Zum Glück nicht kopflos

Zuviel Lebenszeit damit verplempert, Ansprüchen gerecht zu werden, weil man dies und jenes und welches nicht macht, denkt, tut.

Zuviel Lebenszeit mit der Angst verschüttet, gewogen und für nicht schwer genug befunden zu werden.

Zuviel Lebenszeit ein Inmir und kein lachendes Außermir.

Zuviel zu lange Schokoladenmädchen gewesen.

Reiberdatschi & Apfelkompott

Irmi Hofmanns wundervolles Buch ist mir der beste Grund dafür, immer wieder einen Mehlspeisentag in die Woche einzuschieben.

Aus den frischen, mehligen Kartoffeln wurde so Reiberdatschi. Die Kartoffeln selber waren leider sehr flüssigkeitshaltig, sodass ich einen guten Anteil von ihnen zwischen meinen Händen herausgequetscht habe. Meinem Reiberdatschi füge ich normalerweise immer etwas Mehl hinzu, Irmi Hofmanns Vorschlag, stattdessen Gries zu nehmen war ein sehr guter, dabei werde ich für die Zukunft bleiben.

Nicht im Rezept angegeben, von mir aber sehr geliebt, ist der Kümmel, den ich dem Kartoffelteig hinzufügen. Kümmel gehört zu meinen Kindheitsgeschmäckern: Er war auf den von mir heißgeliebten Kümmelsemmeln und in der Rohpolnischen, die es so wie früher leider bei keinem einzigen Metzger mehr gibt.

Apfelmus oder Apfelkompott ist meine Lieblingsbeilage zum Datschi. Aus den ersten Sommeräpfeln, die recht mehlig waren, was ich nicht sehr schätze, wurde ein schlichtes, einfaches Apfelkompott, so wie ich es aus meinem Schulkochbuch gelernt habe:

Wasser mit etwas Zucker feste auf- und ein bisserl einkochen, Gewürze, also Zimt oder Vanilleschote nach Belieben gleich mit dazu und die Apfelachtel kurz darin gar ziehen lassen, sodass sie noch leicht fest und auf noch kleinen Fall lätschert sind. Fertig.

Das übrige Apfelkompott habe ich mir mit Joghurt und Bröseln aus der letzten Monschauer Printen mit ins Büro genommen und den Genuss so verlängert.

Ein herrlicher Farbverlauf

Die Tonspur-Färbung gefällt mir von Reihe zu Reihe besser.

Das Rückenteil meiner Tunika ist fertig und ich bin schon sehr gespannt darauf, wie die erste Anprobe ausfallen wird.

Zwischendurch frage ich mich schon immer wieder mal, ob es wirklich so eine gute Idee ist, ein weiteres Lace-Oberteil zu stricken, da ich doch eine große Nummer im Hängenbleiben und Fadenziehen bin …

Kein schöner Schwitzen in der Bahn

Pendlerin, die ich bin, fahre ich Bahn. Weil es billiger ist, weil es die Umwelt schützt, aber nicht, weil ich etwa ansonsten davon überzeugt wäre.

Rechne ich alle meine Bahnnutzerjahre zusammen, komme ich auf einen erklecklichen zweistelligen Betrag. Ich habe viel erlebt in diesen Jahren: Lustiges, Schönes, Schreckliches, Seltsames. Irgendwann zwischen drin stieg ich aufs Auto um, weil das Autofahren günstiger war (ja, das war tatsächlich mal so – so ungefähr in der Zeit, als man die Uhr noch nach dem Zug stellen konnte, so pünktlich kam er Tag für Tag …), nicht zuletzt aber auch deshalb, weil die selberfahrende Pendelei wirklich weniger Zeit vom Tag biss als die Schienenfahrerei.

Auch heute ist es noch immer so, dass meine Arbeitswegzeit tatsächlich eine ordentlich kürzere ist, als die, die ich mit den Öffis verbringen.

Nun gut, alles hat halt so seine Zeit und Erfordernisse und die haben es halt mit sich gebracht, dass ich vor über zehn Jahren doch wieder in den Zug stieg, obwohl ich mir „Nie!Mehr!“ geschworen hatte.

An Tagen wie einem solchen, an dem die Temperaturanzeige gegenüber der Haltestelle 36° C anzeigt und zu allem Elend auch noch die Luftfeuchtigkeit eine hohe ist, da leide ich im Zug.

Am Morgen noch, da war es aushaltbar, obwohl es im Zug hinter der geöffneten Tür hinein auch da schon sehr unangenehm roch und alles, was eine durchsichtige Scheibe ist, von fettig, schlierigen Finger- und Handabdrücken übersät war.

Der Nachmittag aber, da wird es dann deutlich unerträglicher.

10 Minuten dauert es noch bis zur Abfahrt und die Waggons rütteln sich noch stehend leicht in einem lauten Brummen, das wohl den Anschein einer irgendwie funktionierenden Innenraumventilation erwecken soll.

Es brummt aber nur, kühl ist es nicht und zu allem Elend lassen sich ja auch nicht mehr, wie früher, die Fenster zur Hälfte nach unten geschoben öffnen.

Es brummt aber nicht nur, es stinkt: Nach verschütteten Flüssigkeiten, nach vergorenen Lebensmittelresten und nach der Brunze des inkontinenten Mannes, der immer wieder mal hier aus- oder einsteigt und seine Spuren in gelb eingetrockneten Linien auf den flauschigen Stoffsitzen hinterlässt. Und es stinkt nach Schweiß. Kein Wunder, jeder Einzelne hier sitzt in einem stickigen Waggon, in dem es brummt, aber alles andere als kühl ist.

Es dauert keine fünf Minuten und mir läuft der Schweiß nicht nur aus den Haaren, über die Schläfen, Wangen, den Hals hinunter und kriecht durch und über jeden Winkel meines Körpers und durchnässt, was nur zu durchnässen ist. Ich muss mich gar nicht bewegen dafür, es reicht, dass ich atme, um zu einem tropfnassen humanoiden Etwas zu werden.

Alles was eine durchsichtige Scheibe ist, ist noch immer von fettig, schlierigen Finger- und Handabdrücken übersät.

Kein Wunder, dass man Zugbegleiter auf dieser Strecke keine zehn Mal im gesamten Jahr sieht, denn ich würde in einem solch versifften Biotop auch nicht arbeiten wollen.

Am Ziel angelangt stehe ich auf, ziehe mir in der gleichen Bewegung fliessend den nassen Stoff weg von meiner Haut und habe das Gefühl, regelrecht aus der sich öffnenden Tür auf den Perron zu taumeln.

Mir reichts.

Am nächsten Tag wird die Temperatur noch höher klettern, aber ich nicht in den Zug.

Ich werde mit dem Auto fahren, ein schlechtes Gewissen dabei haben, aber auch die Gewissheit, mich nach dem Feierabend nicht total geschafft und fix und fertig durch die Wohnungstür zu schleppen.

 

 

Kräuterbutterbohnen aus dem Backofen

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Die nächsten reifen Bohnen aus dem Garten wurden zu einem sehr feinen Bohnengericht, welches wieder aus der Feder von Paprika meets Kardamom stammt.

Ich habe mich in allem an ihr Originalrezept gehalten. In fast allem, denn statt mit Curry habe ich die geschmolzene Butter mit dem Rest Kräuterbutterwürzmischung von Ankerkraut (ich steh drauf) verfeinert, der im Gewürzregal stand.

Den Kräuterjoghurt dazu habe ich mit Schnittknoblauch, Basilikum, Pfefferminze, Pimpernelle und glatter Petersilie zubereitet.

Beides eine feine Begleitung zu Pellkartoffelnmit Bismarckhering.

 

Nupsi und der Schatz

Was man beim Aufräumen so alles findet: Vor vielen Jahren habe ich einem kleinen Mädchen (ich nenne sie hier einfach Marie) eine Kette mit einer besonderen Glasperle geschenkt und drumherum die nachfolgende, kleine Geschichte geschrieben (an einem warmen Sommertag, als ich unter einem schattigen Holunderbaum auf meine Tochter wartete, die eine Reitstunde hatte):

Nupsi und der Schatz

Nupsi, die kleine, seidenweiche Waldmaus, lebt mit ihrer Familie: Mama Liesi, Papa Anton, Oma Miri und Opa Friedel in der Wurzel der 3. Eiche links im großen Ahornwald.

Unter all den anderen Waldmauskindern in ihrer Schulklasse ist Nupsi etwas ganz besonderes, denn ihr Fell ist mit allerliebsten weißen Mäusesprossen verziert. Ihr Lieblingsfleck ist der kleine direkt neben ihrem linken Öhrchen. Aber nicht nur ihr Fell lässt Nupsi anders sein als all die anderen Kinder um sie herum. Nupsi tobt nicht gerne und sie mag auch die lauten und wilden Spiele auf dem Schulhof neben dem Rathaus in der Ulmenwurzel nicht. Viel lieber sitzt sie mit ihrer Freundin Ina der Raupe in der Bibliothek, denn beide lesen für ihr Leben gerne und träumen sich so in ferne Länder und Abenteuer hinein. Nupsi wäre zu gerne einmal eine Prinzessin, die in einem goldenen Schloss lebt und Ina hat nur einen Wunsch: Eine Bücherwürmeline zu sein sein!

Letzte Woche Mittwoch trafen sie sich nach dem Planschen im großen Tauteich, um ihre zuletzt gelesenen Bücher abzugeben. Nupsi hatte den 3. Band der „Abenteuer von Prinzessin Fliederfee“ und Ina das „Lexikon der 399 schönen Blumen im Ahornwald“ dabei.

Igeldame Lilli, die Bibliothekarin, ließ sich die Bücher mit je einem Bucheckerkern bezahlen und sie in Ruhe neue aussuchen. „Ina, schau mal, Lilli hat doch tatsächlich die Reiseberichte von Tucki Tukan im Chinesen-Land besorgen können!“, begeistert hob Nupsi den dicken Wälzer hoch über ihren Kopf und merkte gar nicht, dass ihr daraus ein kleiner, zerknitterter Zettel auf den Scheitel gerutscht war, bis ihn ihr Ina lachend vor das Näschen hielt. Er war nicht nur zerknittert, sondern auch fleckig und sah sehr alt aus. „Was ist denn das? Gehört das dir, Lilli?“. Lilli verneinte und da das Buch ganz neu war und es noch niemand ausgeliehen hatte, erklärte sie, dass der Zettel nun das Eigentum der beiden Freundinnen sei. Die zwei staunten nicht schlecht, als sie ihn endlich ganz auseinander gefaltet hatten, denn in großer, krakeliger Schrift stand dort über einer Zeichnung das wort

S C H A T Z K A R T E 

„N-n-n-upsi, ein Schatz, uns gehört ein SCHATZ!“ Inas schöne hellgrüne Haut mit den roten Kringeln wurde vor Aufregung dunkelgrün und ihre Kringel lila! Hastig kniff sie ihre Augen zu und öffnete sie wieder und noch immer lag das Schatzkärtlein vor ihnen. „Nupsi, sieh mal, hier ist ja der große Tauteich eingezeichnet! Das darf doch wohl nicht wahr sein, der Schatz ist hier im Ahornwald!“.

Nupsi saß einfach nur da, mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mäulchen, bis Ina ihr einen liebevollen, sanften Schubs gab und dann war auch sie nicht mehr zu halten. Gackernd und kichernd stürmten sie, vor lauter Aufregung ohne Gruß, an Lilli vorbei, die ihnen geheimnisvoll schmunzelnd hinterher sah. Die Suche nach dem Schatz begann am nördlichen Ufer es großen Tauteichs, von dort aus ging es genau 96 Schritte nach rechts und 17 nach links, bis hin zum Steinpilzhaus der achtköpfigen Marienkäferfamilie Rapsacker. Auf der großen Wiese für die Raspackerschen Heupferdchen mussten sie sich genau zwölfeinhalbmal im Kreis drehen und 24 Mal rückwärts auf einem Bein bis zur blassblau schimmernden Glockenblumenwiese hüpfen.

Das alles war ganz leicht für die beiden Freundinnen, aber jetzt kam eine schwierige Aufgabe: „Wer sucht, der findet die 13!“ stand auf dem Zettelchen. 13, wo sollte den hier eine 13 sein? Nein, nirgendwo stand ein Schild mit dieser Zahl. „Hmmm, vielleicht sollen wir nach etwas suchen, dass es genau 13 Mal gibt“, nachdenklich kratzte sich Nupsi am Kopf. „Das ist eine gute Idee!“, kam es von Ina und so finden sie an zu zählen:

Glockenblumen gab es, soweit das Auge reicht, dazu noch 3 Regenwürmer, 11 Grillen, 6 Zitronenfalter und 12 Tagpfauenaugen, 4 glitzernde Kieselsteinchen, genau eine rote, reife Walderdbeere, die sie sich schmatzend schmecken ließen, 9 Himbeerblüten und da, ja, da lag die 13 vor ihnen: Ein Kreis auss genau der gesuchten Zahl goldgelber Pfifferlinge!

„Hurra, Hurra, Hurra!“ sangen sie tanzend um den Kreis herum und dann begannen sie ganz, ganz vorsichtig in seiner Mitte zu graben. Dabei passten sie auf, dass den Pilzen nichts passierte. Vorsichtig hoben sie saftiges, grünes Moos beiseite und da lag auch schon eine kleine, glitzernde Holzkiste vor ihnen. In einem kleinen Schloss steckte ein noch kleinerer Schlüssel und als sie ihn drehten, sprang der Deckel auf und drei Päckchen lugten aus dem Inneren hervor. Auf dem ersten stand „Nupsi“, auf dem zweiten „Ina“ und schließlich auf dem dritten „Marie“.

Und gerade jetzt, in diesem Moment, macht jede dieser drei kleinen Prinzessinnen ihr Päckchen auf und jede von ihnen findet für sich das gleiche:

Eine Kette mit einer Traumperle!

 

Liebe Marie, 

Lilli, Nupsi, Ina und ich wünschen Dir mit Deiner Traumperle ganz viel Spaß!

Feengrüße an Dich von Ev

 

 

Apfelkuchen mit Mandelknusperdecke

Beim Obsthof des Vertrauens gibt es wieder Äpfel aus eigener Ernte. Und deshalb beginnt auch hier aufs Neue die Apfelkuchenbacksaison.

Zutaten:

1 kg Äpfel, 1/4 l Apfelsaft und dann noch einmal 50 ml Apfelsaft, 1 Päckchen Vanille-Puddingpulver (Vanille, nicht ekliges Vanillin), 2 El Zucker, 1 Tl Ceylon-Zimt, 150 g Mandelblättchen, 35 g Zucker, 75 g Süßrahmbutter und dann noch einmal 125 g Süßrahmbutter, 3 El Milch, 250 g Mehl, 35 g Zucker, 1 Prise Salz, 1 Ei

Zubereitung:

Aus dem Mehl, 35 g Zucker, der Prise Salz, dem Ei und 125 g kalter Süßrahmbutter rasch einen Mürbteig kneten mit einem Rand eine mit Butter gefettete Springform auslegen.

Die Äpfel waschen, schälen, achteln und die Achtel in 4 – 5 Stücke schneiden. Den 1/4 l Apfelsaft mit dem Teelöffel Zimt aufkochen. Das Puddingpulver mit den 2 El Zucker mischen und mit 50 ml Apfelsaft glattrühren und dann unter den kochenden Zimtapfelsaft. Gut vermengen, die Äpfel unterheben und den Topf weg von der Herdplatte ziehen. Den Apfelpudding etwas abkühlen lassen.

In der Zwischenzeit die 75 g Süßrahmbutter, 35 g Zucker und die Mandelblättchen unter Rühren aufkochen lassen, alles nur zart goldgelb werden lassen, dann vom Herd nehmen, sofort die Milch unterrühren und dann den Esslöffel Honig.

Den Apfelpudding auf dem Teig verteilen und für 30 Minuten auf der untersten Schiene in den auf 180° C vorgeheizten Backofen schieben. Herausnehmen, die Mandelknusperdecke darauf verteilen und ab damit für weitere 30 Minuten in den Backofen.

Fertig.

In der Form komplett abkühlen lassen, bevor man den Kuchen heraus nimmt.

 

Die Jeanne d’Arc des Klimawandels und bei uns stirbt der Wald

Unser Klima wandelt sich, das ist unbestreitbar.

Warum das so ist, darüber darf sich streiten wer will. Dass wir Menschen mit unserer überbordenden Gier nach immer mehr, auch nach dem Besonderen und Einzigartigen, und unserem immer perversere Züge annehmenden und maßlosen Konsumverhaltens mit daran schuld sind, das ist eine unbestreitbare Tatsache.

Dass wir sehenden Auges ungebremst auf eine Katastrophe zusteuern, das ist nicht erst seit letztem Jahr bekannt, sondern schon sehr viel länger. Wer hören und denken wollte, der konnte hören und denken und zumindest für sich versuchen, Änderungen umzusetzen, denn ein Thema, das groß medial stattfand war das doch ehrlich nicht.

Zumindest nicht, bis letztes Jahr in Schweden ein 15-jähriges Mädchen ganz allein damit begann, gegen unser aller Ignoranz zu protestieren.

Aus diesem einen Mädchen wurden viele Kinder und Jugendliche, die regelmäßig an den Fridays for Future demonstrieren.

Nun wissen wir ja alle, wie das ist: Das sind ja Kinder, haben noch keine Ahnung von den großen Zusammenhängen, den Problemen, den Pflichten denen die Erwachsenen unterworfen sind. Und deshalb ist das ja auch Augenwischerei, denn den Streikenden geht es ja nur um eines: Freizeit, keine Schule haben und außerdem benutzten die ja alle Handys – Pfui, Pfui, Pfui – schon das Beweis genug, dass sie nicht in der Lage sind, wirklich etwas für die Umwelt tun zu wollen.

Nein, so einfach ist das nicht.

Es gab da schon einmal ein Mädchen in diesem Alter, das in die große Weltgeschichte eingegangen ist: Jeanne d’Arc. Damals ging es um etwas ganz anderes wie heute und doch hatte ausgerechnet ein junges Mädchen eine überaus große Strahlkraft. Sie stieg sehr hoch, fiel tief und wurde am Ende auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

So geht das allzu oft ihren Kopf verlierenden Überbringern schlechter Nachrichten gerne, denn:

Die Wahrheit ist ein bitt’rer Trank
und wer sie braut hat selten Dank,
denn der Menge schwacher Magen
kann sie nur verdünnt vertragen.

Greta Thunberg segelt gen USA, um beim Klimagipfel in New York zu reden und nun ist die Häme groß. So verwerflich ist es, dass sie ein Segelboot nutzt, statt selber zu fliegen und ich frage mich, was das soll, all diese Häme, all dieser Hass. Warum redet man darüber, statt den Finger in die wirklich wichtigen, offenen Wunden zu legen?

Hätte sie sich zuerst aus Schwemmholz und Plastikabfall aus dem Meer ein Floss schnitzen sollen, natürlich die Verpflegung und Proviant aus den Abfalleimern der Discounter?

Nicht Greta ist unser Problem.

Nein.

Wir sind es.

Ich muss nur aus dem Fenster schauen um zu sehen, dass der Wald krankt, dass die toten Bäume in ihm deutlich zu sehen sind, die der Dürre, der Hitze, dem fehlenden Regen nicht erst, aber ganz besonders, seit dem letzten Jahr und auch in diesem, zum Opfer gefallen sind.

Die Insekten werden immer weniger, auch unsere Vögel, Flora und Fauna verändern sich dramatisch und nicht nur in Baden-Württemberg steht man vor den Herausforderungen eines dramatischen Waldsterbens.

Eine Jugendliche, eine junge Frau, hoch und höher zu hängen, um von all dem abzulenken, sie zu diskreditieren, mit Häme zu lackieren und mit Ablehnung zu glasieren ist leider allemal leichter, als unbequeme Maßnahmen durchzusetzen und bittere Wahrheiten auszusprechen.

Meine große Hoffnung ist, dass man Greta die Freiheit lassen wird, ihren eigenen Weg, ihre eigene Meinung immer offen sagen und leben lassen zu dürfen.

Auch und besonders gerade deshalb als Mahnmal für all jene, die vergessen zu haben scheinen, dass sie selber einmal in diesem Alter waren, sich die Köpfe an Geboten, Türstürzen und diesem vermaledeiten „Dafür bist Du noch nicht alt genug“ angerannt haben.

Natürlich haben Erwachsene und Alte den Vorteil, über Lebenserfahrung zu verfügen, den Mut aber und den Glauben, die Welt verändern zu können, den haben die Jungen auf jeden Fall und wer sind wir, den Stab darüber zu brechen und zu meinen, dass ausgerechnet wir die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und sie nicht?!

Edit: Wie das gerade so ist, gibt es schlimme Waldbrände in Brasilien, der Mann an der Spitze kolportiert, dass Umweltschützer sie gelegt haben könnten … alles in den Reaktionen auf diese Feuer nicht so „innig“ und „verzweifelt“ wie damals als Notre-Dame brannte …

Berglinie

Ich bin in Sichtweite der Alpen aufgewachsen und immer dann, wenn ihre Linien vor mir auftauchen, geht mir das Herz auf und ich beginne, in mir drin ganz weich zu werden und zu schmelzen.

Mir eigen ist eine große Naturverbundenheit und ich gehöre nicht zu den Menschen, die nicht dazu in der Lage sind, das Grandiose im Kleinsten zu entdecken oder nicht zu schätzen wissen, wo sie leben dürfen.

Manchmal aber muss ich an mir selber rütteln, scheppern, klappern, um mir bewusst zu machen, dass eine Berglinie nicht nur etwas mit den Alpen zu tun hat, sondern damit, dass wir selber in welchen leben, die nicht so groß, so schroff und so sprachlos machend sind, aber eben doch eines: Bergig.

Ich bin so dankbar für mein Leben.