Im Namen der Kirsche

Bei Frau Rünz im Garten an der Mosel wuchs ein Kirschbaum mit gelben Früchten, der mir wie das Paradies auf Erden erschien. 

Groß waren sie, knorpelig, knackig, fein saftig süß.

„Wenn du einen Kern verschluckst, dann wächst dir irgendwann ein Kirschbaum aus den Ohren“.

Ich schob mir schon damals eine Kirsche nach der anderen in den Mund, verwahrte wie ein Hamster einen Kern nach dem anderen in einer Wangenseite, um nur ja keine Zeit beim Auszuspucken während des Genießens zu verlieren. 

Die Vorstellung, dass mir ein Baum aus einem Ohr wachsen könnte, fand ich gar nicht so schlimm, denn dann würde er direkt über mir im Frühling blühen, mir Schatten spenden und Regenschutz zugleich sein, während ich darauf warten würde, dass die Kirschen reifen. Und eine Wohnung für Amseln, Rotkehlchen, Spatzen, Meisen, Tauben und einen Specht wäre er natürlich auch, sodass mir nie langweilig werden würde. 

Jahrzehnte später trägt mein noch junger Prinzessinkirschbaum, ja so heißt er wirklich, das allererste Mal einen wahren Fruchtsegen. Einen solch großen, dass sich die Äste nach unten biegen und ich mich nur ein bischen strecken muss, um mir eine Kirsche nach der anderen in den Mund zu schieben, während ich wie ein Hamster einen Kern nach dem anderen in einer Wangenseite verwahre, damit ich keine Zeit für das Ausspucken während dem Genießen vergeuden muss.

Einen Teil der Kirschen weckte ich ungesüßt, nur mit einer Vanilleschote als Anstandsdame ein. Und wir kochten kiloweise Marmelade: Prinzessinkirschpunschmarmelade, Prinzessinkirschmarmelade und Erdbeer-Prinzessinkirschmarmelade. 

Das allererste Mal in meinem Leben konnte ich mich an eigenen Kirschen in diesem Maße sattessen, was für ein köstlicher Segen!

Irgendwo wurde die Frage gestellt, auf welches Lebensmittel man definitiv nicht verzichten könnte. Ich habe darauf nur eine Antwort: Obst.

Und natürlich durfte ein Kirschenplotzer mit selbstgemachter Vanillesauce nicht fehlen:

Kirschenplotzerzutaten:

380 g Zwieback, 0,25 l heiße Milch, 150 g Süßrahmbutter, 2 Beutelchen Vanillezucker, 50 g Zucker, 1 El Zimt (oder gleiche Menge einer Gewürzmischung mit Zimt), 150 g fein gemahlene Mandeln, 1 kg entsteinte Kirschen, 0,25 l Apfelsaft, 1 Schwupps Kornelkirschlikör, 7 Eidotter, 7 Eiweiß

Zubereitung:

Den Zwieback zerkrümeln, mit der heißen Milch übergießen, die Schüssel danach gut abdecken, damit die Wärme darin nicht so schnell verloren geht und alles gut durchweichen kann. 

Die Butter mit dem Zucker und dem Zimt schaumig rühren, die Dotter einrühren, dann den eingeweichten Zwieback und die Mandeln, den Apfelsaft und den Kornelkirschlikör dazu mengen. Das Eiweiß zu einem festen Schnee schlagen, vorsichtig unterheben, damit der Teig fluffig bleibt, dann weiter vorsichtig die Kirschen unterheben.

Den Teig in eine mit Butter eingefettete, dann gut mehlierte, Springform füllen und ab damit für 80 Minuten in den auf 180° C Ober-/Unterhitze vorgeheizten Backofen schieben.

Guten Appetit.

Advanced Chemistry

Die geneigte Leserschaft weiß, dass ich von Beginn an (neben allem anderen außer Schlager und Hardcore-Jazz) Hip-Hop und Rap sehr schätze, ganz besonders mit Advanced Chemistry unserem ureigenen Meilenstein des deutschen Hip-Hops.

In der aktuellen Wochenendausgabe der RNZ findet sich mit dem Titel Wie die Heidelberger Band Advanced Chemistry gegen Rassismus rappte ein Artikel dazu mit zahlreichen Querverweisen auch auf Linguist – Kofi Yakpo, Toni-L – Toni Landomini und Torch – Frederik Hahn, deren Verlinkung zu folgen sich empfiehlt. Dieser Song war damals schon vertonte Lebenswirklichkeit und ist es leider unglaublicher Weise heute noch immer. Für mich unfassbar, in welchem Ausmaß Rassismus immer wieder deutlich wird und ist. 

Bereits in meinen Schwangerschaften beschallte ich unsere Kinder – ja, natürlich erfolgreich – mit dieser Musik.

Netter Sidekick: Hochschwanger mit der Tochter begegnete ich einmal Torch auf der Heidelberger Fußgängerzone, in der Küche der WG des Tochterkindes wiederum begegnete diese Torch. Schon lustig, wie sie manche Kreise schließen.

Wo wir schon bei Kreisen sind: Der flammende Ring von Torch ist, was Redekunst und Textturnier betrifft, wahrhaft eine feurige Fackel, die immer einen Platz in meiner Songlist haben wird, wenn meine AltersgenossInnen im Altersheim noch immer von der schwarzbraunen Haselnuss am Brünnlein vor dem Tore singen werden. 

EDIT:

Bitte folgt dem Link zu „Du bist da wirklich ganz alleine“ vom LandLebenBlog zum Interview mit Jamila und ihrer Mutter Elisabeth.

Das was beide da beschreiben, das schmerzt und macht fassungslos auf so unendlich vielen Ebenen … im Ernst jetzt, wie kann man z. B. in einen Babywagen sehen und sagen, dass das Baby so süß wie ein Äffle aussieht?! Was sind das für Menschen, die so etwas und noch die ganzen anderen schlimmen Sachen mehr denken und sagen? 

Danke für dieses Interview – mein Dank an die drei Frauen, die das gemeinsam in Worte gefasst haben und ich wünsche von Herzen alles Glück der Welt bei der Wohnungssuche!

Alles so schön bunt hier – Kalenderwoche 26, 2020

Aktuelles: Wie immer das Morgenmagazin ARD/ZDF und die Heute-Nachrichten, wobei ich gestern beim Interview mit Frau Klöckner zu ihrem „Fleischgipfel“ so wütend geworden bin, dass der bonfortionöse Gatte erklärte, dass ich wegen eines Wut-Herzinfarkts bestimmt noch nicht mal 73 werden würde …

Film: 

  1. Die gnädige Frau Geschichten und Meer empfahl auf Arte „Kirschblüten und Rote Bohnen„; als Film leider nun nicht mehr abrufbar, aber diese Info hier dazu ist es noch. Ich bin für diesen Tipp sehr dankbar, denn dieses Drama ist für mich ein echtes cineastisches Juwel: Sehr ruhig, fast kontemplativ, dadurch überaus eindringlich, intensiv und wunderschön gefilmt, behandelt er als Thema den Umgang mit Außenseitern der Gesellschaft, hier speziell zu einer der Hauptfiguren den in der Geschichte des Landes mit an Lepra Erkrankten. 
  2. Auch „Der Buchladen der Florence Green“ ist so ein stimmungsvoller ruhiger Film, der für manche bestimmt ein gutes Schlafmittel ist, für mich aber genau das Gegenteil, weil ich dieses Genre sehr mag. Auch hier habe ich den Roman, der der Verfilmung zugrunde lag, vorher nicht gelesen. Das Ende ist halb offen, ich mag so etwas in den allermeisten Fällen, regt es doch meine Phantasie an. Dieser Buchladen hat sehr viel zu erzählen über Selbstsucht, Liebe, Hingabe, Trauer, Hilflosigkeit, Kraft und Mut. 

Serie: Hindurchgebinged habe ich mich fast in einem Rutsch durch Little Fires Everywhere. Den Roman von Celeste Ng der als Grundlage für die Verfilmung gedient hat, habe ich noch nicht gelesen, werde dies aber nachholen. Im Grunde genommen, geht es in dieser so hoffentlich abgeschlossenen Miniserie um Mütter, Töchter, Liebe, Schuld, Verantwortung und ich habe es sehr gemocht, wie sich die Stränge der Darsteller ineinander verschlungen und wieder heraus entdröselt haben. Im www habe ich mittlerweile mitbekommen, dass es anscheinende so ist, dass man die Serie entweder liebt oder hasst, ohne Skala dazwischen. Mir ist das egal, da es für mich nicht wichtig ist, ob damit jemand anderes meiner Meinung ist oder nicht. Noch viel egaler ist es allerdings auch für mich, ob Roman und Verfilmung sich gleichen oder nicht. Für mich zählt lediglich beim Lesen und Ansehen, dass ich mich gut unterhalten fühle. Wäre dem nicht so, hätte ich mir niemals die Verfilmung von Herr der Ringe ansehen dürfen ;). Besonders das Leben, das Reese Witherspoon und Kerry Washington ihren Figuren eingehaucht haben, gefielen mir sehr gut – und das Einflechten der Bedeutung von Kunst für Letztere. Wenn man sich die Serie anschaut, sollte man unbedingt auch auf vermeintlich kleine Details, wie z. B. die rote Feder achten. 

Dokumentation: 

  1. Begonnen zu sehen „James May: Our Man in Japan“ – oh, ja, ich sehe sehr gerne Japan-Dokus, lese gerne Bücher japanischer Autoren und würde das Land gerne mit eigenen Augen sehen wollen, was in diesem Leben mit äußerster Wahrscheinlichkeit nicht mehr passieren wird. Macht nix, ich kann mich ja (sic!) auch anders nähern.
  2. Pompeji, in Stein verewigt“ auf Arte. Ganz sicher ist es so, dass ich in irgendeiner Parallelwelt die Archäologin geworden bin, die ich als Kind immer werden wollte. Pompeji, seine Geschichte und die Ausgrabungen faszinieren mich, seit meiner Kindheit und diese Dokumentation ermöglicht unglaublich beeindruckende Einblicke in das Leben dieser Stadt, die der Vesuv mit seinem Ausbruch im Jahr 79 n. Chr. unter meterhohen Vulkanaschemassen zerstörte und konservierte. 

Regionales:

  1. Die Sendereihe des BR „Zwischen Spessart und Karwendel“ liebe ich sehr und werde sie mir auch heute dort um 17:45 Uhr ansehen, denn Paul Enghofer wird den Macher samt Lebensgefährtin des Blogs Fränkische Tapas besuchen, der zu meinen Liebings-Foodblogs gehört. 
  2. Ganz taufrisch in der SWR-Sendereihe Expedition in die Heimat: „Heidelberg für Fortgeschrittene„. Ich liebe unsere Stadt am Fluss, seit ich sie mit Anfang 20 das allererste Mal besuchte, denn obwohl sie jeder kennt, braucht es von den touristischen unbedingt-sehen-Hotspots nur ein, zwei Straßen weiter und schon merkt man nichts mehr, dass da hinter einem der Bär steppt. 

Entertainment: Diese Woche lief die letzte Folge der 7. Staffel von Sing meinen Song – Das Tauschkonzert 2020 auf VOX. Denkt was Ihr wollt, ich mag diese Sendung, denn sie sorgt fast jedes Mal für tolle Überraschungen. Fast deshalb, weil ich Staffel Nr. 5 mit Mary Roos boykottiert habe. Das was da zu hören war, ging für mich gar nicht. Mein All-time-favourite ist und bleibt bis heute allerdings Samy Deluxe mit seiner Interpretation von Kristallnacht – kann ich gerade zur Zeit wieder gar nicht oft und laut genug hören – jedes Mal Gänsehaut für dieses Brett eines Liedes eines der definitiv besten deutschen Rapper!

 

Bestes Schwarzbrot wo’s gibt!

Ja, richtig: Werbung. Unverlangt, unbeauftragt, unentgeltlich. Dafür meinerseits sehr bewusst.

So richtig derbes, kräftiges Schwarzbrot, Vollkornbrot im besten Sinne halt, und ich sind aus Gründen nur seltenst so richtig gute Freunde.

Nun aber ist unverhofft in der Kühltruhe etwas vom letzten Monschau-Aufenthalt aufgetaucht, was ich zu meiner Schande bereits ganz vergessen hatte – völlig unverdient für diesen genialen Brot-Hochgenuss – und das will schon was heißen, wenn ich so etwas sage!

An jenem welchen Tage stand dort ein Verkaufswagen der Bäckerei Breuer und der junge Chef pries dort so liebenswürdig seine ungemein verlocken duftenden Brotschätze an, dass ich gar nicht anders konnte, als etwas davon mitzunehmen. Wohlgemerkt: Für mich, denn der Gatte und Schwarzbrot, das sind noch nicht mal annähernd Verdauungsfreunde.

Ja, nee, für diese Eifeler Brotschätze müsst Ihr nicht nach Monschau fahren, auch wenn Monschau aus vielerleist Gründen für uns ein Besuchs-Träumelein ist und bleibt, denn die Bäckerei Breuer hat einen tollen Online-Brotshop mit Versand und so lege ich Euch vertrauensvoll die Grobe Schwarzbrotstange „Lukas“ an Herz, wenn Ihr auch mal auf kräftige Genüsse steht. Bei mir ist das so, dass ich eine ordentliche Handvoll der kleinen Scheiben davon hinfort genießen kann, wo mir ansonsten bei der gleichen Menge eines anderen Schwarzbrotes als große Scheibe, der Mund beim Kauen immer voller und die Zähne immer länger werden …

Bravouröse Schwarzbrot-Magie ist das!

Gelesen: „Poppy“

von Astrid Korten.

Es ist keine Geschichte, es ist kein Roman.

Es ist der Bericht eines Kindes, das im Alter von 6 Jahren und für viele Folgejahre Opfer von sexuellem Missbrauch, von Vergewaltigungen von Körper und Seele wurde.

Es sind die Worte Einer, die all das überlebt hat.

Anfangs in den Worten des Kindes, das sie war und anhand von ihnen wird ihr Älterwerden les- und sichtbar, da ihr das, was ihr passiert, immer klarer wird.

Ihre Geschichte macht traurig, wütend, hilf- und fassungslos.

Wer das Buch nicht kennt, sollte, so empfinde ich das, das Nach- als Vorwort lesen, damit von Beginn an immer das Bewusstsein da ist, dass es Poppy gibt, dass das, was ihr passierte Realität ist. Grausame, brutale Realität.

Schlimmer nur, als das, was geschildert wird, ist, dass Poppy kein Einzelschicksal ist, dass es viele, zu viele Poppys gibt.

Es wird auch Zeit, dass der Begriff Kinderpornographie, denn es gibt keinen Sex mit Kindern, nicht mehr benutzt und stattdessen als das bezeichnet wird, was es wirklich ist: Kindesmissbrauch und Kindesvergewaltigung an wehr- und hilflosen Körpern und Seelen.

Für mich verdienen hier Täter keine Bewährungsstrafen, denn ihre Opfer leiden tatsächlich lebenslang und das nicht lediglich nur in juristisch abgegrenzten Zeiträumen.

Schwieriges Thema – absolut lesenswert!

All together!

Latürnich ist das Werbung, auch wenn die Anleitung eine freie, kostenlose ist und ich das Garn von meinem eigenen Geld gekauft habe und doppellatürnich es noch nicht mal von wem auch immer auch nur den Hauch eines Werbegebotes gegeben hat.

Wenn man vom Pferd fällt, heißt es, soll man sofort aufsteigen und weiter reiten.

So etwas gilt natürlich nicht nur für unfreiwillige Pferdeabstiege, sondern auch für all den Quark, der beim Handarbeiten geschehen kann

Das Garn für den nächsten Destroyed-Versuch ist bestellt und unterwegs und in der Zwischenzeit beginne ich den phantastischen All together-Sweater der bezaubernden argentinischen Strickdesignerin Joji Locatelli zu stricken.

Ihre Beschreibung ihres Lebens, unserer aller Leben, in dieser Zeit der Pandemie, die wir gemeinsam alle zusammen überwältigen und überstehen können, wenn wir nur verstehen, dass das nur so funktionieren darf, kann, muss, solltet Ihr unbedingt selber lesen. Mich haben ihre Worte sehr berührt.

In meiner Umsetzung lasse ich das Beistricken eines Mohairfadens sein; ich möchte diesen Pullover ohne diese flauschige Zartheit. Ich möchte ihn gerade, klar und deutlich, weshalb ich mich ganz bewusst für ein sehr dunkles Grau als Grundfarbe, für Orange für die Blumenornamente und Magenta für den Schriftzug „all together“ entschieden habe.

Eine Genusstour zu tollen Hofläden und besonderen Bäckern im Großraum Heidelberg

Schleichts Euch, natürlich ist das Werbung, da Verkäufer und Marken genannt werden, übrigens ohne Auftrag dazu und auch völlig unentgeltlich, wir haben unser eigenes Geld dafür zum vollen VK ausgegeben. Wer das nicht lesen möchte, dem kann ich nur „Und Tschüß“ mit auf den Weg geben.

Vor Wochen beschlossen die liebste Freundin Anna und ich, eine Genusstour zu Hofläden und Bäckern zu machen, die sie noch noch nicht kannte. 

Für uns beide hat Essen nicht nur Nahrungsaufnahme zu tun, sondern mit Mitteln für ein gesundes Leben, mit Respekt, Wertschätzung, mit gutem Ursprung, mit der Unterstützung lokaler, regionaler Manufakturen. Wir beide lieben die Natur und für uns beide ist die Landwirtschaft und ihre Unterstützung von sehr hohem Wert. 

Wir sind beide Genussmenschen, die gerne teilen, miteinander schätzen, was da vor uns steht. Wir lassen uns inspirieren, kosten, kaufen ein und nehmen so ganz bewusst wahr, was um uns herum ist, was für ein Segen das alles ist. Dafür sind wir mit großer Demut dankbar.

Das alles ist wunderschön und alles andere als eine Selbstverständlichkeit, denn im Umkehrschluss ist uns auch sehr bewusst, mit wieviel Arbeit, Kraft, Engagement, persönlichem und finanziellen Einsatz der Hersteller das verbunden ist, mit wieviel Risiko, Mut und im schlimmsten Falle auch großer Enttäuschung. 

Wir sind beide noch in Zeiten vor der mittlerweile allumfassenden Discounterpest in Deutschland groß geworden, diesen Tempeln, die dem immer gleich machenden Einheitsbrei einiger gigantischer Massenhersteller huldigen und einen sehr großen Teil der Menschen vergessen machen, zu was für einem großen Teil wir das mit Tier- und Menschenleid erkaufen, wie momentan gerade in den großen Fleischverarbeitungsbetrieben für Viele zum ersten Mal ersichtlich wird. Naja, was heißt schon zum ersten Mal – uns beiden ist das seit sehr vielen Jahren bewusst und seit sehr vielen Jahren verzichten wir schon auf antibiotikagepuschtes Qualfleisch, das zu Preisen verschleudert wird, die mittlerweile weit unter denen vergleichbaren Kilopreisen für Obst und Gemüse sind, was nicht mehr nur dekadent, sondern im höchsten Maße pervers ist. 

Zurück zu unserer Genusstour, zu Produzenten, die Ihr vielleicht noch nicht kennt, aber Lust habt, sie ebenfalls zu unterstützen und ihre Schätze zu kosten, deren Geschmäcker in jedem Fall jenseits eines gleichmachenden Einerleis sind und dadurch alle Sinne ansprechen. Auch das Füttern dieser Sinne gehört zu einer bewussten Ernährung.

Wir haben unseren Tag im Stiefkind-Hofladen begonnen – einer Manufaktur, die mit ihrem Stiefkind-Apfelsaft einen Saft produziert, der ganz anders ist als alle anderen, die Ihr bisher probiert habt: Absolut naturbelassen ist er, ohne Zusätze, naturtrüb und das in Rot und von einer wunderbar erfrischenden Säure, denn er ist nicht süß, wie alle andere sonst und einfach nur köstlich! Hier könnt Ihr die ganze Geschichte dahinter erfahren und mehr zu den rotfleischigen Äpfeln, aus denen er hergestellt wird.

Schneiders Hofladen, Grenzhöfer Straße 60, 68535 Edingen-Neckarhausen

Öffnungzeiten: Di – Sa: 09:00 – 12:00 Uhr und Do + Fr: 15:00 – 18:00 Uhr

Homepage: https://stiefkind-shop.de/

Einige Meter die Grenzhöfer Straße hinauf hielten wir im HeldDenHof-Hofladen:

Das erste Mal von diesem Hofladen hörte und sah ich in der SWR-Reihe Lecker aufs Land, die gerade wiederholt wird, auch mit dem HelDenHof, den ich hier gerade verlinkt habe – ich liebe diese Sendereihen, die es z. B. auch vom BR und dem WDR gibt, seit Beginn an. Seitdem haben wir schon einige wirklich herausragend tolle Höfe besucht, dazu ein anderes Mal mehr. Der HelDenHof-Laden bietet ein ganz schön großes Spektrum an unterschiedlichen eigenen Beeren, Erbsen, Landgurken, noch viel unterschiedliches Obst und Gemüse mehr, einer Auswahl an Milch- und Käseprodukten der Hüttenthaler Molkerei im Odenwald, die ebenfalls einen feinen Genussausflug wert ist, eigenen Wurst- und Fleischwaren, Eiern, Brot und noch viel mehr. Ach ja und eine eigene Brennerei haben sie auch.

HelDenHof-Hofladen, Grenzhöfer Straße 30, 68535 Edingen-Neckarhausen

Öffnungszeiten: Di.–Fr.: 9:00 – 12:30 Uhr, Do.–Fr.: 15:00 – 18:00 Uhr, Sa.: 8:30 – 12:30 Uhr

Homepage: https://www.heldenhof.de/

Zum dritten Genusspunkt fahren wir weiter ein kleines Stücken die Straße hinauf und gelangen an der Abzweigung zur Anna-Bender-Straße zur Bäckerei Kapp:

Der einen oder anderen von Euch ist der Artisan Boulanger Peter Kapp mit seiner Revoluzione del pane vielleicht noch als Juror von der ZDF-Suche nach Deutschlands bester Bäcker bekannt. Was für eine geniale Sendereihe das doch war. Sie war der Grund, weshalb wir in unseren Urlauben u. a. die Bäckerei Steinleitner in Straubing besuchten und Kexerei in Dresden und niemals enttäuscht wurden, was, wenn man bedenkt, was in sogenannten Backshops angeboten wird, die die Allermeisten mittlerweile tatsächlich für Bäckereien halten, alles andere als selbstverständlich ist. 

Zurück zu den Kappschen Backwaren, für die die Kundschaft auch bereits lange vor Corona bereit war, bis weit vor der Eingangstür auf der Straße anzustehen. Klickt Euch am besten auf der Homepage durch die Hochgenüsse, die seine Backöfen verlassen!

Bäckerei Kapp, Anna-Bender-Straße 1, 68535 Edingen-Neckarhausen

Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 06:00 – 18:30 Uhr, Sa. 06:00 – 15:00 Uhr, So.: 08:00 – 11:00 Uhr

Homepage: https://www.baeckerei-kapp.de/

Der nächste Punkt unserer Rundreise führte uns tatsächlich an einigen Tabakfeldern vorbei, etwas, was Anna und ich schon einigen Jahre so nicht mehr gesehen hatten, zum Hofladen des Gemüseanbaus Mampel:

Auch hier, wie auch in den anderen Läden, erfreulich viel Kundschaft, worüber wir uns so freuten, dass die Wartezeiten, bis wir mit dem Einkaufen dran waren, alles andere als negativ waren.

Bei Mampels gibt es ein sehr großes Angebot an Obst und Gemüse und auch Säften. Jetzt gerade gibt es frische, gepalte Erbsen zu 3 € für ein Kilogramm.

Hofladen Mampel, Kurpfalzhof 7, 69124 Heidelberg

Öffnungszeiten: Di. – Fr.: 09:00 – 18:00 Uhr, Sa.: 09:00 – 14:00 Uhr

Homepage: http://www.mampel-gemuesebau.de/

Ihr habt es sicher schon gemerkt, dass wir unsere Route vorgeplant hatten und so ist es kein Wunder, dass es von Mampels hin zu unserem nächsten Genusspunkt, nur ein bisserl mehr wie ein Katzensprung ist:

Ja, es ist definitiv so, dass Klaus Rothermel, der Chef der Heidelberger Holzofenbäckerei, in seinem beruflichen Werdegang mit einer Vision und viel Kreativität von einem Weg abgewichen ist, den er hätte sehr viel einfach beschreiten können, ist er doch ein Sohn einer Großbäckerei-Familie. Seine Geschichte, das was ihn antreibt, könnt Ihr auf seiner Homepage entdecken und nachlesen. 

Die Teige seiner Baguttes und das mit Parmesan ist zum Niederknien, reifen z. B. ganze 48 Stunden in der Kühlung. Das ist schon etwas ganz besonderes.

Mittlerweile ist es die Außenbewirtschaftung unter dem großen, Schatten spenden Walnussbaum wieder möglich, ich sage nur: Flammkuchen mit Oliven und dazu ein kühles Holunder- oder Rhabarberschorle – Danke Dir, Anna!

Heidelberger Holzofenbäckerei, Kurpfalzhof 2, 69124 Heidelberg

Öffnungszeiten: Mi. – Fr.: 08:00 – 18:00 Uhr, Sa.: 07:30 – 13:00 Uhr

Homepage: http://www.heidelberger-holzofenbaeckerei.de/cms/

Auf unserer Liste stand jetzt noch genau ein weiteres Ziel, aber Annas liebster Freundin sei Dank, die hoffte, dass wir vielleicht irgendwo auf unserer Tour Artischocken entdecken würden, kamen wir zu einem uns noch ganz unbekannten und daher ungeplanten Hofladen. Von Artischocken-Anbau irgendwo hier bei uns aber hatten wir noch nie etwas gehört, erst recht nicht davon, wann diese überhaupt erntereif werden würden … seit Jahren hatte ich mich mit frischen Artischocken immer nur bei unseren Fahrten ins Elsass eingedeckt. 

Um so erstaunter aber waren wir, als wir an der Abzweigung zu Mampel und der Holzofenbäckerei ein handgemaltes Schild in die entgegengesetzte Richtung entdeckten, auf dem riesengroß Artischocken stand! Wir stießen uns an, lachten und entschieden uns nach dem Flammkuchen-Vesper dazu, dem Schild zu folgen, rechneten ehrlich gesagt mit gar nichts und da standen wir auf einmal auf einem Streifen mit hoch aufgewachsenen Artischocken und uns vielen fast die Augen aus dem Kopf – da mussten wir ran und rein!

Artischocken, wunderschöne Artischocken, hier bei uns!

Und so wurde der Spargel- und Melonenhof Gieser tatsächlich der absolute und verdiente Höhepunkt unseres Genusstour-Tages!

Annas beste Freundin ist so in den Genuss tagesfrisch geschnittener Artischocken gekommen – von der großen grünen Sorte auf den Bildern und von einer kleineren violetten Sorte. Auch ich habe jeweils eine mitgenommen und bin besonders auf letztere sehr gespannt. Die von der Familie Gieser verkauften Kartoffeln übrigens sind nicht blank gewaschen, sondern noch mit einer feinen Erdschicht versehen, etwas was ich ganz besonders schätze! 

Auch in diesem Hofladen gab es ein tolles großes Gemüse- und Obstangebot, dazu am Tag vorher ganz frisch gekochten Eierlikör, natürlich aus Eiern der hofeigenen Hühner und dazu Shrubs von Shrub!, von dem uns Frau Gieser sehr gerne kosten ließ. Was soll ich sagen, wir beide waren von Rosmarin-Zitrone und Himbeer-Lavendel so begeistert, dass wir nicht widerstehen konnten und den Rest unseres Geldes investierten, der eigentlich für den Schlusspunkt gedacht war, aber zum großen Glück kann man in diesem Hofladen auch per EC-Cash zahlen, worüber wir beide sehr erleichtert waren. 

Frau Gieser hat uns mit ihrer Freundlichkeit, ihrem Humor, ihrer Energie und ihrer großen Fachkenntnis so beeindruckt, dass wir wiederkommen werden und das ist kein leeres Versprechen – lasst Euch selber von ihren tollen Angeboten überzeugen.

By the way: Gerade jetzt bietet sie prachtvolle Pflaumen aus eigener Ernte an!

Spargel-Melonenhof Gieser, Altneurott 4, 68723 Oftersheim

Öffnungszeiten: Mo. – Fr.: 08:30 – 18:00 Uhr, Sa.: 08:30 – 14:00 Uhr

Homepage: https://www.spargelhofgieser.de/

Mittlerweile waren Kofferraum, Kühlbox und Einkaufstaschen wirklich gut gefüllt, aber zum Glück doch noch Bargeld in unseren Geldbörsen, so dass wir wie geplant abschließend doch noch zum Nußlocher Ziegenkäsehof fahren konnten, der bereits seit vielen Jahren für die Genussschmecker der Region eine Institution und ein Muss ist:

Von frischer Ziegenmilch, über wundervoll aromatisierte Ziegenfrischkäse, Ziegenwurst bis hin zu Ziegenmilchseife und Töpfereien ist hier alles in sehr hoher Qualität zu erhalten, da gibt es wirklich nichts zu määäääckern – und die Beratung zu all dem ist ausführlich und wirklich erstklassig!

Nußlocher Ziegenkäsehof, 69226 Nußloch

Öffnungszeiten: Do. – Fr.: 15:00 – 18:30 Uhr, Sa.: 09:30 – 16:00 Uhr

Homepage: https://ziegenkaesehof.de/index.html

Na, wie hat Euch unsere Genusstour gefallen? Habt Ihr Lust darauf bekommen, sie selber zu fahren oder uns von Euren eigenen zu berichten?

Unsere nächste, dieses Mal in eine ganz andere Richtung, ist schon mitten in der Planung!

Nur eines noch: Genießt solche Tage mit den Menschen, die Euch lieb und teuer sind, denn sie sind wertvoll und von unvergleichlicher Kostbarkeit.

Coronasonne

Diese Postkarte von Katharina Krenkel ist (leicht lädiert – aber dafür kann sie nix! – sie ist mir trotzdem lieb und teuer!) in unserem Briefkasten gelandet. 

Darauf zu sehen ist Kitty mit all ihren anderen Fingerfiguren-Welttheaters, mit denen sie die Wüstendünen im Schein der untergehenden Corona-Sonne durchquert.

Wenn Ihr den Links zu Katharina Krenkels Kunst bisher noch nicht gefolgt seid, dann wird es jetzt endlich aber allerhöchste Zeit dafür!

Wie lange noch?

Diese Fichten (denn es sind zwei hinter- bzw. nebeneinander) begleiten uns bereits so viele Jahre, dass man diese getrost in Jahrzehnten berechnen darf und sind für mich so etwas wie eine sehr lieb gewonnene Heimatlandmarke geworden. 

Die zwei letzten krassen Dürrejahre haben ihnen aber sehr schwer zugesetzt und so frage ich mich jedes Mal aufs Neue bang, wie lange sie noch stehen und den in immer kürzeren Abständen folgenden Stürmen standhalten werden. 

Ich bin froh um jeden Regentropfen, der hier bei uns in den letzten Wochen gefallen ist, aber auch wenn der Regen anhalten können würde, wird er sie wohl doch nicht mehr retten können.

Etliche andere Bäume in dem mal kürzeren, mal längeren Waldstücken und Hainen in der Umgebung sind schon abgestorben und machen für die, die sehen können und wollen, sehr deutlich, dass der Klimawandel und die Erderwärmung drastische Folgen mit sich bringen, die nicht nur für den Baumbestand großes Leid bringen werden. 

 

Ich bin dabei: Corona-Warn-App

COVID-19, auch Coronavirus SARS-CoV-2 genannt, ist kein lustiger Virus, erst recht keiner, der unterschätzt werden darf. 

Weit über 8.000 Menschen sind in unserem Land an ihm mittlerweile verstorben und ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass wir nicht diese schrecklichen Todeszahlen wie in anderen Ländern erlebt haben müssen und das ganz ohne einen echten Lockdown wie z. B. in Italien oder gar mit einem Verlust unserer durch das Grundgesetz geschützten Rechte. 

Wer Rechte hat, hat auch Pflichten. 

Ich für meinen Teil interpretiere meine Pflichten dahingehend, dass die Grenzen meiner persönlichen Freiheit dort aufhören, wo sie die Grenzen meiner Mitmenschen verletzen könnten und können. 

Für mich war nie die Frage, ob eine Pandemie in unserer Lebenswirklichkeit überhaupt stattfinden würde, sondern immer nur ein großes Wann. 

Für mich ist „Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper“ einer der dümmsten Sätze, gleich gefolgt von „Die Krankheit und das Universum wollen der Seele etwas sagen“. Ich halte nichts von Homöopathie und Globulis, wohl aber viel von Naturmedizin, bin geimpft und werde mich weiter impfen lassen. Ich trage meinen MNS, trotz meiner Krankheiten, auch wenn ich dahinter schwitze, manchmal schwerer Luft bekomme, obwohl es keinen Spaß macht, wohl aber den Sinn hat, dass ich damit mein Gegenüber schütze. Für mich ein nach außen getragenes Zeichen von Verantwortung und Respekt. 

Das ist meine Einstellung, meine Meinung. Darüber diskutiere ich nicht. Das bin ich.

Ich hinterlasse digitale Spuren, auch wenn ich lange nicht so ausführlich digitalisiere wie viele andere Menschen in meinem Umfeld. Darüber dass ich Spuren im WWW hinterlasse, habe ich keine Illusionen und weil das ja eh schon so ist, ist es für mich kein Problem, mich an der Nutzung der Corona-Warn-App zu beteiligen. 

Das wiederum ist aktiver Selbstschutz, denn daran, dass die Gesellschaft an sich in diesen Pandemie-Zeiten allzeit vernünftig zum Schutz der Allgemeinheit verhält, daran habe ich keinen Glauben mehr. 

Aber ich lasse mich dahingehend jederzeit gerne eines besseren belehren :).