Ich brauch keinen Tag, der mich daran erinnert, dass ich Dich liebe

Nur Deine Blicke, Deine Stimme, Dich.

 

Ich brauch kein Essen im Nobelrestaurant.

Nur die Nahrung, die Du meiner Seele gibst.

 

Ich brauch kein Gold von Dir, keinen Karfunkelstein.

Nur den Wert Deiner Worte in Gedanken und im Schweigen.

 

Ich brauch keine Versprechen von Dir, keine Wolkenschlösser.

Nur mein Leben mit Dir.

 

All diese geliebten Jahre.

 

Mittwochslyrik: Mein düsterer Engel

Mein düsterer Engel

 

Senktest Dich eingehüllt in deine Schleppe

Über mich

Feinst schwarzes Spitzengeriesel zur Zier

 

Liest mein Blut in eisigen Geflechten erstarren

Hieltest meinen Blick in endlos graue Tiefen

Deine Worte winzige Schrotkugeln in meinen willigen Leib

In deiner dürren Umarmung erstarb mein Widerstand

 

Schlugst dich voll an meinen Geweiden

Trankst meine Tränen

Zogst Deine bleichen Krallen durch meine Blöße

Würgend mein Schluchzen brennen

 

Und doch

Dein alptraumhaftes Reissen

Hinderte mich nicht

Den Kampf des Lebens

Immer wieder aus tiefster Seele

Erneut und weiter zu lieben

 

 

(Was für ein Segen, diese Zeit aus sehr weiter Ferne betrachten zu dürfen!)

Mittwochslyrik: Nomadenseele

Nomadenseele

 

In spinnwebgleiches Netz gehüllt,

unermüdlich geschöpft aus verklärten,

mythenvollen Kindheitsbildern.

 

Blick in mandeläugig volle Lippen,

staunend zelebrierte Frauenpflichten.

 

Eingeweihte, wegweislose, heilige Orte,

Mysterien, begriffene Natur,

ewig Leben spendend, nehmend.

 

Himmelsschraubender innerer Wille,

ehrgeizige Ringkämpfe,

Steppengesetzen dienend.

Mittwochslyrik: Territorium

Territorium

 

Der giftige König lebt unter Steinen,

regiert sein Reich vom Thron aus fermentiertem Laub.

 

Ein Glitzern glänzt in seinen Augen,

die gespaltene Zunge kostet des Opfers Energie.

 

Phiolen gleich seine Zähne aus zartestem Schmelz.

 

Raschelnd schiebt er seine Rüstung von sich,

taucht geschmeidiger, mächtiger auf.

Beherrscht die sonnenüberflutete Hochebene

mit seinen aufs Äußerste geschärften smaragdenen Reflexen.

Mittwochslyrik: Roter Sandstein

Roter Sandstein

 

Mein Weg nach Westen führt ins Ziel.

 

Türmst Dich zu schroffen Nadeln,

krümmst Dich um zähes Gebäum.

 

Bloßliegendes Knochengebein des Lebens.

 

Quarzfunkelndes Glitzern fängt meinen Blick,

wirft mein Abbild in spiegelnden Strahlen.

 

Zermahlen zu Blut,

wuchtig nährend volle Erde.

 

Zu Ziegeln geschnitten, gebaut mir als Haus,

Wärme haltend, Kälte bannend.

 

Du lebst.