Schade, mag denn wirklich niemand?!

Wirklich traurig, hat niemand Lust auf Nettigkeiten?

Wenn ja, warum?

Und wenn es so bleibt, dann wird kein Trübsal geblasen, sondern Plan B greift ♡!

EDIT:

Tja, keine Meldung ist auch eine Meldung.

Ich werde die Nettigkeiten hier und so nicht abreißen lassen, dafür ist mir die Intention dahinter zu wertvoll.

Ich überlege noch wie und was. Entweder werde ich extra mit diesem Bezug spenden oder drei Menschen unerwartet eine Freude machen.

Egal wie: Nicht einmal kam mir der Gedanke, dass es so ausgehen könnte. Ich bin dankbar für die Kommentare, die ich bekam und über die Überlegungen, die ich mir mache, denn eines ist sicher: Aufgehört wird hier damit nicht, auch wenn es von der Blogebene hinaus und darüber hinweg geht. Danke fürs Lesen :).

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Nettigkeiten zu vergeben ♥!

Bei Claudia Alltagsbunt las ich ein erstes Mal von den Nettigkeiten von Blog zu Blog und eine der drei von ihr Beschenkten bin ich:

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So sehr gefreut habe ich mich darüber ♥! Über die für mich personalisierte Handcreme und das wunderschöne Beutelchen, das als Schatz diese perfekt zu mir passenden und von ihr selbst gemachten Ohrringe für mich barg – mein Dank an sie kommt aus tiefem Herzen.

Nun ist es an mir, ebenfalls drei Nettigkeiten für weitere Blogerinnen auszuloben und Ihnen hoffentlich eine ebenso große Freude damit zu machen!

Claudia bekam ihre Nettigkeiten von Sheepy und so teile ich hier nun auf meinem Blog den Text von diesen beiden wundervollen Bloggerinnen rund um die Feinigkeiten:

Die Teilnahmebedingungen (also von beiden gemopst ♥) :  
Die ersten 3 Bloggerinnen, die zu diesem Beitrag einen Kommentar hinterlassen (und mir dann ihre Adresse im Anschluss per E-Mail senden), erhalten irgendwann in diesem Kalenderjahr von mir eine – voraussichtlich selbstgemachte – Überraschung. (Ich weiß noch nicht, was ich verschenken möchte. Vielleicht gebt ihr mir zur Sicherheit im Kommentar bitte mal eure Lieblingsfarbe mit an?!). Das kann etwas Gefärbtes, Gestricktes, Gefilztes ,Genähtes …. sein. Auf jeden Fall aber Etwas, das mit viel Liebe gemacht wurde.
Wann die Überraschung kommt, steht noch nicht fest und wird auch nicht verraten. Nur, dass sie dieses Jahr ankommt, das ist sicher!
 
Der kleine Haken?! Diese 3 müssen das gleiche Angebot in ihrem Blog machen.
Dementsprechend können auch nur Personen mitmachen, die selbst ein Blog führen (und ihren Wohnsitz in Deutschland haben, sonst sind leider die Portokosten so hoch).
Es wäre schön, wenn weiter über diese schöne Aktion berichtet wird, vor allem, was ihr bekommen und was Ihr selbst versendet habt.
Und nun hoffe ich sehr, dass Drei von Euch sich von mir überraschen lassen möchten ;)!

Afras Altäre

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Die Begegnung mit Afra hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, mich lange beschäftigt. Das Schreiben über sie hat diese Momente wieder nach oben geholt, wo ich sie hin und her drehe, sie tiefer zu begreifen versuche und mir meine Grenzen dabei sehr deutlich mache.

Ein Altar wie dieser ist es, der ihr Verständnis vom Leben, vom Glauben widerspiegelt. Ein Altar wie dieser, der ihr ihre Sünden, ihre Vergehen, ihre Schuld immer wieder visualisiert, ihr niemals hilft zu begreifen, zu verstehen, sondern sie in schmerzhaftem Stillstand verharren lässt.

Ein Altar, der mich reichlich fassungslos stehen ließ und lässt. So viel Furcht, Angst, ja, sogar Zorn trägt er für mich in seinen Bildern. Angst, Furcht, Zorn – sie nähren sich durch und miteinander. Und da wo sie übermächtig sind, lähmen sie die Freude und das Leben.

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Ich kann mich in einen solche Art des Glaubens nicht hinein versetzen, denn sie ist schlicht nicht meine. Es erscheint mit widersinnig, mein Leben hier und jetzt in archaischer und ständiger Abscheu vor möglichen Sünden und Verfehlungen zu verbringen, um Heil und Erlösung nach dem Tod zu erwarten.

Möglicherweise.

Mit dem Erwachen von Vernunft entstehen Erklärungsmodelle und die Hoffnung auf ein Weitergehen nach dem Ende. Das kann ich gut nachvollziehen, das macht für mich Sinn.

Das Leben in seiner Gesamtheit, mit seinem Anfang, seinem Ende mit Lebendigkeit füllen und nicht auf etwas Besseres hoffen, das wir alle uns wünschen, aber nichts darüber wissen.

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Glauben heißt nicht Wissen, sagte vor noch mehr Jahren eine Religionslehrerin im Unterricht.

Richtig.

 

Online-Kurs „Alte deutsche Schreibschrift lernen“ bei Kallimagie

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Als ich bei Ramona Jademond davon las, dass sie auf Kallimagie diesen 14-tägigen Onlinekurs „Alte deutsche Schreibschrift lernen“ ab dem 15. März 2018 anbietet, habe ich mich völlig begeistert sofort dazu angemeldet.

Ich lese bei ihr bereits seit vielen Jahren mit, mag ihre Art zu schreiben sehr und ganz besonders ihre eigene Art mit ihrer Kreativität umzugehen. Immer wieder begegne ich bei so ganz neuen Denkansätzen, was ich überaus schätze.

Das Lesen der gedruckten alten deutsche Schrift brachte ich mir selber in der 1. Klasse parallel zu jedem neu gelernten Buchstaben bei, weil mich daheim ein dickes, altes Märchenbuch mit all seinen Schätzen lockte, die ich unbedingt alleine und ganz selbständig entdecken wollte. Was für ein unendlicher Zauber mir das war!

In der 4. Grundschulklasse lernten wir dann auch in dieser Schrift zu schreiben, leider aber, was ich sehr bedauere, nur in genau diesem einen Jahr und so wurde die Freude daran mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule viel zu schnell von anderen Aktivitäten und Interessen überlagert.

In den 1990er Jahren beschrieb ich während und nach eines VHS-Kurses einige Gänseeier mit einer Schreibfeder und schwarzer Tinte mit Ostergedichten in der alten Schrift, das war es dann aber auch schon. Zwei- oder dreimal meldete ich mich in den vergangenen Jahren zu weiteren VHS-Kursen an, zu dem man eigene alte Schriftstücke mitbringen konnte, die man gerne entziffern würde, leider kamen diese Mangels Interesse aber nie zustande.

Jetzt aber werde ich das seit Jahrzehnte brachliegende Schreibglück bei Ramonas Kurs wieder aufleben lassen, denn ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass genau dieses vergessene Gefühl, dass mich seit der Anmeldung bei ihr begleitet, durch jeden einzelnen ihrer Kurstage tragen wird!

Afra

Ich lernte Afra erst kennen, als sie schon alt war.

Eine kleine, nicht dicke, nicht dünne Frau mit blondgefärbten Locken und im selbstgenähten Gwand. Selbst wenn sie für eine Minute ruhig da saß, war sie voller atemlos machender Unruhe. Innehalten konnte sie nicht. Nicht mit den Händen, nicht mit den Füßen, dem ganzen Körper, nicht mit den Augen, den Ohren, erst recht nicht mit dem Mund.

Ich wusste, dass sie als das jüngste Kind einer Geschwisterreihe einer Kleinbauernfamilie in prekärsten Verhältnissen aufwuchs. So barfuß gehen musste wie die Füchtlingskinder, denen man Hurenflüchtlinge hinterher rief; sie und ihre Geschwister wurden wegen des durchdringenden Geruchs nach den gehaltenen Ziegen und der offensichtlichen Armut ebenso gemieden und verhöhnt. Wie dem Schicksal zum Trotz waren alle Geschwister ausnehmend hübsch. Gerade gewachsen und gesund ein jedes, dazu volles, kräftiges, lockiges Haar. Die Schönste von ihnen war Afra mit ihren langen, dicken Zöpfen bis zum Po.

Als ich das erste Mal vor ihr stand, lebte sie in komplett anderen Verhältnissen und der Stolz auf das was sie hatte, war ihr deutlich anzumerken, ohne auch nur einen Moment unangenehm oder überheblich zu wirken.

Nur ihr Mund passte nicht dazu, sprach eine komplett andere Sprache. Nicht mit Tönen, Wörtern, Sätzen: Immer offen war er gebogen wie ein trauriges O, schlaff die Lippen, trocken, rissig, wund und wenn sie sich noch so geschäftig, voller Tatendrang und Energie um alles und mit allem herumdrehte, so setzte er hinter jeden Ton, jedes Wort, jeden Satz einen bitteren, verzweifelten, allem widersprechenden Schlusspunkt.

Nach außen hin hatte sie sich von all den Makeln ihrer Vergangenheit befreit, die so schmerzhaft waren, dass sie an ihren Echos weiter litt. Sie war verheiratet, Mutter mehrerer Kinder, ohne finanzielle Sorgen, Herrin eines wunderbaren Hauses mit noch wundervollerem Garten und ein angesehenes, ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft von sehr gutem Ruf. Und doch konnte sie nicht innehalten, zur Ruhe kommen, war sich selber nie genug:

Weder als Kind, Frau, Mutter, Mitarbeiterin, ganz egal ob privat, beruflich, ehrenamtlich. Sie öffnete sich jedem Hilferuf. So verständnisvoll, kompromiss- und hilfsbereit sie nach außen war, so wenig war sie dazu in der Lage, Energie und Kraft für Schmerz und Bedürftigkeit in ihrer eigenen Familie aufzubringen. Nicht für ihren Mann, der nicht mehr mit ihrem Pensum Schritt halten wollte und konnte aber musste, nicht für ihre Geschwister, ihre Enkel, nicht für die eine der Töchter, die Übergewichtige mit dem Seelenschmerz, die, über die sie klagte, dass sie doch gar nicht wisse, was Leiden bedeute, da sie doch immer dafür gesorgt hätte, dass es nie einen Mangel gab und so solle sie doch wenigstens endlich abnehmen, damit die Leut nichts zu ratschen hätten, denn wenn jemand wisse, was schlecht gehen bedeute, dann sei sie die Mutter es, nicht das Kind, das alles hätte.

Afra wollte, dass immer alles sauber, innerhalb der Norm und gottgefällig ist, dass man sich an ihre Anweisungen hielt, mit denen sie es immer nur gut meinte.

Gottgefällig zu sein, wohltätig, das war ihr wichtig, weshalb sie auch nie einen Gottesdienst, selbstverständlich in ihrem schönsten selbstgeschneidertem Gewand, ausließ, ganz egal was anstand. Diese Pflicht kam für sie an erster Stelle. Noch vor Mann, Kindern, der Familie. Noch vor sich selbst.

Makellos wollte sie sein. Rein. Sauber.

Eines Abends erzählte sie völlig unerwartet und übergangslos von ihrer großen Schuld:

Ihre Kindheit, ihre Eltern waren hart. Nie war etwas genug, nie eine Arbeit fertig getan. Nichts anderes.

In dürren Worten floß es aus ihr, erzählte sie, während sie sich unablässig ihre Lippen noch wunder leckte und rieb. Ihr Mund schien größer zu werden und gleichzeitig schlaffer noch.

Sie heiratete früh, einem Entkommen vor all dem gleich. Ausgerechnet einen heimat- und elternlosen Flüchtlingsjungen, der noch weniger hatte als sie, dafür aber Kraft, Mut und den festen Willen, ihr mithilfe seiner Energie jeden ihrer Wünsche zu erfüllen, was ihm gelang.

Liebe? Nun, was ist schon Liebe anderes als Pflichterfüllung, eine reelle Chance auf ein besseres Leben heraus aus Kälte, Dreck, Armut, Plackerei, einem harten Elternhaus?

Und so liebte Afra zurück durch alle Pflichten, die sie pausen- und klaglos immer mehr auf sich nahm und erfüllte. Alles, bis auf die Liebe einer Tochter zu ihrer Mutter und der Sünde, dass sie ihr diese versagte, als sie, hochschwanger mit ihrem ersten Kind, sich weigerte, ihre kranke, sterbende Mutter zu besuchen, aus der tiefen Angst heraus, damit das Leben ihres Kindes zu verfluchen und zu zerstören, noch vor dem ersten Atemzug. Ihre Mutter starb, ohne dass sie ihr den Wunsch erfüllte, sie ein letztes Mal zu sehen. Zu groß, sagte sie, war ihr Ekel davor, sie noch einmal zu berühren, die gleiche Luft wie sie zu atmen, sich von ihr zu verabschieden.

Diese Sünde formte ihr Leben als Ehefrau, Mutter, als Wohltäterin und Mitglied der Gesellschaft.

Vor allem aber ihren Mund.