Adventskalender-Countdown

Nun hat sie begonnen, die Adventszeit, die ich seit meiner Kindheit so sehr liebe. Mehr noch als Weihnachten selbst. 

Ich liebe es, diese Zeit zu teilen und ich fühle mich gesegnet, dass ich von Menschen umgeben bin, die das ebenfalls mit mir teilen. 

Morgen beginnt der Blog-Teezauber 2020, den Claudia Alltagsbunt ganz bewusst nach der Unterbrechung 2019 in diesem besonderen Jahr wieder stattfinden lässt. Zwei Mal durfte, konnte ich 2017 und 2018 an ihrem Blog-Teeadventskalender teilnehmen und nun, wie halt alle perfekten Dinge sind, zum dritten Mal im Jahr 2020. Advents- und Teezauber können wir alle wohl sehr dringend brauchen in diesem so ganz anderen Jahr. Einem Jahr, wie ich es vorher in meinem Leben zum meinem unglaublichen Glück noch niemals durchleben durfte.

Seit 2017 hat sich vieles in Blog-Land verändert, nicht zuletzt durch die nicht für jede BloggerIn aushaltbare DSGVO und ganz speziell in diesem Jahr durch Corona – auch das hat Blog-Land nachhaltig nicht zum Besseren verändert. Es tut einfach weh, was alles verloren ging und es stimmt, was Frau Merkel sagte, dass wir einander nach dieser Zeit viel zu vergeben haben werden. Auch und gerade, wenn das für mich nicht für alles gelten wird. Ich kann sehr vieles akzeptieren oder besser hinnehmen, einiges nachvollziehen, manches aber definitiv nicht vergeben. 

Trotzdem, ich gehöre weiter zu denen, die selbst an ihrem letzten Tag ein Apfelbäumchen pflanzen würden und das möchte ich niemals ändern, denn ansonsten hieße das, die Hoffnung fahren zu lassen und das möchte ich nicht. 

Ich habe hin und her überlegt, wie ich es dieses Jahr mit den Teeadventskalender-Blogbeiträgen halten möchte. Zuerst dachte ich für mich (! Das gilt nur für mich, das möchte ich betonen !), es sei völlig ausreichend, jeden der Tage bei der jeweiligen Bloggerin zu kommentieren, musste aber feststellen, dass das mit dem Kommentieren weder bei mir für alle funktioniert, noch umgekehrt. Das liegt daran, dass viele von uns aus traurigen Gründen mittlerweile eine Kommentarfunktion eingeschaltet haben und die funktioniert trotz richtiger Eingaben nicht bei jedem Bloghost so, wie es sein sollte, halt auch bei mir nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich werde es wie 2017 und 2018 halten und jeden Tag vom 1. bis zum 24. Dezember einen Blogbeitrag mit Bild veröffentlichen, damit auch die Teilnehmerinnen, bei denen die Kommentare nicht erscheinen, wissen, welche Freude ich daran habe, meine Teetasse gemeinsam mit ihnen zu erheben.

Ich freue mich auf Euch alle!

 

Slipped Stitch Shawl für die Vertretung

Eine gute Vertretung in der Arbeit zu haben, eine Vertretung, die so lieb ist, dass man in Absencen gehen kann, ohne Befürchtungen davor haben zu müssen, was alles schief gehen könnte, eine Vertretung, bei der man ohne schlechtes Gefühl wieder zurück aus den Absencen kommen kann, weil man keine Angst haben muss, was einem aufgrund der Abwesenheit vorgeworfen werden wird.

So eine Vertretung zu haben, so eine Vertretung selber zu sein, das ist etwas, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Eigentlich. Und doch ist es genau das viel zu oft nicht, weshalb eine solche Vertretung, eine solche Kollegin ein wahres Geschenk ist!

Ich habe eine ganz wunderbare Vertretung, eine, die ich gerne umarmt hätte, als ich ihr das Tuch mit einem von Herzen kommenden „Danke, Dir!“ überreicht habe. So ist das Tuch die Umarmung und sie kommt von Herzen!

Technische Daten:

Anleitung: Slipped Stitch Shawl von Kristen Finlay

Anmerkung zur Anleitung: Das Strickbild beim Stricken ist durch die gezogenen Maschen unglaublich fluffig mit einer ganz weichen Haptik. Nach dem Entspannungsbad unbedingt an die Vorgabe halten, das Tuch soweit als möglich mit Zug zu strecken und dann mit Nadeln fest zu pinnen, bis es trocken ist, damit es so groß wie möglich werden kann. Nach dem Trocknen zieht es sich wieder etwas zusammen, das ist ganz normal.

Garn: Handgefärbte Merinosockenwolle (75 % Wolle/25 % Polyamid, LL: 400 m/100 g)  von Farbenpracht – ich liebe diese Färbungen, die Violetttöne mit Grün und anderen Farbakzenten verbinden, sehr. 

Stricknadel: Rundstricknadel 4,0 mm

Gesamtgewicht: 98 g

Ein kleines Stückchen Zauberwald

Vergangenes Jahr im Urlaub in Sachsen, da sammelte ich bei meinem letzten Spaziergang an einem goldenen Sonnenabend aus dem Ort hinaus, zwischen den Feldern in Richtung Wald, einige biegsame Ästchen, Hagebutten, zwei Maroni, einige Blätter und ein Zweiglein Erika auf und wand mir daraus zur schönen Erinnerung ein Kränzlein für die kalte Jahreszeit, verziert mit einem silbrigen, posauneblasenden Engel. 

Dieses Jahr hob ich im Wald ein Kiefernzweiglein und zwei Flechten vom Boden auf und steckte die Nadeln des Zweigleins daheim in das, mittlerweile von allem dürr Gewordenen befreite, Kränzlein hinein. Etwas wirr und wild, verzaubert sah es aus, aber auch noch unfertig, bis mir die marveilleusen Winterfräulein einfielen, die meine Tochter und ich zusammen anno 2008 in der Adventszeit aus alten Holzwäscheklammern bastelten:

Noch ein kleines, grünes Reiflein mit einer rot glitzernden Paillette hinein und eine Strohblumenknospe aus dem Garten. 

Fertig ist mein eigenes kleines Stückchen Zauberwald. 

Ginperiment

Die gesammelten Schlehen baden nun wie angedacht in Gin – allerdings nicht alleine, denn mit von der Partie sind Cranberries, vollreife und wunderbar süße Himbeeren, Sternanis, Vanilleschotenstücke und jeweils eine Handvoll brauner Kandis. Nicht zu vergessen: Etwas Rosenwasser!

Ob das, wenn fertig gezogen, lecker schmeckt, das dürfen dann die damit Beschenkten entscheiden ;). 

Nicht nur irgendein Strohstern

Ich war 23, als ich zu einem Strohsternebastelabend eingeladen wurde.

Die Frauen dieser Runde waren mehr als 30 Jahre älter als ich. Freundinnen seit frühester Kindheit. Jede von Jeder kannte alles: Träume, Wünsche, Leben, Enttäuschungen, Schmerz, Lachen, Alltag, Verlust, Sehnsüchte. 

Das was sie gemeinsam umgab, war von einer solchen Intimität, dass ich mich wie ein Kind in einem Spielzeugladen und wie ein Eindringling, ein äußerst glücklicher Eindringling, zugleich fühlte. 

Die Gastgeberin lebte mit ihrer Familie im Haus ihrer Kindheit. Ein Haus mit Wurzeln weit zurück zu Urahnen, voll von Teppichen auf dem Boden, an den Wänden, die sie mit unversiegbarer Lust seit ihrer Jugend und nun schon über 40 Jahre hinweg, alle selber geknüpft hatte. Neben dem runden Tisch, an dem wir gemeinsamen saßen, stand etwas wie ein großer Webstuhl, auf dem sie an ihrem neuesten, sehr großen Teppich knüpfte.

Als ich 14 Jahre alt war, war Knüpfen sehr en vogue und so knüpfte ich mir damals in den 70ern ein Kissen mit einem großen Schmetterling darauf. Knüpft heute eigentlich noch jemand? Vielleicht ist Knüpfen ja bei den Handarbeiten irgendwann einmal wieder das next big thing to come, so wie nun Makramee? 

Die Freundinnen jedenfalls kannten mich, bis auf die, die ich begleiten durfte und die ich sehr schätzte und auch heute immer wieder mal gerne an sie denke, eigentlich nur vom Sehen und doch nahmen sie mich an diesem Abend auf, als wäre ich ein Teil, wie eine Tochter einer von ihnen, was ja auch fast stimmte. Aber eben nur fast. Und trotzdem, es war ein Abend wie eine einzige warme, wohlwollende Umarmung.

Ich wuchs zwar mit lauter Selbermacherfrauen um mich herum auf, dieses Selbermachen aber fand nie in einer solchen Runde statt, bei keiner von ihnen. Dieses Selbermachen war bei jeder ein distanziertes, etwas was sie nicht teilten. Ich weiß nicht, ob sie das nicht wollten oder ob sie es einfach nicht konnten. Alles was ich von ihnen lernte, lehrte mich das Zusehen, das Aufsaugen diesen Wissens in mich hinein wie ein Schwamm. Es gab kein Anlernen, kein Erklären, kein Zusammensitzen mit Lachen, Tee, Kuchen, freudiger Anleitung, was ich rückblickend bei keiner von ihnen verstehen kann, was mich mit Trauer und einer ungestillten Sehnsucht erfüllt. 

Später in meinem Leben durfte ich solche Momente von gemeinsamer Handarbeit im Kreis von Frauen, unter anderem in den unvergesslichen Freitagnachmittagen im Café am Burgplatz, das es leider nicht mehr gibt und bei ungezählten Strickperlen-Treffen erleben. Das sind mir unendlich kostbare Erinnerungen und Erfahrungen, deren Strahlkraft mir auch weiterhin Inspiration sind. 

Neben dem Stern oben kam ich an jenem fernen Abend, der mir immer nah bleiben wird, mit einem noch größeren und zwei kleineren Sternen nach Hause, die ich über jedes Jahr hinweg hege und pflege, bis die Winterzeit, der Advent, naht und ich meine Fenster jedes Jahr aufs Neue mit ihnen dekoriere. 

 

Novemberfuchsie

Im viel zu heißen Sommer hat sie sich an ihrem Schattenplatz nicht gemuckst und nicht geregt. Jetzt wo es kühl ist, trägt sie pralle Knospen und öffnet die Rockschöße ihrer Blüten in verschwenderischer Fülle.

Auch das ist Hoffnung.

Tannenbäumchenfenster

Ich schrieb ja schon davon, dass mir das Stricken der Weihnachtsbäumchen sehr großen Spaß gemacht hat. Einen kleinen Wald erstrickte ich mir mit ihnen. 

Nun haben die Bäumchen ihren endgültigen Platz am Fenster meiner Kemenate gefunden, das keinen reinen Ausblick in die Natur hat, weshalb es davon kein Photo geben wird. Macht auch nichts, denn auch so vor dem Holzstapel ist zu sehen, dass sie nicht alleine am Holunderast baumeln, sondern z. B. zusammen mit anderen mir lieben Sternen aus vorangegangenen Teeblogadventskalenderjahren. 

Ich freue mich so sehr, dass Claudia Holunder auf ihrem zauberhaften Blog Alltagsbunt dieses Jahre wieder einen organisiert – ich möchte sagen, dass er noch nie so wertvoll wie in diesem Jahr war.

24 Tage, um gemeinsam mit lieb gewonnen Mitbloggern jeden Tag einen anderen Tee genießen zu dürfen und dabei auch andere noch ganz unbekannte Menschen kennenlernen zu können. Das wird ein herrlicher Advent werden.

Und wenn man denkt, das Ausmaß an Widerwärtigkeit wäre erreicht, dann

betritt bei einer Quer≠Denker- Veranstaltung am Samstag, den 14.11.2020, auf dem Messplatz in Karlsruhe eine Mutter aus Pforzheim in Begleitung ihrer 11-jährigen Tochter die Bühne und das Mädchen beginnt einen Text von einem Blatt Papier, das sie in den Händen hält, vorzulesen. Sie erzählt davon, dass sie ihren 11. Geburtstag ganze fünf (5) Mal habe feiern müssen wegen derzeitigen Corona-Regeln, da nur Mitglieder aus zwei Haushalten zugleich in einer Wohnung anwesend sein dürfen. Ein sechstes Mal habe sie dann mit ihren Freunden ihren 11. Geburtstag gefeiert, ganz leise natürlich, damit die Nachbarn nichts mitbekommen und zu verhindern, dass sie diese Feier verpetzen könnten. Die Vermutung liegt nahe, dass dazu mehr als nur ein Kind eingeladen war, denn ansonsten hätte es überhaupt keinen Grund dazu gegeben, sich angeblich so zu verhalten.

Wer immer diese Rede geschrieben hat, ob die Mutter, die Eltern, das Mädchen selber, das Fazit der Tatsache, dass sie ihren 11. Geburtstag wegen der Regeln im Umgang mit Corona ganz sechs (6) Mal feiern musste (!), gipfelte in der Feststellung, dass sie sich deshalb mit Anne Frank verglich, weil sie wie diese „mucksmäuschenstill sein mussten“, um nicht von Nachbarn verpetzt zu werden.

Das Mädchen ist 11 Jahre alt, allein das ist schon Grund genug, dass ich in Bezug auf sie mit größtmöglicher Neutralität schreibe, denn dieses Kind tut mir in tiefster Seele leid. Medien, vor allem das Internet, vergessen nie und der Film dieses Auftritts, den ich hier bewusst nicht teile, ist mittlerweile durch so viele Kanäle hindurch gegangen, dass dieses Mädchen in dem Bewusstsein erwachsen werden wird, dass es ihn gibt und dass sie zu jeder Zeit damit konfrontiert werden könnte.

Mehr dazu von mir nicht.

Bei der Mutter aber, bei der Mutter frage ich mich tatsächlich, was für eine Mutter das ist, die in der Lage ist, ihr Kind auf eine solch abscheuliche Art und Weise zu instrumentalisieren. Das hat nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun, auch nichts mehr mit einer sachlichen Betrachtung an einer Kritik im Umgang mit einer mittlerweile weltweiten Pandemie.

Solche Äußerungen über Anne Frank in Bezug auf einen Kindergeburtstag, der nicht einmal sondern ganze sechs Mal wegen der aktuellen Corona-Bestimmungen gefeiert wurde, ist eine Holocaustverleugnung schlimmsten Ausmaßes, ist zutiefst antisemitisch, menschenverachtend und geschichtsverleugnend.

Ich würde empfehlen, Mutter und Tochter zu einem geführten KZ-Besuch einzuladen und den für dieses arme, missbrauchte Kind, das selber ein Opfer ist, mit höchster Behutsamkeit so durchzuführen, dass sie nachvollziehen kann, was in Nazideutschland an Menschenhass passierte und was Anne Frank an Angst, Terror, Hass bis hin zu ihrem schrecklichen Tod in einem Konzentrationslager erleiden musste.

Eine solche Rücksichtnahme würde ich für die Mutter nicht empfehlen, denn sie ist erwachsen und ihr sollte klar werden, was sie da mit ihrem Kind angestellt hat und wie es auf die Überlebenden der Shoa wirken muss, wenn so der Tod aller Opfer der Naziherrschaft ins Kleinliche und Lächerliche gezogen und verleumdet wird. Wenn man so imaginär auf den Gräber dieser armen, ermordeten Menschen tanzt, sie gleichsam noch einmal entwürdigt und auf sie spuckt.

Wir wissen, das Anne Frank in einem Konzentrationslager starb, wir wissen nicht wie. Wir wissen nicht, ob sie sich, zusammengetrieben mit vielen anderen Opfern, noch draußen im Freien vor entmenschlichten Herrenmenschen komplett entkleiden musste, ob man ihr grob die Haare vom Schädel schor, ob sie zusammen mit vielen anderen Mädchen und Frauen vergast wurde, an einer Krankheit starb oder verhungerte. Wir wissen nicht, ob ihr bei all dem jemand die Hand hielt oder ob sie gar in einem Arm geborgen war, ob ihr jemand zärtlich ins Ohr flüsterte, um sie abzulenken oder ob sie sich nackt und ohne Haare weinend auf den Boden kauerte, ob sie geschlagen, getreten oder sonst wie missbraucht oder verletzt wurde. Ob sie alleine war, als sie ihren letzten Atemzug tat und starb, ob sie in dem Moment jemand betrauerte oder sich gar wünschte selber tot zu sein.

Was seid Ihr für Menschen, wenn Ihr all das verleugnet und Euch gar als Covjuden bezeichnet?

Was wollt Ihr erreichen?

Wo wärt Ihr in der Zeit in Nazideutschland gewesen? Seid Ihr Euch so sicher, dass Ihr nicht selber in eines dieser Konzentrationslager gesteckt worden wäret?! Denn so ist das in Diktaturen wie einer solchen, der Anne Frank ausgeliefert war: Da werden Menschen einfach gefoltert, misshandelt, getötet, denn um Menschenrechte geht es in Diktaturen nicht.

Mir graut und mir ekelt vor Euch.

Der Zweck heiligt eben nicht alle Mittel!

Immer hat eine recht, weil sie recht hat

Die Entscheidung zu bloggen machte ich mir nicht leicht. Ging ein ganzes Jahr in mich und startete dann erst zögerlich, dann voller Begeisterung und noch immer ist der Blog mein liebstes Medium, wenn auch das Unbeschwerte des Anfangs nicht mehr da ist, da sich vieles geändert hat in den vergangenen 17 Bloglebenjahren.

Vor einigen Jahren ließ ich mich in einen Phasebuch-Account hineinquatschen, das Gesichtsbuchdasein und ich wurden aus vielerlei Gründen keine Freunde, weshalb ich wieder ausstieg und seither ist mir noch klarer, was ich am Bloggen habe.

Das Bilderbuch Instagram ist ebenfalls nicht mein Medium. Alles mit Bildern, die natürlich stets wunderschön sein sollen, in meinem Leben zu bebildern, ist einfach nicht meine Welt. Ich hatte es noch nie so mit Bilderbüchern und erst recht nicht mit Schönmalereien.

Das letzte große Dritte, das Zwitschern, das reizte mich auch nicht. Naja, über die Jahre seines Beginns hinweg nicht, bis Corona sich deutlich manifestierte und ich darin die Möglichkeit sah, sehr schnell an Informationen zu kommen, schneller als in jedem anderen Medium. Ich ließ mir eine kurze Einführung vom großen Sohn geben, der tatsächlich Digitalnativ ist, was ich nicht bin (allem digitalen sehr aufgeschlossen, habe ich tatsächlich noch sehr bewusst Lochkarten erlebt), er meldete mich an und da war ich und konnte so problemlos den für mich seriösen und vertrauenswerten WissenschaftlerInnen, ForscherInnen, MedizinerInnen, PflegerInnen, Infoportalen wie Volksverpetzer, etc. folgen. Zu ganz großem Teil macht das die Bubble aus, in der ich mich bewege, aber eben nicht nur, denn wie das so ist, auf Twitter stieß ich auf tolle HistorikerInnen, KünstlerInnen, BestatterInnen, MitmenschInnen (aka BloggerInnen) die ich nicht missen möchte, da ich ihnen bereits vorher z. B. über ihre Blogs folgte.

Zum allergrößten Teil dient mir Twitter also zur Informationsbeschaffung, zu einem wesentlich kleinen Teil aber auch zu einem zwanglosen Austausch, der manchmal herzerfrischen albern sein kann, aber auch mal mitfühlend, traurig, banal und oder einfach nur nett, freundlich, schön.

Das ist meine Bubble.

Zwangsläufig gerät man nach einiger Zeit auch in Berührung mit anderen Blasen, manche platzen recht schnell, denn die Kommentarkommunikation kann extrem schnell, ohne dass frau das geahnt hätte, ins Hämische und ekelhaft Selbstgerechte abrutschen und wenn eine mal damit angefangen hat, dann folgen ganz schnell die treuen Abwatscherinnen aus deren ureigenen Seifenblase und das kann eine Dynamik annehmen, der ich nicht folgen kann. Ich rede da nur zum Teil aus eigener Erfahrung, zum anderen Teil sind das Tweets anderer Personen, die regelrecht vorgeführt und auf distanzlose und übergriffige Art und Weise abgewertet werden.

Das ist nicht mein Kommunikationsverständnis und abgesehen davon, passiert momentan um uns alle herum so viel schlimmes, für das es sich viel eher lohnen würde, den Mund so grandios aufzumachen und Position zu beziehen, von solchem aber berichten diese MenschInnen dann aber extrem wenig bis gar nicht.

Ich möchte mir über deren Beweggründe keine Gedanken machen, es reicht, das sie mich so unangenehm berühren, dass ich gar keinen näheren Diskurs oder Kontakt haben möchte.

Das was um uns alle herum passiert, was rund um mich herum passiert, das fordert mich, das macht mich zum Teil sehr traurig und ab und an sogar Angst – wohlgemerkt nicht vor dem sachlichen Virus, sondern einzig und allein vor dem menschlichen Faktor. Das Leben wie es vor Corona war, das ist jetzt anders, die Hoffnung bleibt, dass irgendwann wieder Normalität eintritt und so wie es immer wieder neue Entwicklungen gibt, so entscheide ich wie alle anderen immer wieder aufs Neue, wie es mir damit am besten geht.

Am vergangenen Freitag war so ein Tag, an dem mir auf Twitter alles zuviel wurde, weshalb ich mich einfach herauszog. Mein Sohn bekam das mit und wir hatten anschließend ein langes, sehr informatives Gespräch über Kommunikationskultur, mein Selbstverständnis als Bloggerin und mein Unverständnis darüber, womit ich bei Twitter in Berührung komme und was für eine vergebene Liebesmüh das ist, mir über die oben beschriebenen negativen Auswüchse überhaupt Gedanken zu machen, geschweige denn, dort auf ein sachliche Diskussionen zu warten, wo Menschen einfach nur ihr Recht auf das Rechthaben ohne Anstand herauszurotzen. Ja, ich werde meinen Account dort behalten, aber ich werde mich bemühen, wieder dorthin zu kommen, wo ich am Anfang war: Information bekommen, meine Solidarität durch Retweet zu zeigen. Mich dort austauschen, wo ich weiß, dass ich das mit Menschen mache, die so machen wie ich – und natürlich weiter neugierig auf alles Neue zu sein, dem ich dort begegnen kann.

Meine digitale Wohlfühlwelt ist und bleibt (hoffentlich) das Bloggen.