Gelesen: „Die juten Sitten – Goldene Zwanziger. Dreckige Wahrheiten“

von Anna Basener.

Die Goldenen Zwanziger im vergangenen Jahrhundert ohne Schönfärberei. Unverblümt, dreckig, im Bodensatz angekommen.

Mensch neigt ja dazu, alles was nur lange genug her ist, was nicht selbst erlebt wurde, zu glorifizieren und sich schön und glänzend zu träumen. So wie es die 1920er Jahre für all die waren, die keine Geldsorgen hatten, fließend Wasser, Elektrizität und nicht mehr in einen Nachttopf unter dem Bett scheißen mussten.

Die Goldenen Zwanziger waren mitnichten Charleston, Bubikopf und freie Liebe über allem, sondern im Guten und Schlechten noch viel mehr.

So wie für Hedi, die Heldin der Geschichte, die in einem Bordell aufwächst und dort im Alter von 8 Jahren von Anita Berber die Weihen des Substanzkonsums erhält.

Oder ist Euch bewusst, dass es ganze Gruppen obdach- und familienloser Jungen von bis zu unter 10 Jahren gab, die sich prostituierten, um überleben zu können? Na, da wirkt dieses Zeitalter doch schon gleich viel weniger glamourös.

Unverblümt portraitierte Heinrich Zille die Lebenswirklichkeit der einfachen Leute. Prägnant, ungefiltert, wahrheitsgetreu.

Ob Hedi eine Chance für ein anderes Leben gehabt hätte, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Gelesen: „Die Henkerstochter und der Fluch der Pest“ (Band 8 der Henkerstochter-Saga)

von Oliver Pötzsch.

Ich lese Romane mit historischem Hintergrund ganz gerne, wobei ich hier im Besonderen mit den Büchern von Edward Rutherford, Noah Gordon und Rebecca Gablé begonnen habe.

Mittlerweile ist diese Sujet ja von einer Flut weiblicher, wunderschöner, superintelligenter, wahnsinniger mutiger und ihrer Zeit weit voraus seienden Superheldinnen in unterschiedlichsten Ausprägungen überrollt worden, womit ich so gar nichts anfangen kann.

Manchmal braucht es nur ein Wort auf dem Klappentext, um mich für das Lesen zu triggern und in diesem Fall war es schlicht und einfach „Kaufbeuren“. Kaufbeuren ist in meiner DNA, ohne Kaufbeuren gäbe es mich nicht, meine liebe G. lebte hier von Alpha bis Omega und ein Teil meiner Familie noch immer. Zum Tänzelfest hingegen habe ich so überhaupt gar keinen Bezug. O. k., ich saß dort das erste Mal in meinem Leben in einer Geisterbahn, aber das war es dann auch schon.

Ich mag den Ort aus vielerlei Gründen, von ganz besonderer Bedeutung aber ist mir sein Klosterberggarten, der in dieser Erzählung ebenfalls eine nicht unwichtige Rolle spielt.

Es gibt so viele unglaublich schlechte Histo-Romane, dieser hier aber von Herrn Pötzsch, der der erste ist, den ich überhaupt von ihm gelesen habe, gehört nicht dazu, sondern zu den besseren.

Besonders gut haben mir (natürlich) seine Kaufbeuren-Anmerkungen zum Schluss gefallen. Ich erlaube mir, seine Tipps um das ungewöhnlichste Kloster, das ich jemals besuchen durfte, zu ergänzen.

Gelesen: „Der Apfelbaum“

von Christian Berkel.

Gleich vorab: Dieses Buch war ein sehr beeindruckender Lesegenuss für mich!

Christian Berkel geht in diesem Buch auf eine sehr persönliche Reise hin zu den Lebenswegen seiner Großeltern, seiner Eltern Sala und Otto und letztlich hin zu sich selber.

Der Roman ist in sehr großen Zügen autobiographisch und in einer wundervollen Sprache ohne Schnörkel geschrieben, die ich überaus schätze. 

Er erzählt nicht nur aus seiner eigenen Perspektive, sondern versteht es sehr elegant, diese Stimme zu ergänzen durch eben die seiner Vorfahren. Er schreibt spannend, emotional, nüchtern. Eindringlich das Schicksal seiner Mutter, die immer wieder flieht, um letztendlich in einem Lager dem Judenhass der Faschisten um Haaresbreite beinah zum Opfer zu fallen, nur um weiter zu fliehen. Er schildert das Schicksal seines Vaters, der aus einfachsten Verhältnissen stammte, in russischer Kriegsgefangenschaft, die er fast nicht überlebt und beschreibt nachvollziehbar, was der Terror der Nazizeit für ihr Leben bedeutete, welche Wunden dadurch in sie geschlagen wurden. Er schreibt ohne Schönfärberei und ohne viele Umstände auf den Punkt genau.

Diese Leben fesseln, machen nachdenklich, mitfühlend – und mich dankbar, diese Zeit nicht durch- und erlebt haben zu müssen.

Gelesen: „Hagebuttenblut“, „Dunkel“, „Park Avenue Killings“

1. „Hagebuttenblut“ von Lina Bengtsdotter

Dieser Krimi ist der 2. Band aus der Charlie Lager-Reihe, wobei ich den ersten nicht gelesen habe, was aber völlig unproblematisch war, denn ich konnte mich auch so gut in diesen spannenden und düsteren Schweden-Krimi und sein open end hinein lesen. Besonders gefallen hat mir, dass er ohne minutiös geschilderte blutige Schlachtgemetzelszenen ausgekommen ist. Mysteriös bleibt die Verflechtung zwischen Kriminalfall und der dramatischen Familiengeschichte der Ermittlerin Charlie Lager.

2. „Dunkel“ von Ragnar Jónasson

„Dunkel“ bildet den Auftakt zur isländischen Hulda-Trilogie. Der Autor Ragnar Jónasson ist übrigens Mitglied der Britischen Crime Writers Association und Mitbegründer des „Iceland Noir“ = dem Reykjavík International Crime Writing Festival.

Dieser Krimi rund um die Kommissarin Hulda Hermannsdóttir ist von Beginn an voller dumpfer Dunkelheit, Verzweiflung und Tragik, die sich langsam aber eindrücklich immer stärker entfalten. Hulda ist eine sehr akribische Ermittlerin, die nichts von vorläufigen Schnellschlüssen hält, sondern stets nach der einzig wahren Antwort auf eine Frage sucht.

Wie sehr sie von ihrer eigenen Lebensgeschichte getrieben ist, auch das wird erst nach und nach bewusst. Das Ende der Erzählung kam als unerwartet schnelle Tragödie  – ich bin mir noch nicht wirklich klar darüber, ob ich das so stehen lassen oder die zwei weiteren Bände rund um sie lesen möchte.

Sehr gut geschrieben, führt und hält einen wunderbaren Spannungsbogen.

3. „Park Avenue Killings“ von Jane Stanton Hitchcock

Naja, nach den beiden wirklich guten Krimis davor, konnte ich dieser Geschichte aus dem High Society-Milieu so gar nichts abgewinnen. Ab ungefähr dem ersten Drittel habe ich jede Seite nur noch ganz kurz diagonal gelesen. Die Schilderungen aus einem übersättigten, ekelerregend durch und durch verlogenen und unglaublich oberflächlichen Luxus-Leben langweilten mich zutiefst, so wie auch der Plot, der mir wie mit einer heißen Nadel gestrickt deuchte. Langweilig.

Kein Vergleich zu „Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber“ von Michaela Karr.

Wann war Stricken jemals wirklich out?

Achtung Werbung: Da ich in diesem Beitrag zum Beispiel diverse Zeitungen erwähne und namentlich verlinke, handelt es sich streng genommen um Werbung. Dieser Beitrag wurde ohne Auftrag geschrieben, ohne irgendeinen Benefit oder sonstige Vorteilnahme. 

„Strick dir was“ mit dem Untertitel „Von wegen von gestern: Stricken ist Trend, erobert die sozialen Netzwerke und wird sogar zur Kunst. Und das nicht erst seit Corona“ erschien unter der Sparte „RNZ Magazin – Lebensart“ in der Rhein-Neckar-Zeitung vom Samstag/Sonntag, 16./17. Januar 2021 – Nr. 12, aus der auch das Foto oben stammt. 

Dieser Artikel erschien seit Dezember 2020 mit kleinen Abwandlungen auch z. B. in folgenden Zeitschriften/Medien:

Berliner Zeitung, Grenzecho, Braunschweiger Zeitung, schwäbische

Vorab möchte ich betonen, dass es mir nicht um ein Personen-Bashing gegen den Journalisten geht, sondern um meine persönliche Meinung zu einigen Zitaten im erwähnten Artikel.

Mich stören diese seit vielen Jahren immer wieder in unterschiedlichen Artikeln kolportierten Plattitüden wie zum Beispiel „… Hobby für die Oma …“, „… Strickdesigner, meistens Männer …“, „… hat ein Erfolgserlebnis … weniger um einen echten Mehrwert …“.

Nun, mittlerweile befinde ich mich tatsächlich in einem Alter, in dem ich als Oma identifiziert werden könnte, denn in diesem waren meine Großmütter und auch meine Mutter bereits solche und sähe mich irgendwer stricken und würde dann ausrufen „Da, eine Strick-Oma“, dann wäre das per se eine Annahme, der ich dann nur persönlich widersprechen könnte :).

Ich stricke aber nicht, weil ich eine Oma sein könnte, sondern weil ich, einmal damit angefangen, seit nunmehr weit über 40 Jahren, nicht damit aufgehört habe. Nicht, weil es mir das Gefühl einer Befriedigung verschafft, sondern – Achtung, schockierend – einen Mehrwert dadurch, dass ich alle meine Werke, zumindest die, die für mich sind, auch trage. Alles fing an mit einem selbst ausgesuchten mehrfarbigen Fair-Isle-Pullunder als Projekt im Handarbeitsunterricht in der 8. Klasse, den mir noch nicht mal meine eigene Mutter zutraute und es hörte seitdem nicht mehr auf. Erste Strickversuche fanden allerdings unter Anleitung meiner Oma mit dem Blumennamen bereits sehr viel früher statt, die bis zu ihrem Lebensende die Stricknadeln nicht zur Seite legte. 

Nach dem ersten Pullunder folgte ein weiterer, eine Weste und mein erster Pullover:

Alles über sehr viele Jahre getragen, so wie alle meine Kleidungsstücke, denn dafür, was in der Mode gerade „In“ oder „Out“ war, habe ich mich noch nie interessiert.

Mit dem Stricken ist es wie mit allen Hobbys: Mal gibt es mehr, mal weniger Begeisterung dafür. Für Viele aber ist es so, dass sie ihren Leidenschaften, einmal damit angefangen, treu bleiben, ganz egal und unabhängig von modischen Strömungen und Meinungen.

Ja, auch ich gehörte zu denen, die in den „… 1970er und 1980er Jahren …“ strickten, auch im Unterricht und anderswo in der Öffentlichkeit, aber eben nicht nur dort und nein, „… das so gut wie alle strickten …“ war auch damals nicht so. Man hat es z. B. in der Schule oder in Diskussionsrunden akzeptiert, wenn man das Strickzeug auspackte, was aber noch lange nicht heißt, dass es drumherum nicht immer auch die gegeben hätte, die darauf mit Hohn und Spott reagiert hätten. Ich weiß, dass damals auch Männer strickten, in meinem durchaus großen Bekannten- und Freundeskreis in dieser Zeit fand sich allerdings kein einziger.

In den 1980er Jahren gab es tolle Wolleläden mit einem großen und sehr guten Angebot, was zu Beginn der 1990er Jahre leider schon nicht mehr so war, sodass ich damals die Garne für Strickstücke für meine Kinder zum großen Teil aus Wollekatalogen von z. B. Bergère de France bezog. Ich strickte mich so weiter munter durch einige Aufs und Abs der Strickleidenschaft, ohne jemals damit aufzuhören und 2003 war es soweit, dass ich die ersten Strickblogs im www entdeckte und sich mir so völlig neue Welten, Möglichkeiten und Bezugsquellen eröffneten. 2004 begann ich selber zu bloggen und dann ging es 2007 (in diesem „… sozialen Netzwerk …“, also bei ravelry, bin ich seitdem mit dabei und das sind mittlerweile 14 stramme Jahre – nicht schlecht für eine Strick-Oma) mit der Einführung von ravelry und ab 2009 mit den Wollmärkten so richtig steil ab. Diese Welle hielt sich für viele Jahre und flachte dann tatsächlich wieder etwas ab (sic!).

In diesen Jahren habe ich viele tolle HandfärberInnen und DesignerInnen kennerlernen dürfen und nein, das sind mitnichten meistens Männer. Natürlich gibt es tolle Strickdesigner, aber eben nicht nur, und wenn man so etwas kolportiert, tut man den nicht minder begabten, hervorragenden Strickdesignerinnen bitter Unrecht. Vielleicht schreibt man so etwas auch, um politisch korrekt zu gendern, aber hey, so lange man das laufend betonen muss, ist eine Gleichberechtigung auch immer noch nicht erreicht! Bei einem tollen Design ist es mir völlig wumpe, ob es von einem Mann oder einer Frau stammt. Das sind meine 5 Cent zu diesem Thema.

Stricken hat auch schon seit sehr vielen Jahren seinen Weg in die Kunst gefunden – ganz herausragende Kunst sogar, wie beispielhaft die von Madame Tricot und Katharina Krenkel. So ad hoc fällt mir auch gar kein männlicher Künstler ein, der sich in und mit seinen Exponaten so ausführlich mit Garnkunst auseinander setzt. Beispiele dafür nehme ich sehr gerne in den Kommentaren auf und verlinke hier im Text entsprechend.

Eines aber hat sich bei mir in den vielen Jahren Handarbeitslust doch geändert: Mit wachsenden Erfahrungen und Fertigkeiten wurde ich immer mehr zum selbsternannten Woll-Snob, denn das Stricken mit und aus reinen Kunstfasern lehne ich mittlerweile komplett ab – u. a. aus Gründen der Nachhaltigkeit. Ich liebe es, mit reiner Wolle zu stricken, gerne mit Vorgarn sowie wie auch mit für manche kratzige, störrische, grobe Garne. Der Gedanke, dass meine Strickwerke so irgendwann einmal ganz normal vergehen, gehört für mich zum Leben dazu. Besonders intensiv getragene Strickstücke werden halt einfach fadenscheiniger und irgendwann so sehr, dass sie nicht mehr zu retten sind. Ein weiterer Punkt dazu: Wenn schon Strickguerilla, dann nicht aus wind- und wetterfesten, lange haltbarem Polygarn, sondern nur aus reiner Wolle. Ja, die schießt ab mit der Zeit, löst sich auf, Vögel aber zum Beispiel können so die Fasern problemlos für ihren Nestbau verwenden.

Ich wünschte mir wirklich mehr Artikel über das Stricken oder andere Leidenschaften, über das Selbermachen zu lesen, in denen die oben erwähnten Stereotypen nicht mehr verwendet werden und in denen man nicht das Gendern hoch hält, sondern ganz unprätentiös darüber berichtet, indem man zum Beispiel mehr über regionale Aktionen, HändlerInnen, FärberInnen, SelbermacherInnen berichtet und über ihre Hintergründe, ihre persönlichen Werdegänge, ihre Visionen, Wünsche, Erfahrungen, ohne Kritisches auszublenden.

Das wäre wirklich schön, ganz reelle und vor allem sachlich fundierte Berichte/Reportagen lesen und so den eigenen Horizont erweitern zu können.

„Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen!“

„Kreative und kulinarische Ideen für den Tannenbaum nach den Festtagen“ von Sindy Grambow

Achtung, das ist Werbung: Und zwar eine völlig unabgesprochene, unverlangte, eine ohne jegliche Gegenleistung – schlicht und einfach die Werbung für ein herrliches Buch, das mich voll und ganz überzeugt,  bereichert und begeistert!

Dass ich dieses Buch mit einem Zickl gewonnen habe, darüber hatte ich bereits in meinem Uff! geschrieben. Eigentlich wollte ich darüber auch schon wieder in der Zeit geschrieben haben, wo die meisten Weihnachtsbäume noch in den Wohnungen standen, aber die Entzündung in meinem Kiefer hat mich in den vergangenen Tagen so ausgeknockt, dass ich die Chance dazu noch an diesem Wochenende ergreifen möchte, bevor der nächste Termin ansteht, von dem ich ahne aber noch nicht weiß, wie er ausgehen wird.

So, nun aber zu Sindy und zu ihrem Blog Unkrautgourmet – es muss wohl so gegen Ende 2014/Anfang 2015 gewesen sein, als ich ihr, der Diplombiologin, Streuobst-Pädagogin und UNESCO Geopark-vor-Ort-Begleiterin dort zu folgen begann.

Ich liebe Handarbeiten, genauso groß aber ist auch meine Liebe zur Natur direkt vor der Haustür. Ganz egal wo auch immer mein Leben mich hinführte, das, was mich vor der Haustür umgab, das, was es vor der Haustür zu entdecken, gab, das, was vor der Haustür in der Natur wuchs, das war schon immer von allergrößter Wichtigkeit für mich. Meine Kraftorte, die sind direkt mit Wäldern verbunden. Meine Liebe zur Natur sog ich gleichsam mit der Muttermilch auf, denn der Respekt davor, die Freude darüber, die war immer vorhanden, wurde gleichsam gefordert und gefördert. 

Mein Mann und ich gehen seit Jahren immer wieder zu regionalen Naturparkmärkten, da wir es für wichtig und richtig halten, regionale Erzeuger und Hand-in-Hand-mit-der-Natur-Einhergehende zu unterstützen und zu erhalten, so wie unbedingt auch die für den Naturschutz unerlässlichen Streuobstwiesen. Wer Obst nur aus dem Supermarkt kennt, der weiß gar nicht, wie wundervoll ganz besonders alte Apfelsorten schmecken, bei denen es ganz bestimmt nicht einzig ein perfektes Aussehen war, aufgrund dessen sie einmal gezüchtet worden sind. 

Und beim Thema Streuobstwiesen bin ich auch wieder ganz schnell zurück bei Sindy und der Draußenschule Ladenburg und dann auch bei Ihrem Zweitblog Musik der Pflanzen

Und nun zur Besprechung von „Schatz, ich hab den Weihnachtsbaum aufgegessen!“:

Erschienen ist das Buch 2020 und kann unter der ISBN: 9-783-752-62787-9 zum VK von 16,99 € bestellt werden. Ein Link dazu findet Ihr direkt oben rechts auf dem Blog Unkrautgourmet

Eines solltet Ihr aber unbedingt beachten: Sammelt nicht einfach wild in der Natur darauf los, denn die hochgiftige Eibe kann ganz schnell mit einem essbaren Nadelgehölz verwechselt werden. Und beim Thema Weihnachtstannenbaum ist es eh für Umwelt und Gesundheit am allerbesten, einen aus pestizidfreiem Anbau zu wählen. 

Meine Empfehlung deshalb: Lest als erstes das Kapitel 5 „Wichtige Hinweise … die der eigenen Sicherheit dienen“ auf Seite 85!

Der Buchtitel selber kann, darf, muss ganz wortwörtlich genommen werden, denn nach einer allgemeinen Einführung finden sich darin leckere Tannenbaumverwertungsrezepte, angefangen von Gewürzen, über Punsch und Sirup bis hin zu Suppe, Hähnchen, Gebäck, Brot und Dessert. 

Aber nicht nur die Kulinarik ist bestens bedient, auch die Kreativität kommt nicht zu kurz, denn was schmeckt, eignet sich natürlich auch z. B. für gesunde Cremes, Bäder und Inhalationen. Ganz zu schweigen davon, wie hübsch so ein geschnitzter Quirl aus einer Tannenbaumspitze ist – ich habe das vor Jahren mal selber ausprobiert und weiß deshalb, dass so ein Quirl toll in der Küche funktioniert, aber auch als kleine Rankhilfe für Pflanzen. 

Der Weihnachtsbaumstamm kann zu einer Bienennisthilfe umfunktioniert werden, aus den Ästen werden Knöpfe und noch anderes sehr nützliches, das unbedingt Lust auf mehr und darauf macht, alles selber auszuprobieren. 

Das Buch hat ein für mich sehr angenehmes Format, das ganze Design und die schönen Fotos darin sind sehr wertig und ansprechend gestaltet – ich empfinde es als absolut authentisch und in keinster Weise aufgesetzt oder gar effektheischend. Ich blättere immer wieder gerne darin, wälze Pläne, habe einfach eine sehr große Freude daran. 

Ich wünschte mir, dass es mehr von solchen Büchern gäbe, ohne pädagogisch erhobenem Zeigefinger, die einfach eine unvoreingenommene Lust auf Mit- und Nachmachen wecken. 

Damit bekommt man 100 % Sindy und von mir eine absolute Kauf-, Lese- und Umsetzungsempfehlung! 

Gelesen: „Gerta. Das deutsche Mädchen“

Durch die für mich bisher beste Dokumentation zu diesem Thema „Vertreibung – Odsun: Das Sudetenland„, abrufbar über die Verlinkung zum MDR, wurde ich auf das Buch „Gerta. Das deutsche Mädchen“ von Kateřina Tučková, deren Homepage ich hier ebenfalls als Verlinkung einfüge, aufmerksam. 

Dieses Buch mit seinen 547 Seiten konnte ich fast nicht mehr aus den Händen legen. Fast deshalb, weil ich es manchmal doch musste, weil der Inhalt, den sie bergen, mich zu stark belastete, um noch weiterlesen zu können. Die Lebensgeschichte von und um Gerta verfolgte mich bis in meine Träume. 

Unfassbar, wie intensiv Kateřina Tučková dieses (fiktive) Leben so intensiv beschreiben konnte, ohne all dies Schreckliche selbst erlebt haben zu können – so wie es eben halt nur wahre LiteratInnen können, zu denen sie definitiv gehört – ich kann mich vor ihr und ihrem Werk nur dankend verneigen.

Seit Jahren schrieb ich auch in meinen alten Blogs über die Familiengeschichte meiner Mutter wie z. B. hier am 30.08.2015:

Flucht

Meine Mutter war fünf Jahre, als ihre Familie vertrieben wurde. Zwei dramatische Fluchten später in einem Auffanglager, sagten die Amerikaner meiner Großmutter, dass sie und ihre fünf Kinder nicht bleiben könnten. Sie waren nicht die einzigen dort, die am Ende ihrer Kraft waren, nicht mehr konnten und letztendlich doch blieben. Mein Großvater fand zu ihnen und sie kamen nach Buchloe. Für viel Geld wurde ihnen dort eine zweizimmrige Holzbude ohne Isolation, Strom, fließendes Wasser verkauft. Wohl gemerkt, schön im Vertrag festgehalten, nur die Bude, nicht das Grundstück. In dem Raum mit der Küche gab es einen Herd, die Kinder, wie meine Mutter, die das Pech hatten, im anderen Raum schlafen zu müssen, sahen im Winter morgens beim Aufwachen ihren zu Raureif gefrorenen Atem an der Holzwand. Bis in den Herbst hinein ging meine Mutter ohne Schuhe in die Schule. In eine Schule natürlich, die streng nach Konfessionen geteilt war: Die Katholiken in der einen Hälfte, die Evangelischen in der anderen. Ja, die Religion wurde in Buchloe hoch gehalten, was jedoch nicht daran hinderte, dass diejenigen Erwachsenen und Kinder, die das Glück hatten, ihre Heimat nie verlassen zu müssen, meiner Mutter, ihren Geschwistern, ihrer gesamten Familie nicht nur „Huraflüchtling“ nachzurufen. Das riefen Deutsche Deutschen nach. An sowas erinnert man natürlich nicht gerne: an das Leid der Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg, noch viel weniger an das der nach dem 1. Weltkrieg. Heute weiß man, dass solch schwere Traumatisierungen sich bis in die 3., 4. Generation danach ziehen. Ein interessantes Thema und eines, bei dem es sich lohnt, sich damit auseinander zu setzen. 

Für meine Mutter hieß das, dass wir mit ihr in ihre alte Heimat gefahren sind, ihr Geburtshaus fanden, stundenlang miteinander über all das geredet haben. 

Und obwohl ich all das nicht selber erlebt habe, war es doch für mich in gewisser Weise ein Heimkommen, das mich hat verstehen lassen und auch mir ganz viel Ruhe und Freude geschenkt hat. 

Auch mein Vater musste mit seiner Familie fliehen, ebenso die Familie meines Schwiegervaters. Alles Vertriebene, Flüchtlinge. Manche von ihnen, durch das, was passierte, das Leben lang wurzel-, heimatlos. 

So, wie die Menschen, die jetzt ihr Heil in der Flucht suchen.

Nicht mehr und nicht weniger. 

Und die Menschen, die sie jetzt mit Schimpfwörtern, Drohungen oder Brandsätzen empfangen, wie viele von denen sich wohl gar nicht bewusst sind oder es gar nicht wahrhaben wollen, dass ihre Eltern, Großeltern, Urgroßeltern genau das waren: Vertriebene und Flüchtlinge!

Und wie sich wohl die fühlen, die hier ankommen, sich hier am Ziel wähnen, nur um dann in vom Hass verzerrte Gesichter zu sehen, mitzuerleben, wie gegen sie aufmarschiert wird?

Beschäftigt Euch endlich mit Eurer eigenen Geschichte!

So, wie Greta tschechische und deutsche Wurzeln hat, so hatte die Familie meiner Mutter tschechische und deutsche Wurzeln, sprachen sie deutsch und tschechisch, was aber während des Wüten des Odsun niemanden mehr interessierte. 

Drei Jahre hintereinander fuhren wir im Sommerurlaub gemeinsam mit meiner Mutter und auch meiner Schwiegermutter ins Riesengebirge und mieteten uns dafür in ein Ferienhaus in einem kleinen Ort in der Nähe von Jablonec nad Nisou, dem ehemaligen Gablonz an der Neisse, in dem wir uns jedes Mal im Haus und im ganzen Ort sehr wohlfühlten. Wir waren nicht auf der Suche nach dem Städtischen, nach Mondänem, nach herausragend Besonderem, sondern nach dem Ursprünglichen, der Geschichte, den Wurzeln halt. Die Vermieter unseres Ferienhauses wohnten in ihrem eigenen gleich nebenan, waren sehr freundlich und unterstützend und trotzdem war bei unserer Vermieterin, die ungefähr in meinem Alter war, eine kühle, nicht unfreundliche, aber im Gegensatz zu ihrem Mann, doch kühle, merkliche Distanz zu spüren, die ich nicht verstand. Sie sprach ausschließlich Tschechisch und so führte ihr Sohn, ungefähr im Alter unserer Kinder, unglaublich sympathisch, aufgeschlossen und fröhlich, alle Gespräche auf Englisch mit uns. Im zweiten Jahr bei ihnen, fragte er uns, ob wir gerne seine Großmutter kennenlernen würden, worauf wir uns natürlich freuten und es stellte sich heraus, dass sie deutsche Wurzeln hatte. Sie unterhielt sich in ihrer Muttersprache sehr charmant mit uns erzählte, wie das Leben früher hier bei ihnen war, bevor dieser schreckliche Krieg mit seinen Folgen alles zerstörte. Ihre Tochter war an diesem Nachmittag mit dabei, kühl distanziert, um Abstand bemüht, das genaue Gegenteil ihrer sehr herzlichen Mutter, die an diesen Stunden so viel Freude hatte und dies immer wieder sagte. Sie entschuldigte sich dafür, dass ihre Tochter das Deutsche nicht verstehen und sprechen könnte, aber dem maßen wir gar nichts negatives bei, das war einfach so.

Nun, nach dem Lesen dieses Buches, ist mir auf einmal klar, warum das so war, warum unsere Vermieterin so freundlich und doch so distanziert war: Welch ein Stigma den in Tschechien verbliebenen Deutschen und auch ihren Kindern in den Jahren nach dem Krieg anhaftete, davon hatten wir keine Ahnung, das war uns leider so gar nicht bewusst. Erst die 3. Generation, die Generation ihres Sohnes, die begreift sich weder als nicht dazu gehörend, noch werden sie als nicht dazugehörend begriffen, so wie es das Buch beschreibt. 

Ich wünschte, mir wäre das alles in diesen Jahren bereits bewusst gewesen. 

So gab es auf unserer Seite leider nur ganz subjektiv die Erfahrungen meiner Mutter, ihrer Familie. Auf der anderen Seite aber bei mir, die ich doch die ersten Male hier war, unglaubliche Momente der Freude, trotz der Tränen, die meine Mutter und ich an dem Tage gemeinsam geweint haben, als wir tatsächlich vor ihrem Geburtshaus standen und klar war, dass ich es im Vorfeld tatsächlich über virtuelle Land- und Straßenkarten gefunden hatte. An diesem Tag wurden mir voller Glück und ganz deutlich meine Wurzeln sichtbar, die ich für verloren hielt. Nein, sie sind nicht verloren, sie sind da und die Freude seit diesem Tag ist bisher nicht um einen Millimeter weniger geworden! Ich liebe den melodischen Klang des Tschechischen, der mich irgendwo tief verborgen drinnen berührt und rührt, was vielleicht an meinem Urgroßvater Wenzel liegen mag, dem fünffachen Familienvater, den sich Gott, Kaiser, Vaterland nicht scheuten für das K.u.K.-Reich im 1. Weltkrieg zu verheizen. Schon bevor wir zu unserer ersten Reise aufbrachen, legte ich mir ein Wörterbuch zurecht und versuchte, mir wenigstens die wichtigsten Sätze in Tschechisch zu merken, auch wenn ich sie immer wieder nicht korrekt aussprach, was oft für große Heiterkeit beim Gegenüber sorgte :). Meine Mutter beharrte bis zu diesem Tag stock und steif darauf, dass sie niemals Tschechisch gesprochen habe, was ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, aber so hin nahm. Ab dem ersten Überqueren der Grenze aber, da sprudelten zu ihrer eigenen, allergrößten Überraschung und zu unserem Amüsement aber auf einmal immer mehr tschechische Wörter aus ihr heraus und die Frage einer möglichen Zweisprachigkeit war ein für alle mal geklärt. 

Mein Papa wurde zwar nicht im Sudetenland geboren, wohl aber mussten meine Oma, sein Bruder und er von dort unter dramatischen Umständen fliehen. Im Gegensatz zu meiner Mutter hat er das aber niemals thematisiert und vieles davon trat deshalb leider erst nach seinem Tod ans Licht und ich bin mit der Aufarbeitung noch lange nicht da angelangt, wo ich mit der Geschichte meiner Mutter bin. 

Die Familie meiner Mutter fand nach einer langen Odyssee im Allgäu einen Ankerplatz, das so zu einem Teil meiner ureigenen Heimat wurde und worüber ich immer wieder mal schreibe und worüber ich auch weiterhin schreiben möchte:

Ich bin ganz bei Kateřina Tučková und all den anderen, die sich dafür engagieren, dass Tschechien und Deutschland sich auf einer ganz anderen, einer ganz neuen Ebene, ohne jegliches revanchistisches Gedankengut und jenseits jeglicher Forderungen auf einer freundlichen, friedlichen, gemeinsamen, freundlichen Ebene auf gegenseitiger Augenhöhe begegnen mögen. Was nicht heißt, dass man sich nicht radikal jegliches Unrecht zugestehen lassen muss, es zugeben sollte. Nur so kann man sich offen die Hände reichen, sich umarmen und gemeinsam in die Zukunft gehen.

Die vier letzten Bücher des Jahres

fallen definitiv unter die Rubrik „Die Letzten werden die Ersten sein“ :)!

Zu Beginn des Jahres hatte ich mir vorgenommen, über jedes einzelne gelesene Buch etwas zu schreiben – nun ja, solche Vorhaben sind ja in Wirklichkeit eh dazu da gebrochen zu werden. Was soll’s also, schreib ich halt, mal abgesehen von den Büchern, bei denen ich noch mitten drin bin (jajaja, ich lese schon immer mehrere gleichzeitig, das ist soooo ein alter Hut …), über die vier Bücher, die ich als letztes wirklich fertig gelesen habe in diesem Jahr:

  1. Blutige Nachrichten von Stephen King:

Dieses Buch umfasst die vier Kurzgeschichten „Chucks Leben“, „Mr. Harrigans Telefon“, „Ratte“ und die titelgebende „Blutige Nachrichten“. Letztere gefiel mir sehr gut, da ich seine Heldin Holly Gibney sehr mag. Richtig tief in mir kleben blieb allerdings seine erste „Chucks Leben“, die mich noch immer beschäftigt. Ich werde nie dazu neigen, ganze Buchinhaltsrezensionen aus mir heraus in den Blogbeitrag zu drücken, weil ich davon überzeugt bin, dass meine Meinung immer subjektiv ist und somit nicht ausschlaggebend sein sollte, ob man ein Buch lesen – und vor allem selbst erleben sollte (deshalb keine Ausführungen zu den Inhalten) – oder nicht. Ein Satz ist es, der mich beschäftigt seither:

Mit dem Tod eines jeden Sterbenden stirbt immer eine ganze Welt.

Das ist ein philosophisches Kawumm, dessen Tragweite mir das erste Mal so prägnant wirklich bewusst wurde. Darüber lohnt es sich nachzudenken, diesen Satz in sein Leben einzubauen und für mich war es absolut lohnenswert, das in eine Geschichte gefasst erlesen zu dürfen. Deshalb eine absolute Leseempfehlung.

  1. Vox von Christina Dalcher:

Eine erdrückende Dystopie von einer Eindringlichkeit, die nach und mit den Erfahrungen des ekelhaft Orangenen und seinen höllischen evangelikalen Verquickungen in den USA eine ganz eigene Brisanz bekommt und leider auch mit heftigem Sturzerbrechen einhergehende Vorstellbarkeit erhält. Ich werde nie zu den Menschen gehören, die sich darin suhlen, alles das, was auf Listen steht bis ins kleinste Klein zu sezieren, was Empfehlungen und Begeisterungen erhält, aufgrund der selbst ernannten Intelligenzia abzulehnen. Deshalb erfolgt hier dann doch (sic!) einfach ein ganz einfaches LESEN! als Empfehlung und drüber reden – wer will schon zum Verstummen gezwungen werden?

  1. Das Seidenraupenzimmer von Sayaka Murata:

Ja, mit dem Lesen japanischer Literatur hat das bei mir einfach die Bewandtnis, dass ich mich in diese mir so fremde Kultur auf irgendeine Art und Weise einfühlen möchte, was ich seit Jahrzehnten so halte, was aber nichts daran ändert, dass mir sehr viele dieser Kulturaspekte trotzdem weiterhin fremd bleiben. Was nichts daran ändert, dass Japan mit all seinen Facetten mir ewiglich ein reiches, spannendes, fremdes, abenteuerliches, phantastisches, unerreichbares Faszinosum (zumindest wohl in diesem Leben) bleiben wird.

Wohl an: Dieser Roman blieb mir (und ich las schon viel Absonderliches) dann doch so absonderlich, dass er zu sehr schwer verdaulicher (Haha) Kost wurde. Nein, ich konnte und kann darin nichts Lustiges entdecken. Hier ist nichts simpel, sondern von Beginn an tragisch und von einer abstrusen Scham, Trauer, Verzweiflung, Verwirrung, Einsamkeit und Hilflosigkeit durchwirkt. Diese Erzählung bietet keine Antworten, wohl aber gesellschaftskritische Fragestellungen en masse und die nach Sinnhaftigkeit sowieso. Kann man durchaus lesen, auf leichte Kost aber sollte man nicht vorbereitet sein.

  1. Dry von Neal und Jarrod Shusterman

Noch eine Dystopie – eine die mich total mit sich gerissen hat.

Und ein harter, ein sehr harter coming of age-Roman, den ich kaum aus der Hand legen konnte. Nicht umsonst nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2020! Und von der Jugend mal abgesehen: Ein wirklich guter Roman, wenn man jene bereits auch schon sehr lange hinter sich gelassen hat, aber noch durchaus dazu in der Lage ist, sich in die Gemütslagen dieser Zeit zu versetzen.

Es geht um einige Tage einer absoluten Wasserknappheit und wie diese innert kürzester Zeit die Masken der Humanität von den Gesichtern reißt und die Protagonisten vor schwere Entscheidungen stellt, die sie sich vor all dem, auch trotz mancher Vorbereitung, in dieser letzten Konsequenz vorher nicht vorstellen konnten.

Keine Fantasy, sondern so durchaus im Rahmen des Möglichen denkbar.

Eine Warnung, eine Mahnung und ein Fanal des Menschseins.

Lesen!

Gelesen: „Die Kunst des Feldspiels“

von Chad Harbach.

Vor diesem Buch habe ich mich nicht zu Baseball hingezogen gefühlt, verstanden habe ich es erst recht nicht.

Nach diesem Buch fühle ich mich auch weiterhin nicht zu Baseball hingezogen, verstanden habe ich es immer noch nicht.

Egal, macht nichts, denn Baseball an sich bildet nur den Rahmen dieses grandiosen coming of age-Lehrstücks. Nicht alle, aber die meisten Protagonisten sind auf der Suche nach dem, was ihr Leben ausmachen soll oder wird. Nicht alles entwickelt sich so, wie sie es annehmen, es sich erträumen oder wünschen. Es geht um den grandiosen Aufstieg eines absoluten Ausnahmesportlers und seinen tiefen Fall ins vermeintlich erst einmal absolut Bodenlose. Es geht um Liebe, Sex, unerfüllte Sehnsüchte und Wünsche, es geht um Ziellosigkeit und das Ankommen in etwas ganz anderes, nach Verletzung, Tod, Trauer und Abschluss. Dieses Buch ist voller Philosophie, Tiefe, Psychologie aber auch einer enormen Melancholie. Es geht um die Erfüllung des unerfüllbaren amerikanischen Traums, das Scheitern, das Sprengen von Grenzen und Regeln, auch und insbesondere emotionalen, Enttäuschung, Verrat, Coming out, Opferbereitschaft, Freundschaft, dem Willen Verantwortung zu übernehmen und familiäre Bande und Erwartungen.

Dieser Roman ist in vielerlei Hinsicht herausragend und etwas ganz besonderes in seinem Baseball-Rahmen – ein großartiger Lesegenuss für mich.

Gelesen: „Die Arglist des Teufels“

von Heike Stöhr.

Dieses ganz neu erschienene Taschenbuch ist der dritte und letzte Teil der Pirna-Trilogie von Heike Stöhr, deren erste beide Bücher ich letztes Jahr in unserem Sommerurlaub direkt im Schaufenster einer Pirnaer Buchhandlung entdeckte und nach dem Lesen des Klappentextes auch gleich als perfekte Urlaubslektüre kaufte.

Ich mag den Schreibstil der Autorin sehr und so war auch dieses Mal das Lesen des immerhin 703 Seiten umfassenden Romans nicht eintönig, sondern recht kurzweilig und immer wieder auch durch die eingebauten historischen Elemente spannend und definitiv nicht seicht vor sich hin plätschernd.

Unser Urlaub im letzten Jahr im Elbsandsteingebirge war rundum schön und voller interessanter, fesselnder Entdeckungen, eingerahmt von einer grandiosen Natur und nicht minder spannender Orte voller Geschichte und Geschichten, so wie eben auch Pirna, das uns sehr gefiel.

Einziges Manko des dritten Teils für mich: Die ersten beiden Teile rund um Sophia und auch ihre Freundin Maria hatten eine größere Leichtigkeit und so gut mir auch der dritte Teil gefällt, so hätte ich mir doch mehr Handlung um diese sehr spannenden Frauenfiguren gewünscht und dass manche längere Zeiträume ausführlicher und nicht nur in wenigen Sätzen abgehandelt worden wären. So kamen halt dieses Mal die nicht minder spannenden Herren rund um die Damen zum Zuge.

Mein Dank für so einige genussvolle Lesestunden geht an Heike Stöhr mit der Hoffnung verbunden, noch mehr von ihr lesen zu dürfen.