Bittere (Garten-)Bilanz

In den vergangenen drei Jahren hatte er es schwer der Garten, da es Dürrejahre mit viel zu wenig Wasser waren. Wir haben zwar gewässert, was unsere Regenwasserzisterne her gab, im letzten Sommer aber, da gab auch sie – Premiere! – nichts mehr her und wir mussten einen Tank an einer öffentlichen Wasserentnahmestelle füllen, um den Garten nicht ganz und gar verdorren zu lassen.

In diesem Jahr musste alles im Garten von mehrmaligem Frostschaden, hin über Stürme, Hagel, Starkregen, massiver Schwüle, Gewitter und auch Dürrezeiten immer wieder sehr viel aushalten. Ein Extrem löste das nächste ab und so weiter.

So erlagen die Blüten an den Obstbäumen zum Teil zu 100 % Frost, Starkregen, Sturm, Hagel. Die wenigen Kirschen, die der Kirschbaum danach noch tapfer trug, faulten zu 90 % noch vor der Reife direkt ab. 

Das Bild oben vom Kirschbaum ist von heute – trotz Bewässerung trägt er immer mehr gelbe Blätter und bis Ende JULI ist noch immer eine ganze Woche Zeit … vom Zustand des sterbenden Waldes gegenüber mag ich gar nicht erst anfangen …

Manche gesetzten Pflanzen, wie z. B.  die Tomaten, gingen ein, neue wurden gepflanzt. Sie wuchsen wunderbar kräftig, trugen viele Blüten und Fruchtansätze. Obwohl mit Argusaugen bewacht, mähte nun innerhalb von zwei Tagen die Kraut- und Braunfäule auch diese nahezu komplett um. 

Ebenso kurz überzog es die Weintrauben nahezu komplett mit Mehltau. 

Pestizide kommen für uns nicht in Frage. Wir behandeln natürlich und was sich damit nicht behandeln lässt, das ist dann halt (hoffentlich nur für dieses Jahr) verloren.

Ich mag mich nicht beschweren, denn das, was die Menschen in den von der Flutkatastrophe getroffenen Landstrichen an Entsetzlichem, Tod und Zerstörung erleben, dagegen ist das, was in unserem Garten passiert mal so überhaupt gar nichts!

Was mich wirklich ärgert, ist, wie sich die Politblase der etablierten, lobbyismusgeschwängerten Altherrenriege auf Bundesebene auf erbärmlichste Art und Weise an Greta Thunberg und vielen Wissenschaftlern über lange Zeit regelrecht abgearbeitet hat, sie ins Lächerliche zog, bis hin zu Verleugnung. Nun wird aber das, was zum Beispiel Mojib Latif, einer unserer herausragenden Wissenschaftler, seit Jahrzehnten immer wieder erklärte, sicht- und spürbar. Außer natürlich für die Anhänger der Partei, die alles ist, nur keine Alternative hin zum Guten, denn diese beharren noch immer stumpf darauf, dass es weder eine Corona-Pandemie gibt, noch einen Klimawandel. Außer für diesen Büttenredner, einer Partei, die sich „Christlich“ nennt, der unfassbarer Weise zum Kanzlerkandidaten gekürt wurde und sich nicht schämt, ausgerechnet in Bezug auf Wissenschaftsfeindlichkeit die Partei zu zitieren, die alles ist, nur keine Alternative! Egal, einfach ohne Sinn und Verstand wieder öffnen, was sich öffnen lässt und behaupten, das eigene Bundesland wäre Vorreiter in Punkto Klimaschutz … 

So, ich höre jetzt hier auf. Mir vergeht die Lust am Schreiben immer mehr. 

Passt auf Euch auf. Auf Euch, Eure Lieben und die Menschen um Euch herum. Wir stecken inmitten einer wieder Fahrt aufnehmenden, weiter anhaltenden Pandemie. 

Verantwortung beginnt bei jedem einzelnen von uns und jeder Einzelne von uns kann etwas dafür tun!

Pandemieleugner, Quarkdenker, Wissenschaftsverweigerer, A*Dler müssen hier gar nicht erst zu antworten versuchen.

Brennts Mus

Bitte beachten: Werbung wegen Marken- und Ladennennung. Freiwillig, unverlangt, unentgeltlich, einfach weil ich drauf Lust hab, davon überzeugt bin und es deshalb gerne mache.

Zum ersten Mal von Brennts Mus oder auch Schwarzmus hörte ich nach unserem Umzug mitten auf die Schwäbische Alb. Ich hab gefragt was es ist und die Antwort unter „Mus, Brei, Kasch, Pamps und ein Arme-Leute-Essen von früher“ abgespeichert, gegessen habe ich es dort nie. 

Es ist nicht so, dass ich Brei nicht mag, ich war damals nur so jung, dass ich mir keine weiteren Gedanken darüber machte. In unseren, für mich sehr glücklichen, 1,5 Jahren dort aber wurde der Wunsch in mir, beruflich etwas von, aus und mit Lebensmitteln zu machen, immer stärker. Mein einziger Traum war es, das dortige Hauswirtschaftsgymnasium zu besuchen. Nun ja, Erstens kommt es anders, als Zweitens man auch denkt und die Pläne meines Vaters gingen für mich eh nicht in diese für ihn zu profane Richtung. In irgendeiner Parallelwelt, das ist ganz sicher, bin ich trotzdem eine glückliche Ernährungsgeschichteanthropologin. 

Zurück zum Brei, der alles andere als ein trauriges Einerlei ist. 

Auf unserer letzten Genussfahrt machten die liebste Freundin und ich am Mühlenladen der Seifert Mühle in Allemühl Halt:

Diesen können wir Euch voller Überzeugung wärmstens ans Herz legen, denn die Beratung ist erstklassig, so wie das vielfältige Sortiment, in dem immer wieder neue Produkte zu entdecken sind. Dieses Mal nahmen wir uns unter anderem Dinkel-Musmehl von der Ostermühle mit, um eben oben besagtes Brennts Mus selber auszuprobieren. 

Wir beide sind uns da ganz einig: Echtes Superfood ist das, was bestenfalls regional/heimisch erzeugt wird und sich nach dem Erntekalender verarbeiten lässt. Das und nichts anderes! Musmehl wurde übrigens von Slow Food als Passagier in die Arche des Geschmacks aufgenommen und HIER könnt ihr zu Slow Food und dem Schwarzen Brei auch noch einen schönen Artikel des Reutlinger Generalanzeigers anklicken. 

Wir lieben es, solche Genussfahrten zu unternehmen, Hofläden zu entdecken, zu besuchen und unsere Vorräte mit besten Lebensmitteln zu bestücken. Das ist wahre Nachhaltigkeit. Wir verwerten „von der Schnuffel bis zum Schwänzel“ aka Neudeutsch „from nose to tail“, so wie es unsere Vorfahrinnen schon taten. Frisch, lecker und dazu das gute Gefühl, Erzeuger und HoflädeninhaberInnen zu unterstützen und zu erhalten. 

Nun, hier kommt es, das fertige Brennts Mus, das frisch zubereitet als Frühstück eine tolle Basis für den Tag bietet. Kommt völlig ohne Zusatzstoffe und mit lediglich fünf Zutaten aus: Musmehl, Wasser, Milch, Salz, Honig – wobei jedem/jeder die Freiheit bleibt, den Brei selber so zu variieren, wie man es für sich möchte. Fertig ist die leckere, gesunde Laube:

Brennts Mus (2 Portionen):

Zutaten: 

75 g Musmehl, 1/4 l Wasser, 1/4 l Milch, 1 Prise Salz, 1 kleines Löffelchen Imker-Honig

Zubereitung:

Das Musmehl in einem Topf ohne weitere Zugaben und unter stetigem Rühren leicht anrösten, bis es nussig zu duften beginnt. Dann sofort mit Wasser und Milch ablöschen, die Prise Salz dazu und den Brei für mindestens 20 Minuten leicht köcheln lassen, bis er die Konsistenz erreicht hat, die man mag, dabei immer wieder umrühren, damit er nicht am Topfboden ansetzt. Den Honig erst darunter rühren, wenn er fertig ist. 

Meine Beilage waren dazu mit der Gabel zerquetschte Erdbeeren, die ich nur mit einem kleinen Klacks eigener Marmelade ganz leicht nachgesüßt habe. 

Und wenn vom Mus was übrig ist, dann füllt das einfach in kleine, muckelige Puddingförmle und macht das hier draus:

Sperrmüll

Ich finde es wirklich schade, dass es diese zwei Mal festen Sperrmülltage im Jahr nicht mehr gibt, zu denen jeder, der wollte, das, was er als Sperrmüll nicht mehr brauchte, draußen vor das Haus stellte. 

Ich war nie eine Sperrmülljägerin, aber so einige Male fand ich ebenfalls etwas, das mein Auge bei der Vorbeifahrt einfing: Zwei alte Stühle kamen so zu mir, ein Gär-Glasballon, ein alter Steinguttopf, eine sehr alter Glaskrug mit Sprung, eine Militärkarte – nicht wirklich viel also, aber Dinge halt, die schon sehr alt waren und sind, aber trotzdem seither von mir genutzt und geliebt werden (gut, die Karte nicht so, die ist halt da und ich bin mir unschlüssig, was ich mit ihr machen werde).

Ich gehöre eh nicht zu den Menschen, die kein Bezug zum Alten haben, ich bin keine Condo-Jüngerin, zum Glück kein Messie, aber ich bin eine Sammlerin und ich liebe Re- und Upcycling, Glas, Keramik, Holz. Natürlich liebe ich Flohmärkte – was für eine Frage!

Flohmärkte sind pandemiebedingt seit letztem Jahr perdu und diese wundervollen alten Sperrmülltage, die gibt es schon lange nicht mehr. Nur noch selten sieht man mal solch Haufen alten Zeugs vor Häusern. Gestern kamen die liebste Freundin und ich auf dem Heimweg unserer kleinen Genusstour in den Odenwald (dazu in einem anderen Beitrag mehr) an zwei alten Häusern mit solch Stapeln vorbei und beim Queren des zweiten war es, dass ich sie anzuhalten bat, den da rief mir was im Augenwinkel „Schau!Mich!An!“ zu. Ich rannte zurück und da lag obenauf diese alte, äußerst massive Schublade vor mir und dieses Stück einer alten Obstholzkiste – ja, ich bin ein alter Kram-Opfer, natürlich nahm ich beides mit. Was für eine Frage! 

Besonders das Obstkistenstück fesselte mich ganz besonders und ich hätte in dem Stapel gerne davon noch mehr Stücke gesehen und gefunden von den Seiten, vom Boden, aber das war leider nichts. Beides nicht sauber, aber ohne Holzswurmspuren und – noch viel besser – knochentrocken und ohne einen Hauch von Muff! Schon beim Zurückgehen zur Freundin, sprang mein Phantasiekarussell an – was für eine Frage! – solche Dinge müssen doch eine Geschichte haben! Ja, ganz bestimmt und ohne Zweifel.

Später ging ich im WWW auf die Suche und siehe da: Auf dem Blog Art & Artists gibt es einen Artikel Citrus Fruit Crate Labels – part 1 und schon das erste Photo zeigt mit dem entdeckten Label eine solche vollständig erhaltene Kiste! 

Sie stammt aus der Zeit vom Beginn der 1900er bis zum Ende der 1950er Jahre und das Label wurde als Litographie (schreibt Ihr ruhig mit f, ich bleibe beim für mich viel schöneren und altmodischen ph, so wie ich es noch lernte) gedruckt!

Klar bekam beim Phantasiekarussell so einen weiteren kräftige Schwung und ich stelle mir einfach vor, dass eine solche Kiste, gefüllt mit kulinarischen Köstlichkeiten  als Care-Paket nach dem 2. Weltkrieg zu den hungernden Verwandten in das kleine Kraichgaudorf gelangte. Wie auch sonst? So glücklich war man über dieses Geschenk, dass man die Kiste in Ehren hielt und aufbewahrte – so lange halt, bis jemand, der absolut keinen Bezug mehr dazu hat und zum Glück gar nicht mehr weiß, wie bitter Hunger schmeckt und das alde Glump zerhackt auf den Sperrmüllhaufen wirft. 

Nein, ich verbinde damit keinen Vorwurf – schließlich und endlich ist das eine win-win-Situation – dort ist der ungeliebte Sperrmüll weg und für mich, da kein Müll, ist die Freude groß. Mal sehen, was nach Reinigung und Pflege aus und damit werden wird. 

Alles so schön bunt hier Kalenderwoche 10/2021

Lauter starke Frauengeschichten:

  1. Unbroken – eine ZDF-Krimi-Serie in 6 Kapiteln. Es passiert ganz selten mal, dass mich Krimis fesseln. Insgesamt stehe ich auf dieses viel zu oft stereotyp seichte Mord- und Totschlag-Gedöns nicht wirklich, in dem mir nach fünf Minuten der Täter klar ist und ich gelangweilt einschlafe oder gleich ganz was anderes mache. Diese Mini-Serie aber ist ganz anders und lebt von dem sehr intensiven, vielschichtigen Spannungsfeld zwischen den beiden herausragenden Darstellern Aylin Tezel und Özgür Karadeniz. Ich will jetzt nix verraten, ich hatte im ersten Drittel mal ganz kurz die schuldige Person auf dem Schirm, was aber Dank vieler Irrungen und Wendungen sich schnell wieder änderte. Wirklich gut gemacht!
  2. Mae West: Die verruchte Blonde auf arte. Eine einzigartige, mutige, trotzige Frau, die ihr Ding durchzog und damit überragend erfolgreich war! Hollywoods erstes Bad Girl, die den Boden für Stars wie Marilyn Monroe und Madonna bereitete. Mae West ritt immer wieder glorreich und unerreicht an den Grenzen des sogenannten guten Geschmacks und alleine zu sehen, wie sie sich durch ihre Filme bewegte, macht einfach nur großen Spaß. Eine pure Leinwandgöttin par excellence einer außergewöhnlichen Künstlerin!
  3. Und auch zum Dritten arte mit „Im Reich der Frauen“ – hier explizit Indonesien – Die Minangkabau. In dieser Ethnie regiert, obwohl im größten muslimischen Land der Welt daheim, das Matriarchat und zeigt, wie das leben in einer von Frauen bestimmten Gesellschaft aussieht. Da weint der Mann beim Auszug aus dem Elternhaus in das seiner Frau zu den Schwiegereltern. Spaß beiseite: Wirklich hoch interessant, wie unterschiedlich das Leben zwischen Mann und Frau dort ist.  

Ohne Kunst ist alles nix – Heute: Doreen Trittel

Die immer wieder äußerst persönliche Kunst von Doreen Trittel spricht mich sehr an. Es beeindruckt mich tief, wie sie mit sich selbst, ihrer Familiengeschichte (siehe hier exemplarisch ihre Exponate unter „Die Ketten meiner Oma“), ihrer Kindheit in der ehemaligen DDR und was das für sie heute bedeutet, umgeht, wie sie ihr Leben in ihre Kunst fließen lässt. Doreen Trittel lebt und bezieht Position, sie reflektiert, legt den Finger auch dort hinein, wo es unangenehm wird und weh tut.

Ganz neu bei Twitter, begegnete ich im letzten Jahr ihrer Aktion #farbverrückt und entschloss mich spontan, mich daran zu versuchen. Meine Collage Orange: Interessiert mich nicht! hat damit etwas in mir geöffnet, das mich selber immer wieder überrascht, mich selber immer wieder aufs Neue kennenlernen lässt. Ich bin so dankbar dafür, diesen Teil in mir endlich sicht- und begreifbar zu machen. 

Nun ja, mit dem Nahtlust-Miniaturenjahr entschloss ich mich, nach Twitter im vergangenen Jahr, diese Jahr noch eine Anmeldung durch zu ziehen (denn: Was schert mich mein Geschwätz von früher …) und eröffnete einen Instagram-Account, weil es mir ohne ihn nicht möglich ist, so viel wunderbare andere kreative Werke zu sehen, die ich eben halt nur dort sehen kann. T. und I. sind eine Kröte, die ich schlucke, so ist das halt. Ich mache nur ganz kleine Schritte in letzterem und erweitere meine Radius dort vorsichtig, denn ich bin mir sehr bewusst, dass ich ansonsten in diesem Medium für ganze Stunden versacken würde und das will ich nicht. Schön ist, dass ich auch hier nun Doreen noch einmal erweitert folgen kann und da begegnete ich der Möglichkeit zu ihrer Kunst-Überraschung auch zum ersten Mal und war gleich so fasziniert von dem Gedanken,  dadurch von ihrer Kunst bei mir daheim etwas haben zu können, dass ich mich bei ihr meldete.

Gleich nach meiner Bestellung meldete sich Doreen bei mir und fragte, ob es etwas gäbe, was mich besonders an ihrer Kunst interessiere und auch, ob ich Farbvorlieben habe – habe ich natürlich, aber ich habe mich auch dazu entschlossen, ihr soweit als möglich freie Hand zu lassen, denn Freiheit ist die wundervolle Begleitmusik der Kunst.

So durfte ich einen sehr liebevoll und sorgfältig verpackten Umschlag aus dem Briefkasten heben, den ich im Gegenzug, alles andere wäre respektlos gewesen, mit liebevoller Sorgfalt öffnete und mich über den gleich sichtbaren und den noch verpackten Inhalt freute, bis ich nach dem Lesen ihrer lieben Zeilen auch die beiden Päckchen öffnete.  

Große, sehr große Freude bei mir, mir gefällt der komplette Inhalt und ich werde mir, wenn das wieder ohne Probleme möglich ist, überlegen, was für einen Rahmen ich wählen werde, um ihre Kunst an meiner Wand aufzuhängen. 

Wenn Ihr Lust habt, Euch von Doreen überraschen zu lassen, auch auf ein Kunst-Abenteuer mit ihr einzulassen, dann fühlt Euch so frei und dazu eingeladen, dafür diesen Link zu nutzen.

Ganz frei nach meinem Motto: Ohne Kunst ist alles nix!

Beinhaus

Hier begann vor noch nicht mal einer Handvoll Jahren in einer schönen Schlaufe der Weg in den Wald und ich kann noch unsere Hunde darauf vor mir sehen, die Buchfinken auffliegen und singen hören. 

Der Grundwasserspiegel von vor dem Sommer 2003 wurde seither bis nun 2021 nicht mehr erreicht. 3 Dürresommer mit viel zu wenig Regen und großem Hitzestress liegen hinter uns. Noch viel mehr vor uns. Corona- und Klimawandelverleugner eint eines: Die Unfähigkeit, sich mit Tatsachen auseinander setzen zu wollen und zu können. So wie sie nicht in der Lage sind, die Veränderungen, die sie direkt umgeben, sehenden Auges wahrzunehmen oder gar zuzugeben. 

Dieser Wald ist nicht mehr der, den ich, den wir kannten. Nicht mehr der, der vor Kraft strotze, der mit dem Leben in ihm wucherte, protzte gar. Er riecht nicht mal mehr nach Leben, nur noch nach trockenem Staub. 

Auf seinen Wegen zu laufen, ist, als würde ich mich in einem Beinhaus bewegen. Ruhig, bloß kein unnötiges Geräusch machen wollend. Der Wald, den ich, den wir einmal kannten, den gibt es so nicht mehr. Er stirbt der Wald und die Kronen immer mehr junger Bäume recken sich nicht nach oben, dem Himmel zu, sondern biegen sich nach unten, so als würden sie Schutz und Trost in den Umarmungen ihrer Wurzeln suchen.

Alles so schön bunt hier Kalenderwoche 7/2021

Frauengeschichte:

Durch die 3sat-Doku „FrauenOrte in Sachsen-Anhalt“ begegnete ich das erste Mal der Begine und Mystikerin Mechthild von Magdeburg, die rund 100 Jahre nach der, wie ich finde zu Unrecht, alleinig bekannten Hildegard von Bingen. Wo hätten diese Frauen sein können, was hätten sie erreichen können, außerhalb eines kirchlichen Systems des Katholizismus, deren Führungseinheit noch heute der weiblichen Hälfte der Menschheit nicht die Gleichberechtigung zugesteht oder gar anerkennt?! 

Glaubenssache:

Sehr interessant, fesselnde Dokumentation Bhagwan – Die Deutschen und der Guru. Sehr gut daran gefällt mir, dass hier kein unsichtbare ModeratorIn hindurch führt, alles zusammen hält, sondern ausschließlich Menschen, die mit Bhagwan in Berührung kamen, was zu einer größtmöglichen Authentizität führt. Bhagwanis nannten wir die rot Gewandeten, wenn wir ihnen begegneten. Faszinierend, ja, für mich aber nie so, dass ich den Wunsch verspürt hätte, auszuprobieren oder gar dazu zu gehören.

Ziemlich von Beginn an, musste ich an mein liebe und unvergessene G. denken, die eine der sanftmütigsten und in sich ruhenden Seelen war, denen ich jemals die Ehre hatte, begegnen zu dürfen. Auch G. hielt sich immer wieder in einem Ashram in Indien auf und diese Zeit hatte einen äußerst prägenden Impuls auf ihr ganzes weiteres Leben bis hin zum Ende. Leider begegneten wir uns, obwohl Familie, aber das ist ein anderes Thema, erst recht spät in ihrem Leben, dafür aber um so intensiver und wiederum sie war es, die, vom ruhigen Ankommen und Erkennen, nicht alleine so zu sein angefangen, einen unauslöschlichen Eindruck in meiner Seele hinterließ, wofür ich eine große Dankbarkeit empfinde. 

Lebenslinien:

Seppi Küblbeck ist nur etwas älter als ich und gehört somit zur Generation Baby Boomer. Sein Leben verlief in großen Zügen ganz anders als das meine, in kleinen wiederum nicht, was auch der Zeit geschuldet ist, in der wir aufwuchsen. Durch die Sendung wurde mir bewusst, dass ich beim letzten Besuch in Passau, meiner zweitliebsten Stadt, sehr unbewusst an seinem Laden vorbei gelaufen bin, was ich nun sehr bedauere. 

Wenn ein unbeschwertes Reise wieder möglich sein wird, wenn wir wieder einmal in Passau sein können, dann, so habe ich mir vorgenommen, werde ich an der Emerenz vorbei zur Spitze des 3-Flüsse-Ecks laufen, dort stehen bleiben, tief einatmen, mir wie beim letzten Mal sagen, was ich doch für ein glücklicher Mensch bin, das genießen zu dürfen und von dort in die Gassen der Altstadt direkt hinein ins Dackelmuseum

Warum? Darum:

Der erste Hund meines Lebens war Teddy, die Hündin meines Großvaters mit dem Tiroler-Hütchen. Der zweite Hund, der in meinem Leben Eindruck hinterließ, war der Königspudel in München, vom dem ich gar nichts wissen wollte, der mich aber trotzdem biss. Der dritte Hund, das war der Langhaardackel Adi, der Frau K. gehörte, schräg links über uns und mich heiß wünschen ließ, es wäre unserer. 

Digitale Ausstellung – „Woran das Herz hängt. Flucht und Erinnerung“

Um der Liebe jenseits von Kommerz an diesem Valentins-Tag mal einen ganz anderen Raum zu geben, verlinke ich hier die digitale Ausstellung „Woran das Herz hängt. Flucht und Erinnerung“ des EVA Empathie-Vielfalt-Austausch. Interkultureller Frauenverein Heidelberg e.V.

Zum wirklich lohnenswerten Ansehen klickt bitte auf die farbig unterlegten Links.

Valentin

Das Anarchische in der Karl Valentin-Kunst mag ich sehr, mehr aber noch das leis Traurige der Liesl Karstadt, das mir sehr viel näher ist.

Den Valentins-Tag am 14. aber, mit dem habe ich noch nie was anfangen können, so wie mit dem Mutter- und dem Vater-Tag. Für die eine Blumengrüße, für den anderen grölend besoffene Spaziergänge. Für das Erstere unbedingt Kaufrausch, weil das gehört sich so.

Gehört sich so. Noch so ’n Satz, der in mir Misstrauen lockt. Scheiß aufs lieblich entzückende, wenn es festgezurrt sein muss. Da bürste ich das doch lieber gegen den Strich! Und für mich brauch ich all das erst recht nicht.

Gehört sich so, dass sich damit so viel zudecken lässt, was zu oft den Rest außerhalb dieser drei Tage ausmacht. Ich brauch solche Tage nicht.

So bitter wie der oft gar nicht mehr vorhandene Duft der Exportblumen aus Afrika, denen man das Leid und die Pestizide unter ihren schönen Farben vor der Discounterkasse gar nicht ansehen kann und mag. Denn: „Liebe!“ – „Frühling!“ und so.

Ich mag Blumen, am liebsten selbst auf einer blühenden Wiese gepflückt. Margeriten, Wiesenschaumkraut, Kuckucksnelken, große Wiesenknöpfe, Schlüsselblumen, Teufelsabbiss, Mohn und noch mehr.

So wie früher, als Wiesn vor lauter Löwenzahn nicht nur gelb überdüngt waren, sondern noch voller Vielfalt, Faltern, Käfern, Insekten. Naja, eine Beweidung durch Kühe, die drüber laufen, abgrasen, drauf kacken und brunzn fehlt halt. Da sieht man mal, wie wichtig auch für Biodiversität eine gesunde Verdauung ist. Und schmecken, bestimmt geschmeckt haben auch der Zenzi, der Traudl, der Moni, dem Viech halt, die Blumen ganz bestimmt. Warum auch nicht, auch zum Schmecken sind sie da, so ganz ohne Pestizid, die Blumen.

Und so schließt sich heut gallig, weil ich es kann, nicht weil ich es müsste, mein Kreis zu Valentin, nicht dem Tag, sondern dem Karl, der Brennnessel unter den Liebesblumen, die mir lieber sind als all die anämisch hysterischen Tulpen in Zellophan.

Gesehen: „Blown away“

Achtung, Werbung: Unverlangt, unabgesprochen, ohne jeglichen Benefit für mich. Ich schreibe darüber, weil es mir gefallen hat und gebe deshalb hier lediglich meine eigene Meinung/Sichtweise wieder. 

Glas ist ein tolles Material mit unendlichen Gestaltungsmöglichkeiten – Glaskunst ist eine tolle Sache und ich liebe es, Glaskünstler direkt vor Ort erleben zu dürfen, so wie zuletzt in Lindberg bei Glas & Licht von Karl Schmid:

Bei Netflix ist mittlerweile die 2. Staffel des Glaskünstlerwettbewerbs Blown Away abrufbar, bei der jeweils 10 unterschiedlichste Glaskünstler gegeneinander antreten. 

Siegerin der 1. Staffel war Deborah Czeresko, die von Beginn an mit ihrer Technik und ihrer feministisch geprägten großartigen Kunst überzeugte. Eine durch und durch ungewöhnliche Künstlerin, die sich in keinerlei Schubladen zwängen lässt. Ein ganz anderer, dennoch ebenfalls wunderbarer Glaskünstler aus dieser Staffel, war für mich Alexander Rosenberg, der wunderbar filigran arbeitete. 

Auch der britische Glaskünstler Elliot Walker, der Gewinner der 2. Staffel, überzeugte von Beginn an durch seine große Handwerkskunst und seinen kreativen Einfallsreichtum. Sehr gut aber gefiel mir persönlich noch besser die japanische Glaskünstlerin Nao Yamamoto, deren Werke mich sowohl in ihrem künstlerischen Ausdruck als auch emotional überaus berührten. 

Staffel 1 wie auch Staffel 2 fesselten uns so, waren ein solcher Genuss, dass wir ihre Folgen regelrecht hinweg gebinged haben. Die größte Überraschung insgesamt war die Erkenntnis aus Season 2, dass Glas so be- und verarbeitet werden kann, dass es wie Klarsichtfolie wirkt – ein irrsinniger Effekt!