Sperrmüll

Ich finde es wirklich schade, dass es diese zwei Mal festen Sperrmülltage im Jahr nicht mehr gibt, zu denen jeder, der wollte, das, was er als Sperrmüll nicht mehr brauchte, draußen vor das Haus stellte. 

Ich war nie eine Sperrmülljägerin, aber so einige Male fand ich ebenfalls etwas, das mein Auge bei der Vorbeifahrt einfing: Zwei alte Stühle kamen so zu mir, ein Gär-Glasballon, ein alter Steinguttopf, eine sehr alter Glaskrug mit Sprung, eine Militärkarte – nicht wirklich viel also, aber Dinge halt, die schon sehr alt waren und sind, aber trotzdem seither von mir genutzt und geliebt werden (gut, die Karte nicht so, die ist halt da und ich bin mir unschlüssig, was ich mit ihr machen werde).

Ich gehöre eh nicht zu den Menschen, die kein Bezug zum Alten haben, ich bin keine Condo-Jüngerin, zum Glück kein Messie, aber ich bin eine Sammlerin und ich liebe Re- und Upcycling, Glas, Keramik, Holz. Natürlich liebe ich Flohmärkte – was für eine Frage!

Flohmärkte sind pandemiebedingt seit letztem Jahr perdu und diese wundervollen alten Sperrmülltage, die gibt es schon lange nicht mehr. Nur noch selten sieht man mal solch Haufen alten Zeugs vor Häusern. Gestern kamen die liebste Freundin und ich auf dem Heimweg unserer kleinen Genusstour in den Odenwald (dazu in einem anderen Beitrag mehr) an zwei alten Häusern mit solch Stapeln vorbei und beim Queren des zweiten war es, dass ich sie anzuhalten bat, den da rief mir was im Augenwinkel „Schau!Mich!An!“ zu. Ich rannte zurück und da lag obenauf diese alte, äußerst massive Schublade vor mir und dieses Stück einer alten Obstholzkiste – ja, ich bin ein alter Kram-Opfer, natürlich nahm ich beides mit. Was für eine Frage! 

Besonders das Obstkistenstück fesselte mich ganz besonders und ich hätte in dem Stapel gerne davon noch mehr Stücke gesehen und gefunden von den Seiten, vom Boden, aber das war leider nichts. Beides nicht sauber, aber ohne Holzswurmspuren und – noch viel besser – knochentrocken und ohne einen Hauch von Muff! Schon beim Zurückgehen zur Freundin, sprang mein Phantasiekarussell an – was für eine Frage! – solche Dinge müssen doch eine Geschichte haben! Ja, ganz bestimmt und ohne Zweifel.

Später ging ich im WWW auf die Suche und siehe da: Auf dem Blog Art & Artists gibt es einen Artikel Citrus Fruit Crate Labels – part 1 und schon das erste Photo zeigt mit dem entdeckten Label eine solche vollständig erhaltene Kiste! 

Sie stammt aus der Zeit vom Beginn der 1900er bis zum Ende der 1950er Jahre und das Label wurde als Litographie (schreibt Ihr ruhig mit f, ich bleibe beim für mich viel schöneren und altmodischen ph, so wie ich es noch lernte) gedruckt!

Klar bekam beim Phantasiekarussell so einen weiteren kräftige Schwung und ich stelle mir einfach vor, dass eine solche Kiste, gefüllt mit kulinarischen Köstlichkeiten  als Care-Paket nach dem 2. Weltkrieg zu den hungernden Verwandten in das kleine Kraichgaudorf gelangte. Wie auch sonst? So glücklich war man über dieses Geschenk, dass man die Kiste in Ehren hielt und aufbewahrte – so lange halt, bis jemand, der absolut keinen Bezug mehr dazu hat und zum Glück gar nicht mehr weiß, wie bitter Hunger schmeckt und das alde Glump zerhackt auf den Sperrmüllhaufen wirft. 

Nein, ich verbinde damit keinen Vorwurf – schließlich und endlich ist das eine win-win-Situation – dort ist der ungeliebte Sperrmüll weg und für mich, da kein Müll, ist die Freude groß. Mal sehen, was nach Reinigung und Pflege aus und damit werden wird. 

Mutter Natur

Garteln macht mich glücklich, auch wenn ich noch sehr viel lernen muss, damit (noch immer) erst am Anfang stehe.

Nein, ich habe nicht erwartet, dass dieses Jahr besser wird als das letzte, schon rein pandemisch war mir klar, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Soviel dazu. 

Nun ist es Ende Juli und in diesem Jahr gab es zwei oder drei echt sonnig warme Tage, als es noch nicht mal Frühling war. Das macht nicht nur uns Menschen zu schaffen, sondern den Bäumen, Pflanzen, allem Getier das kreucht & fleucht. 

Ich bin nicht traurig, dass es regnet, wieder ganz im Gegenteil, denn unser Grundwasserspiegel ist noch immer lange nicht da, wo er vor 2003 war und unsere wässrigen Zukunftsaussichten sind alles andere als gut. Soviel dazu.

Unsere Obstbäume standen heuer in voller Blütenpracht. Bis der erste, harte, lange Frost kam und die Hälfte der Blüten weggebissen hat. Keine einzige Mandel hat er übrig gelassen, keine einzige Birne an einem der Bäumchen, nur zwei kleine Zwergpfirsiche und einige Pfirsikosenansätze. Dann kam der zweite, bittere Frost, den ich komplett unterschätzte und weg war die Häfte der noch übrigen Kirschenblüten. Komplett weg auch alle Blüten des rotfleischigen Apfels. 

Die Sturmböen der vergangenen Woche rissen mindestens die Hälfte der von der Hälfte der Hälfte übrigen Kirschenansätze ab. Rissen fast die kleine Physalis um, metzelten einen Teil der Esparsettenrispen … ein Trauerspiel!

Einzig die Feige trotz dem allen und haut neben Blattknospen viele winzig kleine Früchtchen raus, die hoffentlich ihre Reife erleben dürfen.

Glücklich bin ich trotzdem, denn der im letzten Jahr gepflanzte Wollziest steht im vollen Saft und treibt Blütenknospen nach oben. Die Erdbeeren blühen von walderdbeerklein bis rosarot. Die Esparsette treibt unermüdlich neue, fein lila gestreifte Rispen, der Goldlack blüht unverdrossen in sattestem Orange und das Mädesüß, das sich selber bei mir aussäte, erfreut mir Herz und Nase mit honigsüßem Duft. Auch die Kartoffelrose dankt es dem in diesem Jahr mal nicht knallheißen Frühjahr knallpink duftend. Aromatherapie ad its best!

Glück, das lässt sich nicht nur ganz weit weg entdecken – sondern ganz nah, man muss es nur sehen wollen ;).

2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 21/52 = „Luftikus“

„Luftikus“ ist ein wunderbar charmanter, leichtfüssiger, ein Lächeln ins Gesicht zaubernder Begriff. Ein Filou, ein Scherzkeks unter allen Bezeichnungen. 

Sein Duktus aber ist alles andere als das, denn per Definition ist ein Luftikus jemand, der sich durch Leichtsinn und Unzuverlässigkeit auszeichnet. 

Daneben gibt es ihn aber auch als Synonym dafür, dass ein solcher eine artistische Darbietung hoch über dem Boden sei. Eine solche aber hat etwas mit großartiger Kunst zu tun und nichts mit einem Vorhaben, das einer näheren Überprüfung nicht standhält. 

Mein Luftikus ist daher ein zauberhafter Bonvivant, der sich im Spiegel selbst bewundernd, auf einer alten, durch lange Nutzung krumm gewordenen Ahlennadel ein Blatt balanciert, welches dessen Löwenzahlpropeller genau dahin manövrierten, wozu es für eine solche Punktlandung großer akrobatische Flugkünste bedurfte. 

Welcher Luftikus würde sich nicht wünschen, solcherart behütet sein zu können?

Und natürlich darf – wie immer – dieser freundliche Hinweis nicht fehlen :

Initiiert und gehostet wird das große Jahr der Miniaturen durch Susanne vom Nahtlust-Blog. Bei ihr könnt Ihr, wenn Ihr auf das dazugehörige Miniaturen-Banner oben auf der rechten Seite ihres Blogs klickt, eine Auflistung sämtlicher Beiträge zu diesem tollen Miniaturenjahr sehen – und wer weiß, vielleicht habt Ihr ja selber Lust, Euch inspirieren zu lassen, um selber mit dabei zu sein?!

2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 20/52 = „Mohnblumen“

Ja, das ist tatsächlich eine Miniatur:

Das Baumscheibchen hat an seiner breitesten Stelle einen Durchmesser von 10,5 cm und bis zur höchsten Stelle der großen, roten Mohnblume gemessen, sind es ganze 11,5 cm – also völlig innerhalb der Vorgaben. 

Die zum Teil herrlich verschnörkselt getrockneten Stängeln mit Mohnkapseln sind aus meinem Garten vom letzten Jahr. Mohnkapseln faszinieren mich in allen Größen sehr und Mohnblumen eh. Ich arbeite sehr gerne mit Naturmaterialien, so wie schon einmal mit sehr viel größeren, ebenfalls getrockneten Mohnkapseln für meine Didaktischen Damen

Als Kind habe ich es geliebt, noch verschlossene Mohnblumenknospen, die kurz vor der Öffnung standen, zu entblättern: Vorsichtig entfernte ich die sie haltenden zwei grünen Schutzblätter, um darunter die zarten Reifrockschleier sanft zu entknittern und auszubreiten. Ich liebte die Farbtöne darunter, die oft nicht das knallige Mohnrot zeigten, sondern Varianten davon bis hin zu Pastellfarben. Später, als ich selber Mutter war, bastelte ich so mit meinen Kindern zarteste Blumenelfen, woran ich jedes Frühjahr voller Liebe denke. Mohnblumen stehen für mich unbedingt für Liebe und für die Verbindung zu einem Teil meiner familiären und auch kulinarischen Wurzeln – zusammen mit Kümmel ;).

Mohnblumen gibt es in vielen Farb- und Formvarianten von groß und prächtig bis hin zu gelbem Islandmohn und so schnitt und klebte ich aus Blumen- und Strohseide unterschiedliche Blüten und Knospen. Begleitet werden die Mohnblumen von ihren Samen, wofür ich den Schriftzug mit Bastelkleber aufmalte und sie darüber streute. Dazu ließ ich mich von den Samenbildern inspirieren, die Ende der 1970er-/Anfang der 1980er-Jahre unglaublich en vogue waren. 

Und natürlich darf – wie immer – dieser freundliche Hinweis nicht fehlen :

Initiiert und gehostet wird das große Jahr der Miniaturen durch Susanne vom Nahtlust-Blog. Bei ihr könnt Ihr, wenn Ihr auf das dazugehörige Miniaturen-Banner oben auf der rechten Seite ihres Blogs klickt, eine Auflistung sämtlicher Beiträge zu diesem tollen Miniaturenjahr sehen – und wer weiß, vielleicht habt Ihr ja selber Lust, Euch inspirieren zu lassen, um selber mit dabei zu sein?!

Alles so schön bunt hier Kalenderwoche 19/2021: Hallelujah ein deutscher Western – und was für einer!

Ja, ich mag Western. Western und abgründig abgedrehtes, worin die Österreicher Meister sind, weshalb ich bei den ersten Szenen noch nicht an Hessen, sondern tatsächlich an Österreich dachte.

Heute stirbt hier Kainer der Regisseurin Maria-Anna Westholzer  ist ein Western, der in der hessischen Provinz spielt.

Herrlich abgedrehte Charaktäre bevölkern das fiktive Dorf Oberöhde und wie in Django unchained darf man auch hier über tumbe Rassisten lachen. Auch sonst steckt dieser Western voller Querverweise.

Voll Blei steckt der Film und ist dazu gespickt mit rabenschwarzem Humor und einer großartigen Darstellerriege.

Nicht nur mit einem Wurfmesser mitten ins Schwarze getroffen!

Viajante zum Dritten

Zum 3. Mal einen Viajante zu stricken hat mir wirklich Freude gemacht, was ganz besonders an diesem tollen Wollmeise-Lacegarn in der NIP-Färbung „Skandal um Rosi“ gelegen hat. 

Ich mag es sehr, wie sich das Pooling entwickelte und zwischen Natur, Fuchsia und Schwarz wechselte, wobei mir gerade diese Nobody is perfect-Variante, in der die Farben nicht scharf von einander abgegrenzt sind, ganz besonders gefällt. 

Die Quaste am Zipfel musste einfach sein!

Technische Daten:

Anleitung: Viajante von Martina Behm

Garn: Lacegarn (100 % Wolle) in einer NIP-Färbung Skandal um Rosi von Rohrspatz und Wollmeise

Nadelstärke: 3,5 mm

Gesamtgewicht: 313 g

 

 

2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 19/52 = „Joseph Beuys (100 Jahre)“

Justamente rundet er sich zum 100. Mal, der Geburtstag von Joseph Beuys, einem der bedeutendsten deutschen Künstler.

Beuys polarisierte, sagte, dass jeder Mensch ein Künstler sei und wurde, weil er 1972 deshalb seine Düsseldorfer Hochschul-Klasse für alle Bewerber öffnete, fristlos gekündigt. Sechs Jahre später allerdings wurde diese Kündigung vom Bundesarbeitsgericht für ungültig erklärt. 

Beuys war nicht nur künstlerisch, sondern auch politisch engagiert. Er sah sich als Vehikel seiner Kunst und arbeitete mit Materialien, mit denen so noch keiner vor ihm arbeitete, in denen keiner vor ihm das sah, was er ihn ihnen sehen konnte.

Unvergessen seine Honigpumpe für die 6. Documenta 1972 in Kassel. Ebenso unvergessen seine Reduktion auf das Wesentliche mit Intuition

Wie nähert man sich einem solchen Künstler an? 

Ich nahm den Gedanken der Intuitionskiste und ging mit ihr in seiner persönlichen Geschichte spazieren, tauchte damit in seine Lebensgeschichte, versuchte sie für mich zu visualisieren. Unweigerlich die Verbindung seines Lebens mit dem 2. Weltkrieg, seinem Abschuss über der Krim und seiner Erzählung seiner Rettung durch Nomaden mit Fett und Filz – ganz egal, ob nun Legende oder Realität. Wie wir alle, wurde er mit und aus dem, was sein Leben prägte. 

Meine Miniatur, meine ureigene Hommage an ihn, besteht aus einer bemalten Dose aus Russland, als Reminiszenz an die Menschlichkeit dort, von der er berichtete, die ein herrlichen Flohmarktfund ist, so wie auch der Flugzeug-Keksausstecher, der tatsächlich aus der Zeit des 2. Weltkriegs stammt. Dieser Flieger ruht auf einem eigenen Stück Strickfilz, wird von einer verlassenen Wabe aus dem Garten gekrönt und dem Wort „Honig“. Begleitung sind wichtige Worte: „Leben“, „Fett“, „Schlecht“, „Tod“, „Kultur“, „Gut“ und „Natur“. 

In der Innenseite des Deckels ein Zeitungsportrait des Meisters mit seinem mir liebsten Satz, dessen enorme Strahlkraft nichts an Aktualität eingebüßt hat. 

Und natürlich darf – wie immer – dieser freundliche Hinweis nicht fehlen :

Initiiert und gehostet wird das große Jahr der Miniaturen durch Susanne vom Nahtlust-Blog. Bei ihr könnt Ihr, wenn Ihr auf das dazugehörige Miniaturen-Banner oben auf der rechten Seite ihres Blogs klickt, eine Auflistung sämtlicher Beiträge zu diesem tollen Miniaturenjahr sehen – und wer weiß, vielleicht habt Ihr ja selber Lust, Euch inspirieren zu lassen, um selber mit dabei zu sein?!

2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 18/52 = „Ich nehme einen Faden und geh mit ihm spazieren“

Mit Fäden ist das so, dass mehr sie als ich ich mit ihnen spazieren gehe.

Ab und an ist es tatsächlich so, dass ich mir die Wolle passend zu einer Anleitung kaufe. Sehr viel häufiger aber sehe ich Wolle, die mich anspricht, die ich kaufe, mit nach Hause nehme und die Anleitung dazu, die Inspiration dafür, kommt sehr viel später.

In meiner Miniatur für diese Woche geht also der Faden mit mir spazieren, Hand in Hand mit meinen Wörtern dazu.

Umrahmt werden sie von den Rändern umhäkelter Taschentücher, die ich dafür zurecht geschnitten habe. Fäden dürfen alles, müssen gar nichts, so ist das.

Und natürlich darf – wie immer – dieser freundliche Hinweis nicht fehlen :

Initiiert und gehostet wird das große Jahr der Miniaturen durch Susanne vom Nahtlust-Blog. Bei ihr könnt Ihr, wenn Ihr auf das dazugehörige Miniaturen-Banner oben auf der rechten Seite ihres Blogs klickt, eine Auflistung sämtlicher Beiträge zu diesem tollen Miniaturenjahr sehen – und wer weiß, vielleicht habt Ihr ja selber Lust, Euch inspirieren zu lassen, um selber mit dabei zu sein?!

P. S.: Sämtliche Schreibfehler auf der Collage erst entdeckt, als sie fertig war. So was lieb ich ja und ist mal wieder typisch. Wer sie findet, darf sie behalten!