2019: Mein Jahr mit und ohne Wolle

Ich sag mal so: Holla die Waldfee – und mit gar nicht so viel Wolle.

Januar:

Das Jahr beginnt mit Auge, Cortison, einem brasilianischem Tod und Geschenken aus Neuseeland. Wir trinken sehr nett Tee, essen lecker italienisch. Ich feiere, stricke, ein Motorrad wird gekauft, gebe Geld bei einer Lesung aus und noch viel mehr für eine neue Brille. Ich freute mich auf einen experimentellen Häkelkurs, leider umsonst, außer mir hatte sich nur eine weitere Interessentin gemeldet. Ein herrlicher Kunsthandwerkermarkt und ein eigenes Kopfblume, Geburtstagsgrüße ans andere Ende der Welt. Der Monat endet mit Schnee – endlich und doch noch, nur ganz kurz.

Februar:

Besuch des ersten Flohmarkts des Jahres, mit alten Blumenkindern nach Hause. Erste völlig doofe Empörungen im Zug über für die Zukunft an Freitagen streikende Jugend. Ich fädle mir aus Garnresten einen wolligen Fensterhänger und durfte den wolligen, versponnen und gewebten Hintergrund eines Dorfes entdecken. Neue Stühle für den Tisch und noch mal sehr viel Geld für die zweite notwendige Brille. In der Stadt am Fluss läuft blaues Wasser aus den Hähnen und sorgt für Wasserflaschenpanik im großen Umkreis. Koche mit der VHS lecker indisch und besuche mit der liebsten Freundin Marilyn. Der Gatte backt, ich sitze am Laptop, Excel und ich werden Freunde. Ich stricke. Cortison & Kino.

März:

Cortison. Juhu Wolllandia in Kieselbronn – herrlichster Wolltag! Werde krank und stricke erst danach wieder. Der Gatte allergisiert  erschreckend heftig und bekommt schnelle Hilfe. Granatapfel-Quitten-Gelee mit Rosenwasser und noch zwei Flohmärkte. Ein Socken-Päckchen macht sich auf die Reise. Stippvisite im Botanischen Garten und die Hoffnung, dass dieses Refugium nie verloren gehen mag, Hoffnungen sterben bekanntlich zuletzt.

April:

Ich stricke und beobachte fasziniert Wespenrangeleien. Kunsthandwerker- und Französischer-Markt in MOS. Geplante Tattoo-Hummel. „Knopf dran!“ im Hornmold-Haus. Ein Bauwerk brennt nieder und das ist augenscheinlich in der medialen Wahrnehmung schlimmer als viele Ertrunkene – entsetzlich. Das Zweitere, nicht das Erstere. Flohmarkt. Der erste regionale Spargel. Stumböen und ich werde zur Brandmelderin. Die ersten Erdbeeren. Cortison. Inspirierend collagierte Stühle bei einer Ausstellung.

Mai:

Ich stricke. Cortison und es reicht mir, für den Rest des Jahres, das jeden Monat zu wiederholen … Viel Radfahrfreude. Die jungen Bäume mit Knallfolie vor Frost geschützt. Abendliche Maikäferflüge mit Regenrinnenklongkonzerten. Wildbienensex im Garten und mein Tableau „Mägdeleben“. Ich stricke und koche feinst persisch mit der VHS. Antibiotika, um die Lunge zu schützen. Der Spiegel veröffentlicht einen Enthüllungsbericht und ein Blogbeben ungeahnten Ausmaßes beginnt. Ich weiß nicht mehr, was ich denken soll und bin zuerst einfach nur enttäuscht. Und fassungslos über ungezählte Kommentatorinnen und Kommentatoren, die schon immer gewusst haben wollen, das alles nichtig und unwahr war …

Juni:

Ich stricke. Dieses Mal muss ich bei der VHS absagen. Sehr, sehr, sehr große Willkommen zurück-Freude! Die Tattoo-Hummel platzt. Schöne, neue, graue Tapeten und ein Schuhschrank. Zwei Kriebelmückenbisse an einem Abend und danach ein wunderschönen Urlaub im Bayerischen Wald. Ein dort im Inet hoch gelobtes Frühstück in einer Bäckerei, das mir solch schlimme Magen-Darm-Probleme bereitet, dass es uns den Hochzeitsfeiertag in Tschechien total verkackt und ich noch lange Freude daran haben werde. Nicht. Feuerfaszination und Hollerprodukte. Freiburg, nicht nur ein sommerlicher Markt-Traum. Sehr leckeres 3-Gänge-Menü.

Juli:

Ein grandioses Abendrot und noch drei Kriebelmückenbisse an einem Abend. Feines Freundinnenessen daheim. Ein Ohrring-Packerl. Gemüsegartenernten. Partielle Mondfinsternis. Ein sehr genialer Garten und ein neuer Trockner, verspätete Züge. Zu heiß und zu trocken. Die Nachricht, dass eine ehemalige Freundin nicht mehr ist. Sorgen um eine liebe Kollegin. Zu trocken. Zu heiß. Das Fräulein wird tot aufgefunden und das Blogbeben erreicht ein weiteres Mal ungeahnte Höhepunkte. Auch die Äußerungen der Häme, des Hasses, des Besserwissens. Meine Enttäuschung wich schon vorher, bin einfach nur traurig und erschüttert. Sehr traurig und erschüttert.

August:

Zu trocken. Zu heiß. Stricke trotzdem. Ich klebe und male therapeutisch. Einmal China und zurück. Radfahrfreude zu einem verwunschenen Garten und einem Klosterfest. Auge, Cortison, Tralalala … ich wollte doch nichts mehr drüber schreiben … Flohmarkt und ein Umzug. Intensives Collagieren. Die ersten Lebkuchen im Laden und der zornige Wunsch, dieser kranken Konsumwelt ein herzhaftes F… y.. in die Ohren knallen zu lassen. Entschließe mich wie schon seit vielen Jahren zum Boykott, da auf eine Änderung von oben zu warten müßig ist, ich lieber selber erste Schritte mache.

September:

Einkochen, einkochen, einkochen. Von Flohmärkten kann es mir nie zuviel werden :). Leckerer, nachhaltiger Brot- und mehr-Markt in MOS. Kurzer, heftiger, völlig sinnloser Büro-Beef, aus dem wir gemeinsam das Beste heraus holen. Helfe mit Excel. Aber jetzt: Ab in den Urlaub – jeder Tag voller wunderbarer Erlebnisse – von wegen Panama = Oh, wie schön ist Sachsen! Schlüpfe auf der Treppe vom Schloss Moritzburg in Aschenbrödels Schuh, bin und bleibe aber beim einzigen und wahren Prinzen meines Herzens, meiner Liebe. Ich stricke.

Oktober:

Alle guten Dinge sind 3 und somit der letzte Stich des Jahres. TÜV im (unerwarteten) zweiten Anlauf für die Blaue Elise. Mein Körper streikt und legt mich lahm. Flohmarkt. Ich stricke. Wenig, aber ich stricke. Heckenschnitt. Das Kind in mir muss Heimat finden. Hand-Op und ich erkenne mich nicht wieder, denn ich schaue zu und lasse mir während dessen alles ganz genau vom Operateur erklären, der das auch noch mit Freunde macht ;). Nix mehr mit Stricken.

November:

Wochenlang nichts anderes, als ein Buch nach dem anderen. War ich jemals zuvor schon so tiefenentspannt? Hält leider nicht lange an, denn ohne Vorwarnung niedergeschmettert und fassungslos. Sage 99 % von dem, was ich sagen wollte mit Ansage, lege Schalter um und höre auf zu reden. Letzte Balkontomatenernte. Füge Sieb, BH, Rosenkranz und Kirche zueinander. Muse Chocolat, ein traumschöner Wolleladen, die Idee für eine Collage. Das Flohmarkt-Tüpfelchen auf dem i dieses Jahres. Eine sehr erfreuliche Terminzusage im nächsten Jahr, mit der ich nicht mehr rechnete.

Dezember:

Unendliche Adventsfreude, geteilt mit der liebsten Freundin durch Postkartenadventskalender von ihr für mich und von mir für sie – das wird wiederholt – 24 Tage, jeder einzelne mit einem ganz besonderen und geteilten Beginn. Was für ein Segen und was für ein Geschenk, solche Menschen um mich haben zu dürfen – ohne Verstellung, ohne Überheblichkeit, ohne Missgunst, ohne Besserwisserei und ohne jegliche Masken! Genialer Weihnachtsflohmarkt. Ein Geburtstagsessen und die Erkenntnis, wie wohl man sich inmitten von Menschen fühlen kann, die einem vorher völlig unbekannt waren. Die Bloggedanken des Fräuleins fehlen mir noch immer. Jedes Mal, wenn ich an der Synagoge vorbei komme, wenn die Kollegin von ihrem neuen Job erzählt, denke ich an sie, traurig und ratlos und in der Hoffnung, dass sie ihren Frieden gefunden hat. Und erst recht die Menschen, zu deren leibhaftigem Leben sie gehörte und die viel mehr zählen als die und ich, die sie nicht wirklich kannten, nur bei ihr lasen. Rosenwasser & Stoffservietten. Ein wunderbarer Abend voller Lachen mit der Freundin und mit lecker Essen. Grabbesuch mit Baumumarmung und einem wichtigen Zwiegespräch. Bücher aussortiert und Deckchen verschenkt. Eine Schulung und eine wichtige Erkenntnis zu anderen Adventskalendern. Geschirrtransfer und Schriftliches. G(e)mein(er) leckere Schokolade, Freiburger Weihnachtsmarkt und Läderach-Genuss. Familiengeheimnisse aus denen sich lernen lässt, dass einsam manchmal und zum Glück nichts anderes als zweimal bedeutet. Zwei Bauerngänse, die beste Sauce, die ich jemals kochte und ein Tuch, wie ich es schöner niemals selber machen könnte. Danke!

Zutiefst dankbar für meinen Mann, unsere Kinder, die Menschen, die ich Freund nennen darf. Unbezahlbar und mehr wert als alles andere.

Das Jahr im Bild:

Tschüß 2019.

Rosiger Dezember

Rosenknospenfarbige Morgen- und Abendhimmel verbinde ich ja mit allem möglichen, besonders mit dem Herbst, bislang aber definitiv nicht mit der Adventszeit, dem Dezember, dem Winter!

Und ich habe noch nicht einmal jede einzelne dieser Himmelsfärbungen in diesem Monat fotografiert.

Die Umwelt- und die Nazisau

Laut dem Duden ist dies die Definition für Satire:

  1. Kunstgattung (Literatur, Karikatur, Film), die durch Übertreibung, Ironie und [beißenden] Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt.
  2. Künstlerisches Werk, das zur Gattung der Satire (1) gehört.

Wenn man nun ein dummdämliches Sauflied wie „Wir versaufen unserer Oma ihr klein Häuschen“ umtextet in „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau“, dann ist das pour moi weder Kunst, noch Satire, sondern einfach nur eine strunzdumme Aktion, die auf Krawall aus ist. An Unterirdischkeit nur noch zu unterbieten mit der Aussage, dass die Oma keine Umwelt- sondern eine Nazisau sei.

Wie alt waren die Kinder, die man dieses Lied hat singen lassen? So um die 10 Jahre? Sehr gut, dann könnte ich nämlich die Oma eines dieser Kinder sein. Rein hypothetisch natürlich. Ich nehme mal an, die Eltern diese Kinder waren darüber informiert, dass der Chor gefilmt werden würde und entsprechend stolz drauf? Kann ich nicht beurteilen, nur annehmen.

Da ich aber in einem absolut Oma-fähigen Alter bin, kann ich mich darstellen – bitte schön:

Ich fahre keinen SUV, ich bin noch nie geflogen und habe noch nie eine Kreuzfahrt gemacht, Discounterfleisch bzw. -wurstwaren findet man bei uns bereits seit vielen Jahren nicht.

Nazisau also?

Nein, auch damit kann ich nicht dienen. Eine Beleidigung schon für jedes vierbeinige Borstenvieh ist diese Bezeichnung. Soweit ich weiß, sind Nazis alle Zweibeiner. Was nichts daran ändert, dass ich weder als solches bezeichnet noch sonst in irgend einem solchen Zusammenhang genannt werden möchte, da ich mit solchen Weltanschauungen nichts, aber auch gar nichts zu tun habe oder zu tun haben will.

Kommen wir mal zu den existierenden Omas in unserer Familie:

Keine fährt einen SUV, keine ist jemals geflogen, in einem Kreuzfahrtschiff gesessen oder isst Discounterqualfleisch und Nazis waren sie erst recht nicht, da sie nur eines sind: Schwerst traumatisierte Kriegskinder. Sie haben nicht gemacht, mit ihnen wurde gemacht.

Als Omas aber sind sie – natürlich – an allem schuld.

Nein, nicht die alles bei Am*zon-Besteller, auch nicht die nicht vorhandene Umweltpolitik, die Hauptsache billig-P*rmark-Fluter, wobei da ja gerade die Altersgruppe Oma besonders angesprochen wird (Ironie off), nein, auch nicht die Lobbyisten, denen in der Politik Tür und Tor geöffnet wird, nein, natürlich auch nicht unsere Wirtschaft, in der es immerzu und überall nur total korrekt zugeht … nein, auch nicht die Lebensmittelindustrie, die noch einen Discounter mehr in das Land mit der weltweit größten Discounterquote hineinquetscht, nein, auch nicht die Pharmaindustrie … nein, für alle die und noch mehr, gibt es ja Omas! Ein Glück nur, dass bei Omas absehbar ist, dass sie aufgrund ihres Alters eh bald ins Gras beissen und dann, ja, dann wird und ist alles, alles gut.

Ganz bestimmt!

 

 

 

Kartoffelsalat mit Schinken und Käse

Boah, nee, ey, das kommt davon, wenn man ein Photo vom sehr leckeren Kartoffelsalat mit dem Rezept im Hintergrund macht und dann verpeilt, wo man das Heft dazu hingelegt hat, ich Schlumpel, ich.

Naja, sollte ich es doch noch finden, reiche ich selbstverständlich die Quelle dafür nach.

In Änderung der Zutaten habe ich allerdings nicht auf Erbsen aus der Dose oder dem Glas zurückgegriffen, sondern selbst eingefrorene verwendet, ohne sie zu kochen, was dem Salat einen frischen, knackigen Dreh gegeben hat.

Sehr lecker.

Kartoffelsalat geht eh IMMER :)!

 

 

Köstliche rosa Kokosferkelchen

Knusper-Nachtrag von vor Weihnachten – macht nix, lässt sich auch bestens danach genießen ;)!

Am 23.12. gab es hinter dem Türchen des Knusperstübchen-Adventskalenders ein Rezept für Kokosmandeln zu entdecken. Bereits beim Lesen dachte ich an die unverbackenen Mandeln daheim, aber auf weiße Schokolade hatte ich einfach keine Lust … kein Problem, denn in der Backzutatenliste warteten dazu auch noch zwei Tafeln Ruby-Schokolade!

Als ich das erste Mal so eine rosige Schokoladentafel sah, war mein Gedanke „Geht’s noch? Gibt es nicht schon genug schlechte Schokolade, muss man die jetzt auch noch mit Farbe verhunzbibbeln?!“

Ihr habt selber noch keine probiert, weil Ihr das Gleiche denkt wie ich dachte? Dann folgt dem Link oben und überwindet Euch. Die Schokolade schmeckt ein klitzebischen fruchtig und ist nicht so übersüsst, wie das was man normalerweise im Handel findet und wie ich finde, meilenweit besser als weiße Schokolade.

Der bonfortionöse Gatte blickte misstrauisch, als er mich  in der Küche werkeln sah; er weiß warum, ich experimentiere einfach nur zu gerne und nicht jedes Ergebnis mundet ihm.

Flugs die Mandeln im Backofen geröstet, sanft die Schokolade im Wasserbad weich gerührt, alles vorsichtig mit der Kokosmischung vermengt und zum Abkühlen auf den Balkon gestellt.

Alles Misstrauen war nach dem ersten Kosten spurlos verschwunden – äußerst knusprig lecker sind meine ferkelrosa Kokosmandeln geworden. Nun ja, die Farbe ist etwas gewöhnungsbedürftig, was dem Genuss aber keinen Abbruch macht.

Sehr, sehr fein, Danke Dir für dieses tolle Rezept, liebe Sarah!

 

Schneevlöckchen

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Ein gesegnetes Weihnachtsfest Euch allen!

Auch ohne Schnee weit und breit.

Genießt dieses Fest mit Euren Lieben, den Menschen, die Euch am Herzen liegen.

Ohne Hast, ohne Hetze, ohne Häme, ohne mit den Fingern auf andere zu zeigen oder zu meinen, dass man besser als diese sei, ohne Besäufnis, ohne Groll, ohne Ansprüche, die Ihr selber noch nicht einmal erfüllen könnt.

Nur mit Ruhe. Nur mit Liebe.

Nur so.

So wie dieses Lied:

Zum 4. Advent: Der Weihnachtsmarkt Freiburg

Oh jeh, das seh ich erst hier jetzt beim Schreiben, dass dieses Bild ein Wackeldackel ist! Egal, es passt und je öfter ich es ansehe, desto mehr wird mir klar, dass dieses Bild besser als alle anderen Weihnachten in seiner Ambivalenz in mir drin abbildet.

Ich liebe die Adventszeit. Ich liebe den Winter. Die dunkle, kalte, stade Winterzeit macht mich weder melancholisch, traurig, depressiv, sondern setzt mir das Tüpfelchen auf das i zum Ende des Jahres. Winterkind halt.

Mehr noch als in allen anderen Monaten liebe ich es im Advent zu experimentieren, auszuprobieren, zu dekorieren und zu geben.

Ich nutze den Advent zum „Danke“ sagen, überlege mir wie ich das mache, womit und für wen und dieser Moment, als ich der Bäckereifrau, die ich noch nie anders als unglaublich nett und freundlich erlebt habe, mein „Danke“ über den Tresen reichte, wir uns darüber umarmten und „Frohe Weihnachten“ wünschten, der trieb mir heimelige Tränen in die Augen. So heimelig, wie Tränen nur sein können. Das ist Weihnachten für mich, auch wenn es noch nicht der 24.12. gewesen ist.

Der Freiburger Weihnachtsmarkt ist der einzige Weihnachtsmarkt, den wir dieses Jahr besucht haben. Nicht, dass es nicht auch woanders andere Möglichkeiten gegeben hätte, aber es hat sich eben nichts anderes ergeben und wenn der bonfortionöse Gatte mich nicht am Tag davor mit der Fahrt am nächsten Tag nach der Arbeit dorthin überrascht hätte, dann muss ich ehrlich sagen, dass ich nicht weiß, ob ich überhaupt einen besucht hätte.

Weihnachten mit seinem ganzen Ramtamtam, dem Shopping – oder besser Kaufrausch, dem Trubel, das kommt mir immer mehr abhanden. Diese Fassaden sind mir bedeutungslos und ich fühle mich darin verloren und um es bildlich zu sagen, wie ein kleiner, weißer Stern inmitten all dem Knallbunt so wie oben auf dem Sternenbudenbild. Ich mag es intensiv, innig, ruhig.

Trotzdem aber liebe ich gerade in dieser Stadt hier die Farben darin, die ruhigen Ecken, die sich finden lassen. Und vor solchen leuchtenden Momenten werde ich immer wie das Kind stehen, das ich war, das bezaubert ist von all dem Leuchten, Strahlen, Glitzer – der Verheissung auf Freude, Frieden und die Hoffnung, die für mich darin immer lag und liegt.

 

Gegen Gürtelrose impfen

Als ich auf die Welt kam, war die Pockenschutzimpfung noch Pflicht und später in der Schule gab es keine Frage, da stand man einfach wie alle anderen hintereinander für die Reihenimpfung an, Schulter frei, Messerchen durch, fertig, wegtreten.

Als ich die Masern bekam, hatte ich Fieberkrämpfe und bekam so schreckliche Fieberträume, dass ich eines Nachts völlig orientierungslos unter meinem Bett an die Wand gepresst erwachte und nicht mehr wusste, wo ich war.

Mumps bescherte mir solch dicke Hamsterbacken, dass ich mir nicht vorstellen konnte, jemals wieder einen ganz normalen Halsumfang zu haben und ohne Schmerzen schlucken und sprechen zu können.

Die Windpocken begannen mit einem einzelnen, großen, juckenden, Bläschen rechts unten an meinem 12-jährigen Rücken, wenige weitere folgten und als ich sagte, dass ich nun die Windpocken habe, lachte mein Vater mich aus und prophezeite, dass unser Arzt das ebenfalls tun würde, als ich mich alleine auf dem Weg zu ihm machte. Er lachte nicht.

Als ich 15 Jahre alt war, fand in der Schule für alle Mädchen eine Reihenimpfung gegen Röteln statt. Für alle Mädchen, die noch nicht 15 waren, denn die 15-jährigen, so sagte man uns, könnten ja alle schwanger sein. Bei meiner 1. Schwangerschaft wurde mein Röteln-Titer erhoben und siehe da, irgendwann hatte ich sie schon gehabt, ohne dass es jemand bemerkt hatte.

In meiner Kindheit war es nichts ungewöhnliches, dass Kinder durch Masern taub wurden, eine Gehirnschädigung erlitten oder sogar daran starben. Auch nicht, dass Kinder an Polio erkrankten; ich erinnere mich sehr deutlich an ein Mädchen, das ein oder zwei Jahre älter als ich war und nur deshalb noch alleine laufen konnte, weil seine Beine in stützende Halter eingerüstet waren.

Wir lassen uns impfen, durchlaufen turnusmäßig alle empfohlenen Impfungen und ließen auch unsere Kinder impfen, denn niemals hätte ich gewollt, dass sie all meine Erfahrungen durchleben müssten. Als unsere Tochter gegen HPV geimpft wurde, ist eine meiner damaligen Kolleginnen regelrecht ausgerastet und warf mir vor, dass wir fahrlässig ihr Leben durch diese Impfung gefährden würden, was man auf keinen Fall tun dürfe.

Ich habe es einfach irgendwann aufgegeben, mit Viren und Bakterien diskutieren zu wollen, da die emotionslos ihr Programm durchziehen und nicht kompromissbereit sind. Ein einfaches Leben im Einklang mit der Natur bringt auch nichts, wie zu viele Naturvölker qualvoll erfahren mussten. Und ich habe noch immer nicht die Erkrankung gefunden, der Behandlung mit Zucker helfen könnte …

Nun, das ganze Leben ist jeden Tags aufs Neue ein unkalkulierbares Risiko. Das Thema Impfschäden ist in unserer Familie sehr präsent, denn mit den Folgen eines solchen leben wir jeden Tag (Nein, liebe ehemalige Kollegin, es war nicht die gegen HPV). Krankheiten bergen aber ebenfalls ein unkalkulierbares Risiko. Jeder muss entscheiden, wo man für sich eine Grenze ziehen will und meine persönlichen Grenzen enden für mich dort, wo ich es mit einer Impfung verhindern kann, schwer zu erkranken und andere damit anzustecken.

Meine Ärzte empfehlen mir, da Risikogruppe, mich gegen Gürtelrose impfen zu lassen, ich möchte das auch gerne machen lassen, der Impfstoff aber, der ist seit Monaten nicht verfügbar.

So wie viele andere Medikamente auch und diese Situation erreicht für immer mehr Menschen ein bedenkliches Ausmaß.

Für mich ist es nur ein Impfstoff der fehlt, für andere sind es lebensnotwendige Arzneien.

Tja, Pharmaindustrie, das musst Du Dich schon fragen lassen wieso, weshalb, warum.

Die diesjährige Grippewelle baut sich erst auf, noch ist die Zahl der an Grippe Erkrankten nicht sehr hoch, aber das wird so sicher wie das Amen in der Kirche nicht so bleiben.

Noch könnt ihr Euch mit einem kleinen Pieks davor schützen. Ja, dieser Pieks kann weh tun, man kann sich danach schlapp und angegriffen fühlen, die Einstichstelle kann weh tun und anschwellen. Das alles ist aber nichts gegen eine Grippeinfektion, die ich für mich nie wieder erleben möchte. Ich hatte nach meiner Grippeimpfung dieses Jahr weder Schmerzen noch irgendwelche anderen Probleme damit. Vor 17 Jahren erkrankte ich an einer Grippe, fieberte drei Tage mit über 40° C Fieber durch und das war nicht das einzige Symptom. Seitdem lasse ich mich jedes Jahr impfen. „Ich hatte am Wochenende die Gripp“, diesen Satz höre ich immer wieder, aber das ist nicht die Grippe, die dauert nicht nur zwei oder drei Tage und dann geht wieder alles. Die Grippe kann im Krankenhaus enden oder noch schlimmer. Eine Grippeinfektion kann den Herzmuskeln dauerhaft schädigen und wer die Grippe hat, der gehört nicht in die Arbeit, auf den Weihnachtsmarkt oder auf Familienfeiern. Mal ganz davon abgesehen, dass der, der die Grippe hat, zu all dem während der Akutphase der Infektion gar nicht in der Lage ist. Wer an der Grippe erkrankt ist, sollte tunlichst alles zur Vermeidung einer weiteren Verbreitung dieser Viren zu tun. Krankheit hat auch für den Erkrankten etwas mit einer sehr bewussten Verantwortung zu tun!

Die Behandlung einer Grippeinfektion gehört in die Hand von Medizinern, denn Grippeviren bekommen bei der Verabreichung von Zuckerkügelchen höchstens einen Lachflash.

 

Katastrophe mit Ansage

Gestern (ich wiederhole es gerne – es war der 18. DEZEMBER 2019) war es an der Stadt am Fluss warm, viel zu warm für Dezember.

Mit Erschrecken sah ich, wie Bienen die Christrosen vor dem Blumenladen umschwärmten und auch die Dunkle Erdhummel wird ihr Erwachen an diesem viel zu warmen Wintertag nicht lange überleben.

„Alles besser wie Schnee“ sagte der Mann im Aufzug zu mir und meinte den warmen Regen.

Mir Winterkind fehlt er, der Schnee. Es ist warm viel zu warm. Mir macht das Angst vor dem, was noch kommen wird.

Wir brauchen die Natur unerlässlich zum Leben, zum Überleben. Die Natur braucht uns nicht.

Diese Bienen, diese Hummel, werden im Frühjahr fehlen. Wer weiß, welche Blüte dann vergeblich auf Bestäubung wartet, welche Art sie für ihr Überleben braucht.

Wacht endlich auf, nehmt den Sand aus Eurem Kopf, die Hörer aus Euren Ohrmuscheln und die Augen von Euren Handy-Displays.

Es geht nicht um Verschwörungstheorien oder in welcher Klasse nun Greta im Zug fährt oder nicht.

Es geht um jeden einzelnen von uns. Nicht nur um die Bienen und Hummeln. Aber ohne sie geht es nicht nur um das Bestäuben von Blüten, sondern auch um unser Leben. Und das funktioniert nicht nur mit shop till you drop.