Wunderbrot

Brot habe ich schon immer gerne gegessen und ich bin sehr glücklich und dankbar dafür in einer Zeit aufgewachsen zu sein, als es noch keine unsäglichen Backautomaten, respektive diese gnadenlose Discounterpest gab, vor deren Konkurrenz immer mehr lebensmittelhandwerkliche Kleinbetrieben nichts mehr als die Schließung ihrer oft in den Familien seit mehreren Generationen bestehenden Betriebe bleibt.

Ich mag da jetzt gar keine Grundsatzdiskussion darüber anstoßen, denn ich bin mir der Tatsache sehr bewusst, dass es viele Menschen gibt, deren Verdienste es nicht hergeben (und ja, uns ist es ebenfalls auch schon nicht anders gegangen – vom Brot mal abgesehen, das gab es immer und ausschließlich nur vom Bäcker) anders einzukaufen, aber es gibt auch mindestens so viel andere Verbraucher, die das eben nicht müssen, aber, weil es so schön praktisch ist, alles schön nett eingeschweißt, sauber in Plastik verpackt, mit der Auswahl so groß und Brot immer so schön frisch und warm gebacken (haha) einkaufen ohne darüber nachzudenken, was da in ihren Taschen und Tüten landet.

Fakt ist aber auch, dass es in Deutschland europaweit die größte Discounterdichte gibt und alleine im Radius von 10 km Luftlinie um uns herum kann ich spontan mindestens 20 Supermärkte aufzählen – und das ohne wirklich nachzudenken. Das ist Wahnsinn und ich bin mir sicher, dass dieser nicht ewig so weitergehen wird. Irgendwann werden sie schließen, die ersten Discounter und irgendwann werden sie Wüsten hinterlassen, die ja jetzt schon in den Orten da sind, ohne Bäcker – und damit meine ich richtige, keine Backshops, ohne Metzger, ohne die Möglichkeit, auf einem Bauernhof Milch, Eier, Gemüse zu kaufen. Und erst dann wird das Geschrei und das Gejammere groß sein, aber dann nützt es nichts mehr.

Als wir in unser Dorf zogen, das ist gerade ein bisserl mehr als zwei Jahrzehnte, da gab es hier noch drei richtige, echte Bäckereien und zwei Metzgereien. Mittlerweile keine Bäckerei mehr und auch nur noch einen Metzger, denn dafür aber in hervorragender Qualität, ohne Geschmacksverstärker, chemische Zusätze und in Zusammenarbeit mit Landwirten aus der allernächsten Umgebung. Immer weniger Konsumenten ist aber diese Güte, die man halt nicht geschenkt bekommt, bewusst und sie orientieren sich an genau einem: Dem Discounterpreis, alles so schön sauber und in auch nicht größerer Auswahl eingeschweißt in Unmengen von Plastik, ist aber ganz egal, denn ist vor allem eines: Billiger und wie geil Geiz ist, das weiß der Deutsche, so lange sie halt auch noch da ist, die Möglichkeit, nicht zu vermeintlichen Wucherpreisen auch so reicher Handwerker einzukaufen.

Ich schweife ab.

Zurück zum Brot:

Ja, ich habe schon immer gerne und leidenschaftlich Brot gegessen, von der ersten frischen Scheibe bis zum letzten harten Ranftl. Bei meiner Oma mit dem Prinzessinennamen das Gute mit dem Kümmel von der Hofpfisterei, bei meiner Oma mit dem Blumennamen das Gute selbstgebackene beim Bäcker um die Ecke.

Einig waren sich beide in einem: Keine Scheibe vom Brot abschneiden, so lange es noch warm sei, denn das täte dem Magen nicht gut und dann mache auch trocken Brot noch Wangen rot, außerdem den Kiefer und die Zähne stark und wenn man immer schön auch das trockene noch äße, dann würden sie einem nicht so schnell ausfallen die Zähne. Dieser Ermahnung hätte es bei mir nicht gebraucht, denn ein gutes Brot schmeckte mir, siehe oben, schon immer vom Anfang bis zum Ende gut.

Eine Scheibe Brot, frische Butter drauf, einige wenige Salzkörnle und ein frisch vom Baum gezupfter, reifer Apfel. Ein Hochgenuss! Besonders auf einer Schaukel sitzend und immer einen Bissen vom Brot, einen vom Apfel, dabei die Beine bis in den Himmel werfen und sich darüber freuen, wie schön das Leben sein kann.

Das allererste Brot, dem ich in wahrer Leidenschaft verfiel, war das Paderborner Landbrot, das frisch vom Bäcker zu holen mich meine Mutter oft schickte. Noch warm in der Papiertüte, glänzend in dunklem Braun die Oberfläche mit den in sie hineingestanzten Löchern. Manchmal konnte ich nicht widerstehen und schnitt mir daheim schnell eine Scheibe ab und egal wie warm, Bauchschmerzen bekam ich davon nie.

Die einzige Brotsorte, die nie Leidenschaft in mir weckte, das war, ist, bleibt Vollkornbrot, das ich einfach nicht vertrage. Oh, bei Pumpernickel gar werden mir die Zähne länger und länger und je länger ich kaue, desto pappiger, widerlich süßer und immer mehr und mehr wurde mir die Masse im Mund, die ich einfach nie herunter bekam. Vollkornbrot will mir einfach nicht schmecken, vom nicht vorhandenem Vertragen mal ganz abgesehen … jedes Böhnchen ein Tönchen – von wegen: jedes Korn der Beginn eines großen Konzerts!

Trotzdem probiere ich immer wieder tapfer neue Sorten, so sie mir denn beim Bäcker begegnen, denn schnödes Aufgeben war noch nie meine Stärke. Lange Zähne hin oder her.

Natürlich backe ich auch immer wieder mal selber Brot, aber auch ist es mit mir und dem Vollkornbrot nicht anders.

Nun gut, lange Rede, kurzer Sinn, da ich die Bauckhofsche Philosophie sehr mag, nahm ich mir letztens im Bioladen eine Tüte von dem Wunderbrot oben auf dem Bild mit. Wunder sind was ganz wunderbares und essentielles und vielleicht, so dachte ich mir, bewirkt dieses Brot ja eines bei mir.

Ich entschied mich für die langsame Grundzubereitung, rührte den Packungsinhalt mit kaltem Wasser an und ließ alles über Nacht im Kühlschrank quellen, bevor ich ans Backen schritt.

In der Tüte drin sind 36,5 % Hafervollkornflocken – für mich die halbe Miete, denn Hafer mag ich sehr – und 59 % Saaten, keine Hefe, kein Sauerteig, nur das:

Hafervollkornflocken, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, geschrotete Leinsaat, Sesam, Leinsaat, Chiasamen, Hirsevollkornflocken, gemahlene Flohsamenschalen, Meersalz.

Bis auf das Salz (klaro) alles aus kontrolliert biologischem Anbau. Das ist für mich die andere halbe Miete.

Fühlt Euch so frei, nach dem Brot zu suchmaschinen, um an die Infos zu kommen, die dahinter stecken, sehr interessant, für mich aber mit Sicherheit kein life-changing Brot, auch wenn es echt lecker ist, meine Verdauung dadurch nicht in sehr problematische Gewässer kommt, aber es ist halt von der Konsistenz her anders als das Brot, das ich so gerne esse. Das Feuchte kenne ich von anderen Vollkornbroten, aber der Biss ist sehr angenehm, es sättigt, ohne ein unangenehmes Klumpgefühl im Magen und ja, es ist eine wirklich schmackhafte Alternative, eine, wie ich mir durchaus vorstellen kann, auch in Zukunft nicht unwillkommene Abwechslung in meines Speiseplan.

Dieses Experiment ist ein gelungenes.

Und ja, auch wenn es nervt: Alles von meinem eigenen Geld zum vollen VK selbst erworben, ohne irgendwie geartete Werbeaufträge, ich schreibe darüber, weil es mir gefällt, nicht um irgendjemanden zu bekehren und ich bekomme tatsächlich nix dafür.