Gebacken: Herzeliebs Campingwecken

Einer der für mich am liebevollsten gestalteten heimischen Foodblogs ist der von Frau Herzelieb aus Nordfriesland. Einer Region, die völlig zu Unrecht kulinarisch komplett unterschätzt wird, wie sie es in jedem ihrer Rezepte immer wieder aufs Neue beweist. 

Ich habe schon einige ihrer Rezepte nachgebacken und -gekocht und es stimmt was sie schreibt, denn das Ergebnis ist jedes Mal einfach nur komfortabel lecker, was bestimmt an der Prise Liebe liegt, denn diese Zutat fehlt nie und ist ihr ein unabdingliches Muss ;). 

Unglaublich, dass ich darüber noch nie im Blog geschrieben habe, aber das ändert sich ab sofort mit ihrem Rezept für die Campingwecken, das ich hier nicht nachschreibe, sondern verlinke, denn die Ehre dafür gebührt alleine ihr. Gehet also hin und werdet ebenfalls fündig!

Jajaja, das Bild oben ist unscharf, ich werde nie eine auch nur annähernd gute Foodbloggerin sein, denn wenn so ein Weck frisch, dampfig, duftig vor mir liegt, dann mag ich nicht lange erst ein perfektes Photo knipsen, sondern nur noch mit einem gehauchten „Hmmm“ genießen!

Der Teig für die Campingwecken ist der butterweichste, den ich jemals verarbeitet habe und obwohl er so fluffig ist, gehört er nicht in meine schrecklich klebrige Batz-Teig-Kategorie, die ich so gar nicht mag, was an sich bereits grandios ist. 

Geändert habe ich für uns am Rezept nur dieses: 

In den Teig kamen nicht 50 g sondern lediglich 25 g Zucker und für die inneren Teigkugeln habe ich komplett auf die 80 g Hagelzucker verzichtet und stattdessen einige gehackte Mandeln und eine kleine Handvoll Cranberries in den Teig hineingefaltet. 

Für uns sind die Campingwecken so perfekt, werden definitiv immer wieder gebacken und wandern in das Buch mit meinen Lieblingsrezepten.

Vielen Dank, Frau Herzelieb!

Gelesen: „Hagebuttenblut“, „Dunkel“, „Park Avenue Killings“

1. „Hagebuttenblut“ von Lina Bengtsdotter

Dieser Krimi ist der 2. Band aus der Charlie Lager-Reihe, wobei ich den ersten nicht gelesen habe, was aber völlig unproblematisch war, denn ich konnte mich auch so gut in diesen spannenden und düsteren Schweden-Krimi und sein open end hinein lesen. Besonders gefallen hat mir, dass er ohne minutiös geschilderte blutige Schlachtgemetzelszenen ausgekommen ist. Mysteriös bleibt die Verflechtung zwischen Kriminalfall und der dramatischen Familiengeschichte der Ermittlerin Charlie Lager.

2. „Dunkel“ von Ragnar Jónasson

„Dunkel“ bildet den Auftakt zur isländischen Hulda-Trilogie. Der Autor Ragnar Jónasson ist übrigens Mitglied der Britischen Crime Writers Association und Mitbegründer des „Iceland Noir“ = dem Reykjavík International Crime Writing Festival.

Dieser Krimi rund um die Kommissarin Hulda Hermannsdóttir ist von Beginn an voller dumpfer Dunkelheit, Verzweiflung und Tragik, die sich langsam aber eindrücklich immer stärker entfalten. Hulda ist eine sehr akribische Ermittlerin, die nichts von vorläufigen Schnellschlüssen hält, sondern stets nach der einzig wahren Antwort auf eine Frage sucht.

Wie sehr sie von ihrer eigenen Lebensgeschichte getrieben ist, auch das wird erst nach und nach bewusst. Das Ende der Erzählung kam als unerwartet schnelle Tragödie  – ich bin mir noch nicht wirklich klar darüber, ob ich das so stehen lassen oder die zwei weiteren Bände rund um sie lesen möchte.

Sehr gut geschrieben, führt und hält einen wunderbaren Spannungsbogen.

3. „Park Avenue Killings“ von Jane Stanton Hitchcock

Naja, nach den beiden wirklich guten Krimis davor, konnte ich dieser Geschichte aus dem High Society-Milieu so gar nichts abgewinnen. Ab ungefähr dem ersten Drittel habe ich jede Seite nur noch ganz kurz diagonal gelesen. Die Schilderungen aus einem übersättigten, ekelerregend durch und durch verlogenen und unglaublich oberflächlichen Luxus-Leben langweilten mich zutiefst, so wie auch der Plot, der mir wie mit einer heißen Nadel gestrickt deuchte. Langweilig.

Kein Vergleich zu „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“ von Michaela Karr.

2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 4/52 = Aufbruch

Initiiert und gehostet wird das große Jahr der Miniaturen durch Susanne vom Nahtlust-Blog. Bei ihr könnt Ihr, wenn Ihr auf das dazugehörige Miniaturen-Banner oben auf der rechten Seite ihres Blogs klickt, eine Auflistung sämtlicher Beiträge zu diesem tollen Miniaturenjahr sehen – und wer weiß, vielleicht habt Ihr ja selber Lust, Euch inspirieren zu lassen, um selber mit dabei zu sein?!

Für meine Miniatur habe ich mich erneut für das Format 10 x 15 cm entschieden. Das Photo als Grundlage dafür habe ich punktuell auf einer Leinwand aufgebracht, über die ich zerknittertes Packpapier geklebt habe. Rund um das Bild sind so 2 mm davon zu sehen, obwohl das auf der Aufnahme gerade nicht so aussieht. 

Meine Gedanken, warum ich mich für dieses Motiv entschieden habe, womit ich daran weiterarbeitete, finden sich im Text unter den Photos.

Wie auf dem nächsten Photo zu sehen, hat die Miniatur eine gewisse Dreidimensionalität:

Ursprünglich hatte ich mir insgesamt fünf Photos ausdrucken lassen, um zu entscheiden, ob ich die Motive geheftet, geschichtet oder nur eines alleine bearbeiten möchte – das Thema Aufbruch steht für mich exemplarisch über jedem einzelnen:

2019 haben wir einen wunderbaren Urlaub in der Sächsischen Schweiz verbracht, der uns sehr gut tat und uns mit so vielen Eindrücken und Erlebnissen überreich beschenkte, dass wir immer wieder noch darüber sprechen und damit noch lange nicht aufhören werden. 

Was das mit „Aufbruch“ zu tun hat? Alles!

Heute, 31 Jahre nach der Wiedervereinigung, können wir zwischen Ost, West, Nord, Süd hin und her reisen aus jeglicher Richtung, wie wir das möchten. Vorher konnten wir das nicht. Also, zumindest die westliche Hälfte konnte das in die östliche. Die östliche aber nicht einfach so in die westliche und so wurde 1990 das Jahr mit einem Aufbruch in eine gemeinsame Zeit. 

Keine Bange: Es folgt kein politischer Diskurs.

Wer mich kennt, weiß, dass es für mich nicht die Metropolen sind, die mich faszinieren, sondern das Ländliche. Nicht das Große, sondern das Kleine. Nicht das Spektakuläre, sondern das Besondere im Einfachen. 

Dresden war fabelhaft mit all seinen Möglichkeiten, viel mehr gerissen aber hat mich zum Beispiel Liebstadt, die kleineste Stadt Sachsens, die voller Geschichte und Geschichten steckt und wie meine Lieblingsstadt am Fluss von einem sie überragenden Schloss gekrönt wird. 

Diesem Ort geht es wie unzähligen anderen, in denen die Zeit stehen geblieben ist, die abgehängt wurden, seit diesem Jahr des Aufbruchs. Einem kleinen, nicht zentralen Ort, der wie in einen Schlaf gefallen wirkt und wie man ihn nicht nur in Sachsen, sondern auch im Bayerischen Wald, in der Eifel – nicht nur an der Elbe, sondern auch am Neckar – findet. 

In allen diesen Orten finden sich Häuser, die die Zeit aufbricht, so wie auf meinem Photo, in dem sich Bäumchen nicht nur auf und durch Stufen setzen. Häuser, die beim flüchtigen Vorbeigehen wie faule Zähne anmuten – deren aber noch immer vorhandene Schönheit  gerade jetzt im Morbiden sichtbar ist, wenn man sie nur sehen, fühlen, wahrnehmen will.

Aufbruch ist für mich die Frage, wie viele davon dieses Haus schon erlebt hat, seit es fertig gestellt und bezogen, mit Leben erfüllt wurde? 

Ich wünschte, ich wüsste mehr davon als nur das, was ich ahne, was mir klar ist und ich wünsche mir so sehr, dass der Aufbruch für dieses Haus nicht nur irgendwann der hin zu einem Abbruch sein wird.

Die geschichtlichen Fakten sind dargestellt durch Ausschnitte, die ich sämtlich aus Briefmarken von DDR, BRD, D ausgeschnitten habe. Aus Zeiten also vor und nach der Wende. Draht „wächst“ gleichsam heraus aus der Mauer, den Steinen, der Treppe, so wie Draht auch Teil der trennenden Mauer war und diese Drahtzweiglein tragen Krieg, Frieden, Wappen, Karl Marx, Wiedervereinigung und die Würde, nicht nur die der Menschen, die unantastbar ist, was wir NIEMALS vergessen dürfen!

In dem Moment, in dem das passiert, wäre kein Aufbruch mehr möglich, sondern tatsächlich nur noch Abbruch nicht nur von Häusern, sondern von Humanismus, Mitgefühl, Liebe.

 

2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 3/52 = Stille

Initiiert und gehostet wird das große Jahr der Miniaturen durch Susanne vom Nahtlust-Blog. Bei ihr könnt Ihr, wenn Ihr auf das dazugehörige Miniaturen-Banner oben auf der rechten Seite ihres Blogs klickt, eine Auflistung sämtlicher Beiträge zu diesem tollen Miniaturenjahr sehen – und wer weiß, vielleicht habt Ihr ja selber Lust, Euch inspirieren zu lassen, um selber mit dabei zu sein?!

Ist das nicht unglaublich? Wir sind bereits in der dritten Jahreswoche 2021 angekommen.

Das Miniaturenthema dazu ist „Stille“. Tja, Stille. Still ruht momentan so einiges, von dem man vor 2020 nicht geahnt hätte, dass z. B. der Kunst- und Kulturbetrieb einmal so umfassend still ruhen würde und wie traurig das ist.

„Ohne Kunst ist alles nix“ sage ich voll Überzeugung und immer wieder und so war mir schnell klar, dass meine stille Miniatur sich genau darauf beziehen soll.

Die spiegelnde, holographierende Unterlage dazu bildet ein Ausschnitt aus der Rückseite der Broschüre „Wer wir sind“ der Kunsthalle Mannheim in der Größe 14,5 x 10,6 cm. Mit einer Prickelnadel habe ich ein handschriftliches „Stille“ darauf durchgestochen und mit rotem Garn gestickt und dann ausgeschnittene Augen (u. a. von Audrey Hepburn) aufgeklebt – so als würden sich die unseren darauf spiegeln und gleichzeitig die der Stille auf und in uns hinein schauen.

Was ist denn Stille anderes als Schweigen und nur noch mit den Augen gleichsam sprechend unterwegs zu sein?! Deshalb die Augen, mit nur denen alleine wir momentan zu der Kunst in Museen, Galerien, vielfältigsten Ausstellung unterwegs sein können und nicht noch wieder in persona.

Und dafür, dass wir es dann auch wirklich merken, wenn sich das wieder ändert, dafür ist zur Erinnerung dann das Glöckchen da, das uns weckt, dessen Klang an uns rüttelt und uns so daran erinnert, wie wichtig es sein wird, dann wieder hin zu gehen zur Kunst. Sie so zu unterstützen und am Leben zu erhalten und nicht mehr länger nur von ihrer Stille umgeben zu sein, sondern sie wieder mit allen Sinnen zu erleben und mit unserem Träumen, Staunen, Genießen, Lernen sie und damit uns mit Leben zu erfüllen.

Wann war Stricken jemals wirklich out?

Achtung Werbung: Da ich in diesem Beitrag zum Beispiel diverse Zeitungen erwähne und namentlich verlinke, handelt es sich streng genommen um Werbung. Dieser Beitrag wurde ohne Auftrag geschrieben, ohne irgendeinen Benefit oder sonstige Vorteilnahme. 

„Strick dir was“ mit dem Untertitel „Von wegen von gestern: Stricken ist Trend, erobert die sozialen Netzwerke und wird sogar zur Kunst. Und das nicht erst seit Corona“ erschien unter der Sparte „RNZ Magazin – Lebensart“ in der Rhein-Neckar-Zeitung vom Samstag/Sonntag, 16./17. Januar 2021 – Nr. 12, aus der auch das Foto oben stammt. 

Dieser Artikel erschien seit Dezember 2020 mit kleinen Abwandlungen auch z. B. in folgenden Zeitschriften/Medien:

Berliner Zeitung, Grenzecho, Braunschweiger Zeitung, schwäbische

Vorab möchte ich betonen, dass es mir nicht um ein Personen-Bashing gegen den Journalisten geht, sondern um meine persönliche Meinung zu einigen Zitaten im erwähnten Artikel.

Mich stören diese seit vielen Jahren immer wieder in unterschiedlichen Artikeln kolportierten Plattitüden wie zum Beispiel „… Hobby für die Oma …“, „… Strickdesigner, meistens Männer …“, „… hat ein Erfolgserlebnis … weniger um einen echten Mehrwert …“.

Nun, mittlerweile befinde ich mich tatsächlich in einem Alter, in dem ich als Oma identifiziert werden könnte, denn in diesem waren meine Großmütter und auch meine Mutter bereits solche und sähe mich irgendwer stricken und würde dann ausrufen „Da, eine Strick-Oma“, dann wäre das per se eine Annahme, der ich dann nur persönlich widersprechen könnte :).

Ich stricke aber nicht, weil ich eine Oma sein könnte, sondern weil ich, einmal damit angefangen, seit nunmehr weit über 40 Jahren, nicht damit aufgehört habe. Nicht, weil es mir das Gefühl einer Befriedigung verschafft, sondern – Achtung, schockierend – einen Mehrwert dadurch, dass ich alle meine Werke, zumindest die, die für mich sind, auch trage. Alles fing an mit einem selbst ausgesuchten mehrfarbigen Fair-Isle-Pullunder als Projekt im Handarbeitsunterricht in der 8. Klasse, den mir noch nicht mal meine eigene Mutter zutraute und es hörte seitdem nicht mehr auf. Erste Strickversuche fanden allerdings unter Anleitung meiner Oma mit dem Blumennamen bereits sehr viel früher statt, die bis zu ihrem Lebensende die Stricknadeln nicht zur Seite legte. 

Nach dem ersten Pullunder folgte ein weiterer, eine Weste und mein erster Pullover:

Alles über sehr viele Jahre getragen, so wie alle meine Kleidungsstücke, denn dafür, was in der Mode gerade „In“ oder „Out“ war, habe ich mich noch nie interessiert.

Mit dem Stricken ist es wie mit allen Hobbys: Mal gibt es mehr, mal weniger Begeisterung dafür. Für Viele aber ist es so, dass sie ihren Leidenschaften, einmal damit angefangen, treu bleiben, ganz egal und unabhängig von modischen Strömungen und Meinungen.

Ja, auch ich gehörte zu denen, die in den „… 1970er und 1980er Jahren …“ strickten, auch im Unterricht und anderswo in der Öffentlichkeit, aber eben nicht nur dort und nein, „… das so gut wie alle strickten …“ war auch damals nicht so. Man hat es z. B. in der Schule oder in Diskussionsrunden akzeptiert, wenn man das Strickzeug auspackte, was aber noch lange nicht heißt, dass es drumherum nicht immer auch die gegeben hätte, die darauf mit Hohn und Spott reagiert hätten. Ich weiß, dass damals auch Männer strickten, in meinem durchaus großen Bekannten- und Freundeskreis in dieser Zeit fand sich allerdings kein einziger.

In den 1980er Jahren gab es tolle Wolleläden mit einem großen und sehr guten Angebot, was zu Beginn der 1990er Jahre leider schon nicht mehr so war, sodass ich damals die Garne für Strickstücke für meine Kinder zum großen Teil aus Wollekatalogen von z. B. Bergère de France bezog. Ich strickte mich so weiter munter durch einige Aufs und Abs der Strickleidenschaft, ohne jemals damit aufzuhören und 2003 war es soweit, dass ich die ersten Strickblogs im www entdeckte und sich mir so völlig neue Welten, Möglichkeiten und Bezugsquellen eröffneten. 2004 begann ich selber zu bloggen und dann ging es 2007 (in diesem „… sozialen Netzwerk …“, also bei ravelry, bin ich seitdem mit dabei und das sind mittlerweile 14 stramme Jahre – nicht schlecht für eine Strick-Oma) mit der Einführung von ravelry und ab 2009 mit den Wollmärkten so richtig steil ab. Diese Welle hielt sich für viele Jahre und flachte dann tatsächlich wieder etwas ab (sic!).

In diesen Jahren habe ich viele tolle HandfärberInnen und DesignerInnen kennerlernen dürfen und nein, das sind mitnichten meistens Männer. Natürlich gibt es tolle Strickdesigner, aber eben nicht nur, und wenn man so etwas kolportiert, tut man den nicht minder begabten, hervorragenden Strickdesignerinnen bitter Unrecht. Vielleicht schreibt man so etwas auch, um politisch korrekt zu gendern, aber hey, so lange man das laufend betonen muss, ist eine Gleichberechtigung auch immer noch nicht erreicht! Bei einem tollen Design ist es mir völlig wumpe, ob es von einem Mann oder einer Frau stammt. Das sind meine 5 Cent zu diesem Thema.

Stricken hat auch schon seit sehr vielen Jahren seinen Weg in die Kunst gefunden – ganz herausragende Kunst sogar, wie beispielhaft die von Madame Tricot und Katharina Krenkel. So ad hoc fällt mir auch gar kein männlicher Künstler ein, der sich in und mit seinen Exponaten so ausführlich mit Garnkunst auseinander setzt. Beispiele dafür nehme ich sehr gerne in den Kommentaren auf und verlinke hier im Text entsprechend.

Eines aber hat sich bei mir in den vielen Jahren Handarbeitslust doch geändert: Mit wachsenden Erfahrungen und Fertigkeiten wurde ich immer mehr zum selbsternannten Woll-Snob, denn das Stricken mit und aus reinen Kunstfasern lehne ich mittlerweile komplett ab – u. a. aus Gründen der Nachhaltigkeit. Ich liebe es, mit reiner Wolle zu stricken, gerne mit Vorgarn sowie wie auch mit für manche kratzige, störrische, grobe Garne. Der Gedanke, dass meine Strickwerke so irgendwann einmal ganz normal vergehen, gehört für mich zum Leben dazu. Besonders intensiv getragene Strickstücke werden halt einfach fadenscheiniger und irgendwann so sehr, dass sie nicht mehr zu retten sind. Ein weiterer Punkt dazu: Wenn schon Strickguerilla, dann nicht aus wind- und wetterfesten, lange haltbarem Polygarn, sondern nur aus reiner Wolle. Ja, die schießt ab mit der Zeit, löst sich auf, Vögel aber zum Beispiel können so die Fasern problemlos für ihren Nestbau verwenden.

Ich wünschte mir wirklich mehr Artikel über das Stricken oder andere Leidenschaften, über das Selbermachen zu lesen, in denen die oben erwähnten Stereotypen nicht mehr verwendet werden und in denen man nicht das Gendern hoch hält, sondern ganz unprätentiös darüber berichtet, indem man zum Beispiel mehr über regionale Aktionen, HändlerInnen, FärberInnen, SelbermacherInnen berichtet und über ihre Hintergründe, ihre persönlichen Werdegänge, ihre Visionen, Wünsche, Erfahrungen, ohne Kritisches auszublenden.

Das wäre wirklich schön, ganz reelle und vor allem sachlich fundierte Berichte/Reportagen lesen und so den eigenen Horizont erweitern zu können.

„Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen!“

„Kreative und kulinarische Ideen für den Tannenbaum nach den Festtagen“ von Sindy Grambow

Achtung, das ist Werbung: Und zwar eine völlig unabgesprochene, unverlangte, eine ohne jegliche Gegenleistung – schlicht und einfach die Werbung für ein herrliches Buch, das mich voll und ganz überzeugt,  bereichert und begeistert!

Dass ich dieses Buch mit einem Zickl gewonnen habe, darüber hatte ich bereits in meinem Uff! geschrieben. Eigentlich wollte ich darüber auch schon wieder in der Zeit geschrieben haben, wo die meisten Weihnachtsbäume noch in den Wohnungen standen, aber die Entzündung in meinem Kiefer hat mich in den vergangenen Tagen so ausgeknockt, dass ich die Chance dazu noch an diesem Wochenende ergreifen möchte, bevor der nächste Termin ansteht, von dem ich ahne aber noch nicht weiß, wie er ausgehen wird.

So, nun aber zu Sindy und zu ihrem Blog Unkrautgourmet – es muss wohl so gegen Ende 2014/Anfang 2015 gewesen sein, als ich ihr, der Diplombiologin, Streuobst-Pädagogin und UNESCO Geopark-vor-Ort-Begleiterin dort zu folgen begann.

Ich liebe Handarbeiten, genauso groß aber ist auch meine Liebe zur Natur direkt vor der Haustür. Ganz egal wo auch immer mein Leben mich hinführte, das, was mich vor der Haustür umgab, das, was es vor der Haustür zu entdecken, gab, das, was vor der Haustür in der Natur wuchs, das war schon immer von allergrößter Wichtigkeit für mich. Meine Kraftorte, die sind direkt mit Wäldern verbunden. Meine Liebe zur Natur sog ich gleichsam mit der Muttermilch auf, denn der Respekt davor, die Freude darüber, die war immer vorhanden, wurde gleichsam gefordert und gefördert. 

Mein Mann und ich gehen seit Jahren immer wieder zu regionalen Naturparkmärkten, da wir es für wichtig und richtig halten, regionale Erzeuger und Hand-in-Hand-mit-der-Natur-Einhergehende zu unterstützen und zu erhalten, so wie unbedingt auch die für den Naturschutz unerlässlichen Streuobstwiesen. Wer Obst nur aus dem Supermarkt kennt, der weiß gar nicht, wie wundervoll ganz besonders alte Apfelsorten schmecken, bei denen es ganz bestimmt nicht einzig ein perfektes Aussehen war, aufgrund dessen sie einmal gezüchtet worden sind. 

Und beim Thema Streuobstwiesen bin ich auch wieder ganz schnell zurück bei Sindy und der Draußenschule Ladenburg und dann auch bei Ihrem Zweitblog Musik der Pflanzen

Und nun zur Besprechung von „Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen!“:

Erschienen ist das Buch 2020 und kann unter der ISBN: 9-783-752-62787-9 zum VK von 16,99 € bestellt werden. Ein Link dazu findet Ihr direkt oben rechts auf dem Blog Unkrautgourmet

Eines solltet Ihr aber unbedingt beachten: Sammelt nicht einfach wild in der Natur darauf los, denn die hochgiftige Eibe kann ganz schnell mit einem essbaren Nadelgehölz verwechselt werden. Und beim Thema Weihnachtstannenbaum ist es eh für Umwelt und Gesundheit am allerbesten, einen aus pestizidfreiem Anbau zu wählen. 

Meine Empfehlung deshalb: Lest als erstes das Kapitel 5 „Wichtige Hinweise … die der eigenen Sicherheit dienen“ auf Seite 85!

Der Buchtitel selber kann, darf, muss ganz wortwörtlich genommen werden, denn nach einer allgemeinen Einführung finden sich darin leckere Tannenbaumverwertungsrezepte, angefangen von Gewürzen, über Punsch und Sirup bis hin zu Suppe, Hähnchen, Gebäck, Brot und Dessert. 

Aber nicht nur die Kulinarik ist bestens bedient, auch die Kreativität kommt nicht zu kurz, denn was schmeckt, eignet sich natürlich auch z. B. für gesunde Cremes, Bäder und Inhalationen. Ganz zu schweigen davon, wie hübsch so ein geschnitzter Quirl aus einer Tannenbaumspitze ist – ich habe das vor Jahren mal selber ausprobiert und weiß deshalb, dass so ein Quirl toll in der Küche funktioniert, aber auch als kleine Rankhilfe für Pflanzen. 

Der Weihnachtsbaumstamm kann zu einer Bienennisthilfe umfunktioniert werden, aus den Ästen werden Knöpfe und noch anderes sehr nützliches, das unbedingt Lust auf mehr und darauf macht, alles selber auszuprobieren. 

Das Buch hat ein für mich sehr angenehmes Format, das ganze Design und die schönen Fotos darin sind sehr wertig und ansprechend gestaltet – ich empfinde es als absolut authentisch und in keinster Weise aufgesetzt oder gar effektheischend. Ich blättere immer wieder gerne darin, wälze Pläne, habe einfach eine sehr große Freude daran. 

Ich wünschte mir, dass es mehr von solchen Büchern gäbe, ohne pädagogisch erhobenem Zeigefinger, die einfach eine unvoreingenommene Lust auf Mit- und Nachmachen wecken. 

Damit bekommt man 100 % Sindy und von mir eine absolute Kauf-, Lese- und Umsetzungsempfehlung! 

2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 2/52 = Kinderspiel

Die zweite Woche im großen Jahr der Miniaturen 2021 kommt mit dem Thema „Kinderspiel“.

Initiiert und gehostet wird das große Jahr der Miniaturen durch Susanne vom Nahtlust-Blog. Bei ihr könnt Ihr, wenn Ihr auf das dazugehörige Miniaturen-Banner oben auf der rechten Seite ihres Blogs klickt, eine Auflistung sämtlicher Beiträge zu diesem tollen Miniaturenjahr sehen – und wer weiß, vielleicht habt Ihr ja selber Lust, Euch inspirieren zu lassen, um selber mit dabei zu sein?!

Kinder spielen selbstverloren einfach und leicht darauf los, wozu sie Lust haben. Das zu tun, worauf man Lust hat, ebenso selbstverloren einfach und leicht darauf los, das ist eine Freiheit, die man sich viel zu selten gönnt im Lauf zwischen Pflicht, Alltag, Sorgen und Nöten. Manch einer, vielleicht eher viel zu viele, haben diese Fähigkeit schon ganz verloren …

Meine Interpretation von Kinderspiel für mich heißt:

Lust statt Frust, Freude statt Druck, Genuss statt Muss und Entdeckerspaß!

Mein Kinderspiel hat die Maße: 14,5 x 5,5 x 2,3 cm und ist ein Materialmixschächtelchen aus diesen Zutaten:

Als Teenie habe ich eine Zeit lang Streichholzschachteln mit den unterschiedlichsten Motiven gesammelt, diese hier, auf der das Entspannen leicht und herrlich wie ein Kinderspiel aussieht, kam so zusammen mit einem alten Köllnflocken-Sammelbildchen vom Flohmarkt, einem noch viel älteren Püppchen aus dem Puppenhaus und der besten aller möglichen Pippi-Varianten.

Gelesen: „Gerta. Das deutsche Mädchen“

Durch die für mich bisher beste Dokumentation zu diesem Thema „Vertreibung – Odsun: Das Sudetenland„, abrufbar über die Verlinkung zum MDR, wurde ich auf das Buch „Gerta. Das deutsche Mädchen“ von Kateřina Tučková, deren Homepage ich hier ebenfalls als Verlinkung einfüge, aufmerksam. 

Dieses Buch mit seinen 547 Seiten konnte ich fast nicht mehr aus den Händen legen. Fast deshalb, weil ich es manchmal doch musste, weil der Inhalt, den sie bergen, mich zu stark belastete, um noch weiterlesen zu können. Die Lebensgeschichte von und um Gerta verfolgte mich bis in meine Träume. 

Unfassbar, wie intensiv Kateřina Tučková dieses (fiktive) Leben so intensiv beschreiben konnte, ohne all dies Schreckliche selbst erlebt haben zu können – so wie es eben halt nur wahre LiteratInnen können, zu denen sie definitiv gehört – ich kann mich vor ihr und ihrem Werk nur dankend verneigen.

Seit Jahren schrieb ich auch in meinen alten Blogs über die Familiengeschichte meiner Mutter wie z. B. hier am 30.08.2015:

Flucht

Meine Mutter war fünf Jahre, als ihre Familie vertrieben wurde. Zwei dramatische Fluchten später in einem Auffanglager, sagten die Amerikaner meiner Großmutter, dass sie und ihre fünf Kinder nicht bleiben könnten. Sie waren nicht die einzigen dort, die am Ende ihrer Kraft waren, nicht mehr konnten und letztendlich doch blieben. Mein Großvater fand zu ihnen und sie kamen nach Buchloe. Für viel Geld wurde ihnen dort eine zweizimmrige Holzbude ohne Isolation, Strom, fließendes Wasser verkauft. Wohl gemerkt, schön im Vertrag festgehalten, nur die Bude, nicht das Grundstück. In dem Raum mit der Küche gab es einen Herd, die Kinder, wie meine Mutter, die das Pech hatten, im anderen Raum schlafen zu müssen, sahen im Winter morgens beim Aufwachen ihren zu Raureif gefrorenen Atem an der Holzwand. Bis in den Herbst hinein ging meine Mutter ohne Schuhe in die Schule. In eine Schule natürlich, die streng nach Konfessionen geteilt war: Die Katholiken in der einen Hälfte, die Evangelischen in der anderen. Ja, die Religion wurde in Buchloe hoch gehalten, was jedoch nicht daran hinderte, dass diejenigen Erwachsenen und Kinder, die das Glück hatten, ihre Heimat nie verlassen zu müssen, meiner Mutter, ihren Geschwistern, ihrer gesamten Familie nicht nur „Huraflüchtling“ nachzurufen. Das riefen Deutsche Deutschen nach. An sowas erinnert man natürlich nicht gerne: an das Leid der Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg, noch viel weniger an das der nach dem 1. Weltkrieg. Heute weiß man, dass solch schwere Traumatisierungen sich bis in die 3., 4. Generation danach ziehen. Ein interessantes Thema und eines, bei dem es sich lohnt, sich damit auseinander zu setzen. 

Für meine Mutter hieß das, dass wir mit ihr in ihre alte Heimat gefahren sind, ihr Geburtshaus fanden, stundenlang miteinander über all das geredet haben. 

Und obwohl ich all das nicht selber erlebt habe, war es doch für mich in gewisser Weise ein Heimkommen, das mich hat verstehen lassen und auch mir ganz viel Ruhe und Freude geschenkt hat. 

Auch mein Vater musste mit seiner Familie fliehen, ebenso die Familie meines Schwiegervaters. Alles Vertriebene, Flüchtlinge. Manche von ihnen, durch das, was passierte, das Leben lang wurzel-, heimatlos. 

So, wie die Menschen, die jetzt ihr Heil in der Flucht suchen.

Nicht mehr und nicht weniger. 

Und die Menschen, die sie jetzt mit Schimpfwörtern, Drohungen oder Brandsätzen empfangen, wie viele von denen sich wohl gar nicht bewusst sind oder es gar nicht wahrhaben wollen, dass ihre Eltern, Großeltern, Urgroßeltern genau das waren: Vertriebene und Flüchtlinge!

Und wie sich wohl die fühlen, die hier ankommen, sich hier am Ziel wähnen, nur um dann in vom Hass verzerrte Gesichter zu sehen, mitzuerleben, wie gegen sie aufmarschiert wird?

Beschäftigt Euch endlich mit Eurer eigenen Geschichte!

So, wie Greta tschechische und deutsche Wurzeln hat, so hatte die Familie meiner Mutter tschechische und deutsche Wurzeln, sprachen sie deutsch und tschechisch, was aber während des Wüten des Odsun niemanden mehr interessierte. 

Drei Jahre hintereinander fuhren wir im Sommerurlaub gemeinsam mit meiner Mutter und auch meiner Schwiegermutter ins Riesengebirge und mieteten uns dafür in ein Ferienhaus in einem kleinen Ort in der Nähe von Jablonec nad Nisou, dem ehemaligen Gablonz an der Neisse, in dem wir uns jedes Mal im Haus und im ganzen Ort sehr wohlfühlten. Wir waren nicht auf der Suche nach dem Städtischen, nach Mondänem, nach herausragend Besonderem, sondern nach dem Ursprünglichen, der Geschichte, den Wurzeln halt. Die Vermieter unseres Ferienhauses wohnten in ihrem eigenen gleich nebenan, waren sehr freundlich und unterstützend und trotzdem war bei unserer Vermieterin, die ungefähr in meinem Alter war, eine kühle, nicht unfreundliche, aber im Gegensatz zu ihrem Mann, doch kühle, merkliche Distanz zu spüren, die ich nicht verstand. Sie sprach ausschließlich Tschechisch und so führte ihr Sohn, ungefähr im Alter unserer Kinder, unglaublich sympathisch, aufgeschlossen und fröhlich, alle Gespräche auf Englisch mit uns. Im zweiten Jahr bei ihnen, fragte er uns, ob wir gerne seine Großmutter kennenlernen würden, worauf wir uns natürlich freuten und es stellte sich heraus, dass sie deutsche Wurzeln hatte. Sie unterhielt sich in ihrer Muttersprache sehr charmant mit uns erzählte, wie das Leben früher hier bei ihnen war, bevor dieser schreckliche Krieg mit seinen Folgen alles zerstörte. Ihre Tochter war an diesem Nachmittag mit dabei, kühl distanziert, um Abstand bemüht, das genaue Gegenteil ihrer sehr herzlichen Mutter, die an diesen Stunden so viel Freude hatte und dies immer wieder sagte. Sie entschuldigte sich dafür, dass ihre Tochter das Deutsche nicht verstehen und sprechen könnte, aber dem maßen wir gar nichts negatives bei, das war einfach so.

Nun, nach dem Lesen dieses Buches, ist mir auf einmal klar, warum das so war, warum unsere Vermieterin so freundlich und doch so distanziert war: Welch ein Stigma den in Tschechien verbliebenen Deutschen und auch ihren Kindern in den Jahren nach dem Krieg anhaftete, davon hatten wir keine Ahnung, das war uns leider so gar nicht bewusst. Erst die 3. Generation, die Generation ihres Sohnes, die begreift sich weder als nicht dazu gehörend, noch werden sie als nicht dazugehörend begriffen, so wie es das Buch beschreibt. 

Ich wünschte, mir wäre das alles in diesen Jahren bereits bewusst gewesen. 

So gab es auf unserer Seite leider nur ganz subjektiv die Erfahrungen meiner Mutter, ihrer Familie. Auf der anderen Seite aber bei mir, die ich doch die ersten Male hier war, unglaubliche Momente der Freude, trotz der Tränen, die meine Mutter und ich an dem Tage gemeinsam geweint haben, als wir tatsächlich vor ihrem Geburtshaus standen und klar war, dass ich es im Vorfeld tatsächlich über virtuelle Land- und Straßenkarten gefunden hatte. An diesem Tag wurden mir voller Glück und ganz deutlich meine Wurzeln sichtbar, die ich für verloren hielt. Nein, sie sind nicht verloren, sie sind da und die Freude seit diesem Tag ist bisher nicht um einen Millimeter weniger geworden! Ich liebe den melodischen Klang des Tschechischen, der mich irgendwo tief verborgen drinnen berührt und rührt, was vielleicht an meinem Urgroßvater Wenzel liegen mag, dem fünffachen Familienvater, den sich Gott, Kaiser, Vaterland nicht scheuten für das K.u.K.-Reich im 1. Weltkrieg zu verheizen. Schon bevor wir zu unserer ersten Reise aufbrachen, legte ich mir ein Wörterbuch zurecht und versuchte, mir wenigstens die wichtigsten Sätze in Tschechisch zu merken, auch wenn ich sie immer wieder nicht korrekt aussprach, was oft für große Heiterkeit beim Gegenüber sorgte :). Meine Mutter beharrte bis zu diesem Tag stock und steif darauf, dass sie niemals Tschechisch gesprochen habe, was ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, aber so hin nahm. Ab dem ersten Überqueren der Grenze aber, da sprudelten zu ihrer eigenen, allergrößten Überraschung und zu unserem Amüsement aber auf einmal immer mehr tschechische Wörter aus ihr heraus und die Frage einer möglichen Zweisprachigkeit war ein für alle mal geklärt. 

Mein Papa wurde zwar nicht im Sudetenland geboren, wohl aber mussten meine Oma, sein Bruder und er von dort unter dramatischen Umständen fliehen. Im Gegensatz zu meiner Mutter hat er das aber niemals thematisiert und vieles davon trat deshalb leider erst nach seinem Tod ans Licht und ich bin mit der Aufarbeitung noch lange nicht da angelangt, wo ich mit der Geschichte meiner Mutter bin. 

Die Familie meiner Mutter fand nach einer langen Odyssee im Allgäu einen Ankerplatz, das so zu einem Teil meiner ureigenen Heimat wurde und worüber ich immer wieder mal schreibe und worüber ich auch weiterhin schreiben möchte:

Ich bin ganz bei Kateřina Tučková und all den anderen, die sich dafür engagieren, dass Tschechien und Deutschland sich auf einer ganz anderen, einer ganz neuen Ebene, ohne jegliches revanchistisches Gedankengut und jenseits jeglicher Forderungen auf einer freundlichen, friedlichen, gemeinsamen, freundlichen Ebene auf gegenseitiger Augenhöhe begegnen mögen. Was nicht heißt, dass man sich nicht radikal jegliches Unrecht zugestehen lassen muss, es zugeben sollte. Nur so kann man sich offen die Hände reichen, sich umarmen und gemeinsam in die Zukunft gehen.

Uff!

Wie auf dem Blog Unkrautgourmet nachzulesen, hatte ich am Ende des vergangenen Jahres Gewinnerglück und so fing das Jahr mit diesem tollen Gewinn auch glücklich an. Das mich sehr begeisternde Buch stelle ich noch ausführlich vor, stellt Euch also schon mal auf einen Begeisterungssturm ein. Neben Glück suchte und sucht uns ein ausgiebiger Wasserschaden heim, dessen genau Ortung noch aussteht und nächste Woche dann gleich ein Termin in der Kieferchirurgischen Praxis des Vertrauens, denn es scheint sich abzuzeichnen, dass die OP im letzten Jahr wie befürchtet wohl doch nicht zu 100 % gelungen ist. Nicht nur meinen Geburtstag verbrachte ich deshalb malad, müde und innerlich erschöpft, was die momentane Nachrichtenlage rund um Idiocracy stimmungsmäßig auch nicht zu erheben vermochte.

Das C ist mittlerweile fest im näheren Umkreis von Freunden und Kollegen angekommen und macht großen Kummer und noch größere Sorgen. 

Meine Mutter hat nun, kurz vor ihrem 80. Geburtstag, alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten erfolglos und frustrierend in Bezug auf die von ihr sehr gewünschte Impfung ausgeschöpft. Ich habe einen Bericht gelesen, dass 1/3 ihrer Altersgruppe aus unterschiedlichen Gründen keinen Bezug zum Digitalen hat. Meine Mutter hat diesen tatsächlich nicht und mag sich in dieses trotz vielfältiger Motivationsersuche in dieses Medium auch nicht einlernen; so wie sehr viele rund um sie herum auch nicht, sodass sich mir der Eindruck aufdrängt, dass dieses 1/3 tatsächlich doch niedrig geschätzt ist. Ab sofort werde ich mich um all das bemühen und hoffe, dass ich für sie sehr zeitnah damit Erfolg haben werde. 

Habt ein schönes Wochenende!

 

Idiocracy

Das ist der Titel eines Filmes, den ich nach ungefähr 15 Minuten abschaltete, weil er für mich einfach unerträglich war. 

Als ich gestern Abend fassungslos die Berichte zur Erstürmung des Kapitols nach einer Rede des Orangenen durch seine Jünger sah, da fühlte ich mich spätestens da, als der brüllende Halbnackte mit den Hörnern auf was immer das sein sollte auftauchte, als wäre das Teil von eben „Idiocracy“. So surreal. 

Bei all dem, was vermeintlich so weit weg ist, sollte man nicht vergessen, dass zum Run auf das Reichstagsgebäude in Berlin durch die Rede einer Heilpraktikerin aufgestachelt wurde, in die „Überraschung“ eben der Orangene mit eingeflochten war. 

Was treibt Menschen dazu an, einem Autokraten-Wannabe entgegen aller Logik alles zu glauben zu wollen?