Wie mein August roch & schmeckte

Danke liebes Fräulein Read on my Dear – ich nehme die Aufforderung zur olfaktorischen und geschmeckten Monatserinnerung gerne an.

Der August roch nach Hitze, Trockenheit und dem Büroschweiss bei weit über 30° C, der das Denken immer wieder taumelnd versacken ließ. Nach dem Wechsel in einen neuen Lebensabschnitt einer lieb gewonnenen Kollegin und ihrem Melonenspieß, den ich aus der Hand aß. Nach dem Respekt, von dem man ihr sprach, nach ihrer Eloquenz und Ehrlichkeit. Nach nüchterner Demoralisierung und logischem Misstrauen. Nach dem Vogelfutter, das täglich durch meine Finger rieselte und dem kühlen Zisternenwasser, das leider nicht alles Grün in diesem Sonnenmonat retten konnte. Nach der verhassten Cortisoncreme auf meinen Fingerspitzen, die nur niederdrückend lindern aber nicht heilen kann. Nach dem Salz vom Krabbenpulen auf den Fingern und dem in der böigen Luft auf den Lippen. Nach brackigem Schlick, Schafdung und beissend nach Vogelkot. Nach Sirupwaffeln, Apfel-Himbeersaft, einer kleinen, fast noch harten Birne, die so feinwürzig gut schmeckte wie keine andere vor ihr. Nach der uralten Küche zweier Männer, in der der eine eine Bermuda über einer langen Unterhose trug und der andere unermüdlich Marmeladen kochte wie Aprikose mit Lavendelblüten. Nach dem Lanolin naturbelassener Schafwolle, Ziegenkäse mit Kümmel, Heidelbeerbier mit Moorwasser und der Feuchtigkeit in den Mauern einer alten Kirche. Nach Liebe, Angst, Verzweiflung und der roten Hautfalte meiner ausgeweinten Augen. Nach zimtigem Franzbrötchen und einem völlig geschmacklosen Kürbismilchbrötchen. Er roch tief eingeatmet nach Lakritz, dieser Monat, die ich widerwillig erst im September kostete. Nach süßem Quittentee, der Resignation im zerbröselnden Eupen, der Begeisterung für Kunst & Deko und dem galligen Speichel, der meinen Mund mit Brechreiz füllte, als ich fassungslos den Nachrichten über so viel dumpfen Hass folgte.

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