Büchsterbrett

Ich bin und bleib eine Dorfmaus, für solche Szenarien liebe ich die Stadt am Fluss immer wieder sehr.

Sowas findet man auf dem Dorf nicht einfach so.

Erdüberlastungstag 2019 bereits erreicht!

Applaus, das ham wa gut gemacht, denn dieses Jahr waren wir ganze drei Tage schneller als noch im letzten Jahr!

Die Max-Planck-Gesellschaft hat uns allen gestern eine saftige Watsche verabreicht, denn mit Erreichen dieses Datums haben wir alle Ressourcen des Jahres 2019 bereits verbraucht.

Ja, tatsächlich wir alle, denn es reicht nicht zu mimimi-isieren, dass D ja ach so klein sei und da sollen da dann doch Bitte! Danke! erst mal die anderen was machen, die ja so viel größer sind.

Was für eine schlappe Ausrede, denn rechnet man unseren Lebensstandard mal nach Ländern gesehen um, dann würden wir hier – unser schönes, kleines, schnuckeliges D – dafür auf Platz 4 der Weltrangliste 3,0 Erden benötigen.

Ham wa aber nicht. Kriegen wa auch nich mehr rein.

Nee, nee.

Und von wegen vieeeeeel zu klein: Diese faule Ausrede gilt nicht, denn WIR alle müssen bei uns damit anfangen. Jeder große Schritt fängt mit einem kleinen an.

Die Netzfrauen bringen mal wieder alles gut geschrieben und bebildert, für die, die nur auf Fotos stehen, auf den Punkt gebracht und beschreiben auch sehr deutlich, was jeder von uns ab sofort anders tun und/oder lassen kann im Rahmen der eigenen Möglichkeiten.

Nicht auf die Greta zeigen und behaupten, dass sie sowas wäre wie ein ökolgisch-apokalyptischer Reiter – nicht die Greta bringt uns das alles, die Greta spricht aus und zeigt, was alles schief läuft.

Also lasst uns doch alle mit einem ersten kleinen Schritt in eine andere Richtung anfangen.

Nicht morgen.

Heute noch!

 

 

 

Ein Teil von mir

Dieses Blog ist ein Teil von mir.

Lediglich und nur ein Teil.

Ich schreibe darin über das, was mich bewegt, berührt, abstößt, mitreißt. Über den Teil meines Leben, der sich dadurch bewegen, berühren, abstoßen, mitreißen lässt.

Es gibt Bereiche meines Lebens, über die ich von Beginn an hier nicht schreiben möchte und werde.

Meine Worte kann ich nur so schreiben, wie sie für mich richtig sind; wie sie ankommen, gelesen, interpretiert werden, darauf habe ich keinen Einfluss, denn, auch das bedingt ein Blog: Auf der einen Seite gibt es mich, die Schreiberin, auf der anderen Seite die Leserinnen/die Leser und für die allermeisten bin ich wohl im wahren Leben so unbekannt wie sie mir.

Ich blogge seit 2014. Erst las ich Blogs, dann hatte ich Lust darauf selber zu schreiben. Ich mag es zu schreiben, es macht mir Freude und es tut mir gut. Mir! Ich erwarte nicht, dass Jede/Jeder die/der hier liest, das ebenfalls mit Freude macht. Auf der einen Seite bin ich, auf der anderen Ihr.

Dieser Blog ist ein Teil meines Lebens aber er macht mein Leben nicht aus.

Ich bin völlig frei, vom einen auf den anderen Tag hier die Luken dicht zu machen oder durch z. B. einen Systemabsturz dicht gemacht zu bekommen, was auch schon passierte. Das ist völlig in Ordnung, dann sind die Beiträge halt weg. Ich baue ja mein Leben nicht auf ihnen auf, sie dekorieren (ein besserer Eindruck will mir nicht einfallen) es.

So wie Ihr die Freiheit habt, meine Wörter so aufzunehmen, wie es Euch richtig erscheint, so habe auch im Umkehrschluss die Freiheit, das, was ich auf und in anderen Blogs lese, für wahr oder unwahr anzunehmen, bis mir das Gegenteil bewiesen wird.

Ja, so einfach bin ich gestrickt.

So einfach war die Dame gestrickt, die mich aufgrund meiner Ausdrucksweise für eine Mitakademikerin hielt und dann diese Enttäuschung als ich ihr sagte, dass ich lediglich das Leben studiert habe.

Das Leben ist Aktion und Reaktion.

Das Schreiben ist Aktion und Reaktion.

Die Nachricht, dass Marie Sophie Hingst tot ist, berührt mich überaus.

Ich habe sie nie persönlich kennengelernt, ich las nur ihre Wörter und mit diesen bewegte sie etwas in mir und – immer noch dafür ein ganz großes JA: in Bezug auf die Schilderungen ihrer Familiengeschichte gab es für mich keinen Moment, in dem ich misstrauisch geworden wäre. Ich lasse mich dafür gerne naiv nennen. Auch Naivität macht mich aus. So what?

Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist, dass ich es als völlig korrekt empfinde, dass Journalismus Dingen auf den Grund geht, Finger in Wunden legt, unangenehme Wahrheiten ausspricht und aufdeckt, was nicht heißt, dass auch der Journalismus Unwahrheiten aufsitzen kann. Kein Mensch ist so wissend wie die allwissende Müllhalde. Kein einziger! Die allermeisten von uns, wie auch ich, wissen einen Teil vom großen Ganzen immer erst hinterher.

Ob Herrn Doerry und der Redaktion in Gänze die Problematik von Frau Hingst bewusst war, kann und mag ich nicht beurteilen. Hinterher ist man immer klüger. Auch in diesem Fall.

Das Ausmaß der Häme, die ab dem Moment der Aufdeckung über die Causa Hingst hereinbrach, hat mich schockiert und angewidert. Ebenso wie es mich jetzt anwidert, Mutmaßungen z. B. über die Rolle, die Haltung und das Agieren ihrer Mutter zu äußern.

Da war eine junge Frau. Eine sehr begabte und intelligente junge Frau. Eine, mit einem nicht zu stillendem Hunger nach Wörtern. Eine aus der Wörter flossen, die viele Menschen sehr berührten. Eine junge Frau, die große Probleme hatte. Eine junge Frau die Fehler machte und augenscheinlich auch in Welten lebte, die mit unserer (wohlgemerkt mit unserer, nicht mit ihrer) nichts zu tun hatten. Eine junge Frau, der Hilfe angeboten wurde, diese wohl an- und am Ende ihr Leben wohl selbst in die Hand nahm.

Ich möchte darüber nicht richten. Ich kannte nur ihre Worte. Ich kannte sie nicht persönlich.

Dies ist mein Blog.

Ich schreibe über das, was mich bewegt.

Und ich habe keinen Einfluss darauf, wie das bei der Leserin/beim Leser ankommt.

Dies aber zum Anlass zu nehmen, hier inkognito mit einer lmaa-Mailadresse zu kommentieren über dämlich Weiber-Kommentare auf dem www-archivalisch noch lesbaren Blog von Marie Sophie Hingst, dieses Ausmaß an Hass und Abscheu dahinter, das kann und muss ich nicht verstehen und erst recht nicht tolerieren. Dafür gibt es die Spamfunktion.

Was ich aus all dem mitnehme, ist das Bild ihrer alten Freundin der Wildtaube auf dem Baum in der Nähe vom See und den Rosinen auf dem angeschlagenen Teller mit dem Goldrand.

Es interessiert mich nicht die Bohne, ob es den Garten, den Baum, die Wildtaube, den angeschlagenen Teller und die Rosinen wirklich gegeben hat.

Aber sie hat damit ein Bild in mich gemalt das bleiben wird.

Mein tiefes Beileid all denen die sie kannten und liebten.

Domažlice

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Unser Ausflug nach Domažlice war einer der Höhepunkte unseres Urlaubs.

Wir starteten den Tag mit einem gelobten Frühstück in einem Brot- und Kaffeehaus in Cham, was wir besser nicht gemacht hätten, da mich seine Folgen nicht nur, aber ganz besonders an diesem Tag auf Trab hielten.

Domažlice ist ein wundervoller Ort mit einem ganz herrlichen alten Stadtkern, der völlig zurecht bereits 1975 zu einem städtischen Denkmalreservat erklärt wurde, was wirklich ein großes Glück ist und unerlässlich für die ganz besondere Atmosphäre hier.

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Besonders mag ich so schön erhaltenen Arkaden, in denen es sich herrlich bummeln und die alten Häuser bewundern lässt.

Hübsche kleine Läden gibt es hier zu entdecken, die sich zum Teil in die Häuser hinein ziehen und es so ermöglichen, einen Blick in diese über unzählige Jahren ineinander und umeinander gewachsenen Gebäude zu werfen. In solchen Momenten bedauere ich es jedesmal besonders, dass die Kerne nicht nur unsere Stadt daheim durch die Abreiss- und Neubauwut der 1960er- und 1970er-Jahre in seelenlose Betonstraßenzüge verwandelt wurden.

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Möge das Land der Choden tatsächlich nie wieder Zeiten des Faschismus erleiden müssen!

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In der Chodenburg – auch Chodenschloss genannt – befindet sich das Chodenmuseum = Muzeum Chodska v Domažlicích:

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Herrliches Wetter hatten wir an diesem Tag. Zu schade, dass es mir so schlecht ging, ich wäre sehr gerne länger hier geblieben.

Dieser erste Besuch hier war hoffentlich nicht zugleich der letzte, zu gerne möchte ich wieder hierher kommen, um dann noch so viel mehr zu entdecken!

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So kauften wir wenigstens in einem Bioladen in einer der Arkaden einiges ein und nahmen uns in der chodischen Bäckerei auf der anderen Seite des Platzes feine Kolatschen für später mit:

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50 Jahre Mondraumfahrt

Die Bilder von der ersten Mondlandung sah ich vor meiner Einschulung im Fernsehen.

Als das Drama rund um Apollo 13 geschah, war ich in der 1. Klasse und natürlich war das auch Thema im Unterricht.

Auf dem Bild zu sehen die Matrize, die wir dazu von unserer Lehrerin Frau Uhlemann bekamen.

Hier ein Eintrag vom 19.07.2015 in meinem alten Jimdo-Blog Die Farbe Ev, in dem auch meine damalige Grundschule Erwähnung findet:

07/19/15–21:20: Und Peter Maffay im Treppenhaus

Hier war ich daheim. Hier gehörte ich her. Hier fühlte ich mich sicher. Meine Freunde waren hier und die meiner Eltern. Ich wusste, wo die schönsten wilden Himbeeren wuchsen und die größten Pilze. Zum Schlittenfahren ging es zum Abhang über die Straße und zum Schwimmen in die Amper. Hier war ich glücklich. Und dieses Verbotsschild am Gehweg, das stand damals auch schon da:

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Ich liebte unsere Wohnung und den Blick auf den Spielplatz, die Essigbäume auf dem Rasen und rüber zur Wohnung meiner Freundin. Gleich neben dem Verbotsschild war die Wohnung von Hausmeister Trotz, was sich so schön auf Rotz reimte und vor dem wir alle Angst hatten. In einem Winter hatte er morgens den Gehweg noch nicht vom Schnee geräumt, bis zu den Oberschenkeln reicht er mir und mit dem Ranzen auf dem Rücken stakste ich voller Winterfreude hindurch.

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Auf der anderen Seite vom Treppenhaus wohnte Frau K. mit ihren schon großen Töchtern und ihrem Dackel Adi, an dem mein ganzes Herz hing. Frau K. war Krankenschwester und ich erinnere mich, dass sie meiner Mutter unterstützte, als ich die Masern bekam und sehr hoch fieberte. Ihre Töchter waren sehr hübsch und hatten lange Haare, die ihnen bis über den Rücken hingen und dem Freund der einen von ihnen begegneten wir immer wieder mal im Treppenhaus. Er war sehr schmal, nicht sehr groß, hatte lockige Haare, hielt den Blick immer auf den Boden gesenkt und grüßte höflich mit leiser Stimme. Ich musste dabei auf das Muttermal in seinem Mundwinkel schauen, was ich viel interessanter fand, als dass er Peter Maffay war und mit „Du“ in der Hitparade auftrat. Bei uns lief einfach andere Musik als seine.

Hier wegzuziehen, war die erste und schmerzhafteste Zäsur in meinem Leben, die ich nicht begreifen konnte – lange betete ich jeden Abend, dass wir wieder heim gehen könnten, was natürlich nicht passierte.

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Ich habe viele schöne und mir äußerst wertvolle Erinnerungen an die Jahre hier. Ganz besonders auch an meine Schulzeit und meine Lehrerin Frau Uhlemann, deren Einfluss auf mich und mein Leben noch lange positiv nachwirkte.

Mein Weg zur Schule war kein weiter:

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Das Schulgebäude ist seither unglaublich gewachsen, auf den Schulhof kann man von außen nicht mehr blicken, aber einen Blick durch die Fenster hindurch in die Aula mit Treppenhaus, die ich noch genau so in Erinnerung habe, und auf den unteren Gang, in dem sich auch unser Klassenzimmer befand:

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Jedes Mal, wenn ich in den vergangenen Jahren hier vorbei kam, hat es mir schmerzvoll schier das Herz zerrissen, jedes Mal musste ich weinen, obwohl ich das gar nicht wollte. Dieses Jahr war das erste, in dem das nicht passierte, ich all das einfach so voller Freude an die schönen Erinnerungen genießen konnte und trotzdem hatte ich die ganze Zeit dieses Lied von Madonna in meinen Gedanken:

This used to be my playground
This used to be my playground
This used to be my childhood dream
This used to be the place I ran to
Whenever I was in need of a friend
Why did it have to end?
And why do they always say?

Don’t look back
Keep your head held high
Don’t ask them why because life is short
And before you know you’re feeling old
And your heart is breaking
Don’t hold on to the past
Well that’s too ask

This used to be my playground
This used to be my childhood dream
This used to be the place I ran to
Whenever I was in need of a friend
Why did it have to end?
And why do they always say?
Live and learn
Well the years they flew
And we never knew we were foolish then
We would never tire
And that little fire is still alive in me
It will never go away
Can’t say goodbye to yesterday

This used to be my playground
This used to be my childhood dream
This used to be the place I ran to
Whenever I was in need of a friend
Why did it have to end?
And why do they always say?

No regrets
But I wish that you were here with me
Well then there’s hope yet
I can see your face in our secret place
You’re not just a memory
Say goodbye to yesterday
Those are words I’ll never say

This used to be our playground
This used to be our pride and joy
This used to be the place we ran to
That no one in the world could dare destroy.

 

 

Neues aus dem Garten: Spargelbohne

Ich bin eine Gartenwerkerin, die in aller Regel (noch?) beim Aussäen nicht wirklichch strukturiert vorgeht.

So habe ich mir auch nicht notierte, welche Bohnen ich wo setzte, was zur sich nun als fehlerhaft erwiesenen Annahme führte, dass ausgerechnet die Spargelbohnen nicht aufgegangen seien.

Gewundert habe ich mich dann schon, als auf einmal diese ungewöhnlich grosse und wundervoll farbige Blüte aufging, was ich zur Kenntnis nahm, mehr aber auch nicht, bis ich neben einer weiteren diesen Fruchtansatz entdeckte:

Ja, das ist definitiv eine junge Spargelbohne, an der vorne die verwelkte Blüte hängt. Was für ein Naturzauber!

Kirchberg im Wald

Zuerst war es die Kulinarik, die uns nach Kirchberg im Wald zog und zwar genau hierher:

Hofladen Konrad Mühlbauer, Klosterweg 2, 94259 Kirchberg im Wald

So wünscht man sich einen Hofladen: Hervorragende Qualität, höchste Ansprüche und eine fachlich sehr fundierte und überaus freundliche Bedienung!

Besonders die Weißwürstl haben uns mehr als nur überzeugt, besser geht es unserer Meinung nach nicht. Der bonfortionöse Gatte trägt die bayrische Kulinarik zwar nicht in den Genen, weshalb er auch nicht in der Lage ist, die Weißwurst so zu essen, wie es sich gehört, aber wie eine richtige zu schmecken hat, dass weiß er ganz genau!

Kirchberg im Wald bietet aber auch noch ganz andere Schätze:

Über dem Ort thront die weithin sichtbare und imposante Pfarrkirche St. Gotthard, die auf den Mauern, der bereits Anno Domini 1000 erwähnten Burg des Edelmannes Konrad von Salikus erbaut wurde. Von der Burg noch erhalten ist der sehr beeindruckende Turm der Kirche.

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Ich habe früher Kirchen immer sehr gerne besucht, besonders auch wegen ihrer geschichtlichen Hintergründe und ihren unterschiedlichsten Exponaten und allem, was es darüber zu erfahren und lernen gibt. Seit einigen Jahren hat mein Interesse daran merklich abgekühlt, parallel zu meiner zunehmend kritischen Haltung zur Institution Kirche und dem zum Teil masslosen Protz in den katholischen Gotteshäusern, ganz besonders dem Kult rund um die Reliquien angenommener Seligen und/oder Heiligen. Nur noch ganz selten gibt es Kirchen, die mich regelrecht anziehen, so wie diese und ich wurde im positivsten Sinne nicht enttäuscht von ihrer Atmosphäre.

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Hell und licht ist die Kirche und ungewöhnlich voll von angenehmen Pastelltönen. Auch wenn ich nicht katholisch bin, bewegte ich mich doch ganz langsam, vorsichtig und voll Respekt in ihr, die auf mich so freundlich friedvoll wirkte.

Manche Kirchen erdrücken ja schon am Eingang alleine schon durch ihre Ausstrahlung, sodass gar kein ehrfürchtiges Gefühl eines wundervoll beseelten Hauses aufkommen kann. Diese hier aber ist mir voll davon; selten habe ich das so intensiv wie hier erlebt. Kerzen habe ich für unsere Familien angezündet, weil das gut und richtig so war.

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An drei Seiten ist die Kirche von einem Friedhof umgeben. Besonders berührt hat mich eine Distel, diese wunderbare alte Symbolpflanze, direkt neben einem Grab. Nein, für mich ist sie kein Unkraut und ich finde, sie passt ganz wundervoll auch und gerade zu letzten Ruhestätten.

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Vom Wehe zum Wohl

Ein Gespräch mit dem Allergiearzt des Vertrauens ließ meine Widerspruchshaltung gegenüber meinen Allergien vom einen auf den anderen Satz zerbröckeln und zusammenfallen.

Ja, bockiger Widerspruch gegenüber dem Epi-Pen und dem Spray für die Lunge war es, denn irgendwann bin ich es einfach leid gewesen, auch noch diese beiden immer mit mir herum zu tragen. Ich ließ es einfach bleiben, konsequent, von einem Tag auf dem anderen, um mir das Gefühl zu geben, alles sei normal.

In den Jahren seither ist aber was passiert in mir und damit meine ich nicht meine Allergien, die denn sind und bleiben seit über 5 Jahrzehnten einfach an mir dran. So wie mein linker Arm oder mein rechtes Bein.

Ja, das Spray für die Lunge habe ich schon gebraucht. Den Epi-Pen allerdings, dessen Begleitung mich so überaus nervte, den zum riesengroßen Glück noch nie. Und trotzdem trage ich ihn wieder bei mir, weil ich endlich verstanden habe, was mir der Dr. mit dieser 5-Minuten-Spanne zwischen Wohl und Wehe, oder besser gesagt einfach einem möglichen Aus, sagen wollte.

So trage ich nun beide wieder bei mir. Dieses Mal aber nicht mit Frust, sondern großer Dankbarkeit, denn beide sind mir nicht mehr Feinde, sondern Freunde, die ich hoffentlich nie brauchen werde.

Die Medikamente, die ich täglich bei mir trage, die legte ich bereits ganz bewusst in den Lächle-Beutel. Warum sollte auch etwas anderes als „Lächle“ darauf stehen?! Sie erleichtern mein Leben. Ganz schlicht. Nicht mehr, nicht weniger.

Epi-Pen und Spray passen nicht hinein und ich dachte schon darüber nach, mir eine eigene, größere Lächle-Version anfertigen zu lassen, bis mir der Beutel links zufällig begegnete, in den alles perfekt hinein passt.

Jetzt fehlt mir nur noch so etwas wie eine eigene (und auch bezahlbare) Handtasche. Ich bin keine Handtaschen-Frau, trage meist alles in diversen Stofftaschenbeuteln mit mir herum, am liebsten quer über die Schulter vor mir her, und manchmal krame ich mich daran fast um den Verstand. Am liebsten wäre mir etwas aus Leder, innen viergeteilt, so wie man es von Flaschenbeuteln kennt. Vier Abteile in einem Quadrat und jedes wäre fest zugeteilt, eines davon für meinen Medibeutel.

Das Beste und Schönste so aus dem machen, was sein muss. Und wenn schon Muss, dann eines mit der positivsten Einstellung dazu ;).