Alice II

Ist schon klar, dass ausgerechnet dann, wenn man photographieren möchte, Wind aufkommt. Jetzt muss die Alice halt damit leben, dass sie total davon verweht ist …

Wie meine allererste Alice ist auch diese aus der wunderbaren Holst Supersoft gestrickt, definitiv eines meiner allerliebsten Lieblingsgarne! Den Schnitt dieses federleichten Oberteils mag ich sehr, besonders das angedeutete Schößchen hinten und die figurschmeichelnde hintere Länge. So sehr, dass ich mir überlege, mir noch eine dritte Alice in Orange oder noch besser Gelb zu stricken, oder Türkis, oder Schwarz, oder Rot, oder Braun, oder Rosa, oder …

Die Entscheidung, dieses Mal eine Größe kleiner zu stricken war genau die richtige, denn nun passt sie mir perfekt.

Technische Daten:

  • Federleichte 170 g Holst Supersoft (100 % Uld – ca. 575 m/100 g) in der Färbung Loganberry (eine wunderhübsche aber tatsächlich einigermaßen durch ein Photo uneinfangbare Farbe)
  • Rundstricknadeln 3,5 mm in den Längen 40, 60 und 80 cm

Verschwindende Handwerksgeschichte

Als ich vor vielen, vielen Jahr zum geliebten, damals noch nicht, Gatten zog, befand sich in diesem kleinen, nun schon lange geschlossenen Ladengeschäft noch eine kleine Metzgerei. 

Von Schlachttagen kündete eine zu einem Ballon aufgepustetet Schweineblase, die an dem schmiedeeisernen Haken, links von der Eingangstür, am rechten Bogen eines hölzernen Hoftores, mit einer Wurstkordel befestigt wurde.

Vielen, die diesen uralten Brauch nicht mehr kennen, wird weder der Haken auffallen, noch werden sie um seinen Sinn wissen. Ich hingegen habe jedes Mal die sanft im Wind schaukelnde Blase vor Augen, wie ich sie dazumal noch gesehen habe. 

Die Schweinsblase vor der Tür sah man damals in den Dörfern auch vor Lokalen hängen, die noch selber schlachteten und entdeckte man sie, dann wusste man, dass man dort für einen Teller heiß dampfende, frische Wurstsuppe einkehren konnte, so wie es der bonfortionöse Gatte und seine Freunde in ihrer Jugend, als wir noch nichts voneinander ahnten, immer wieder gerne machten.

Dem Gatten, einem Metzgerssohn, begleiteten Wurstsuppengeruch und -geschmack durch die Kindheit, denn sein Papa schlachtete immer wieder auch daheim für die Versorgung der Familie.

Mir begegnete sie das erste Mal bewusst, als mein Vater, beim Heimgang schwer beladen mit einer Steige frischer Eier und einer großen Flasche warmer Metzelsuppe als Geschenk des Metzgers, bei dem wir Wurst und Fleisch immer frisch einkauften, auf der Treppe zur Wohnung umknickte und die Stufen so in einen See aus Brühe, Eiern und Blut verwandelte, womit dieses Thema für unsere Familie beendet war, noch bevor es richtig beginnen konnte. 

Eine Worschdsubb, wie man hier sagt, frisch aus dem Kessel geschöpft, sieht nicht besonders vertrauenserweckend aus. Kein Wunder, ist es doch die Brühe, in der nach dem Schlachten die Brüh- und Kochwürste gegart wurden, auch das Fleisch und die Leber für die Schlachtplatte und ein Metzger, der etwas auf sich hielt, so sagte es der Schwiegervater mit stolzgeschwellter Brust, der sorgte immer dafür, dass einige der Würste in ihr platzten, damit nicht nur heißes Wasser geschöpft werden würde. Ja, aussehen mag sie nicht gut, duften aber, das tut sie ganz bestimmt – deftig und kräftig!

Ich mag beileibe nicht behaupte, dass früher alles besser war, aber der Umgang, gerade in den ländlichen Bereichen, der war definitiv ein anderer und für Metzger war schnell erkannt, wer sein Vieh gut oder schlecht hielt. Ich werde nie vergessen, wie der Schwiegervater davon erzählte, wie er beim Schlachten merkte, dass xy, der Drecksack, seinen Schweine wieder nur fast ausschließlich mit viel zu salzigen Lebensmittelresten, z. B. aus dem Krankenhaus, gefüttert hatte, denn die gesäuberten Därme waren so porös und rissig, dass sie zum Wurstfüllen nicht mehr taugten. 

Wem sollte sowas heute in der Hölle auf Erden in Großschlächtereien noch auffallen und wenn es auffällt, überhaupt noch kümmern? Und die Käufer der in Unmengen Plastik verpackten Fleisch- und Wurstwaren aus den Discounterkühltheken interessiert es noch viel weniger … 

So schön die sanft verblassenden Farben auf diesen Bildern sind, so traurig macht mich das, was darauf zu sehen ist:

Das Handwerk, und das ist nicht nur in Bezug auf das Metzgerhandwerk so, wird vom größten Teil der Gesellschaft und damit meine ich nicht die Menschen, die sich etwas anderes nicht leisten können, weil das Geld dazu fehlt, nicht mehr als essentieller und ungemein wichtiges Lebenshandwerk geschätzt und das fügt uns letztendlich uns allen Schaden zu – und – ein nicht zu unterschätzender Aspekt:

Damit verschwindet auch ein Gutteil unserer Herkommensgeschichte, unserer Bräuche und damit auch unserer regionalen Identität! 

Gelesen: „Zur Hölle mit der Mode“

von Elizabeth Hawes *16.12.1903 – †06.09.1971.

Titel der Originalausgabe: „Fashion is Spinach“ – erschienen 1938 in New York

Übersetzung, Nachwort, Register, Grafikbearbeitung der Neuausgabe von 2019: Constanze Derham

Ein Buch der Kooperation Schnatmeyer & Derham – www.texte-und-textilien-de

Wie auf dem Bild zu sehen, bin ich als Käuferin der Bücher dieses tollen Verlages überzeugte Wiederholungstäterin. Dafür werbe ich extrem gerne ohne Auftrag, ohne Zusendung eines Rezensionsexemplars, sondern mit dem Kauf zum vollen Verkaufspreis, ohne irgendwelche Hintergedanken oder Ankündigungen von meiner oder des Verlages Seite aus.

Elizabeth Hawes Buch ist einfach zum Niederknien! Nicht einmal habe ich es dabei als störend empfunden, dass der Inhalt bereits vor 82 Jahren erschienen ist, so unglaublich packend, nachvollziehbar und für mich als Laiin noch immer voller aktuelle Brisanz steckend ist er von Seite zu Seite! Natürlich wird deutlich, dass da ein geschichtlicher Bezug gelebt und beschrieben wird, aber das mit solcher Verve und Leidenschaft, dass in mir immer wieder ein „WOW“, „AHA“ und „GENAU SO“ aufploppte. 

Nein, das Fehlen des Digitalen in ihrem Leben ist hier definitiv kein Manko. Das Durchgeknallte der Modewelt dahinter kann gar nicht anders als heute noch Gültigkeit haben, wenn man sieht, wie schnell neue Stile kopiert werden oder wie durchgeknallt manches immer wieder aufs Neue als DAS must have aufs modische Tablett geknallt wird, ohne wirklich trag- oder gar nachvollziehbar zu sein. 

Elizabeth Hawes war Teil des Modezirkus, war aber immer auch bestrebt, diesem ihren ureigenen Stempel aufzudrücken, was ihr mal mehr und mal weniger gut gelang. Ausgebremst wurde sie, wie viele andere, durch Ideendiebe, wirtschaftliche Abwägungen, dem Streben nach Gewinnmaximierungen und solche Geschäftstaktiken sind es auch heute noch, die gerne bestimmen möchte, was wir wann zu tragen haben. Qualität war für sie ein wichtiger Bestandteil ihres Antriebs und ein Streben nach hochwertigem Stil. Nach einem Kleid, das seine Trägerin bestens hervorhebt und nicht umgekehrt. Wer sie noch nicht kennt und im WWW nach ihr sucht, wird viele Bilder ihrer Mode entdecken können.

Eine klare Kaufempfehlung von mir! 

Nein, ich habe gar nichts davon, wenn Ihr Euch dieses Buch kauft – ich bin froh und äußerst dankbar dafür, dass ich mir das, was ich haben möchte, selber leisten kann. 

Als dazu passend möchte ich sehr gerne auf den überaus sehenswerten Film

„Eine andere Mode ist möglich“

hinweisen, der noch bis zum 21.04.2020 auf dem Sender arte abzurufen ist und sehr deutlich zeigt, wie tödlich und umweltverschmutzend unser Verständnis von „Mode“ ist, aber auch welche Wege es aus diesem wahren Wahnsinn heraus gibt.

Ebenfalls sehr sehenswert: „Vava Vadu – die Anti-Designerin“, die Dokumentation „Karl Lagerfeld – eine Legende“ und „Square für Künstler – Häkeln für die Unabhängigkeit – Carte Blanche für Meret Becker“.

Alle

Mein Kollegen kommen aus der Türkei, aus Rumänien, Griechenland, aus dem ehemaligen Russland, dem ehemaligen Jugoslawien, aus vielen anderen Ländern, haben Migrationshintergrund und auch wieder keinen.

Wir alle sind eines, jede, jeder gehört dazu! Jede, jeder ist wichtig!

Was zählt, sind nicht die Pässe, was zählt, sind sie als Menschen. Das und nichts anderes!

Leben können wir alle nur gemeinsam.

Hass ist keine Option – ebenso wie Rassismus und Faschismus!

Das wurde aus den Sockblanks: „Liebste Freundin-Socken“ und „Monet modern-Socken“

Das Verstricken der Sockblanks von UtesWaldundWiesenWolle hat mir ob der vielen und unerwarteten Farbwechsel einen riesigen Spaß gemacht und ich liebe es, dass die Socken so unterschiedlich ausfallen. Wäre ich ein Sockenpaar, dann genau so eines!

Aus dem Sockblank, dass ich von der liebsten Freundin zum Geburtstag bekam, wurden folgerichtig „Liebste Freundin-Socken“ – was für ein wundervolles Farbspiel von kühl tiefem Blau, kräftigem Rot bis pastelligstem Rosa.

Bei diesem Sockblank war ich mir nicht gleich sicher, ob es wirklich eines für mich wäre, denn das Grün, das ist mir eigentlich viel zu leuchtmarkerig knallig. Bereut habe ich meine Entscheidung allerdings definitiv nicht, denn beim Stricken kamen mir immer wieder Claude Monets Seerosen in den Sinn, die ich definitiv sehr mag!

Nicht nur meine Füße sind so sehr glücklich ;)!

Gelesen: „Auf dünnem Eis: Die Psychologie des Bösen“

von Lydia Benecke.

Woher kommt sie die Faszination für das Böse, das so sehr unseren medialen Alltag mitgestaltet in Form von Krimis, True Crime-Stories in Büchern, Zeitschriften und im Fernsehen?

Jeden Tag und überall wird gemordet, ermittelt, seziert, werden Verdächtige gestellt, Todesnachrichten überbracht, Tatorte untersucht. Alles von daheim aus auf dem Sofa erlebbar, wo man sich wohlig gruseln, mitermitteln und sich darauf freuen darf, dass die Täter gestellt werden.

Mit der Realität hat das Dargestellte, das Beschriebene oft wenig bis gar nichts zu tun, besonders nicht bei den herausgeputzten Hochglanzserien, bei denen die Ermittler, Profiler, Pathologen immer wie frisch vom Laufsteg herabgefallen aussehen.

Lydia Beneckes Buch ist kein medizinisches Lehrbuch, sondern eines, das dem interessierten Laien gut verständlich und ohne nach Sensationen zu heischen eine Einführung in das Wesen psychopathischer Täter bietet. Da ist nichts von Glamour zu spüren, sondern Interesse dafür, was psychopathische Täter kennzeichnet. Hier geht es beileibe nicht um Mitleid für die Täter, sondern um dieses Persönlichkeitsbild an sich und um die verschwindend geringe Grenze zwischen dem, was man für sich als normal und abnorm geriert, die manchmal sehr viel kleiner ist, als man es jemals für möglich gehalten hätte.

Die Nächsten bitte!

Während die Sockblank-Socken nahezu vollendet sind und auch meine zweite Alice fleissig wächst, schmiede ich fleissig neue Gestrickpläne.

Aus den „Schweinchen im Matsch“ sollen Herzsocken á la Tanja Steinbach werden:

Anno 2008 strickte ich mir aus Vorgarn das „Himbeer-Sahne Jackerl“, das ich noch immer sehr gerne trage:

Da ich von beiden Garnen noch (hoffentlich) ausreichend im Vorrat habe, möchte ich mir daraus eine weitere Zipfeljacke stricken – never change a winning Team :)!

Ratlosigkeit: Wie nur pimp ich meine Büste?

Diese Büste habe ich vor vielen Jahren aus dem Schaufenster eines schließenden Damenmodengeschäfts heraus gekauft und sie immer wieder zum Drapieren gestrickter, gehäkelter, gefilzter diverser Tücher und/oder Oberteile genutzt. 

Sie hat sich von Beginn an in keinem gutem Zustand befunden; am Anfang hat mir das nichts ausgemacht, nun aber kekst mich das immer mehr an. Bis jetzt habe ich mich davon abhalten können, sie auf den Sperrmüll zu stellen, aber es mag mir eben auch nicht die eine ordentliche Upcycling-Idee für sie kommen, mit der sie einfach auch unbetüddelt eine gute Figur macht. 

Deshalb meine Frage an die Blogschwarmintelligenz:

Habt Ihr eine gute Idee, die mir und ihr auf die Sprünge verhelfen kann, um sie vor dem endgültigen Verfall zu retten? 

Ausreichend trinken

Seufz – und schon wieder muss Werbung gekennzeichnet werden – meine 5 Ct dazu unten anhängend …

Ich habe ein Manko:

Ich verspüre nur äußerst selten Durst, was, wenn ich mich nicht selber dazu strukturiere, dazu führen kann, dass ich am Abend mancher Tage mit Erschrecken feststelle, dass ich noch nicht einmal einen halben Liter Flüssigkeit zu mir genommen habe, was natürlich alles andere als gesund ist.

Woran das wohl liegen mag? In meiner Kindheit war es so, dass vor und nach dem Essen nichts getrunken werden durfte („nur Gänse schnattern beim Essen“), denn damit sollte verhindert werden, dass man nicht genug aß, was zumindest für einen Teil meiner Großeltern ein großes Problem darstellte, da ich ein sehr dünnes Wenigesser-Kind war und mir bei ihnen immer wieder mit dem „Stöckchen“ gedroht wurde, würde ich meinen Teller nicht leer essen. Überflüssig zu erwähnen, dass es oft zum Einsatz kam …

Ein gesundes Ess- und Trinkverhalten erwuchs nicht nur daraus natürlich nicht.

Zumindest mit dem Trinken habe ich eine gute Strategie für mich gefunden. Ganz besonders mit der mit einem anatomischen Herzen handbemalten Teetasse, die mir der Gatte im vorletzten Advent in Monschau schenkte, die oben im Photo links zu sehen ist. Einen ganzen Liter Tee fasst sie – herrlich!

Ich brühe mir also einen Liter Tee (immer völlig ungesüßt) auf und trinke nach jeweils 15 oder 30 Minuten je 10 Schlucke davon – bin ich daheim komme ich so auf 3 Liter am Tag und fühle mich dabei pudelwohl.

Was den Tee betrifft, da probiere ich kritiklos alles aus, denn Geschmack ist Trumpf, auch Tütchentee wird nicht verschont, wobei da momentan Orangenblüte mit Bergamotte von Bünting-Tee mein Favorit ist.

Für losen Tee habe ich beim Bauernhofverkauf unseres Vertrauens den oben mit der Verpackung sichtbaren Schokoladenminztee von Schönfeld-Tee entdeckt, der jedes Mal meine Teegeschmacksknospen in eine genießerisches Nirvana schickt.

So ein Beutel ergibt einen Liter allerfeinsten Pfefferminztee und das Trinken wird mir so zur reinen Freude!

(Dieser Beitrag muss, DSGVO sei Dank – nicht -, als Werbung gekennzeichnet werden, obwohl ich alles, ungenötigt und ohne Drittauftrag, von meinem eigenen Geld und (schockierend!) zum vollen VK erworben habe. Es gibt keinerlei Absprachen, Aufträge mit den Herstellern, Verkäufern oder Vergünstigungen durch sie – gut so, denn allein vom Warentausch könnten sie nicht leben und Marktwirtschaft funktioniert nicht mit launigen Worten gegen begehrte Ware. Damit ihre Waren verfügbar und damit begehrenswert bleiben, werde ich sie hier verlinken. Weil ich es möchte, weil ich es kann und weil ich es will. Und das ist genau eines: Meine freie und unveräußerliche Meinungsäußerung.)