Kein Platz für NurGrau im Wunderland!

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Alice, mach hinne, die Zeit, sie rennt!

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Eminem findet SEHR deutliche Worte

Über diesen Spiegel-Beitrag kommt man auf den Link zu Eminems Anti-Trump-Freestyle-Rap, den ich hier leider nicht direkt „einbauen“ kann.

Seine Art sich auszudrücken muss man nicht mögen, ich hingegen mag Rap und HipHop von Beginn an sehr, beschallte meine Kinder damit schon im Mutterleib und – ganz ehrlich – mir ist jemand, der auf seine verbale Art sehr deutlich wird, tausendmal lieber wie jemand, der aus vermeintlich politischer Korrektheit heraus einfach nur schweigt oder verschwiemelt herumdruckst.

YES!

Gelesen: „Neugablonz – Ein junger Stadtteil mit alter Tradition“

von Gabriele Stumpe.

Nach dem 2. Weltkrieg und der darauf folgenden Vertreibung aus dem alten Gablonz, jetzt Jablonec nad Nisou, fanden meine Großeltern für sich und ihre Familie letztendlich in Neugablonz ihre neue Heimat.

Meine Erinnerungen an dort setzen in den 1960er Jahren ein, in denen ich oft und immer wieder für längere Zeit bei meinen Großeltern lebte. Meine Erinnerungen daran sind noch immer sehr intensiv und lebendig, weshalb ich dieses Buch unbedingt lesen musste.

Das Buch selbst ist eine reichhaltige Fundgrube, wenn man sich für Informationen rund um das im alten Gablonz ansässige Unternehmertum interessiert, da ein großer Teil immer wieder in diese Geschichte abtaucht. Natürlich beschäftigt sich der Rest zum großen Teil auch damit, wie es in der neueren Zeit in Neugablonz weiterging, was ebenfalls sehr interessant ist, aber eben nicht aus dem Leben der einfachen Leute schreibt, worauf ich bei der Lektüre hoffte, was daran liegt, dass die Familie meiner Mutter kein eigenes Unternehmen hatte, sondern aus dem Arbeiter- bzw. Angestelltenkreis kam. Außerdem nahmen meine Großeltern hüben wie drüben nicht an den gesellschaftlichen Bällen teil. Sie hatten ein gutes Auskommen für sich und ihre Kinder, gehörten aber nicht zum sogenannten Bildungsbürgertum, wie wohl die allermeisten Gablonzer/Neugablonzer auch, was sich von selbst erklärt, denn irgendwer muss halt die „einfachen“ Arbeiten in der Schmuckindustrie gemacht haben. Da gibt es gar nichts ehrenrühriges dran zu rütteln, das ist schlicht und einfach Fakt.

Was mir immer wieder aufstieß, sind die vielen blumigen, altertümlichen Umschreibungen, die sich wie ein roter Faden von der ersten bis zur letzten Seite hindurchziehen. Mit Erstaunen stellte ich am Schluss fest, dass die Autorin nicht viel älter als ist als ich, ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass sie mindestens 10 – 15 Jahre älter sei.

Richtig ärgert mich in der Gesamtheit nur eines ganz kolossal:

Man kann den Eindruck bekommen, dass es den Deutschen im Gablonz des späteren Sudetenland mitnichten um Jubel für die kackbraunen Faschisten ging, nein, man war ja  so unglaublich gebildet und wohltätig, schätzte die Juden angeblich überaus als gleichberechtigte Mitbürger, was „in hohem Maße das gesellschaftliche Geschehen mitbestimmt hat“. Keine ganze Seite ist so dem Leid, manch geglückter Flucht und dem Morden und den Deportationen der Judenverfolgung im Sudetengau wert. Wie auch, wenn man beim Neuanfang in Neugablonz angeblich gleich wieder mit ihnen glücklich und an die alten Handelskontakte anknüpfen konnte. Haben sie nicht auch (wie die Vertriebenen später) alles Hab und Gut verloren? Hat man ihnen das wenige, was sie auf die Lastwagen und in die Züge mitnehmen durften und das was sie am Leibe trugen, in den Lagern nicht weggenommen? Haben sie nicht auch auch Angst um ihre Familien gehabt, gefroren, gehungert, gelitten? Hat man sie nicht verhungern lassen, Experimente an ihnen durchgeführt, sie gequält, erniedrigt, ermordet und sogar im Tod jeglichen Respekt verweigert? Waren sie nicht auch Gablonzer? Das einzige, was sie von allen anderen Gablonzern unterschied, war ihr Glaube, ansonsten waren sie Tschechen und Deutsche wie alle anderen. Solche Formulierungen werden wohl dem Leid des jüdischen Teils der Gablonzer Einwohnerschaft noch nicht mal im Ansatz gerecht. Mein Opa, der Arbeiter, war bereits in seinen 80er-Jahren, als ich ihn, den großen Schweiger, das erste Mal auf dieses Thema ansprach und seine Antwort ist für mich die ehrlichere: „Wir haben alle die rechte Hand gehoben, weil wir dachten, dass es Vorteile für uns hätte. Dafür haben wir die Rechnung bekommen. Das ist so und deshalb schaue ich nicht zurück.“ Das war für ihn der Grund, niemals in Deutschtümelei zu verfallen. Der Grund, warum er niemals zu den sogenannten Vertriebenentreffen ging. Der Grund, warum er mit allem, was nicht mehr war, abgeschlossen hatte und nur vorwärts schaute und ging und sich nicht in Selbstmitleid verlor.

Das Leben in Neugablonz speiste sich nicht alleine aus großem Stolz, Erfindungsreichtum, Gewitztheit, Unternehmertum, Herkunftsstolz und Zusammenhalt auf allen Ebenen.

Das Leben in Neugablonz speiste sich, wie überall, auch aus sehr sehr dunklen Quellen, aus Verzweiflung und tiefster Not. Nicht mehr in den 60ern, wie ich es erlebte. Davor aber schon. Gablonzer und Neugablonzer sind kein ganz besonderer Menschenschlag mit einer „unvergleichlichen Lebensphilosphie“, sondern sie sind Menschen wie Du und Ich, gute Menschen, schlechte Menschen, reiche Menschen, arme Menschen, kluge Menschen, dumme Menschen – eben halt ganz und gar normale Menschen.

Nicht mehr und nicht weniger.

Da ist so noch so vieles, das außerdem erwähnenswert wäre:

  • Dr. Bürckner, der bis ins hohe Alter, als er schon ganz gebückt ging, in seinen Praxisräumen unter der Wohnung meiner Großeltern jederzeit und unermüdlich für seine Mitbürger da war.
  • die „Alte Heimat“, in der über Jahrzehnte hinweg auch und nicht nur in unserer Familie so viele Feste abgehalten wurden und der paurische Dialekt an jedem Tisch zu hören war. 2003 zeigte ich dem jüngsten Kind auf einer Durchreise Neugablonz, wir besuchten das Grab meiner Großeltern, trafen leider unsere Verwandten nicht an und wir aßen ein letztes Mal dort, ohne zu wissen dass es das letzte Ma(h)l war und hätte ich es gewusst, hätte ich auch nicht anderes als ein Beuschl mit Knödeln bestellt, geschmeckte Erinnerung.
  • Neugablonz Richtung Wiesenthaler Straße, als dort noch nicht so viele Häuser standen, dafür direkt daneben noch Wald, wo die Eichhörnchen so zahm waren, dass man sie direkt aus der Hand füttern konnte.
  • die Beschreibung des Alltags der „einfachen“ Bewohner der Wohnblocks, die sich nicht schon in den 50er- und zu Beginn der 60er-Jahre ein Auto oder gar einen Urlaub leisten konnten,
  • die andere Gaststätte, die am Sportplatz war, die, in der noch viele Jahre nach dem viel zu frühen Tod meines jüngsten Onkels Lucki sein Bild mit dem Trauerflor an der Wand hing.
  • die erste Fahrschule in Neugablonz.
  • die  jungen Neugablonzer, die Anfang der 60er-Jahre nach Brasilien auswanderten und dort in der Schmuckindustrie arbeiteten.
  • das Freibad, dass doch so sehr zum Ort dazu gehört.
  • die Konfirmationen, es gab nicht nur Kommunionen.
  • die Grundstücksbegrenzungen, die gegossenen Zäune, in die bunte Glasreste mit eingelassen wurden.
  • das Gasthaus „Alpenblick“ bei der Moosmangwiese am damals noch Ortsrand von Kaufbeuren, zu dem so viele an den Wochenenden durch das da noch größere Waldstück von Neugablonz aus spazierten.
  • die sachliche Auseinandersetzung mit den kackbraunen Faschistenjahren in Gablonz – man kann/darf die Benesch-Dekrete nicht ohne sie erwähnen – das eine war so entmenschlicht, unverständlich und unrecht wie das andere.
  • und noch so viel mehr …
  • Wer wissen will wie Raucherwürste richtig schmeckten und noch schmecken, der wird heute nicht in Neugablonz, sondern im Riesengebirge fündig und
  • dem Posselt Bäcker und seiner Bedeutung, besonders auch damals für die Neugablonzer, wird man nicht nur mit einem Satz am Buchende gerecht.

An wieviel ich mich auch erinnere, mit dem Tod meiner Großeltern und dem Älterwerden meiner Mutter ging und geht so vieles verloren, wonach ich leider nie zu fragen dachte.

Aber ich denke darüber nach, ob ich nicht hier immer wieder einmal darüber schreibe, um es festzuhalten, da mir all diese Erinnerungen so kostbar, ein Teil meines Lebens, meiner Wurzeln, meines Seins sind.

La Maison du Savon de Marseille

Ein Besuch in Wissembourg führt mich unweigerlich zum Laden von La Maison du Savon de Marseille:

 

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Alleine schon die unterschiedlichsten Düfte, von denen man nach dem Eintreten durch die Tür sanft umgeben ist und dazu all diese wunderbaren unterschiedlichsten Seifen und Kosmetika, die liebevoll arrangierten Dekoartikel und das unglaublich nette Personal!

Niemals gehe ich hier mit leeren Händen wieder heraus, auch dieses mal nicht:

Seif_Wissemb_1

Das ist drin:

  • Zwei Duftsachets für die Wollvorräte von Greenleaf.
  • Ein Liebenpflegestift der Savonnerie du Cèdre, bei dem sich niemand wegen Erdöl in den Inhaltsstoffen Gedanken machen muss.
  • Ein mildes Kirschblütenshampoo der Hausmarke.
  • Ein Block der wunderbaren Savon Détachant zur sanften, effektiven und möglichst umweltschonenden Fleck weg-Behandlung in Kleidungsstücken.