Meuchelei!

Als Karl um 6 beim Abendläuten am Goldlack nicht erschien, machte ich mir noch keine Gedanken. 

Ist er halt noch mit Flutty, dem Grashüpfer, beim Ampferbier versackt, dachte ich mir und spazierte einfach an der Bruchsteinmauer entlang bis zur Korkenbienentränke und zurück. Hin und her. Das ging so bis 8 Minuten nach dreiviertel 9. Erst war ich sauer, dann wütend und zum Schluss so richtig angepisst.

So sehr hatte ich mich auf unser Date gefreut. Es war schwierig gewesen, auf der Terrasse von der Flotten Maus noch einen der begehrten Tische reservieren zu können und ich bekam ihn nur, weil mir Rötel-Rosi einen Gefallen schuldig war. Extra für diesen ganz besonderen Abend hatte ich mir die Fühler im Onduliersalon von Kreuzi Tarantula in Korkenzieherlocken legen lassen und danach meine Punkte frisch in Moorschwarz nachlackiert. Scheiße, Karl, wir wollten unseren Jahrestag mit bleu gegartem Larvenfilet in Wanzsud mit Mehltauknödeln genießen, dazu diesen spritzigen Chateau de Wesp mit der Goldmedaille der Spinnmildengilde und nach dem Essen ein heißes Nümmerchen unterm Frühsommermond … schade um die schönen Strapse!

Schnaubend sirrte ich im Wutflug nach Hause unters Weinblatt. Hungrig, heulend, unbefriedigt. 

Am nächsten Morgen erwachte ich mit trockenem Mund, einem Sabberstreifen am Kinn und verschwitzt stinkend nach dumpfer Traurigkeit. Meine unterschiedlich an den Beinen herabgerollten Strapse strampelte ich weg, warf sie, wieder heulend, aus dem Fenster und surrte unlustig für die Morgentoilette zum Sperlingsbad. 

Tja und dort, Karl, da nahm mich Rosetta Rosenkäfer, diese schillernde Schönheit, in die Arme, drückte mich an ihren wallenden Mutterbusen, säuselte mir feucht „Tsch, Tsch“ in die Ohren und da wusste ich, das etwas Schreckliches geschehen sein musste!

Karl, wer hat Dich auf der Gießkanne gemeuchelt? Wer raubte Dir den einen Flügel und ließ den anderen gebrochen zurück? 

 

Wecker

wenn die

augenlider

brüskiert vom

aufstehen

wie kniee

knacken

sich locken

in unrichtungen

drehn

würd ich

so gern

den tag

verschlafen

Blümerant

Gänseblümchenfingerringe
Wicken winden Haar
Rosennabel
Geißblattohrringe
Iris im Schoß
Nelkenwurzknie
Glockenblumenhüftschwung
Zittergras-Dekolleté
Efeu umarmt Bein und Arm
Erika sanft Füße

Mir is schon janz blümerant zumute!

Stöpsel im Ohr. Aktenberge.
Fingerflug über die Tastatur.

Ach.

Blütenelfentraum …

Das Mysterium der Weiblichkeit

Gestern habe ich auf die Dokumentation „Vulva und Vagina“ hingewiesen, das Thema insgesamt aber, die Weiblichkeit, das empfinde ich als immens wichtig. 

Mein Verständnis des Frauseins prägte sich in meiner Kindheit dreifach: 

Selbstverständlich durch meine Mutter: Mehr Mädchen noch als Frau, die agieren ließ, sich nie selber als Akteurin begriff und es doch gerade auch dadurch war. 

Durch die Großmutter mit dem Prinzessinnennamen: Klein, zierlich, immer in Bewegung, immer fröhlich, trotz allem.

Durch die Großmutter mit dem Blumennamen: Schwer, grobknochig, ruhig, von einer in aggressive Melancholie gepresste Widerstandslosigkeit, nie im Stillstand und doch nur Untergebene, sobald wir zwei nicht mehr allein für uns waren.

Nie hätte ich mich getraut, meinen Großmütter Frauenfragen zu stellen. Meine Mutter konnte ich jederzeit fast alles fragen. Nicht immer waren ihre Antworten wirklich beantwortend, fragen aber das konnte ich jederzeit. 

Alles was ich nicht erfahren konnte, erlas, ersah ich mir, es gab ja Bücher. Ungezählte. 

Das Frausein, das blieb mir in weiten Feldern so ein ganz theoretisches, nur in Bruchstücken gelebtes. 

Angefangen bei der Menstruation, für die es ganz zu Beginn nur ein teuflisches Kunststoffhöschen gab, mit einem Steg vorne und hinten, durch die die wirklich unschierige Binde mehr schlecht als recht fixiert wurde, wurde mir klar gemacht, dass ich da durch müsse, das Kratzen im Schritt, die dicke Bindenschicht, den durch das viele Plastik forcierten Blutgeruch. Nicht mehr, nicht weniger. Und so ging ich halt durch, durch z. T. wochenlange, schwächende Blutungen, durch einmal im Bio-Unterricht spontan und so stark einsetzende, dass mir eine hellrote Blüte am Hinterteil meiner weißen Hose aufloderte, die ich mit Hilfe meiner Strickjacke verhüllte und stehend auf den Bus wartete, stehend in ihm aushielt und dann noch der Weg nach Hause, bis ich die nassroten Schichten vorsichtig von mir abzog. 

Nichts anderes blieb übrig, da musste frau halt durch.

In der Bravo dann tauchte irgendwann die erste o.b.-Werbung auf mit dem blauen Blut und dem Versprechen, danach nur nach Tage ohne Beschwerden zu kennen. Aber dafür musste man den Wattestöpsel erst einmal beherrschen lernen. „Da musst du durch, wenn du das willst“, mit Freundinnen darüber zu sprechen undenkbar in Zeiten, in denen man verschämt erklärte, dass die Tante zu Besuch war. Ich brauchte ziemlich lange, um zu verstehen, dass damit keine real existierende Tante gemeint war. Ein kesses Mädchen in der Klasse brachte es da schon eher auf den Punkt mit der „Roten Klara“. Ich bestellte mir als mit dem Coupon aus der Bravo eine Probepackung, schloss mich im Badezimmer ein, probierte bis es klappte und danach war das Thema Bindenhöschen ein für alle mal erledigt und ich machte es so, wie es mir beigebracht wurde: Schmerzen und Schwäche ignorieren und durch, als ob gar nichts wäre, was an Menstrualspringfluttagen mehr besser und auch mal gar nicht funktionierte, wobei man über letzteres einfach.nicht.sprechen durfte. Boah, nee, ey, Männern, schon gar nicht erwachsenen Männern, durfte man solche Themen einfach nicht zumuten. 

Zum Glück gab es ja Bücher, in die man sich in schlechten Tagen hineinlesen konnte. 

Sylvia Plath schrieb:

Und da kommst du, mit einer Tasse Tee

Bekränzt mit Dampf.

Der Blutstrom ist ein Gedicht,

Stillen kann man ihn nicht.

Du reichst mir zwei Kinder, zwei Rosen.

Mit diesem Auszug aus einem ihrer Gedichte beginnt das Buch „Das diskrete Tabu“ von Marion Schröter, welches 1984 erschien und das ich, obwohl das Thema kein geheimnisvoll schmerzliches mehr für mich war, gerne gelesen habe. 

Ich schrieb schon darüber, dass das Thema „Frausein“ mir sehr wichtig war und immer auch sein wird auf seinen unglaublich vielschichtigen Ebenen. 

Bereits 1981 erschien das Buch der Ethno- und Anthropologin Marjorie Shostak „Nisa erzählt“, das mir einen stark kulturell geprägten Einstieg in dieses Thema erlaubte, wobei es auch in unserem Kulturkreis sehr viel urmütterliches zu erleben gibt. 

Über besonders berührende Frauenbilder in meinem Leben, die tatsächlich wahr sind, schrieb ich in Afra, Afras Altäre und Miene und Lise

Dieses Thema an und in sich in meiner Herkunftsfamilie, meinen Vorfahren, wird mich nie loslassen, so wie in meinem Blogbeitrag „Wurzelgesichter“ vom 15. Dezember 2008:

Wurzelgesichter …
15. Dezember 2008 von Ev

Auf einmal hältst Du Namen, Daten, Fakten in den Händen, die zu Wurzeln innerhalb von Wurzeln werden und durch die Tinte der gestochen scharfen Schrift ein ätherisches & imaginäres Gesicht bekommen:
– Heinz und Walter, *1928 durch Notgeburt (durch Operation – Kaiserschnitt) 2 Stunden gelebt
– Lotte verstorben 18-jährig an vereiterter Wurzelentzündung
– Johanne Karoline Friederike *1800, geheiratet 1822, verstorben 1829 9 Tage nach der Geburt des 6. Kindes
– Caroline Emilie *1830, geheiratet 1852, gestorben 1853 durch Freitod wegen Untreue des Mannes
– August Amalie *1832, Schwester der Caroline Emilie, geheiratet 1854 den Witwer ihrer Schwester

Von ihnen und noch mehr Wurzeln hinter, vor, um sie herum hast du nichts gewusst, geahnt und plötzlich wird dir klar, dass das Wurzellose nie mehr stimmen wird, von dem du glaubtest, dass es deine Wahrheit ist:

Wurzelseele
Sieh mich an, diesen Baum ohne Wurzeln.
Berühr mich – du wirst fühlen können,
ohne wirklich je zu begreifen.
Umfange mich, stemm dich gegen mich an,
doch tragen können wirst du mich nicht.
Bohr dich tief in mein Innerstes,
werd dich hüllen in mein Harz
und doch nichts preisgeben.
Lehn dich an mich, meine Borke
wird wie ein Kissen sanft für dich.
Schmück dich mit meinen Blättern,
ich geb sie dir gern.
Selbst, wenn du mich spaltest zu Scheiten,
die du knacken lässt in deinem Kamin,
werden sie dich nie so wärmen,
wie mich meine Freude am Sein.

Auch dieses Geschichte, diese längst vergangenen Wahrheiten sind der Humus meines ureigenen Frauseins, die mich in vielen Schleiern umgeben.

Und dieses Frausein, damit schlage ich den Bogen hin zum Anfang dieses Blogeintrags, wird bis zum letzten Atemzug nicht aufhören und mir wohl immer wieder auch überraschend sein. 

Das Thema Menstruation hatte ich irgendwann durchlebt. Über den Eintritt in die Wechseljahre hatte ich mir nie Gedanken gemacht, hatte immer nur die Vorstellung, dass die Blutungen, so wie bei meiner Großmutter mit dem Prinzessinnennamen einfach aufhören würden und gut. Wie naiv das doch war :), hatte ich doch bei meiner Mutter erlebt, was für ein fast ein Jahrzehnt andauernder, enervierender Gang das war, aber meine Mutter ist halt anders als ich: Das gepredigte „da muss man durch“ selber zu leben, dazu war sie ja nie in der Lage gewesen und so fiel sie für mich als Rollenmodell für diesen Lebensabschnitt einfach beiseite. Und in noch etwas anderem fiel ich in das erlernte Rollenbild zurück: Ich sprach nicht mit einer Freundin, Bekannten, Verwandten über das Thema Wechseljahre. Solche Gespräche fanden einfach nicht statt. Und so lasse ich sie nun zu solchen Gelegenheiten halt zu, denn es gibt nichts, was da zu verbrämen oder gar zu verschämen wäre.

Tja, so einfach abgeschnitten wie bei meiner Großmutter lief es bei mir – Überraschung – natürlich nicht. Statt weniger zu werden, wurden meine Blutungen stärker in Intensität und Dauer und stürzten mich zwei Tage davor und den ersten Tag hindurch in einen regelrechten Menstruationsblues, den ich so bis dato nicht kannte und der mich echt nervte. Mehr als alles andere. Hey, irgendwann nach fünf Jahren war es dann doch endlich vorbei mit all dem und ich kann von mir sagen, dass ich das als echte Bereicherung empfinde, diesen Stimmungs- und Gewichtsschwankungen nicht mehr ausgeliefert zu sein, mal ganz abgesehen von den über Jahrzehnten allgegenwärtigen Tampons und Slipeinlagen. Sehr genial ist das!

Die Missfits hatten mich darauf vorbereitet, dass Frauen in den Wechseljahren unsichtbar werden und so bestellte ich mir bereits in meinen 40ern ihr legendäres Brüste-T-Shirts, was dann später auch meine Tochter sehr gerne auf Festivals getragen hat. 

Spaß beiseite, nein, ich fühle mich alles andere als unsichtbar, auch wenn das zunehmende Alter definitiv viel Schönes bereit hält. Vielleicht ist es in unserer Gesellschaft eine Art von Unsichtbarkeit, dieses „Je oller, desto doller“, schade ist es auf jeden Fall, dass ich den Mut, den ich heute habe, als junge Frau noch nicht besaß und mir diesen hart erarbeiten musste und noch immer muss. 

Mein Plan vom noch viel älter werden ist auf jeden Fall, das bunt und noch bunter als bunt zu machen, ohne meine Neugier, meine Freude, mein Lachen und mein gerne Frausein zu verlieren!

Für mich heißt das:

Bloß nicht mehr als nötig in GrauBlauSchwarzen-Hämatomfarben gewanden. Bloß nicht aufhören mit dem Tragen von Schmückenden. Bloß keine Holzfällerhemden kaufen. Und last but not least: Auch bei schütterer werdendem Haar keinen hässlichen Männerhaarschnitt schneiden lassen.

Ich mag und liebe es Frau zu sein, für mich ist das genau richtig so.

 

Brief an deine Romantik

Geschrieben und veröffentlicht 2007.

Manchmal nimmst du sie wie eine kokette Kokotte in die altersschlaffen Arme deiner goldverzierten Boudoirs. Hüllst sie in die Vorstellungen deiner Träume, verzauberst sie und spuckst sie mit glänzenden Augen zurück in die Trivialität glitzernder Verkaufsausstellungen, als wär’s dein einziger Lebenszweck. Rein, raus, immer lächelnd, immer bereit.

Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren … (sing ich für dich)

Nein, nicht mein Herz, mein Fühlen reibt sich immer wieder neu an den kleinen Stellen des Verfalls, die deine wahre Seele offenbaren. Bröckelnder Putz, ein eng vermauerter Raum für Mülltonnen, der nach Pisse stinkt und bei einem zufälligen Blick nach oben die Ornamente eines ehemals stolzen Eingangsbereichs zeigt.

An manchen heißen Tagen simmern deine Straßen in der Hitze wie eine stumpfe Nekropole der Romantik, begleitet von der Musik klappernder Absätze und abgesetzter Tassen vor den unvermeidlichen Cafés. Studentenküsse und Heidelberger Bisschen, zartbittere Confiserien und multikulturelles Fastfood, Falafel, Döner, Pizza, Fischbrötchen, Eis, Gebäckstücke, Laugenbrezeln, Duftschwaden aus Kaffeemaschinen und von künstlich bedufteten Seifen.

Bist käuflich, zuweilen recht billig und der Blick auf altertümliche Dachanlagen vom Parkdeck über dem Kaufhof aus straft die chrom- und glasschillernden Fassaden in den Erdgeschossen Lügen. Hier oben fühle ich mich dir sehr nah. Die Geräusche des Ameisengewusels Meter unter mit in den Ohren, lehne ich mich im Abgasatem an die Brüstung und träume wie ein Voyeur in fremde Fenster und Lebensräume, berauscht von dieser morbiden Heimlichkeit. Über mir nur noch der Himmel, dessen Palette von Bleifarbe bis wässrigem Vergissmeinnichtblau reicht. Unter mir die gehämmerten Steine, die noch heute helfen, deinen Mythos zu nähren.

Nein, deinem Charme kann auch ich mich nicht entziehen, wenn ich auch immer wieder anderes finde als die Scharen der Pauschaltouristen, die dich mit ihrem Abfall benutzen und tausendfach abfotografiert in den Karteikästen ihrer multimedialen Speicherkarten wie schmutzige kleine Geheimnisse verrotten lassen. Du weckst meine Leidenschaft wie eine heimliche Geliebte, unvermutet, aus heiterem Himmel und hinterlässt mir heiß lodernde Male der Lust, die ich wie verstohlene Initiationsnarben an meinem Busen nähre und im Neckarfruchtwasser kühle.

Liselotte von der Pfalz poussiert im Karzer mit dem Student Prince, während Gunter von Hagens im Schwarzen Walfisch die Wissenschaft zur Volksschau plastiniert. Traumverlorene Hinterhofoasen, in denen sich meine Phantasie aus verschwenderisch treibender Clematis und duftenden Kletterrosen einen Pfuhl bereitet. Bücher, Bücher, Bücher, mit denen ich die Windungen meines Gehirns pflastere und schmücke. Und über allem das Schloß rostroter Träume.

Memories of Heidelberg … (sing ich für dich)

Im Stechschritt kreuzt ein kurz geschorener Jüngling mit ernstem Blick und frischem Schmiss meinen Weg, den Trenchcoat artig um die Mitte gegürtet, während Cary Grant bis in alle Ewigkeit die Achse Heidelberg – Zuzenhausen als Kriegsbraut befährt und Perkeo im Schwimmbadclub dem Muff von tausend Jahren die Flötentöne beibringt.

Habe mich schon wie eine vaterlose Waise an dich gelehnt, während du mir als schildpattfarbene Katze in meine Ohren schnurrtest und ich versunken meine Gefühle für dich sezierte, um sie dann zu solchen Posamenten zu flechten, die denen ähneln, die unter manchen Regenrinnen versteckt auf ihre Entdeckung warten. Babylonische Sprachfetzen, servil lächelnde asiatische Schlupflider, breite amerikanische Schritte, italienische und ungarische Lebenslust prallen aufeinander. Brav und neugierig ihren Anführern folgend oder in Zweiergrüppchen auf der Pirsch durch einen Abenteuerspielplatz der Sinne für Erwachsene, senken sie diesen Tag wie ein Samenkorn in sich, das sie wie den Baum der Sehnsucht bei ihren daheim gebliebenen Lieben aufgehen lassen werden.

Du polarisierts, bedienst Forscherdrang, Hoffnung auf Heilung, Jurisprudenz, die schönen Künste und noch vieles mehr und machst es gerade durch diese Vielfalt nicht leicht, ein Urteil über die zu fällen.

Ist es legitim, dich, diese so abstrakte Faszination zu lieben?

Hab .. ich … mein … Herz … an … Heidelberg … verloren? (sing ich für dich)

Nupsi und der Schatz

Was man beim Aufräumen so alles findet: Vor vielen Jahren habe ich einem kleinen Mädchen (ich nenne sie hier einfach Marie) eine Kette mit einer besonderen Glasperle geschenkt und drumherum die nachfolgende, kleine Geschichte geschrieben (an einem warmen Sommertag, als ich unter einem schattigen Holunderbaum auf meine Tochter wartete, die eine Reitstunde hatte):

Nupsi und der Schatz

Nupsi, die kleine, seidenweiche Waldmaus, lebt mit ihrer Familie: Mama Liesi, Papa Anton, Oma Miri und Opa Friedel in der Wurzel der 3. Eiche links im großen Ahornwald.

Unter all den anderen Waldmauskindern in ihrer Schulklasse ist Nupsi etwas ganz besonderes, denn ihr Fell ist mit allerliebsten weißen Mäusesprossen verziert. Ihr Lieblingsfleck ist der kleine direkt neben ihrem linken Öhrchen. Aber nicht nur ihr Fell lässt Nupsi anders sein als all die anderen Kinder um sie herum. Nupsi tobt nicht gerne und sie mag auch die lauten und wilden Spiele auf dem Schulhof neben dem Rathaus in der Ulmenwurzel nicht. Viel lieber sitzt sie mit ihrer Freundin Ina der Raupe in der Bibliothek, denn beide lesen für ihr Leben gerne und träumen sich so in ferne Länder und Abenteuer hinein. Nupsi wäre zu gerne einmal eine Prinzessin, die in einem goldenen Schloss lebt und Ina hat nur einen Wunsch: Eine Bücherwürmeline zu sein sein!

Letzte Woche Mittwoch trafen sie sich nach dem Planschen im großen Tauteich, um ihre zuletzt gelesenen Bücher abzugeben. Nupsi hatte den 3. Band der „Abenteuer von Prinzessin Fliederfee“ und Ina das „Lexikon der 399 schönen Blumen im Ahornwald“ dabei.

Igeldame Lilli, die Bibliothekarin, ließ sich die Bücher mit je einem Bucheckerkern bezahlen und sie in Ruhe neue aussuchen. „Ina, schau mal, Lilli hat doch tatsächlich die Reiseberichte von Tucki Tukan im Chinesen-Land besorgen können!“, begeistert hob Nupsi den dicken Wälzer hoch über ihren Kopf und merkte gar nicht, dass ihr daraus ein kleiner, zerknitterter Zettel auf den Scheitel gerutscht war, bis ihn ihr Ina lachend vor das Näschen hielt. Er war nicht nur zerknittert, sondern auch fleckig und sah sehr alt aus. „Was ist denn das? Gehört das dir, Lilli?“. Lilli verneinte und da das Buch ganz neu war und es noch niemand ausgeliehen hatte, erklärte sie, dass der Zettel nun das Eigentum der beiden Freundinnen sei. Die zwei staunten nicht schlecht, als sie ihn endlich ganz auseinander gefaltet hatten, denn in großer, krakeliger Schrift stand dort über einer Zeichnung das wort

S C H A T Z K A R T E 

„N-n-n-upsi, ein Schatz, uns gehört ein SCHATZ!“ Inas schöne hellgrüne Haut mit den roten Kringeln wurde vor Aufregung dunkelgrün und ihre Kringel lila! Hastig kniff sie ihre Augen zu und öffnete sie wieder und noch immer lag das Schatzkärtlein vor ihnen. „Nupsi, sieh mal, hier ist ja der große Tauteich eingezeichnet! Das darf doch wohl nicht wahr sein, der Schatz ist hier im Ahornwald!“.

Nupsi saß einfach nur da, mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mäulchen, bis Ina ihr einen liebevollen, sanften Schubs gab und dann war auch sie nicht mehr zu halten. Gackernd und kichernd stürmten sie, vor lauter Aufregung ohne Gruß, an Lilli vorbei, die ihnen geheimnisvoll schmunzelnd hinterher sah. Die Suche nach dem Schatz begann am nördlichen Ufer es großen Tauteichs, von dort aus ging es genau 96 Schritte nach rechts und 17 nach links, bis hin zum Steinpilzhaus der achtköpfigen Marienkäferfamilie Rapsacker. Auf der großen Wiese für die Raspackerschen Heupferdchen mussten sie sich genau zwölfeinhalbmal im Kreis drehen und 24 Mal rückwärts auf einem Bein bis zur blassblau schimmernden Glockenblumenwiese hüpfen.

Das alles war ganz leicht für die beiden Freundinnen, aber jetzt kam eine schwierige Aufgabe: „Wer sucht, der findet die 13!“ stand auf dem Zettelchen. 13, wo sollte den hier eine 13 sein? Nein, nirgendwo stand ein Schild mit dieser Zahl. „Hmmm, vielleicht sollen wir nach etwas suchen, dass es genau 13 Mal gibt“, nachdenklich kratzte sich Nupsi am Kopf. „Das ist eine gute Idee!“, kam es von Ina und so finden sie an zu zählen:

Glockenblumen gab es, soweit das Auge reicht, dazu noch 3 Regenwürmer, 11 Grillen, 6 Zitronenfalter und 12 Tagpfauenaugen, 4 glitzernde Kieselsteinchen, genau eine rote, reife Walderdbeere, die sie sich schmatzend schmecken ließen, 9 Himbeerblüten und da, ja, da lag die 13 vor ihnen: Ein Kreis auss genau der gesuchten Zahl goldgelber Pfifferlinge!

„Hurra, Hurra, Hurra!“ sangen sie tanzend um den Kreis herum und dann begannen sie ganz, ganz vorsichtig in seiner Mitte zu graben. Dabei passten sie auf, dass den Pilzen nichts passierte. Vorsichtig hoben sie saftiges, grünes Moos beiseite und da lag auch schon eine kleine, glitzernde Holzkiste vor ihnen. In einem kleinen Schloss steckte ein noch kleinerer Schlüssel und als sie ihn drehten, sprang der Deckel auf und drei Päckchen lugten aus dem Inneren hervor. Auf dem ersten stand „Nupsi“, auf dem zweiten „Ina“ und schließlich auf dem dritten „Marie“.

Und gerade jetzt, in diesem Moment, macht jede dieser drei kleinen Prinzessinnen ihr Päckchen auf und jede von ihnen findet für sich das gleiche:

Eine Kette mit einer Traumperle!

 

Liebe Marie, 

Lilli, Nupsi, Ina und ich wünschen Dir mit Deiner Traumperle ganz viel Spaß!

Feengrüße an Dich von Ev

 

 

Der 2. Teezember-Tag: Ohne Tee – aber mit Gedicht

Der 2. Teezember-Tag hängt in der Pipeline der Post fest, aber aufgehoben ist nicht aufgeschoben, der Tee wird also an einem anderen Tag nachgereicht und zwei Tassen Tee hintereinander trinken zu dürfen, ist ja auch was schönes.

Aber nichts desto trotz, schaut Euch bitte den dazu gehörigen Blogbeitrag von Eva – verfuchst und zugenäht an, die die heute Blogpatin ist und leider behördenwahnsinnig torpediert wurde. Liebe Eva, schon Dein Teebeitrag heute ist ein wahrer Hochgenuss!

Von mir gibt es dafür heute das Gedicht eines unbekannten Verfassers, was für mich perfekt in den Advent passt:

 

Ich wünsch mir was!

Was ist denn das?

Das ist ein Schloss aus Marzipan

Mit Türmen aus Rosinen dran

Und Mandeln an den Ecken.

Ganz zuckersüss und braungebrannt

Und jede Wand aus Zuckerkant – 

Da kann man tüchtig schlecken!

Und Diener laufen hin und her

Mit Saft und Marmelade,

und drinnen in dem Schlosse drin,

sitzt meine Frau, die Königin –

die ist aus Schokolade!

 

Kein Wunsch,

Kind, warst du;

meine Mutter aber eine Heilige.

Was mir das über dich sagt?

Kenne dich und auch nicht mehr.

Weiß nicht, was ich wünschen soll.

Weiß nur noch,

dass dich zu lieben schwer ist.

Dabei warst du selber so ein

Schattenkind

wie ich.