Alles so schön bunt hier Kalenderwoche 19/2021: Hallelujah ein deutscher Western – und was für einer!

Ja, ich mag Western. Western und abgründig abgedrehtes, worin die Österreicher Meister sind, weshalb ich bei den ersten Szenen noch nicht an Hessen, sondern tatsächlich an Österreich dachte.

Heute stirbt hier Kainer der Regisseurin Maria-Anna Westholzer  ist ein Western, der in der hessischen Provinz spielt.

Herrlich abgedrehte Charaktäre bevölkern das fiktive Dorf Oberöhde und wie in Django unchained darf man auch hier über tumbe Rassisten lachen. Auch sonst steckt dieser Western voller Querverweise.

Voll Blei steckt der Film und ist dazu gespickt mit rabenschwarzem Humor und einer großartigen Darstellerriege.

Nicht nur mit einem Wurfmesser mitten ins Schwarze getroffen!

Gesehen: „Blown away“

Achtung, Werbung: Unverlangt, unabgesprochen, ohne jeglichen Benefit für mich. Ich schreibe darüber, weil es mir gefallen hat und gebe deshalb hier lediglich meine eigene Meinung/Sichtweise wieder. 

Glas ist ein tolles Material mit unendlichen Gestaltungsmöglichkeiten – Glaskunst ist eine tolle Sache und ich liebe es, Glaskünstler direkt vor Ort erleben zu dürfen, so wie zuletzt in Lindberg bei Glas & Licht von Karl Schmid:

Bei Netflix ist mittlerweile die 2. Staffel des Glaskünstlerwettbewerbs Blown Away abrufbar, bei der jeweils 10 unterschiedlichste Glaskünstler gegeneinander antreten. 

Siegerin der 1. Staffel war Deborah Czeresko, die von Beginn an mit ihrer Technik und ihrer feministisch geprägten großartigen Kunst überzeugte. Eine durch und durch ungewöhnliche Künstlerin, die sich in keinerlei Schubladen zwängen lässt. Ein ganz anderer, dennoch ebenfalls wunderbarer Glaskünstler aus dieser Staffel, war für mich Alexander Rosenberg, der wunderbar filigran arbeitete. 

Auch der britische Glaskünstler Elliot Walker, der Gewinner der 2. Staffel, überzeugte von Beginn an durch seine große Handwerkskunst und seinen kreativen Einfallsreichtum. Sehr gut aber gefiel mir persönlich noch besser die japanische Glaskünstlerin Nao Yamamoto, deren Werke mich sowohl in ihrem künstlerischen Ausdruck als auch emotional überaus berührten. 

Staffel 1 wie auch Staffel 2 fesselten uns so, waren ein solcher Genuss, dass wir ihre Folgen regelrecht hinweg gebinged haben. Die größte Überraschung insgesamt war die Erkenntnis aus Season 2, dass Glas so be- und verarbeitet werden kann, dass es wie Klarsichtfolie wirkt – ein irrsinniger Effekt!

Alles so schön bunt hier Kalenderwoche 36, 2020

Realität: Oh, Schweden, Du Traumland inmitten des Bannkreis von Lagom, Lykkelig (ja, norwegisch, ich schrieb es ja: Bannkreis) und Hygge (ja, ja, dänisch, ich schrieb es ja: Bannkreis). Nicht. Oder war Euch klar, dass Molte-, Blau- und Preiselbeeren von tausenden Fremdarbeitern aus Thailand in Schweden geerntet werden? Nein? Na, dann flugs ran an die 3sat-Dokumentation „Traumjob oder Ausbeutung? Thailändische Beerenpflücker in Schweden“.

Historisch: Mensch lernt ja nie aus und so habe ich mit großer, äußerst belustigter Verwunderung wahrgenommen, dass so mancher Querdenker unser Heil in der Rückkehr eines Kaisers sieht und fordert. Schon klar, beim Kaiser war halt alles besser. Nicht. Ich will jetzt gar nicht mit der Lebenswirklichkeit nicht adliger Untertanen anfangen, nein, auch nicht damit, dass mein einer Urgroßvater als fünffacher Vater im 1. Weltkrieg für Kaiser, Gott und Vaterland seinen Tod fand und welche Folgen das für seine Familie hatte. Ich halte mich deshalb lieber beim Amühsemeng fest, wieder auf 3sat, bei der zwei Folgen umfassenden Dokumentation über das Haus Habsburg: 1/2: So liebten die Habsburger – Mätressen, Obsessionen und 2/2: So liebten die Habsburger – Zerbrochene Herzen. Unter diesen Krinolinen und gezwirbelten Schnauzbärten hätte auch ich das Jodeln nicht gelernt.

Kunst: Diese Woche hat mich mit einem ausführlichen, langen Gespräch über Kunst beschenkt und der Frage danach, was sie mir bedeutet. Die Antwort hatte ich Dank „Spessart im Karwendel“ im BR sofort parat: Die Goldschmiedin Bettina Dittlmann erschuf ein Wunderwerk an Kleid und Krone für eine Altöttinger Madonna und das, was sie da warum, wieso und womit macht, das ist ein Ausdruck an Kunst, den ich als für mich zutiefst er- und ausfüllend bezeichnen kann. Mit kirchlicher Verehrung kann ich nichts anfangen, aber dieses Gesamtkunstwerk ist Augenschmaus, Seelenfreude und Seelengenuss für mich. 

Esoterik: So mancher Trend, der zu uns schwappt, nahm  ja seinen Beginn in den USA, wie z. B. Fake News, Pussy-Grabismus, Populismus, neu erstarkender Rassismus (und das unter einem PotUS, der sich rühmt, dass er derjenige seit Abraham Lincoln sei, der am meisten für die afroamerikanische Gesellschaft getan habe) und die Bereitschaft mancher Bevölkerungsschichten, Lügen für die Wahrheit zu halten, wenn sie zuvor nur oft genug wiederholt wurden und weiter werden. In Amerika läuft außerhalb davon bereits eine zweite New Age-Welle auf vollen Touren, auf die die Dokumentation „Amerikas neue Gurus“ ein sehr interessantes Streiflicht wirft. Es gibt doch immer wieder Sachen, von denen man es noch nicht mal geahnt hätte, dass überhaupt jemand an solche Sachen denken könnte/sollte/würde. Holla die Waldfee!

Alles so schön bunt hier – Kalenderwoche 27, 2020

Regionales:

  1. Bezzel & Schwarz – Die Grenzgänger – Der Osten – Sehr geniales regionales Roadmoverl in Teilen des kongenialen Duos der Eberhofer-Verfilmungen, in dem sie u. a. mehrfach den Eberhofer-Kreisel umkreiseln, eine Sache, das Kreisel-Kreiseln, die, wenn sonst niemand unterwegs ist, großen Spaß macht – just sayin. 
  2. Prag ohne Touristen – Die Magie der Stille – Prag ist ein touristischer Hotspot, ebenso wie Heidelberg und viele, viele andere Städte, die auf einmal mit Corona ganz ruhig, still und leise wurden. Mittlerweile ändert sich das wieder. Prag aber einmal auf diese Art und Weise mit einem Menschen ergehen zu können, der nicht sehen kann, hat mich sehr tief berührt. 

Serie:

  1. Die Fallers – Es ist so weit, auch für den Schwarzwald schlägt die Sommerpause. Heute noch die letzte Folge davor sehen, im September geht es dann wieder weiter mit dem Fallerhof.
  2. Neu gestartet ist dagegen die 7. Staffel von The Blacklist – spaderowtastisch –  wobei ich seit dem Abgang von Mr. Kaplan immer häufiger Ermüdungserscheinungen im ewigen Hin und Her zwischen ist er es oder ist er es nicht verspüre :/ … 

Dokumentation:

  1. Athletin A macht einfach nur fassungslos und wütend, wie brutal und rücksichtlos über zwei Jahrzehnte hinweg die Körper und die Seelen junger Topsportlerinnen systematisch zerstört wurden – unfassbar die Anzahl derer, die den Mut hatten, an die Öffentlichkeit zu gehen! Unglaublich, dass es Menschen gibt, die für Erfolg und Mammon bereit sind, über solche Straftaten hinweg zu sehen, sie zu decken und im Umkehrzug aus Opfer Täterinnen machen wollen. Leider nur kurz zu sehen die Sequenzen, in denen in schwarz-weiß gezeigt wurde, dass in diesem Sport früher erwachsene Frauen gegeneinander antraten und nicht Mädchen vor oder mitten drin in ihrer Pubertät!
  2. Ja, natürlich wieder Archäologie: Die 1.000 Frauen des Pharao gibt Einblicke in neueste Forschungsergebnisse der Ägyptologie rund um Amenhotep III und um seinen Tempel, der der größte ist, der jemals in Ägypten gebaut wurde.

Film:

Babettes Fest ist wieder so einer für mich. So ein ruhiger, der in seiner Ruhe, in den bedächtigen Bewegungen der Darsteller, der Bildsprache, eine unglaubliche Wucht trägt und ganz viel Seele! Fromme Enthaltsamkeit und Pflichterfüllen – definitiv nicht mein Weg, Baby!

Alles so schön bunt hier – Kalenderwoche 26, 2020

Aktuelles: Wie immer das Morgenmagazin ARD/ZDF und die Heute-Nachrichten, wobei ich gestern beim Interview mit Frau Klöckner zu ihrem „Fleischgipfel“ so wütend geworden bin, dass der bonfortionöse Gatte erklärte, dass ich wegen eines Wut-Herzinfarkts bestimmt noch nicht mal 73 werden würde …

Film: 

  1. Die gnädige Frau Geschichten und Meer empfahl auf Arte „Kirschblüten und Rote Bohnen„; als Film leider nun nicht mehr abrufbar, aber diese Info hier dazu ist es noch. Ich bin für diesen Tipp sehr dankbar, denn dieses Drama ist für mich ein echtes cineastisches Juwel: Sehr ruhig, fast kontemplativ, dadurch überaus eindringlich, intensiv und wunderschön gefilmt, behandelt er als Thema den Umgang mit Außenseitern der Gesellschaft, hier speziell zu einer der Hauptfiguren den in der Geschichte des Landes mit an Lepra Erkrankten. 
  2. Auch „Der Buchladen der Florence Green“ ist so ein stimmungsvoller ruhiger Film, der für manche bestimmt ein gutes Schlafmittel ist, für mich aber genau das Gegenteil, weil ich dieses Genre sehr mag. Auch hier habe ich den Roman, der der Verfilmung zugrunde lag, vorher nicht gelesen. Das Ende ist halb offen, ich mag so etwas in den allermeisten Fällen, regt es doch meine Phantasie an. Dieser Buchladen hat sehr viel zu erzählen über Selbstsucht, Liebe, Hingabe, Trauer, Hilflosigkeit, Kraft und Mut. 

Serie: Hindurchgebinged habe ich mich fast in einem Rutsch durch Little Fires Everywhere. Den Roman von Celeste Ng der als Grundlage für die Verfilmung gedient hat, habe ich noch nicht gelesen, werde dies aber nachholen. Im Grunde genommen, geht es in dieser so hoffentlich abgeschlossenen Miniserie um Mütter, Töchter, Liebe, Schuld, Verantwortung und ich habe es sehr gemocht, wie sich die Stränge der Darsteller ineinander verschlungen und wieder heraus entdröselt haben. Im www habe ich mittlerweile mitbekommen, dass es anscheinende so ist, dass man die Serie entweder liebt oder hasst, ohne Skala dazwischen. Mir ist das egal, da es für mich nicht wichtig ist, ob damit jemand anderes meiner Meinung ist oder nicht. Noch viel egaler ist es allerdings auch für mich, ob Roman und Verfilmung sich gleichen oder nicht. Für mich zählt lediglich beim Lesen und Ansehen, dass ich mich gut unterhalten fühle. Wäre dem nicht so, hätte ich mir niemals die Verfilmung von Herr der Ringe ansehen dürfen ;). Besonders das Leben, das Reese Witherspoon und Kerry Washington ihren Figuren eingehaucht haben, gefielen mir sehr gut – und das Einflechten der Bedeutung von Kunst für Letztere. Wenn man sich die Serie anschaut, sollte man unbedingt auch auf vermeintlich kleine Details, wie z. B. die rote Feder achten. 

Dokumentation: 

  1. Begonnen zu sehen „James May: Our Man in Japan“ – oh, ja, ich sehe sehr gerne Japan-Dokus, lese gerne Bücher japanischer Autoren und würde das Land gerne mit eigenen Augen sehen wollen, was in diesem Leben mit äußerster Wahrscheinlichkeit nicht mehr passieren wird. Macht nix, ich kann mich ja (sic!) auch anders nähern.
  2. Pompeji, in Stein verewigt“ auf Arte. Ganz sicher ist es so, dass ich in irgendeiner Parallelwelt die Archäologin geworden bin, die ich als Kind immer werden wollte. Pompeji, seine Geschichte und die Ausgrabungen faszinieren mich, seit meiner Kindheit und diese Dokumentation ermöglicht unglaublich beeindruckende Einblicke in das Leben dieser Stadt, die der Vesuv mit seinem Ausbruch im Jahr 79 n. Chr. unter meterhohen Vulkanaschemassen zerstörte und konservierte. 

Regionales:

  1. Die Sendereihe des BR „Zwischen Spessart und Karwendel“ liebe ich sehr und werde sie mir auch heute dort um 17:45 Uhr ansehen, denn Paul Enghofer wird den Macher samt Lebensgefährtin des Blogs Fränkische Tapas besuchen, der zu meinen Liebings-Foodblogs gehört. 
  2. Ganz taufrisch in der SWR-Sendereihe Expedition in die Heimat: „Heidelberg für Fortgeschrittene„. Ich liebe unsere Stadt am Fluss, seit ich sie mit Anfang 20 das allererste Mal besuchte, denn obwohl sie jeder kennt, braucht es von den touristischen unbedingt-sehen-Hotspots nur ein, zwei Straßen weiter und schon merkt man nichts mehr, dass da hinter einem der Bär steppt. 

Entertainment: Diese Woche lief die letzte Folge der 7. Staffel von Sing meinen Song – Das Tauschkonzert 2020 auf VOX. Denkt was Ihr wollt, ich mag diese Sendung, denn sie sorgt fast jedes Mal für tolle Überraschungen. Fast deshalb, weil ich Staffel Nr. 5 mit Mary Roos boykottiert habe. Das was da zu hören war, ging für mich gar nicht. Mein All-time-favourite ist und bleibt bis heute allerdings Samy Deluxe mit seiner Interpretation von Kristallnacht – kann ich gerade zur Zeit wieder gar nicht oft und laut genug hören – jedes Mal Gänsehaut für dieses Brett eines Liedes eines der definitiv besten deutschen Rapper!