Alles Käse und noch mehr:

Das Allgäu, ganz egal ob Unter-, Mittel- oder Oberallgäu, bietet soviel handwerklich Köstliches, dass es zu schade wäre, da nicht einzukehren und mitzunehmen. Hier drei köstliche Tipps von mir:

  1. Pfronten: Gleich unterhalb vom Breitenberg liegt der Käseladen Beim Bantschar mit einem umfassenden Angebot weiterer Bioprodukte. Hier gibt es  z. B. Buttermilch aus dem Krug, Bergbutter, aromatischen Weißlacker und auch die Brezn schmecken fein. Nur eines gibt es nicht: Leider kein Bild, das haben wir vergessen :/.
  2. Bad Wurzach/Gospoldshofen: In der Käserei Vogler gibt es ein Rundumprogramm aus Schaukäserei, kleinem aber feinem Käsereimuseum, Hüttenwirtschaft und natürlich einer Käsetheke  voller Köstlichkeiten wie z. B. dem Moorkäse – besonders bei der Butter sollte man fix sein, denn sie ist immer wieder ruckzuck ausverkauft:DSC00647
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  3. Sontheim: Die Familie Wetzler unterhält ganz in Hofnähe einen Milchautomat & Regiomat, von dem wir komplett begeistert sind, wir empfehlen Euch aber trotzdem den Hofladen von Wetzlers Bauernladen direkt zu besuchen, denn sich direkt (und das auch noch überaus freundlich und fundiert) über das angebotene Sortiment unterhalten zu können, bestens Auskunft zu bekommen, ist einfach unvergleichlich! Hier gibt es sie noch: Sahne als bestes Naturprodukt, Butter, Butterschmalz, Käse, Wurst- und Fleischwaren. Als wir hier waren, lag eine frische Flockentorte in der Auslage. Alles haus- und somit selbstgemacht mit und vom eigenen Hof! Und Ihr könnt uns glauben: Wirklich alles was wir probiert haben, schmeckt einfach nur vorzüglich ♥ – wie schade, dass es ein solches umfassendes Angebot von solcher Qualität direkt vom Hof bei uns daheim nicht gibt. Absolut unterstützenswert! 20170804_14221920170804_142230

Der Barfusspfad im Kurpark Bad Wörishofen

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Wenn es so richtig sommerheiß ist, lässt es sich mit dem Barfusspfad im Kurpark von Bad Wörishofen herrlich frisch in den hoffentlich nicht schwül werdenden Tag starten. Ich lauf eh sehr gerne barfuss und hatte große Freude daran, die wechselnden Stationen fusselnd zu ergründen, wobei der Matschpfad tatsächlich am herrlichsten war. Lediglich die größeren Kiesel empfand ich als so unangenehm, dass ich sie einmal einfach zwischendrin umgangen habe:

 

Viele Kinder, u. a. eine Kindergartengruppe, waren hier mit viel Spaß unterwegs und auch uns gefiel es so gut, dass ich hier gerne wieder einmal laufen möchte.

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Kneippen kann man übrigens ganz einfach auch daheim:

Entweder mit Tautreten oder in der eigenen Badewanne.

Wir wissen woher unser Fleisch kommt!

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Vor einem Jahr lud so ein örtlicher Vermarkter zum Tag der offenen Tür auf einen Geflügelhof ein. Auf diesem Hof werden Puten, Gänse, Enten gezüchtet, die den Grundstock für eine Metzgerei und diverse Marktwagen bilden. Seit vielen Jahren sehen wir immer wieder so ab dieser Zeit die Maisfelder und dazwischen die Gänse:

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Jedes Jahr. Jahr, um Jahr, um Jahr. Ohne Fruchtwechsel. Immer Mais. Immer Gänse. Für den, der es noch nicht wissen sollte: Mais ist ein Starkzehrer, der dem Boden viel Stickstoff entzieht und deshalb viel Dünger benötigt.

Wir sind aus diversen Gründen keine Kunden dieses Herstellers, für meinen Mann war es wichtig, sich mit dieser Möglichkeit vor Ort noch ein weiteres eigenes Urteil zu bilden. Der Hof selber ist, da er in einer leichten Senke liegt, nicht ohne Weiteres einsehbar, es sei denn, man besucht ihn direkt. Das erste was auffiel, war nicht das auf der Homepage angepriesene (ich zitiere) “ … schnattert das Geflügel auf dem … fröhlich um die Wette …“ sondern ein unglaubliche Ammoniakwolke, die über, auf, um das Gehöft lag. So stark, dass wir allein schon deshalb noch nicht einmal ein Biomilcheis hätten essen wollen, das dort ebenfalls angeboten wurde. Zur Hofbesichtigung kamen wir durch eine große Halle, in der viele Leute saßen und alles mögliche aßen, was dort angeboten wurde, vorbei an einem Podest mit der Bitte, der Herr möge den Bauernstand segnen.

Aus der Halle hinaus, ging es an einigen kreativen Ausstellern vorbei und die ersten Vögel die wir trafen, war dieser stolze Puter mit zwei Puten:

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“ … Um einen vollkommenen Geschmack zu erzielen, achten wir in erster Linie auf eine artgerechte Aufzucht und Tierhaltung. …“ 

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Artgerecht?! Diese drei Puten waren die, denen auf dem ganzen Hof am nächsten gekommen werden konnte. Waren tatsächlich diese drei erbarmenswerten Kreaturen die drei schönsten des ganzen Hofes? Der Hahn tat sein bestens, um seine zwei Hennen zu schützen, die zwei Hennen hechelten und ihre Schnäbel waren offensichtlich kupiert.

Die nächsten Puten waren, obwohl es ein heißer Sommertag war, alle unter Dach und Fach zu finden:

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Kaum vorstellbar, aber hier war der ätzende Ammonikgestank noch sehr viel schlimmer als überall sonst auf dem Gelände und ja, dieser kann u. a. auch bei Puten zu Schleimhautreizungen führen, nicht nur bei uns Menschen. Nein, so sehen keine natürliche gewachsenen, sondern gekürzte Putenschnäbel aus:

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Müsste ich so eingezwängt leben, in solchem Gestank, würde auch ich wohl damit anfangen, mit meinem Schnabel um mich zu hacken, wenn alles zuviel wird. Wie Hohn klingt es da, dass es noch immer Ausnahmen von der Regel gibt und ein Forschungsprojekt zur Reduktion von Federpicken und Kannibalismus in der Putenhaltung.

Ob sich all die vielen Esser das auch alles selber angesehen haben oder war es für die nur wichtig, sich mit BilligBilligViel den Bauch vollzuschlagen? Viele Leute liefen nicht über den Rundweg zu den Puten und den nicht glücklicher oder sehr viel gestankfreier gehaltenen Gösseln:

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Ich konnte meinen Tränen schon ab den Puten nicht mehr zurückhalten. Der Herr segne einen solchen Bauernstand bitte nicht, der kann sich selber helfen, sondern diese armen, rechtlosen Geschöpfe, die dazu nicht in der Lage, sondern ihrem Schicksal gegenüber hilflos ausgeliefert sind.

Seit mehr als einer Woche schreit alles auf wegen des Eierskandals und wie kriminell das ist, aber warum erst jetzt? Ist ja nicht schwer, sich zu informieren und sich mal selber ein eigenes Bild zu machen. Zutatenlisten zu lesen, sich mit Herstellern zu unterhalten und nicht einfach nur zu konsumieren, was sich zum Konsum anbietet.

Ihr habt Angst vor multiresistenten Krankenhauskeimen? Dann denkt mal drüber nach, was Ihr Eurem Körper u. a. mit antibiotikagepantschtem Qualfleisch zufügt, mit Lebensmittelzusätzen und -additiven, mit en masse Plastikverpackungen, Fast- und Conveniencefood!

Kauft nicht alles sang- und klanglos beim Discounter, wenn Ihr in der Lage seid, Euch andere Hersteller finanziell leisten zu können, denn auch die sind mit ihrer Preisdrückerei an solchen schrecklichen Auswüchsen schuld! Zeigt Euren Kindern, wo und wie Obst und Gemüse wächst, wo das Milch, der Käse, die Wurst, das Fleisch herkommen. Verwertete alles, nicht nur die besten Stücke und werft den Rest nicht einfach weg. Das macht schon die Lebensmittelindustrie und hat somit z. B. die einheimische Geflügelzucht in Afrika nachhaltig geschädigt. Ein solches Verhalten ist in höchstem Maße pervers und dekadent. Euch und gerade den Menschen gegenüber, die sich nichts anderes leisten können.

Und macht Euch endlich klar, dass wir hier in unserem Land wie Fettaugen auf der Suppe schwimmen, die die Welt ausmacht und dass dieses ständige Konsumieren, dieser perverse Überfluss in dem wir leben, nicht endlos so weiter gehen wird. Unsere natürlichen Ressourcen für dieses Jahr haben wir bereits am 2. August 2017 aufgebraucht.

Unsere Ressourcen fangen bei einer solchen „Kleinigkeit“ wie einem Ei an …

Freibad statt Friedhof

Mir träumte von einem Freibad, dort wo in Wirklichkeit der Friedhof ist, unter alten, knorrigen Bäumen, denen langes Moos von den Ästen hing.

Während ich mit einer Taschenlampe eine Stecknadel im Abendgras suchte, saß die Königin von Schweden mit Tochter und Enkeltochter auf einem großen Badetuch beim Picknick und unterhielt sich mit den Besuchern in einem drolligen Deutsch.

„Hoheit“, nickte ich ihr entgegen, ging zum Auto und wachte vom Rollogeklapper auf.

Schwarzstörche. Tatsächlich!

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„Was ist das da vorne auf dem Feld? Reiher? Schwarze Reiher? Halt mal an. Ich muss da mit der Kamera hinzoomen.“

„Sind bestimmt Schwarzstörche.“

„Schwarzstörche? Hier auf dem Feld? Da sind doch Häuser in der Nähe.“

„Ey, nee, Du, ich glaub’s ja nicht! Du hast richtig geraten! Das sind SCHWARZSTÖRCHE! Wie unglaublich ist das denn?“

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Gesehen & unfassbar ungläubig & begeistert bewundert in Bayern. Wo genau sag ich nicht, damit sie weiter in Ruhe auf diesem Feld rumstehen können. Nicht weit weg von Häusern, dabei sind sie doch so scheu, wie wir erst letztens in der tollen Doku über sie gelernt hatten. Hier die Info zu den Wikipedia-Schwarzstörchen, hier eine zur Schwarzstorchberingung und hier noch mehr zum LBV-Schwarzstorch.

Links und in der Mitte zwei juvenile Schwarzstörche, rechts zu unterscheiden durch das schöne Rot ein adulter.

Was für ein einzigartiges Erlebnis!

Wem das alles zuviel „Oooooooh!“, „Aaaaaaah!“, zu begeistert und überhaupt zuviel Info ist, erfreut sich vielleicht an einem defäkierenden Schwarzstorch:

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Und das, obwohl wir wegen der starken Sonneneinstrahlung auf dem Display fast nix erkennen konnten. Aber was mit den Körnern und blinden Hühner funktioniert, das hat auch bei uns geklappt ;).

Museumsnacht im Bauernhofmuseum Illerbeuren

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Am vergangenen Samstag, den 29. Juli 2017, haben wir die zauberhafte Museumsnacht im Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren besucht – es war tatsächlich einer unserer grandiosesten Museumsbesuche überhaupt!

Unseren Rundgang begann mit der Ausstellung im Nattererhof, in der verschiedenste Gegenstände aus vielen Jahrzehnten und den beiden Weltkriegen zu sehen sind. Leider u. a. unvermutet auch eine Büste des unmenschlichen kackbraunen Mörders, der mit seiner kranken Ideologie so viel Leid über ungezählte Menschen brachte, Legionen von Leben grausamst vergeudete und ja, das ist unser aller Geschichte, aber warum ausgerechnet die Büste eines solch Entmenschlichten gerade in einem Bauernhofmuseum? Darüber habe ich noch lange mit meinem Mann diskutiert, es beschäftigt mich noch immer. Letztendlich nehme ich diese Begegnung als ganz bewusste Mahnung und Warnung und als Möglichkeit zu einer noch nicht beantworteten Nachfrage an. Edit: Mittlerweile habe ich eine sehr freundliche, fundierte und ausführliche Antwort bekommen: Wie schon gedacht, steht diese Büste im Gesamtkontext der geschichtlichen Bedeutung und ihrer Gräuel für den Ort Illerbeuren. Es gibt einen begleitenden Ausstellungskatalog worin darauf sehr eingegangen wird. Es ist einfach so, dass ich unvorbereitet davor stand, von dieser Ausstellung im Vorfeld gar nichts wusste und deshalb in keinster Weise mehr rational, sondern nur noch emotional reagierte. Ich bin sehr froh, dass ich all das in eine Email gepackt und darauf eine wirklich keine Fragen mehr offen lassende Antwort bekommen habe und die Ausstellung im Nachhinein noch einmal in einem ganz anderen Licht sehe.

Sehr nachdenklich stand ich wieder im Freien und das fröhliche Lachen und Lärmen der vielen Kinder auf dem Gelände ließ den Zauber des Abends wieder auferstehen. Bis spät in die Nacht hinein begegnete man überall auf dem Gelände Kindern mit ihren Familien: Als Besucher, aber auch als Akteure. Überhaupt gab es sehr viele Möglichkeiten für sie, aktiv zu werden, etwas zu basteln, mehr über z. B. Fledermäuse zu erfahren, selber die Handspindel einer Spinnerin zu drehen, Kinder erzählten Märchen, führten Sportakrobatik vor und vieles mehr:

 

 

Wie an den Bildern zu sehen, hielten wir uns bis spät in der Nacht auf dem Museumsgelände auf und als wir aufbrachen, konnte ich es selber nicht glauben, dass es schon so spät war, den die Stunden dort vergingen wie im Flug!

Jedes der dort gezeigten und liebevoll restaurierten und erhaltenen Gebäude hat seinen ganz eigenen Charme und Reiz. Am besten gefallen hat mir das Woringer Häusle, dessen letzte Bewohnerin die „Junkerin“ genannte Woringerin Maria Wegenerin war, geboren am 05.03.1885, verstorben am 15.03.1977:

 

 

Als es immer dunkler wurde, flatterten Fledermäuse um unsere Köpfe. Ich bückte mich, um etwas näher zu betrachten und wunderte mich darüber, dass wohl plötzlich eine Nonne rechts von mir stand (ich sah nur einen bodenlangen dunklen Rocksaum). Während ich mich aufrichtete, entpuppte sie sich als Sensenmann und ich konnte nicht anders als ihm kichernd zuwinken und meinem Mann auf seine Frage zurufen „Der Tod hat sich gerade an mich heran geschlichen!“ – als ich mich noch immer lachend wieder zu ihm umdrehte, war er allerdings schon wieder verschwunden.

Voller Schönheit und Magie waren die Künste der Feuerakrobaten:

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Eine warme Sommernacht voller Lachen, Klingen, Lernen, Flirren, Geschichten, Leben und Schönheit.

 

 

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Kässpatzenblues

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Gibt es ein allgäuerischeres Rezept als Kässpatzen mit Röstzwiebeln?

Gibt es ein anderes adäquates allgäuerischeres Gericht für mich?

Na, füa mi ned!

Spätzle selber kochen und Lage für Lage mit kräftigem Bergkäse, Emmentaler, Weißlacker, Romadur und/oder einem Gemisch aus diesen Käsen abwechseln, im Ofen noch einmal hochziehen und zum Abschluss mit frisch geschmälzten goldgelben Röstzwiebeln bedecken.

Bayrischer Genusshimmel. Da brauch ich nichts anderes mehr!

So einfach, aber auch so einfach zu verhunzen.

Da freute ich mich einen ganzen Tag schon darauf, am Abend in einem wunderbaren Biergarten auf über 900 m Höhe mitten im Allgäu einzukehren, um einen dampfenden Teller dieser Alpenköstlichkeit serviert zu bekommen und dann das:

Drauf Röstzwiebeln, ganz frisch aus der Tüte und drunter lauwarm lätschige Spätzle in einer Käsebechamelsoße und die auch noch eindeutig zu kurz gekocht, denn sie schmeckte nur nach einem: Mehl. Und Fäden ließen sich auch nicht ziehen – ein wahres Kässpätzlesakrileg!

Was für eine kulinarische Enttäuschung.

Aller schlechten Dinge im Laufe der Jahre sind/waren drei, auch bei Kässpätzlen:

Das erste miese Mahl waren Spätzle aus Kartoffelmehl in einer Gaststube in Bad Wimpfen, die es zu Recht nicht mehr gibt. Das allermieseste Mahl war in einer Gaststätte samt angeschlossener Metzgerei in Regen, das meiner Schwiegermutter und mir Darmodrom allererster Kajüte bescherte und nun diese laffe Allgäuteller.

Der Schuster soll ja bei seinem Leisten bleiben und so bleibe ich ab sofort meinem eigenen Spätzlehobel treu, bis ich mich vom Gegenteil überzeugen lasse und noch einen vierten Versuch starte, vom dem ich mir momentan aber nicht mal mehr vorstellen mag, dass und wann er kommen könnte.

Wir haben uns auf jeden Fall mit erstklassigen Käsen aus Allgäuer Privatkäsereien versorgt.