„Hosentaschenmanege“ 2021 – Das große Jahr der Miniaturen Woche 26/52 Thema: Zirkus

Mit dem Thema „Zirkus“ ist mit der 26. Woche dieses Jahres auch die Miniaturen-Halbzeit erreicht. Ist das zu fassen?! Jede Woche war ich mit dabei, habe keine ausgelassen und das ist nun auch meine 26. Miniatur.

Bis jetzt habe ich mein mir selbst gestellte Ziel eingehalten, für jede Miniatur hauptsächlich das zu verwenden, was ich daheim habe. Tatsächlich sind sehr wenige Zutaten neu dazu gekommen, das macht mich schon ein bischen stolz auf mich selbst. 

Ich liebe das Arbeiten mit Papier nach wie vor, habe aber auch sehr schnell gemerkt, dass mir das dreidimensionale Arbeiten ebenfalls überaus zusagt, sehr gut gefällt, auch mit ganz anderen Materialien außerhalb von Papier.

So ging es mir auch wieder bei „Zirkus“. Ich mag Manegen und Artistik, zum Zirkus an sich habe ich weniger Affinität und noch viel weniger zu Clowns, die ich seit meiner Kindheit als sehr gruselig empfinde. Also, ich meine nicht weibliche oder männliche Bajazzen, sondern diese klassischen Clowns mit der roten Nase, dem übergroß aufgemalten Mund auf weißem Grund und den riesigen Augen. Aber genug davon, hin zu meinem Miniaturzirkus, meiner Hosentaschenmanege, die oben noch im geschlossenen Zustand zu sehen ist. Daumen und Zeigefinger sind absichtlich mit darauf, um zu verdeutlichen, wie klein das Zirkusdöschen ist und ja, ich habe sehr kleine Hände. Wenn ich klein sage, meine ich klein ;).

Ein winzigstes gläsernes Pferdchen ist gerade durch einen Feuerring paradiert, jenen trug ich mit 15 am Ringfinger, nun trägt er Flammen aus Papier und feinsten Federn. Darüber jongliert ein Werbefrosch Blümchen, begleitet von einer runden Perlentänzerin, die mir einst eine Freundin als Glücksbringerchen zu Abschlussprüfungen schenkte – das Bändchen an dem sie hing, ist längst zerschlissen, dafür bekam sie von mir die Perlenstränge angepasst.

Geschlossen misst das Döschen 4,5 x 2,3 x 1,8 cm und aufgeklappt 4,5 x 4,5 x 1 cm und ist somit die kleinste meiner bisherigen Miniaturen. 

Hiermit breche ich auf in die Wunderwelten der 2. Miniaturenjahrhälfte.

Und natürlich darf – wie immer – dieser freundliche Hinweis nicht fehlen :

Initiiert und gehostet wird das große Jahr der Miniaturen durch Susanne vom Nahtlust-Blog. Bei ihr könnt Ihr, wenn Ihr auf das dazugehörige Miniaturen-Banner oben auf der rechten Seite ihres Blogs klickt, eine Auflistung sämtlicher Beiträge zu diesem tollen Miniaturenjahr sehen – und wer weiß, vielleicht habt Ihr ja selber Lust, Euch inspirieren zu lassen, um selber mit dabei zu sein?!

 

„Die lustvolle Mutti“ 2021 – Das große Jahr der Miniaturen – Woche 25/52 – Thema: Mein blaues Klavier

Tja, was für eine Geschichte wohl hinter der lustvoll Klavier spielenden Mutti steckt? Ich habe da so eine Ahnung, aber dieses Mal darf sich  das augenzwinkend phantasierend der/die LeserIn selber voll Inbrunst schwülstig erdenken.

Ich für meinen Teil kleckste sehr lustvoll alte Tinte in Königsblau auf das kosende Notenblatt, dessen handschriftliche Vermerke im Flohmarktfund ich genussvoll kichernd erst gestern entdeckte. 

Die Kärtchen entstammen einem Kartenspiel für die erwachsene Jugend – Nachtigall ick hör dir trapsen 😉 – es stammt aus den 1930er Jahren und ist voller zweideutig schlüpfrigen Fragen und Antworten. Genau das richtige also für Genussgenießerinnen und Lüstlinge. Hach, da hüpft mir der Busen!

Collage mit den Maßen 14,8 x 10,3 cm in einer Melange aus schlüpfrigen Spielkarten, verlüstlingtem Notenblatt, Tintenklecks, blau angemaltem Reklameklavier und sehr reduzierter Poetry reduced aus dem dazugehörigen Werbetext. 

Und natürlich darf – wie immer – dieser freundliche Hinweis nicht fehlen :

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Eierküchle à la Herzelieb

Als ich von Herzeliebs Eierfrikadellen las, war mein erster Gedanke „What? Gebratene Küchle aus hart gekochten Eiern?!“ – das hört sich doch bestimmt nicht nur für mich erst einmal seltsam an, oder? ODER?

Also gut, ich mag Küchle, ich mag Eier, warum also nicht probieren? Dem bonfortionösen Gatten deuchte mein Vorhaben noch immer viel zu abgefahren, weshalb ich, Cleverle, das ich bin, die Rezeptmenge für diesen ersten Versuch halbierte. Sicher ist sicher! Auch auf das Toastbrot habe ich verzichtet, stattdessen einfach ein Stückchen altbackenes Baguette genommen und dieses auch nicht in Milch, sondern schnöde in Wasser eingeweicht, bevor es ausgedrückt zu den restlichen Zutaten rutschen durfte.

Der Gatte mochte ums Verrecken nicht probieren, da konnte ich noch so laut „Hmmm“ und „Aaaaah“ und „Lecker“ seufzen, mir aber schmecken diese Küchle – man verzeihe mir, aber ’ne Frikadelle ist und bleibt für mich eine fleischerne Bulette – ganz ausgezeichnet so warm und frisch aus der Pfanne. Genauso gut aber auch einmal quer geteilt auf der Butterstulle am nächsten Tag als Büro-Mittagessen.

Perfekt dazu passt ein richtig schön schlotziger, schwäbischer Kartoffelsalat. Zum Reinknien, aber auch zum Reinlegen und drin wälzen lecker in dieser Kombination.

Kocht!Das!Nach!

Das Grabmal der unbekannten Zuckerbäckerin: 2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 24/52 = Herzschmerz

Der schrecklichste Herzschmerz von allen ist der Schmerz, von dem wir beim Tod eines geliebten Menschen fortgerissen werden.

Mit jedem Tod stirbt eine ganze Welt. Genau die Welt des Menschen, der der Tod ein Ende beschert. All die Wünsche, Gefühle, Gedanken, Träume, Intentionen, Lust, Erfahrungen, die Ziele nimmt er mit sich. All die Freude, das Leid, das Lernen, die Verluste, die Liebe, den Schmerz, alle Wörter und Farben. Das Wollen, Ekstase, Gewalt, die Zerstörungen und alles Wertvolle. Bei manchem ist es gut, dass der Tod dem ein Ende setzt. Anderes aus dieser Welt lebt in den Menschen fort, die jene Verschiedenen liebten, bis auch sie nicht mehr sind. Nicht allen ist es vergönnt, danach noch in der Phantasie und in Erinnerungen zu bleiben, so für 2 oder 3 Generationen, so lange halt das lebendige Denken andauern mag. 

Meist sind es die Herausragenden unter uns, die in Wörtern, Taten, Büchern, Bildern in Erinnerung bleiben. Die Allermeisten sinken langsam in die weiche Umarmung des Vergessens. Ihre Namen bleiben auf Grabmälern oder nicht mal mehr solche Spuren.

Die Zuckerbäckerin Ernestine Wilhelmine gehört dazu, deren Kinder die Hefeteige, Pomeranzenschalen, Mohn und Powidel waren. Im Herbst setzte sie sanft mit Honig vermischten Vogelbeerlikör für die wertvollen Kehlen der Hofsänger der Königlich-Kaiserlichen-Monarchie an. Leidenschaftlich polierte sie kupferne Reindl und so sehr sie auch eine Tortenmeisterin war, so ist es doch ihr Kleckselkuchen gewesen, nach dem Rezept ihrer nur von uns schon lange vergessenen Großmama, der jung vermählte Hochzeitspaare bei der Feier nach der Trauung selbstvergessen seufzen ließ, oder beim Leichenschmaus serviert, wie ein weiches Pflaster die Tränen aufsog und ihr Salz in Süße verwandelte. 

Was von ihr blieb, was alles überdauerte, ist ein einzelnes Rezept und ein Grabmal ohne Namen.

Objet trouvé aus Älterem und Neuerem, dem Kreuz eines Rosenkranzes mit Perlmutt, getrocknetem Kornelkirschzweiglein und einem alten Rezept, das ich in einem noch älteren Kochbuch auf einem Flohmarkt fand. 

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Brennts Mus

Bitte beachten: Werbung wegen Marken- und Ladennennung. Freiwillig, unverlangt, unentgeltlich, einfach weil ich drauf Lust hab, davon überzeugt bin und es deshalb gerne mache.

Zum ersten Mal von Brennts Mus oder auch Schwarzmus hörte ich nach unserem Umzug mitten auf die Schwäbische Alb. Ich hab gefragt was es ist und die Antwort unter „Mus, Brei, Kasch, Pamps und ein Arme-Leute-Essen von früher“ abgespeichert, gegessen habe ich es dort nie. 

Es ist nicht so, dass ich Brei nicht mag, ich war damals nur so jung, dass ich mir keine weiteren Gedanken darüber machte. In unseren, für mich sehr glücklichen, 1,5 Jahren dort aber wurde der Wunsch in mir, beruflich etwas von, aus und mit Lebensmitteln zu machen, immer stärker. Mein einziger Traum war es, das dortige Hauswirtschaftsgymnasium zu besuchen. Nun ja, Erstens kommt es anders, als Zweitens man auch denkt und die Pläne meines Vaters gingen für mich eh nicht in diese für ihn zu profane Richtung. In irgendeiner Parallelwelt, das ist ganz sicher, bin ich trotzdem eine glückliche Ernährungsgeschichteanthropologin. 

Zurück zum Brei, der alles andere als ein trauriges Einerlei ist. 

Auf unserer letzten Genussfahrt machten die liebste Freundin und ich am Mühlenladen der Seifert Mühle in Allemühl Halt:

Diesen können wir Euch voller Überzeugung wärmstens ans Herz legen, denn die Beratung ist erstklassig, so wie das vielfältige Sortiment, in dem immer wieder neue Produkte zu entdecken sind. Dieses Mal nahmen wir uns unter anderem Dinkel-Musmehl von der Ostermühle mit, um eben oben besagtes Brennts Mus selber auszuprobieren. 

Wir beide sind uns da ganz einig: Echtes Superfood ist das, was bestenfalls regional/heimisch erzeugt wird und sich nach dem Erntekalender verarbeiten lässt. Das und nichts anderes! Musmehl wurde übrigens von Slow Food als Passagier in die Arche des Geschmacks aufgenommen und HIER könnt ihr zu Slow Food und dem Schwarzen Brei auch noch einen schönen Artikel des Reutlinger Generalanzeigers anklicken. 

Wir lieben es, solche Genussfahrten zu unternehmen, Hofläden zu entdecken, zu besuchen und unsere Vorräte mit besten Lebensmitteln zu bestücken. Das ist wahre Nachhaltigkeit. Wir verwerten „von der Schnuffel bis zum Schwänzel“ aka Neudeutsch „from nose to tail“, so wie es unsere Vorfahrinnen schon taten. Frisch, lecker und dazu das gute Gefühl, Erzeuger und HoflädeninhaberInnen zu unterstützen und zu erhalten. 

Nun, hier kommt es, das fertige Brennts Mus, das frisch zubereitet als Frühstück eine tolle Basis für den Tag bietet. Kommt völlig ohne Zusatzstoffe und mit lediglich fünf Zutaten aus: Musmehl, Wasser, Milch, Salz, Honig – wobei jedem/jeder die Freiheit bleibt, den Brei selber so zu variieren, wie man es für sich möchte. Fertig ist die leckere, gesunde Laube:

Brennts Mus (2 Portionen):

Zutaten: 

75 g Musmehl, 1/4 l Wasser, 1/4 l Milch, 1 Prise Salz, 1 kleines Löffelchen Imker-Honig

Zubereitung:

Das Musmehl in einem Topf ohne weitere Zugaben und unter stetigem Rühren leicht anrösten, bis es nussig zu duften beginnt. Dann sofort mit Wasser und Milch ablöschen, die Prise Salz dazu und den Brei für mindestens 20 Minuten leicht köcheln lassen, bis er die Konsistenz erreicht hat, die man mag, dabei immer wieder umrühren, damit er nicht am Topfboden ansetzt. Den Honig erst darunter rühren, wenn er fertig ist. 

Meine Beilage waren dazu mit der Gabel zerquetschte Erdbeeren, die ich nur mit einem kleinen Klacks eigener Marmelade ganz leicht nachgesüßt habe. 

Und wenn vom Mus was übrig ist, dann füllt das einfach in kleine, muckelige Puddingförmle und macht das hier draus:

2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 23/52 = „Geometrische Formen“

Der Kreis ist für mich die perfekteste geometrische Form von allen.

Ein Kreis lässt sich immer mathematisch berechnen. Immer und überall. Aber ein Kreis ist immer auch verlockend, prall und voller Reiz. Eine Kreis ist ohne Anfang und Ende. Der Radius eines Eis ist ein Kreis. Ein Ei gebiert Leben. Ein Kreis gebiert Leben, Lust, Trauer, Tod. 

Kreise lassen sich füllen mit was immer man möchte. Sie müssen nur groß oder klein genug dafür sein. Kreise lassen sich mit Rauch in die Luft malen. Unsere Pupillen sind Kreise. Unsere Poren übrigens auch. Brustwarzen sind Kreise und die Allopecia areata bildet runde Male inmitten von Haar. Gewehre schießen ihre Tod bringende Munition aus kreisrunden Öffnungen und als kleines Kind malte ich immer wieder in die Karos unendlich vieler karierter Seiten unzählige kreisrunde Portemonnaieknöpfchen. Ich liebe alte, runde Knöpfe aus Perlmutt, Glas, Bein, Horn, Holz. Perlen sind rund und Kugelblitze auch. Sonne, Mond, Sterne – von hier unten gesehen, sind alles perfekte Kreise, Punkte. Mein Ehering ist ein ein Kreis ohne Anfang und Ende, so wie die Liebe zu meinem Mann, wie die Liebe zu meinen Kindern. Pfennigabsätze stanzen runde Löcher in Böden, die nicht hart genug für sie sind. Reifen sind rund, viele Pilzköpfe auch, so wie Kameralinsen. 

Meine Miniatur, 15 cm x 15 cm groß, ist eine Collage aus u. a. kreisrunden Gesichtern, die aus einem ausgemusterten Kunstkalender stammen. Köpfe tragen unsere Gesichter und mit ihnen unsere Seelen, die, ich gehe jede Wette dafür ein, kreisrund sind. Ohne Anfang und ohne Ende. 

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Unter Wasser häkeln

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden hat Großes vor, plant dafür das Baden Satellite Reef und ruft dazu auf, sich, wenn man mag, an diesem wunderbaren Projekt häkelnderweise zu beteiligen.

Nachdem 2017 das große Glück hatte im Urmu Blaubeuren die Sonderausstellung Als die Steine noch lebten besuchen zu können, für die der Arbeitskreis wolliges Jurameer ebenfalls ein gehäkeltes Riff geschaffen hatte, steht für mich außer Frage, dass ich mich mit eigenen Häkelkorallen für das Baden-Badener Riff beteiligen möchte.

Demnächst dann mehr Meer hier ;)!

Meuchelei!

Als Karl um 6 beim Abendläuten am Goldlack nicht erschien, machte ich mir noch keine Gedanken. 

Ist er halt noch mit Flutty, dem Grashüpfer, beim Ampferbier versackt, dachte ich mir und spazierte einfach an der Bruchsteinmauer entlang bis zur Korkenbienentränke und zurück. Hin und her. Das ging so bis 8 Minuten nach dreiviertel 9. Erst war ich sauer, dann wütend und zum Schluss so richtig angepisst.

So sehr hatte ich mich auf unser Date gefreut. Es war schwierig gewesen, auf der Terrasse von der Flotten Maus noch einen der begehrten Tische reservieren zu können und ich bekam ihn nur, weil mir Rötel-Rosi einen Gefallen schuldig war. Extra für diesen ganz besonderen Abend hatte ich mir die Fühler im Onduliersalon von Kreuzi Tarantula in Korkenzieherlocken legen lassen und danach meine Punkte frisch in Moorschwarz nachlackiert. Scheiße, Karl, wir wollten unseren Jahrestag mit bleu gegartem Larvenfilet in Wanzsud mit Mehltauknödeln genießen, dazu diesen spritzigen Chateau de Wesp mit der Goldmedaille der Spinnmildengilde und nach dem Essen ein heißes Nümmerchen unterm Frühsommermond … schade um die schönen Strapse!

Schnaubend sirrte ich im Wutflug nach Hause unters Weinblatt. Hungrig, heulend, unbefriedigt. 

Am nächsten Morgen erwachte ich mit trockenem Mund, einem Sabberstreifen am Kinn und verschwitzt stinkend nach dumpfer Traurigkeit. Meine unterschiedlich an den Beinen herabgerollten Strapse strampelte ich weg, warf sie, wieder heulend, aus dem Fenster und surrte unlustig für die Morgentoilette zum Sperlingsbad. 

Tja und dort, Karl, da nahm mich Rosetta Rosenkäfer, diese schillernde Schönheit, in die Arme, drückte mich an ihren wallenden Mutterbusen, säuselte mir feucht „Tsch, Tsch“ in die Ohren und da wusste ich, das etwas Schreckliches geschehen sein musste!

Karl, wer hat Dich auf der Gießkanne gemeuchelt? Wer raubte Dir den einen Flügel und ließ den anderen gebrochen zurück? 

 

Der ABER-Schatten: 2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 22/52 = „Schatten“

Es gibt Wörter, die sich wie ein Schatten auf ein ganzes Leben legen können. 

„Aber“ ist so ein Wort. 

Das hast du gut gemacht, aber das geht noch besser. Gut gemeint ist aber noch lange nicht gut gemacht. Das ist ein guter Gedanke, aber du solltest das anders machen. Sag nicht Ja, wenn du Nein meinst, aber das gilt nicht, wenn ich etwas von dir will. Es tut mir leid, dass es dir schlecht geht, aber du verletzt mich damit. Das sieht toll aus, aber du bist zu alt, zu dick, zu jung, zu klein, zu nichtssagend. Das ist so ein tolles Projekt, aber warum bekommt die das, wo ich doch viel besser bin?!

Ein Aber nach dem anderen. Aber, an Aber, an Aber waagerecht und Aber, an Aber, an Aber senkrecht aufeinandergelegt, bis sich ein Gitter bildet, das gerade noch genug Luft zum Atmen bleibt, ohne weiteren Raum. 

Bis das Leben drunter in Aber, an Aber, über Aber, unter Aber geschmiedet ist. Bis alles Weiche weg ist, nur noch dieses Wort da, bis der Mensch nur noch diese Aber-Maske trägt, sich an ihr fest und für die einzige Wahrheit hält. Das Aber in die Mimik gegraben, Falten aus Aber, Aber-Narben, Aber-Pupillen und ein Aber-Helm, der alles bedeutet, alles bietet, nur keinen Schutz.

Das Aber – und sei es auch noch so grob geschnitzt und unperfekt, so wie dieses im Deckblatt, wird doch immer wieder unterschiedlichste Schatten werfen. 

Materialmix aus Papier, bedruckter Folie, Transparentpapier, zusammengenäht, 15 x 15 cm

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