Mein schönster MNS des Jahres

Bis vor diesem Jahr begegneten mir MNS-Masken außerhalb des klinischen eigentlich ausschließlich von asiatisch aussehenden Personen in und um den Hauptbahnhof getragen. 

Mittlerweile nenne ich einige mein Eigen und habe dazu noch viele andere getragen:

Dienstliche, selbst genähte, gekaufte, geschenkt bekommene. Weiße, blaue, bunte. Welche aus Stoff, aus unterschiedlichen Geweben, wieder verwendbare, nur einmal zu benutzende und FFP2-Masken. 

Manche MNS-Masken ließen sich problemlos tragen, andere rutschten, es juckte die Gesichtshaut unter ihnen, meine Brillen beschlugen oder auch nicht. 

Zusammengefasst habe ich sie problemlos und aus Überzeugung seit Monaten immer wieder für mehrere Stunden hintereinander getragen und so wird das auch noch eine ganze Weile lang bleiben. 

Gut möglich, nee eigentlich mehr als nur wahrscheinlich, dass ich einen MNS ab sofort jeden Herbst/Winter zur Grippehauptinfektionszeit tragen werde, auch wenn ich mich selbstverständlich weiter jedes Jahr aufs Neue dagegen impfen lasse, so wie durchgehend auch die vergangenen 20 Jahre und schon davor gegen alles mögliche andere. So, wie ich mir schon lange die Hände, immerzu wenn es dafür Zeit ist, für 30 Sekunden lang einschäume und dann gründlich wasche. So wie man das halt macht, wenn man Hygiene ernst nimmt. 

Lange Rede, kurzer Sinn, denn siehe oben, habe ich heute die für mich schönste aller schönen MNS-Masken per Post bekommen. 

Dank dem Blog Dies und Das – LandLebenBlog und der Twitter-Notiz dazu, habe ich den aktuellen Beitrag „Die Greifenklaue“ des „Episteme in Bewegung“-Podcast der FU Berlin, Ältere Deutsche Literatur und Sprache, abgerufen, wie immer sehr genau hingehört, viel gelernt, anschließend kommentiert und dafür kam heute die tolle Post auf dem Photo oben heute bei mir an.

Ich sage „Vielen Dank“ und freue mich auf den nächsten Hörgenuss! 

Advanced Chemistry

Die geneigte Leserschaft weiß, dass ich von Beginn an (neben allem anderen außer Schlager und Hardcore-Jazz) Hip-Hop und Rap sehr schätze, ganz besonders mit Advanced Chemistry unserem ureigenen Meilenstein des deutschen Hip-Hops.

In der aktuellen Wochenendausgabe der RNZ findet sich mit dem Titel Wie die Heidelberger Band Advanced Chemistry gegen Rassismus rappte ein Artikel dazu mit zahlreichen Querverweisen auch auf Linguist – Kofi Yakpo, Toni-L – Toni Landomini und Torch – Frederik Hahn, deren Verlinkung zu folgen sich empfiehlt. Dieser Song war damals schon vertonte Lebenswirklichkeit und ist es leider unglaublicher Weise heute noch immer. Für mich unfassbar, in welchem Ausmaß Rassismus immer wieder deutlich wird und ist. 

Bereits in meinen Schwangerschaften beschallte ich unsere Kinder – ja, natürlich erfolgreich – mit dieser Musik.

Netter Sidekick: Hochschwanger mit der Tochter begegnete ich einmal Torch auf der Heidelberger Fußgängerzone, in der Küche der WG des Tochterkindes wiederum begegnete diese Torch. Schon lustig, wie sie manche Kreise schließen.

Wo wir schon bei Kreisen sind: Der flammende Ring von Torch ist, was Redekunst und Textturnier betrifft, wahrhaft eine feurige Fackel, die immer einen Platz in meiner Songlist haben wird, wenn meine AltersgenossInnen im Altersheim noch immer von der schwarzbraunen Haselnuss am Brünnlein vor dem Tore singen werden. 

EDIT:

Bitte folgt dem Link zu „Du bist da wirklich ganz alleine“ vom LandLebenBlog zum Interview mit Jamila und ihrer Mutter Elisabeth.

Das was beide da beschreiben, das schmerzt und macht fassungslos auf so unendlich vielen Ebenen … im Ernst jetzt, wie kann man z. B. in einen Babywagen sehen und sagen, dass das Baby so süß wie ein Äffle aussieht?! Was sind das für Menschen, die so etwas und noch die ganzen anderen schlimmen Sachen mehr denken und sagen? 

Danke für dieses Interview – mein Dank an die drei Frauen, die das gemeinsam in Worte gefasst haben und ich wünsche von Herzen alles Glück der Welt bei der Wohnungssuche!

Ev van de Ätz – oder – Ab wann wird ’ne Alte schrill?

Es geschah in einer Zeit, als Musik von der Platte kam, aus der Cassette, vom Band, aus dem Radio. So wie „Yellow Submarine“, das erste Lied, dass ich UKW bewusst hörte, fühlte, erinnerte, damals so 66/67.

Musik fand auch im Fernseher statt. Marika Rökk schmiss ihre von Volants umwehten Beine in die Luft, Peter Alexander, Karel Gott bei meiner Oma mit dem Prinzessinnennamen, „Erkennen Sie die Melodie?“, Frankenfeld und „Dalli-Dalli“ mit Hans Rosenthal  bei meiner Oma mit dem Blumennamen und einmal in der Woche die Hitparade mit diesem Moderator, der sich wie der ondulierte Versicherungsvertreter von nebenan bewegte, auch aussah und sprach wie ein Maschinengewehr schoss.

Papa spielte Musik von der Platte: Chuck Berry, Porgy and Bess, Esther & Abi Ofarim, Elvis, versteelgitarrte Countrymusic, Daliah Lavi,  Little Richard, Natbush Citylimits mit Ike & Tina Turner, Die Insterburgs, insgesamt sehr viel Rock ’n‘ Roll, auch E-, im Großen und Ganzen aber mehr U-Musik.

Die Bandbreite war sehr groß, nur eines lief bei uns nie: Schlager.

Meine ureigenen Musiklieben begannen sich in den 70ern zu bilden. Englisch, Deutsch, querbeet in recht großer Bandbreite, ich wollte mich damit nie in einer Schublade festlegen lassen. Nur eines lief bei mir nie: Schlager.

Diese Humta-Humta-schöne-Maid-Welt in ihren austauschbaren Liebesbreintonationen  im immer gleichen DicoFox-Stampf war mir von Beginn an zuwider.

Nicht dass es z. B. mit Su Kramer, Katja Ebstein, Juliane Werding, Reinhard Mey, Fredl Fesl, um nur einige beispielhaft zu nennen, nicht tolle andere Interpreten gegeben hätte, die sich damals schon davon abgehoben haben.

Aber ich schweife ab. Über Schlager per se wollte und möchte ich nicht schreiben.

Warum ich es trotzdem tue?

Nun, es gibt im Fernsehprogramm neben meinem täglichen Pflichtprogramm Nachrichten nicht viel, das ich tatsächlich zielorientiert verfolge. Ich mag Dokus, Natursendungen, Zeitgeschichte – und Musik. Genauer: Von Beginn an gefiel mir „Sing mein Song“  mit seinen ungewöhnlichen Zusammensetzungen verschiedenster Interpreten und deren zum Teil noch ungewöhnlicheren Interpretationen und Neuumsetzungen von Liedern und auch Texten außergewöhnlich gut.

Einsamer Höhepunkt mit weiterhin nachwirkendem Gänsehautfaktor ist mir Samy Delux Version (2016) von Wolfgang Niedeckens „Kristallnacht“, einem Lied, einer Melodie, einem Text, das mich vom ersten Hören 1982 (was der einzige Grund war, mit die LP „Vun drinne noh drusse“ damals zu kaufen) fesselte und so definitiv ein Teil des Soundtracks meines Lebens ist. Nur nicht mehr im Original von BAP, sondern eben so, wie es Samy Delux singt/rapt, mir damit meine Seele vibrieren lässt, meine Nackenhaare aufstellt und mir jedes einzelne Mal die Tränen kommen!

In diesem Jahr habe ich mich folglich sehr auf die 5. Staffel gefreut, darauf, mich auf Neues, Unbekanntes, Ungewohntes einzulassen. Bis ich das erste Plakat, die erste Werbung sah und mitten drin Mary Roos. Ich musste kein Wort sagen, mein Mann reichte ein Blick auf mich, um in heftiges Lachen auszubrechen. „Mary Roos“ sagte er „lass dich doch einfach drauf ein. Vielleicht bist du sehr positiv überrascht“. Er hätte es besser wissen können, denn etwas in der Art sagte ich ihm 2014 bei Roger Cicero. Der mir gut gefiel :).

Nun, ich ließ mich drauf ein. Bis zu diesem Punkt, als sie sagte „Ich will eine schrille Alte sein“. Häh? Schrille Alte? Vorab, dieser Duktus ist für mich absolut positiv besetzt, gekrönt von der unvergessenen & unvergleichlichen Lotti Huber – abgesehen davon, dass sie nicht schrill wollte, sondern schrill lebte und schrill hieß in diesem Fall, ganz sie selbst zu sein, Schätzelchen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was Dritte dazu dachte. Authentisch anders halt. Verbeugung & Verehrung!

Denke ich an Mary Roos in den 70ern, dann mit der Assoziation „OWL Schützenfest, wo ihre Musik aus dem Festzelt neben dem Autoscooter schalte und es nach Alkohol und Kotze stank“. Diesem einen Fest im Jahr, an dem Honoratioren und braven Familienväter im Vollsuff die Sau raus ließen. Diese Biedermänner in Uniform und Orden, die jeden Sonntag brav in der Kirche ihre Sünden beichteten und deren Frauen im Festzelt mit dem Vikar ihre Runden drehten und jeder genau wusste, was sich sonst noch drehte.

So normal.

So ätzend.

Nun als Mary Roos neben solch einer Chanteuse wie Leslie Clio, neben Judith Holofernes. „Sie ließ es krachen“, hieß es danach darüber, wie sie Spinner intonierte. Für mich war es noch immer nicht mehr wie Festzelt und insgesamt die schwächste stimmliche Leistung jeden einzelnen Auftritts in dieser Sendung von Anfang bis hier her.

Von schrill mal ganz abgesehen.

Oh, warum nicht so jemand wie Marianne Rosenberg? Ihr hätte ich das alles abgenommen.

Aber ich verstehe ja schon einen Bikersaisonauftakt mit T. Marshall als Highlight (aber vielleicht ist er ja der Valentino Rossi der Schlagerwelt und nur ich bekam davon niemals was mit …) nicht und auch nicht, wie man einen Heino Rammstein „singen“ hören will.

Die Siebziger mögen so hip sein, dass sie durch die Decke schießen, deshalb wird das Leben, das man darin gelebt hat, in all seiner trotzdem damalig eben auch vorhandenen  Bigotterie und Spießbürgerlichkeit nicht niedlicher, lustiger oder schöner.

 

 

 

 

 

 

 

Meine Frau zum Frauentag: Emerenz Meier

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Ja, ich verehre sie, die Emerenz Meier und mit ihr ihre Kunst.

All ihre Wörter, die ich nun mit der aktuellen Neuauflage endlich auch hören kann, gesprochen und gesungen auf diesen zwei gnadenlos guten CDs = „Emerenz Meier out of Heimat“, die hier voller Entzücken rauf und runter läuft!

Ein hochbegabtes Kind, ein Wunder war sie, das zur hochbegabten Frau wurde, zu einer, die ihrer Zeit weit voraus, stets um Selbstbestimmung bemüht, von Konventionen, letztendlich auch der Gesellschaft immer wieder ausgebremst und sogar verfemt wurde. Mit der man sich aber auch gerne schmückte, sich in ihrer Intelligenz sonnte.

Was hätte aus ihr in Zeiten wie der unseren werden können? Vielleicht wäre sie auch jetzt noch immer eine viel zu Unbequeme, zu Ehrliche, zu Politische, eine Mahnerin vor allen Herren, eine Geißlerin des Ungerechten, die ihren Finger immer wieder in weit offene Wunden legte, die einfach nicht gesehen werden wollten. Vielleicht sogar wär sie von ihren Gier nach dem Leben zerrieben, verbrannt und ausgespuckt worden? Denn eines ist sicher, in einen Rahmen, in einer Raster hätte sie sich auch voll aller Freiheit nicht pressen lassen.

Leidenschaftlich war sie, ganz sicher. Aber auch mutig in ihrer ätzend klaren Offenheit über alle Schranken hinweg, denn duckmäuserisch, das war sie nicht.

Ein bisserl mehr Emerenz in uns Frauen würd ich mir wünschen, die nicht reden, die wagen, die sich nicht anpassen, sondern machen, mehr Sein statt Schein und Leidenschaft im Respekt.

Und natürlich Akzeptanz. So von Frau zu Frau. Denn wenn wir uns die schon nicht geben und vorleben, wie wollen wir sie denn dann von Männern erwarten können?