Mittwochslyrik: Mein düsterer Engel

Mein düsterer Engel

 

Senktest Dich eingehüllt in deine Schleppe

Über mich

Feinst schwarzes Spitzengeriesel zur Zier

 

Liest mein Blut in eisigen Geflechten erstarren

Hieltest meinen Blick in endlos graue Tiefen

Deine Worte winzige Schrotkugeln in meinen willigen Leib

In deiner dürren Umarmung erstarb mein Widerstand

 

Schlugst dich voll an meinen Geweiden

Trankst meine Tränen

Zogst Deine bleichen Krallen durch meine Blöße

Würgend mein Schluchzen brennen

 

Und doch

Dein alptraumhaftes Reissen

Hinderte mich nicht

Den Kampf des Lebens

Immer wieder aus tiefster Seele

Erneut und weiter zu lieben

 

 

(Was für ein Segen, diese Zeit aus sehr weiter Ferne betrachten zu dürfen!)

Mittwochslyrik: Nomadenseele

Nomadenseele

 

In spinnwebgleiches Netz gehüllt,

unermüdlich geschöpft aus verklärten,

mythenvollen Kindheitsbildern.

 

Blick in mandeläugig volle Lippen,

staunend zelebrierte Frauenpflichten.

 

Eingeweihte, wegweislose, heilige Orte,

Mysterien, begriffene Natur,

ewig Leben spendend, nehmend.

 

Himmelsschraubender innerer Wille,

ehrgeizige Ringkämpfe,

Steppengesetzen dienend.

Mittwochslyrik: Territorium

Territorium

 

Der giftige König lebt unter Steinen,

regiert sein Reich vom Thron aus fermentiertem Laub.

 

Ein Glitzern glänzt in seinen Augen,

die gespaltene Zunge kostet des Opfers Energie.

 

Phiolen gleich seine Zähne aus zartestem Schmelz.

 

Raschelnd schiebt er seine Rüstung von sich,

taucht geschmeidiger, mächtiger auf.

Beherrscht die sonnenüberflutete Hochebene

mit seinen aufs Äußerste geschärften smaragdenen Reflexen.

Mittwochslyrik: Roter Sandstein

Roter Sandstein

 

Mein Weg nach Westen führt ins Ziel.

 

Türmst Dich zu schroffen Nadeln,

krümmst Dich um zähes Gebäum.

 

Bloßliegendes Knochengebein des Lebens.

 

Quarzfunkelndes Glitzern fängt meinen Blick,

wirft mein Abbild in spiegelnden Strahlen.

 

Zermahlen zu Blut,

wuchtig nährend volle Erde.

 

Zu Ziegeln geschnitten, gebaut mir als Haus,

Wärme haltend, Kälte bannend.

 

Du lebst.

 

Mittwochslyrik: Zeit

Zeit

 

Wenn die Zeit schon vorbei ist,

was bleibt mir dann?

Renn ich im Rückwärtsgang,

aufstampfend wie ein zorniges Kind?

 

Wenn die Zeit schon vorbei ist,

woher weiß ich es dann?

Entflieht alles was weich und warm?

Was bleibt mir denn dann?

 

Wenn die Zeit schon vorbei ist …

 

Werd ich die dann noch sein,

die ich zu sehen vermein?

 

Was bleibt mir denn dann?

 

Illusionen, Täuschung und Lamentieren

über das, was alles nicht war?

Werd ich weinen und zetern und schrein?

 

Wenn die Zeit schon vorbei ist,

wer sagt mir das dann?

 

Wer wird mich so sehr lieben, um ehrlich zu sein?

Wer wird mich bei sich tragen, um mich dann sein?

 

Was bleibt mir denn dann?

 

Wenn die Zeit schon vorbei ist …