Heidelberger Lieblingsplätze: WortReich

WortReich, Blumenstraße 25 in der Heidelberger Weststadt ist mir der liebevollste Bücherladen überhaupt!

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Hier gibt es Kunst, wundervolle Bücherdamen, herrliche Papeterien – kurz, es gibt nichts, was mein heißes Leserherz nicht begehren würde.

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Du weißt nicht wo die Blumenstraße ist? Kein Problem, denn sie kreuzt sich mit der Kleinschmidtstraße, wo Du in der Bio-Eismanufaktur das, wie ich finde, kreativste und beste Eis im gesamten Umkreis bekommst:

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Wenn Du mit dem Eis in der Hand wieder raus auf den Gehweg kommst, guckst Du einfach linker Hand die Straße hoch und da kannst Du es schon sehen, mein Bücherparadies:

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Heidelberg, Du meine Lieblingsstadt ♥!

Gelesen: Ein Stück vom Himmel

von Claudie Gallay.

Die Essenz dieses Romans ist das Warten.

Das Warten auf Curtil, den Beginn der Schuld, das Ende der Schuld, das Erblühen der Liebe, auf den Mann der Schwester, die Veränderung der Gemeinde, immer wieder auf die Antwort nach der Frage der Schuld, auf die Lösung der Rätsel.

Es geht um die Sehnsucht, etwas zu tun, was man sich vor vielen Jahren versagte. Die Fähigkeit eines Kusses, Liebe mit der Seele zu machen.

Es ist eine leise Erzählung. Unspektakulär, die doch ein heimeliges Wiederfinden in sich birgt.

Und Hoffnung. Vor allem Hoffnung, die der Enttäuschung trotzt.

Gelesen: Mein Herz in deinem weiten Land

von Sanna Seven Deers.

Die gebürtige Hamburgerin beschreibt in ihrer Autobiographie, wie sie in Hamburg den Künstler und späteren Ehemann David Seven Deers kennen- und lieben lernt.

Zusammen fassen sie den Entschluss, ihr Leben im Land seiner Geburt und Heimat mit ihrer eigenen Familie zu leben.

Mittlerweile haben sie vier Kinder und sind fest auf ihrem Land in Kanada verwurzelt.

Näheres zu Sanna Seven Deers findet sich viel ausführlicher auch HIER auf ihrer Homepage.

Ich ziehe meinen Hut vor der bisherigen Lebensleistung beider!

Dieses Buch beschreibt ihre gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnisse sehr intensiv.

Ich weiß um die Probleme der Ureinwohner auf verschiedenen Kontinenten, die ich sehr bedauere und wünsche mir ein ebenbürtiges Miteinander, das leider viel zu oft fehlt! Es gäbe und es gibt für beide Seiten soviel sinngebendes voneinander zu lernen – dies aber ist nur dann möglich, wenn ein Austausch auf Augenmaß stattfindet, zu dem unsere ach so aufgeschlossene Welt einfach nicht bereit ist.

Niemals hättte ich mit diesem Ausmaß an Rassismus gegebenüber der Gemeinschaft der Natives in Kanada gerechnet, der mich sehr entsetzt und erschüttert!

So unendlich vieles ist bereits unwiderbringlich zerstört worden … und das betrifft uns letztlich alle!

Auf dieser Homepage kann man sich näher zu den First Nations in Kanada informieren.

Dieser Tagesspiegel-Beitrag von 2014 zur kanadischen Ölsand-Problematik ist nicht etwa überholt, sondern in seiner Brisanz nun drei Jahre später noch bedrohlicher!

Gelesen: Wandernde Pflanzen

von Wolf-Dieter Storl. Auf dem Cover des Buches ist das wunderschöne Drüsige Springkraut, auch Bauernorchidee genannt, abgebildet. Die Blüten dieser Pflanze sind einfach prachtvoll, wie hier bei dieser zu sehen, die ich vor einigen Jahren in Tschechien am Ufer der Jizera photographiert habe:

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Wolf-Dieter Storl ist Ethnobiologe und Kulturanthropologe mit einer ganz besonderen Ausstrahlung, voller Wissen und großer Weisheit.

Ich habe bereits mehrere Bücher von ihm gelesen, kann ihm nicht in allem folgen, nichtsdestotrotz ist er für mich einer der ganz großen Wissenden unserer Gegenwart, dem ich immer wieder gerne durch seine Publikationen folge. Vielleicht werde ich ja doch einmal das große Glück haben, ihn selber bei einem Vortrag erleben zu dürfen.

Dieses Jahr ist noch nicht einmal zur Hälfte herum, trotzdem aber ist und wird dieses Buch für mich das wichtigste, bereicherndste und berührendeste sein und bleiben.

Herr Storl, der sein Wissen nicht nur in Europa vertiefte, beschreibt auf nachvollziehbarste Art und Weise, wie weltweit zum Teil mit Neophyten umgegangen wird, die sehr oft gar keine sind. Natur ist in stetigem Wandel, nicht nur Menschen, auch Pflanzen wandern dorthin, wo es ihnen möglich ist, zu wachsen und zu gedeihen. DIe meisten von ihnen waren vor langer Zeit hier ansässig, bis sie Klimawandlungen weichen ließen. Diese Neueinwanderer mögen zum Teil verdrängen, wachsen letztendlich auch gerade auf Flächen, die zu besiedeln unseren vermeintlich vom Usprung her rein einheimischen Pflanzenwelt nicht mehr möglich ist. Sie erfüllen dort einen wichtigen Zweck, indem sie den Boden aufbereiten und regelrecht renaturieren. Man denke da mal nur an den Schmetterlingsflieder, der entlang vieler Bahntrassen regelrecht wuchert oder die Kartoffel-Rose, die oft im Trennstreifen zwischen Autobahnspuren gepflanzt wird, da sie die Fähigkeit besitzt, trotz eines starken Salzeinsatzes im Winter gegen Glatteis, zu wachsen und zu gedeihen.

Die Maßnahmen, die gegen endemische Pflanzen eingesetzt werden, ähneln nicht zuletzt auch in gewisser Art und Weise ganz anderen Maßnahmen im Hinblick auf moderne Völker“wanderungen“. Herr Storl setzt sich damit sehr informativ und umfassend auseinander.

Für den, der lernen möchte, der bereit ist, alle Sinne für neue Sichtweisen zu öffenen, ist dieses Buch von unschätzbarem Wert. ich kann nur sagen „Lest – lernt – setzt um“.

Für das einfachste Beispiel komme ich hier wieder auf das bereits oben erwähnte Drüsige Springkraut zurück, das zur großen Familie der Balsampflanzen gehört. Wie die angeriebenen Blätter des Wegerichs, können auch die angeriebenen des Springkraut als ein erstes kühlendes und abschwellendes Mittel bei Insektenstichen verwendet werden. Außerdem stellen die Blüten eine ausgezeichnete Bienen- und Hummelblütenweide dar, in dem sie ihnen bis weit in den Herbst hinein durch ihren Nektar und ihre Pollen Nahrung bietet, wenn viele Felder und Pflanzen schon nicht mehr blühen. Und wen die Pflanze dann immer noch stört, wer sie sich noch nicht mal in eine Vase stellen möchte, der isst mit dem Verzehr ihrer Samen gegen sie an.

Wer möchte da noch von einem feindlichen Einwanderer sprechen, der unserer Flora und Fauna angeblich nachhaltig Schaden zufügen wird?

Ich auf jeden Fall nicht!

Gelesen: Im Herzen des Tals

von Nigel HintonNigel Hinton.

Dieses Buch über ein Jahr im Leben einer Heckenbraunelle habe ich als Geburtstagsgeschenk erhalten und bin sehr froh darüber, denn die Schenkerin wusste ganz genau, dass sie mir mit dieser Erzählung eine große Lesefreude bereiten wird!

Auf der Rückseite wird Elke Heidenreich damit zitiert, dass sie sich nicht daran erinnern könne, in den letzten Jahren ein anrührendes, ergreifenderes Buch gelesen zu haben. Dem kann ich mich nicht anschließen, aber es ist tatsächlich und definitiv anrührend und ergreifend, denn näher heran kann die Schilderung eines Menschen über und an das Leben eines Vogels von unserer Warte heraus nicht kommen.

Das zärtlichste und großartigste daran ist, dass nichts beschönigt und weggelassen wurde.

Ein „Unbedingt lesen!“ von mir für jeden naturverbundenen Menschen.

Gelesen: Der stille Duft des Todes

von B.C. Schiller.

Ein Beispiel der Katgorie „Traue niemals einem Bestseller der ebook-charts“.

Hinter B.C. Schiller verbirgt sich ein Autorenduo wie bei Iny Lorentz, vielleicht liegt hier die Crux begraben, vielleicht liegt es aber auch daran, dass man mit heißer Feder einen unbedingten Bestseller nach dem Rezept stricken wollte:

3 x harte Eier, 1 Prise schlecht gefärbtes Blond, 2 1/2 x eklig psychopathische Hänflinge, 387 ml Adrenalin und 7/8 weiche Muttersehnsucht kräftig miteinander verrühren und nun bei hoher Durchgangshitze backen, bis sich eine krustiger Schorf bildet, den der Geruch nach Aas umwabert.

Heraus kommt dann als Assoziationscocktail a bisserl Donau-Schimanski, eine milvaeske Chefin, Lucy Ewing mit geheimnisvoller Herkunft, viel Fäkal, ein müder Mark Benecke-Abklatsch, natürlich oberfiese Russen und viele offene Fragen.

Manchmal rettet ein guter Plot fast die ganze Geschichte, in diesem Krimi aber setzt er dem Gewirr aus vielfach offenen (MYSTERYMysterymystery) Handlungsfäden nur eine noch abstrusere Krone auf.

Der Grundgedanke hätte soviel mehr hergeben können!

Notiz an mich selbst:

Und sei der ebook-Deal auch noch so verführerisch, BITTE kein B.C. Schiller mehr! Nicht vergessen, als Wanderhure hattest du das Tote Sommermädchen gelesen und so wie bei Ersterer wird auch bei Letzterer nix besseres mehr rum kommen. Wirklich schade.

Gelesen: Der Insektensammler

von Jeffery Deaver.

DAS ist mal ein wirklich überragender Psycho-Thriller vom Feisten!

Nicht ein Wort lang langweilig. Nicht eine Seite, auf der der Spannungsbogen abschlaffte. Nicht ein Kapitel, in dem ich den Wunsch verspürte, vor oder quer zu lesen.

Ganz großes Lese-Kino!

Fakten vs. Gier vs. niederste Instinkte vs. alternative Fakten vs. immer wieder neue Wendungen vs. Spannung vs. Neugier vs. Erstaunen vs. Mitgefühl vs. Hintergrundwissen.

Ein gnadenlos tolles Ermittlerduo mit genialen Teamplayern. Ein Ende, das keine Wünsche offen lässt, außer der Überzeugung, sich diesen Auto merken zu wollen!

Der Thalia-Link oben führt bei Interesse auch zu einer Leseprobe. Mehr will ich gar nicht sagen, da sollte man sich dann selber sein eigenes Bild davon machen, ich für meinen Teil bin schwerst begeistert!