Gelesen: „Rose Grandisson – Gefangen in Heidelberg“

ein historischer Roman, der auf einem realen Kriminalfall ruht, von Dr. Michael Krausnick.

Das Buch berichtet von einem Skandal aus Heidelbergs besten Kreisen zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Rose und Carl Grandisson, ein eheliches Hochstaplerpaar mit zwei Kindern, fällt wegen einiger Diebstähle in Postkutschen zuviel auf. Er entleibt sich, seine Gattin, die als engelhaft schön beschriebene Rose, wird inhaftiert, im Unklaren über das Ableben ihres Angetrauten gelassen, um so zu versuchen, sie zu Geständnissen zu veranlassen.

Realität und Fiktion vermischen sich zu einer spannenden Geschichts- und Gesellschaftsbild, nicht zuletzt auch wegen des gekonnt verwendeten altmodischen  und geschraubten Schreibstils, der mir sehr gut gefiel und mit dem es sehr leicht fällt, sich in die damaligen Gegebenheiten zu versetzen.

Gewürzt wird alles mit einem sich sehr langsam entwickelnden Vexierspiel einer erwachenden Liebe, die keine Erfüllung finden wird, naja, immerhin schreibt hier auch jemand, dem es nicht um die Freunde, Töchter, Geliebten von wandernden Frauen jedmöglichen Gewerbes geht ;)!

 

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Gelesen: „Ein Buchladen zum Verlieben“

von Katarina Bivald.

Amy lebt in Amerika, Sara in Schweden.

Amy ist alt (und sehr krank, aber das erfährt man erst später), Sara ist jung.

Amy steckt voller Lebensweisheit, Sara hat ihren Platz im Leben noch nicht gefunden.

Was sie trennt, ist der Ozean.

Was sie eint, ist ihre Leidenschaft für Bücher, das Lesen.

Ein zauberhafter Roman, der sehr zaghaft, mausgrau beginnt und seine Schönheit ganz langsam mit dem Umblättern jeder neuen Seite entfaltet.

Wunderbar!

Gelesen: 2 x Picasso, die Frauen und die Liebe

Im Reader speicherte ich zufälligerweise zwei Romane hintereinander ab, die sich beide um Picasso drehen:

Erstens.

Monsieur Picasso und der Sommer der französischen Köstlichkeiten“ von Camille Aubray

Es tauchen einige Kunstwerke und tatsächliche Personen aus dem Leben von Picasso auf, ansonsten entspinnt sich rundherum reine Fiktion. Die Erzählung spielt in zwei Zeitebenen rund um drei weibliche Hauptpersonen und das (voraussehbare) Geheimnis, das sie mit Picasso verbindet.

Locker, flockig, leicht geschrieben, eine perfekte Urlaubslektüre.

Zweitens.

Madame Picasso“ von Anne Girard.

Dieser Roman hier hat, obwohl nicht autobiographisch, sondern fiktiv um die Liebesgeschichte und all die tatsächlichen Personen rund um Picasso und Eva Gouel aufbauend, eine ganz andere Güte und dadurch wesentlich mehr Tiefgang. Sehr akribisch und merkbar mit Liebe, sehr intensiv geschrieben.

So sehr, dass ich mich nach der letzten Seite auf eine kleine Internetrecherche nach ihnen und z. B. auch Fernande Olivier begab. Die ganze Erzählung in sich hat mich sehr berührt, sodass ich das Buch, nicht mehr aus den Händen legen könnend, innerhalb kürzester Zeit las. Müsste ich mich für eines der beiden entscheiden, würde meine Wahl definitv auf dieses treffen.

 

Insgesamt eröffnete das erste weniger, das zweite sehr viel mehr, auch wenn beides „nur“ Romane sind, kurze Blicke in das Innenleben dieses einzigartigen Künstlers und die Menschen, die mit ihm, um ihn herum lebten.

Bei den, nun ja, einen oder anderen expliziten Verführungskraft des Genies, hörte ich in solchen Momenten James Brown, wie er mit seiner rauhen Stimme Sex Machine singt – ja, lacht ruhig, denn wenn mich eine Erzählung fesselt, dann ergeben sich mitten dabei immer wieder mal mit dem Gelesenen verknüpfte Assoziationen. Das ist einfach so :)!

 

Kein Krieg in meinem Garten!

„Garten ist Krieg“ – entdeckt in der Auslage des Lieblingsbuchladens und für mich stante pede als nicht lesenwollenswert erachtet.

Hah, so weit käme es noch, dass ich meinen Garten mit Säbelgerasselassoziationen verknüpfen würde. Niemals!

Bei mir gibt es mehr krumm als gerade, das aber nicht minder geliebt. Auch Zucht und Ordnung schmettern keine Marschlieder. Da pfeif ich lieber drauf!

Und was ist schon Ungeziefer?

Gut, die roten Nacktschleimer, die mag ich auch nicht, aber noch viel weniger Zechen oder gar Kriebelmücken, von denen gerade eine so unverschämt war, sich an mir zu vergreifen.

Die sind dann doch tatsächlich so flüssig für mich, dass sie überflüssig sind!

Am Nachmittag lachte mich dann „Die ‚Unkräuter‘ in meinem Garten“ von Wolf Dieter Storl, für das er den Deutschen Gartenbuchpreis 2018 erhalten hat, an, von dem ich als letzte Publikation Wandernde Pflanzen gelesen hatte:

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Wieder daheim habe ich es sofort bestellt und werde darüber berichten, sobald ich es gelesen habe.

Vor vielen Jahren sah ich eine Dokumentation über ihn, diesen herausragenden Ethnobotaniker und Kulturanthropologen, sein berufliches Schaffen, seinen Werdegang und seine Philosophie und war von diesem Moment an dafür entzündet. Seine Sicht auf diese Natur ist eine sehr einzigartige, durchaus für manche Menschen polarisierende, aber ich bin davon überzeugt, dass mehr Storl in unser aller Leben aus unserer Gesellschaft, unser aller Miteinander eine bessere Welt machen würde.

Zu gerne würde ich ihn mal bei einer Lesung, einem Vortrag leibhaftig erleben, noch viel lieber aber bei einem Seminar oder einer Kräuterwanderung.

Fühlt Euch so frei nach ihm zu suchmaschinen: WehwehwehPUNKTstorlPUNKTde – auf seiner Homepage ist ein kleiner Film zu diesem Buch abrufbar. Macht Euch doch so ein eigenes Bild von ihm und lasst Euch auf die Wahrheit ein, dass es keine UNkräuter gibt :)!

Gelesen: „Bis ans Ende der Geschichte“ von Jodi Picoult

Manchmal geschieht es, dass eine Geschichte mich in einem solchen Strudel regelrecht in sich hinein reißt, dass ich mich nur schwerlich aus dem hypnotischen Sog lösen kann, um überhaupt noch etwas um mich herum wahrzunehmen.

So ist es mir mit dieser ergangen.

Zuletzt in diesem Ausmaß ergriff mich vor Jahren „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak, die mich auch Monate nach der letzten Zeile, dem letzten Wort, dem letzten Buchstaben, dem letzten Punkt nicht mehr los ließ.

Ich lese nicht, ich atme Bücher. Das Lesen hat mich um manche Klippe geführt, mir mit seinen Welten Schutz in schlimmen Zeiten geboten. Es eröffnete mir eine selbstbestimmte Welt, die es mir ermöglichte, selber zu entscheiden, ob ich eintrete oder nicht. Es ließ mich gesunden, lachen, überleben, träumen, die Hoffnung nicht los lassen.

Dieses Buch windet sich um Sage, Ania, Minka zu einem großen Ganzen. Minkas Leben wird grausam durch den Holocaust zerstört, Ania ist ihr fiktives Alter ego, Sage ihre Enkelin, deren Leben ebenfalls eine grausame Zäsur erfährt. Sehr viel mehr möchte ich nicht vorwegnehmen, man sollte sich da schon selber hinein lesen.

Dieses Buch behandelt Liebe, Schuld, Hass, Geborgenheit, Unschuld, Wissen, Verlust, Verantwortung, Zerstörung, Tod, Mord, Vergangenheit, Jetzt und Zukunft, Versagen, Heilung, Scham, Narzissmus und Hingabe. Die Fragen nach Ethos, Vergebung, Rache, Sühne, Sinn. Die Frage, ob und wie aus Gutem Schlechtes entsteht und umgekehrt: ob Schlechtes sich zu Gutem wandeln kann.

Einen Moment lang, das erste Mal als im Text Litzmannstadt auftauchte, riss es mir schrecklich ins Herz, was wieder ein ganz anderes Thema ist und ich weiß noch nicht, ob und wie ich das hier thematisieren möchte. Ich werde weiter versuchen,  Antworten zu finden.

Es lässt mich zurück mit der Frage, wie ich gehandelt, entschieden hätte.

Und das nicht nur bis morgen.

Haferhupf nach einem alten Rezept und Literatur zu einem Haferflocken-Behandlungsversuch

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Ich komme nur schwerlich an Koch- und Backbüchern wie diesem von den Köllnflockenwerken Elmshorn/Holstein in der 8. neu bearbeiteten Auflage von 1962 vorbei.

Solche Bücher erzählen Geschichten aus dem Leben in der Zeit in der sie erschienen.

Außerdem mag ich Hafer sehr und im Vorrat rief ein Beutel Hafermark laut nach Verwertung. Wohl an und ran also!

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Gebacken hab ich den leckeren Hupf mit der Hälfte des Rezepts und zuckerreduziert in einer einer kleinen Hupfform:

Zutaten:

100 g Süßrahmbutter, 70 g Zucker, das Mark einer Vanilleschote, 1 Ei, von einer 1/2 Bio-Zitrone den Abrieb und Saft, 60 g saftige, goldgelbe Rosinen, 1/2 Tasse Milch, 62 g Hafermark, 190 g Weizenmehl, 1/2 Tütchen Bio-Weinstein-Backpulver

Zubereitung:

Butter, Vanillemark und Zucker weißschaumig rühren, dann das Ei dazu und nacheinander Zitronenabrieb und -saft. Hafermark, Mehl, Backpulver vermischen, dann nach und nach abwechselnd mit der Milch unterrühren, bis ein schöner, schwer reißender Rührteig entstanden ist. Zum Schluss die mehlierten Rosinen unterheben.

Den Teig in die gefettete und mehlierte Gugelhupfform füllen und diese in den auf 175° C Ober-/Unterhitze vorgeheizten Backofen in die unterste Schiene schieben und in 60 Minuten goldgelb backen. Den Kuchen in der Form knapp 10 Min. auskühlen lassen, dann auf einen Kuchenrost stürzen.

Bei solchen Büchern lohnt sich auch immer ein Blick z. B. wie in diesem auf die letzte Seite:

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Gestaunt habe ich dann bei dieser Literaturangabe:

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Zu Dr. Lottner fand ich nichts erhellenderes näheres im www,  dort kann man sich, diese Untersuchung betreffend, in die Publikation „Pharmakopsychologie und Psychopathologie“ von Wolfgang de Boor hineinlesen.

Sag mal noch einer Küchenliteratur würde nicht zu interessanten Querverbindungen führen können.

Ein Buch, zwei Meinungen: Noch einmal „Unheimlich. Schön. Gestrickt.“

von Annette Danielsen, über das ich HIER bereits geschrieben habe.

Meine Liebe zu Handwerk, Handarbeiten, den schönen Künsten, habe ich auch meiner Mutter zu verdanken, die auf diese Sujets immer sehr offen zugegangen ist, voller Bereitschaft zum Lernen, Ausführen, Genuss. Mittlerweile hat sie die Mitte ihrer 70er-Jahre deutlich überschritten, liebt Handarbeiten und Kunst noch immer sehr, spürt, dass die Beweglichkeit ihrer Hände nicht mehr die der jüngeren Jahre ist, lernt aber noch immer gerne dazu und genießt mit offenem Herzen. Wir sprechen über die Bücher, die wir gemeinsam lesen, besuchen zusammen Ausstellungen, genießen Kunst, Natur und viele weitere Anregungen, und natürlich sind wir uns nicht immer einig, immerhin sind wir ja zwei eigenständige Individuen, die sich in diesen Meinungen auch konträr  austauschen und respektieren.

Ihre ganze Leidenschaft gehört seit einiger Zeit dem Malen, dem sie sich nicht voller Wucht, sondern vorsichtig und nicht so ganz mutvoll nähert, wie sie das vor vielen Jahren z. B mit Ikebana oder Bleiverglasung machte, aber – und das ist das wichtigste – sie traut sich, etwas zu probieren, was für sie auch und gerade mit viel Überwindung zu tun hat, denn sie ist äußert kritisch sich selber gegenüber, braucht Bestätigung und, ja, eine lobende Unterstützung, da sie felsenfest davon überzeugt ist, nicht malen zu können, worum es für mich an ihrer Stelle gar nicht gehen würde, und dadurch mit ihren Mitmalenden nicht mithalten zu können. Da ist sie völlig konträr zu mir, denn mein Zugang zum Werken ist ein sehr lustvoller und ein Scheitern erlebe ich nicht als Beweis meiner Unzulänglichkeit, sondern als Motivation, ich messe mich nicht an Dritten, was mir eh als zu vermessen erscheint.

Anyway, ich mag das hier gar nicht tiefer ausführen, denn es geht um das oben genannte, neueste Buch von Frau Danielsen und in diesem Zusammenhang war es mir wichtig zu beschreiben, wie meine Mutter mit Kunst umgeht.

Wie geschrieben, gefallen mir die Strickstücke sehr, mindestens eines davon möchte ich gerne nacharbeiten. Punkt.

Nun habe ich das Buch an meine Mutter weiter gegeben, habe ihr alles drum herum erzählt was ich schrieb. Wie ich mag sie die nordischen Strickdesignerinnen sehr, ganz besonders Marianne Isager, aber eben nicht nur sie.

Es dauerte definitiv keine Stunde, bis sie mir das Buch wieder zurück brachte; mit den Strickereien setzte sie sich gar nicht auseinander, da sie Kviums Kunstwerke sehr negativ berührten. Da wo ich beim Betrachten bis hin zu einer tiefen Traurigkeit fühle, letztendlich die Malerei aber von meinem Interesse an den Anleitungen komplett entkopple, empfindet sie die Bilder als sehr unheimlich und so negativ, dass sie das Buch einfach wieder zusammenklappte und es schlicht und einfach wieder los haben wollte und bei sogar kein Interesse mehr an auch nur einer einzigen Anleitung aufkam.

Normalerweise stelle ich hier keine Fragen, weil mir das als müssig erscheint, ich schreibe ja hier nicht in erster Linie, um einer Leserschaft zu gefallen, sondern weil ich daran Freude habe. In diesem Fall aber würde ich sie sehr gerne stellen, einfach weil es mich interessiert:

Wie ist das mit Euch und Euren Müttern? Teilt Ihr Eure Interessen? Sprecht Ihr explizit darüber? Setzt Ihr Euch dahingehend miteinander auseinander?

Und bevor eine ganz andere Frage auftaucht, gebe ich eine Antwort auf eine Frage, die vielleicht nie gestellt werden würde:

Ja, ich bin nicht nur Tochter, sondern auch Mutter und Nein, als solche teile ich diese Interessen nicht mit meiner Tochter, die wieder ganz andere hat :).