was ist ätzende Scham über die Erkenntnis darüber, dass man nie genug, immer zuviel, nie angemessen wenig sein wird, als Selbsthass?

Ich spreche da ganz für mich. So wie ich diesen Satz ganz für mich fühle. So, wie jede Träne, die ich in dieser Stunde weinte. Auch über ihre Erfahrungen, über ihren Satz, dass sie niemals blühen werde. Und zugleich über meine Erfahrungen, die ganz andere waren als ihre, da ich ein ganz anderes Leben wie sie führe.

Diese Freude, eine solche Barriere zu überwinden, sich umzudrehen, sich abzuwenden, ganz bei sich zu sein, es als allererstes sich selbst recht zu machen!

Lachen lässt sich teilen, Schmerz aber auch.

Hannah Gadsby beendet ihre Umlaufbahn als Bühnen-Comedien, ihr Programm „Nanette“ aber, das wird nie an Aktualität verlieren. Chapeau, Madame Gadsby – grandios!

Wenn Ihr sie suchmaschint, werdet Ihr viele Medienberichte über sie finden. Lasst Euch auf sie ein, aber, wenn Euch das möglich ist, macht Euch ein eigenes Bild davon.

Es lohnt sich!

Liebes Kätchen

Vor Jahren erstand ich auf einem Dorfflohmarkt als Geschenk für meines Vaters Familienbilder ein altes Photoalbum, in dem noch einige Photographien der  wahrscheinlichen Vorbesitzerin steckten:

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Heidelberg, den 7. Oktober 1916

Liebes Kätchen!

Da ich am letzten Sontag daheim war, kann ich diesbezüglich nicht dich morgen besuchen. Will dir deshalb einen Sontagsgrus senden der dich sicher nicht minder freut. Finde dass das Bild gut ausgefallen ist nicht war! Karl fährt am Montag auf 10 Tage Urlaub. Wilhelm ist nach Neubreisach gekommen. Sonst nicht neues. 

Für heute herzliche Grüsse und Küsse

Marie

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Es macht neugierig und ist zugleich befremdlich, so unerwartet Zeilen aus einer ganz anderen Zeit, einem völlig unbekannten Leben zu lesen, zu dem ich so gar keine Verbindung habe.

Es war im zweiten Jahr des 1. Weltkriegs, als Marie diese Karte an Kätchen schrieb. Wie alt mögen sie gewesen sein, als sie gemeinsam zum Photographen gingen? Waren sie miteinander verwandt, vielleicht Basen? Oder waren sie, so wie ich es mir vorstelle, beste Freundinnen? Beide sind ganz ähnlich und nüchtern in eine weiße Bluse und in einen köchellangen Rock gekleidet. Beide tragen sie, so scheint es, Schnürstiefeletten mit einer glänzenden Kappe und Hut. Rechts ist es ein schon beinah glockenförmiger mit Ripsband, der linke flacher, mit breiterer Krempe und mit einem Blumenkranz geschmückt.

Wer ist Kätchen? Wer Marie? Ich glaube zumindest diese Frage beantworten zu können: Für mich ist die junge Frau mit dem blumenumkränzten Hut Kätchen, denn nur von ihr gibt es (so scheint es) weitere Bilder und es wäre schon ein seltsamer Zufall, wenn ausgerechnet die Absenderin eine von ihr versendete Karte aufbewahren würde.

Meine Marie hat ein ziemlich prominentes Kinn, das scheinbar auch auf weiteren Photos auftaucht, so wie bei dem Mädchen auf der rechten Seite:

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Das könnte sie als Backfisch vielleicht bei ihrer Konfirmation sein:

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Als Geburtstagserinnerung erhielt sie diese Karte:

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Fräulein

Kätchen Doll 

Karslruhe

zur Erinnerung an meinen 19. Geburtstag

von Deiner Hilda u. Erna

Odenheim, den 13. Juli 1920

 

Nehmen wir an, dass auch Kätchen 1920 19 Jahre alt war, so wäre sie auf dem allerersten Bild von 1916 15 Jahre alt gewesen. Durchaus möglich, wenn man an die Erwähnung der zwei Männernamen denkt. Vielleicht schwärmten beide für diese?

Ist das vielleicht Karl oder gar Wilhelm?

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Oder ist es gar der doppelt unterstrichene Otto?

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Ziemlich abgegriffen wirkt das Bild auf jeden Fall, so als ob es jemand sehr oft in Händen gehalten hätte. Innig vielleicht. Voll heißem Ersehnen, vielleicht auch voller Trauer und Schmerz.

Welcher Gedanke sie wohl so lächeln ließ?

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Ob sie in Karlsruhe zur Krankenschwester ausgebildet wurde?

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Auf jeden Fall war sie dort wohl nicht allein, obwohl ich sie auf diesem Gruppenbild nicht entdecken kann:

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Was verband sie mit der Liebenzeller Mission?

 

Leider tue ich mich mit dem Entziffern dieser Schrift sehr schwer, kann sie nur in Bruchstücken lesen, deshalb leider keine Übersetzung …

So schade, dass die Photos und Karten es anscheinend nicht wert waren, von jemanden aufgehoben zu werden, der um ihr Leben, ihre Geheimnisse wusste.

Auch wir hinterlassen Spuren. Die meisten nicht mehr greifbar, sondern digital. Wohl niemand wird in 100 Jahren Fotoalben samt Inhalt von heute auf Flohmärkten verkaufen. Virtuelle Erinnerungen lassen sich nicht anfassen, sind nicht mehr annähernd ideell so greifbar wertvoll, wie diese Photographien und Postkarten, die trotzdem niemand mehr bewahren wollte …

 

 

 

Tagpfauenauge

Schmetterlinge sind verkörperte, lebende, manifestierte Poesie.

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So durch und durch bezaubernd.

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Gaukelnde Edelsteine der Lüfte.

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Von traumhafter Schönheit.

Die Blumen der Sonne

Das Schönste am Radfahren ist, dass man so an Orten vorbei kommt, die man aus dem Auto heraus weder sieht noch sonstwie wahrnimmt.

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Wie wunderbar, dass die Hitze und Dürre der letzten Monate doch nicht alles Leben auf den Feldern hinweg brutzeln konnten!

Mut zur Wut 2018

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte – und viele Bilder zusammen sagen mehr, als es unzähligen Wörtern in solcher Kürze möglich wäre!

In Heidelberg ist wieder „Mut zur Wut“ angesagt, also macht Euch auf ins Heidelberger Landgericht zu dieser alljährlichen, ganz anderen Kunstausstellung: Sozialkritik jedes Jahr aufs neue plakativ in Wahrheiten, Denkansätzen, provokant und ehrlich aufs Plakat gebracht und davon monochrom, kontrastreich, knallfarbig, wuchtig & pointiert gemalt wieder herunter flüsternd, schreiend, eindringlich, schaudernd und auch lachen lassend, weil es so auf den Punkt treffend und in jeder Sprache verständlich ist!