2021 – Das große Jahr der Miniaturen – Woche 30/52 -Thema: „Türkis“

Zum Thema „Türkis“ habe ich einen MDF-Block mit Katalogausschnitten in Türkis einer schwedischen Lagenlook-Spezialistin rundherum flächendeckend beklebt. Aus dem Seidenkokon auf der oberen Kante schlüpft ein frisches, kleines Türkis. Der Kokon rechts spinnt sich mit mannigfaltigen, aderngleichen Seidenfasern fest. 

Türkis. So mag ich es.

Materialmix-Collage in 3D, 10 x 15 cm.

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2021 – Das große Jahr der Miniaturen – Woche 29/52 Thema: „Oper“

Weiterhin ohne Worte.

Miniaturcollage, 15 x 15 cm

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2021 – Das große Jahr der Miniaturen – Woche 28/52 Thema: „Anker“

Unser Haus ist einer meiner Anker. Es ist mein safe place. Es ist mein erstes richtiges Zuhause. 

Eingedenk der schrecklichen Flutkatastrophe in unserem Land, den Menschen, die in ihr gestorben sind, zum Teil in ihren Häusern, die Häuser, durch sie zerstört wurden, mag ich mehr gar nicht schreiben. 

Mein tiefes Mitgefühl gehört ihnen allen.

Materialmixcollage, 15 x 15 cm

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2021 – Das große Jahr der Miniaturen – Woche 27/52 Thema: „Des Pudels Kern“

Ja, ich weiß, des Pudels Kern ist ein Zitat von Goethes Faust, in welchem Mephistopheles, sich seiner Tarnung entledigend, dem Doktor letztendlich den Spiegel seiner Gier, seines Ego- und Narzissmus vorhält.  

Ich hatte keinen Bock auf den Pudel und erst recht keinen Pudel für den Bock.

Einen zeitgemäßeren Sachverhalt wollte ich entblättern, statt mich an den Apricot-Pudel Candy erinnern und wofür er stand, was interessant gewesen wäre, aber halt nix, was mich noch beschäftigt. 

Wer kein Adept des Scheibenglaubens ist, weiß, dass unsere Erde kein kreisrunder Ball ist. Folglich, denke ich, ist unsere Atmosphäre ebenso nicht kreisrund um sie geschlossen und so ist es dann halt auch nicht das erste Blatt der Miniatur, in dem in der Luft die Luftpost schwebt, worunter ein kleiner Mechanismus die Blätter beisammen hält. 

Drunter verbirgt sich die zweite Ebene mit den Wolken und diese deckelt das dritte Blatt, die Kerne der Luftpost noch verbergend.

 

Wir können sie nicht sehen, die Luft, die wir atmen, wenn sie nicht gerade verschmutzt ist und Smog wie eine ranzig schillernde Wurstglocke über der Stadt drängt. Wir können sie spüren, wenn der Wind weht, sie uns zum atmen fehlt. Sie trägt uns als Menschen aus eigener Kraft und ohne Hilfsmittel nicht die Luft. Aber sie trägt ihre Kerne: Die Vögel, die Insekten, die Schmetterlinge und noch mehr. Sie gleiten auf ihr, füllen sie mit ihren Tönen, atmen sie. 

Und wir? Uns ist das egal. Uns ist die Luftpost, die unser Waren transportiert, wichtiger als dieses niedere Gezücht, das wir ohne Gefühle, ohne Verstand wähnen. Viel wichtiger ist es für uns, selber ganz schnell woanders hin zu kommen, wo wir doch wieder nur uns selber begegnen. 

Die wichtigste Post, die die Luft transportiert, wollen die wenigsten lesen, denn sie bedeutet Verzicht. Wenn den fliegenden Kernen der Luft diese zum Atmen fehlt, sie vergiftet vom Himmel fallen, werden auch wir ersticken. 

3 Blätter, ein Durchmesser von 13,8 cm, Vögel, Schmetterlinge, Insekten aus Briefmarken geschnitten. 

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„Hosentaschenmanege“ 2021 – Das große Jahr der Miniaturen Woche 26/52 Thema: Zirkus

Mit dem Thema „Zirkus“ ist mit der 26. Woche dieses Jahres auch die Miniaturen-Halbzeit erreicht. Ist das zu fassen?! Jede Woche war ich mit dabei, habe keine ausgelassen und das ist nun auch meine 26. Miniatur.

Bis jetzt habe ich mein mir selbst gestellte Ziel eingehalten, für jede Miniatur hauptsächlich das zu verwenden, was ich daheim habe. Tatsächlich sind sehr wenige Zutaten neu dazu gekommen, das macht mich schon ein bischen stolz auf mich selbst. 

Ich liebe das Arbeiten mit Papier nach wie vor, habe aber auch sehr schnell gemerkt, dass mir das dreidimensionale Arbeiten ebenfalls überaus zusagt, sehr gut gefällt, auch mit ganz anderen Materialien außerhalb von Papier.

So ging es mir auch wieder bei „Zirkus“. Ich mag Manegen und Artistik, zum Zirkus an sich habe ich weniger Affinität und noch viel weniger zu Clowns, die ich seit meiner Kindheit als sehr gruselig empfinde. Also, ich meine nicht weibliche oder männliche Bajazzen, sondern diese klassischen Clowns mit der roten Nase, dem übergroß aufgemalten Mund auf weißem Grund und den riesigen Augen. Aber genug davon, hin zu meinem Miniaturzirkus, meiner Hosentaschenmanege, die oben noch im geschlossenen Zustand zu sehen ist. Daumen und Zeigefinger sind absichtlich mit darauf, um zu verdeutlichen, wie klein das Zirkusdöschen ist und ja, ich habe sehr kleine Hände. Wenn ich klein sage, meine ich klein ;).

Ein winzigstes gläsernes Pferdchen ist gerade durch einen Feuerring paradiert, jenen trug ich mit 15 am Ringfinger, nun trägt er Flammen aus Papier und feinsten Federn. Darüber jongliert ein Werbefrosch Blümchen, begleitet von einer runden Perlentänzerin, die mir einst eine Freundin als Glücksbringerchen zu Abschlussprüfungen schenkte – das Bändchen an dem sie hing, ist längst zerschlissen, dafür bekam sie von mir die Perlenstränge angepasst.

Geschlossen misst das Döschen 4,5 x 2,3 x 1,8 cm und aufgeklappt 4,5 x 4,5 x 1 cm und ist somit die kleinste meiner bisherigen Miniaturen. 

Hiermit breche ich auf in die Wunderwelten der 2. Miniaturenjahrhälfte.

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„Die lustvolle Mutti“ 2021 – Das große Jahr der Miniaturen – Woche 25/52 – Thema: Mein blaues Klavier

Tja, was für eine Geschichte wohl hinter der lustvoll Klavier spielenden Mutti steckt? Ich habe da so eine Ahnung, aber dieses Mal darf sich  das augenzwinkend phantasierend der/die LeserIn selber voll Inbrunst schwülstig erdenken.

Ich für meinen Teil kleckste sehr lustvoll alte Tinte in Königsblau auf das kosende Notenblatt, dessen handschriftliche Vermerke im Flohmarktfund ich genussvoll kichernd erst gestern entdeckte. 

Die Kärtchen entstammen einem Kartenspiel für die erwachsene Jugend – Nachtigall ick hör dir trapsen 😉 – es stammt aus den 1930er Jahren und ist voller zweideutig schlüpfrigen Fragen und Antworten. Genau das richtige also für Genussgenießerinnen und Lüstlinge. Hach, da hüpft mir der Busen!

Collage mit den Maßen 14,8 x 10,3 cm in einer Melange aus schlüpfrigen Spielkarten, verlüstlingtem Notenblatt, Tintenklecks, blau angemaltem Reklameklavier und sehr reduzierter Poetry reduced aus dem dazugehörigen Werbetext. 

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Das Grabmal der unbekannten Zuckerbäckerin: 2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 24/52 = Herzschmerz

Der schrecklichste Herzschmerz von allen ist der Schmerz, von dem wir beim Tod eines geliebten Menschen fortgerissen werden.

Mit jedem Tod stirbt eine ganze Welt. Genau die Welt des Menschen, der der Tod ein Ende beschert. All die Wünsche, Gefühle, Gedanken, Träume, Intentionen, Lust, Erfahrungen, die Ziele nimmt er mit sich. All die Freude, das Leid, das Lernen, die Verluste, die Liebe, den Schmerz, alle Wörter und Farben. Das Wollen, Ekstase, Gewalt, die Zerstörungen und alles Wertvolle. Bei manchem ist es gut, dass der Tod dem ein Ende setzt. Anderes aus dieser Welt lebt in den Menschen fort, die jene Verschiedenen liebten, bis auch sie nicht mehr sind. Nicht allen ist es vergönnt, danach noch in der Phantasie und in Erinnerungen zu bleiben, so für 2 oder 3 Generationen, so lange halt das lebendige Denken andauern mag. 

Meist sind es die Herausragenden unter uns, die in Wörtern, Taten, Büchern, Bildern in Erinnerung bleiben. Die Allermeisten sinken langsam in die weiche Umarmung des Vergessens. Ihre Namen bleiben auf Grabmälern oder nicht mal mehr solche Spuren.

Die Zuckerbäckerin Ernestine Wilhelmine gehört dazu, deren Kinder die Hefeteige, Pomeranzenschalen, Mohn und Powidel waren. Im Herbst setzte sie sanft mit Honig vermischten Vogelbeerlikör für die wertvollen Kehlen der Hofsänger der Königlich-Kaiserlichen-Monarchie an. Leidenschaftlich polierte sie kupferne Reindl und so sehr sie auch eine Tortenmeisterin war, so ist es doch ihr Kleckselkuchen gewesen, nach dem Rezept ihrer nur von uns schon lange vergessenen Großmama, der jung vermählte Hochzeitspaare bei der Feier nach der Trauung selbstvergessen seufzen ließ, oder beim Leichenschmaus serviert, wie ein weiches Pflaster die Tränen aufsog und ihr Salz in Süße verwandelte. 

Was von ihr blieb, was alles überdauerte, ist ein einzelnes Rezept und ein Grabmal ohne Namen.

Objet trouvé aus Älterem und Neuerem, dem Kreuz eines Rosenkranzes mit Perlmutt, getrocknetem Kornelkirschzweiglein und einem alten Rezept, das ich in einem noch älteren Kochbuch auf einem Flohmarkt fand. 

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2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 23/52 = „Geometrische Formen“

Der Kreis ist für mich die perfekteste geometrische Form von allen.

Ein Kreis lässt sich immer mathematisch berechnen. Immer und überall. Aber ein Kreis ist immer auch verlockend, prall und voller Reiz. Eine Kreis ist ohne Anfang und Ende. Der Radius eines Eis ist ein Kreis. Ein Ei gebiert Leben. Ein Kreis gebiert Leben, Lust, Trauer, Tod. 

Kreise lassen sich füllen mit was immer man möchte. Sie müssen nur groß oder klein genug dafür sein. Kreise lassen sich mit Rauch in die Luft malen. Unsere Pupillen sind Kreise. Unsere Poren übrigens auch. Brustwarzen sind Kreise und die Allopecia areata bildet runde Male inmitten von Haar. Gewehre schießen ihre Tod bringende Munition aus kreisrunden Öffnungen und als kleines Kind malte ich immer wieder in die Karos unendlich vieler karierter Seiten unzählige kreisrunde Portemonnaieknöpfchen. Ich liebe alte, runde Knöpfe aus Perlmutt, Glas, Bein, Horn, Holz. Perlen sind rund und Kugelblitze auch. Sonne, Mond, Sterne – von hier unten gesehen, sind alles perfekte Kreise, Punkte. Mein Ehering ist ein ein Kreis ohne Anfang und Ende, so wie die Liebe zu meinem Mann, wie die Liebe zu meinen Kindern. Pfennigabsätze stanzen runde Löcher in Böden, die nicht hart genug für sie sind. Reifen sind rund, viele Pilzköpfe auch, so wie Kameralinsen. 

Meine Miniatur, 15 cm x 15 cm groß, ist eine Collage aus u. a. kreisrunden Gesichtern, die aus einem ausgemusterten Kunstkalender stammen. Köpfe tragen unsere Gesichter und mit ihnen unsere Seelen, die, ich gehe jede Wette dafür ein, kreisrund sind. Ohne Anfang und ohne Ende. 

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Der ABER-Schatten: 2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 22/52 = „Schatten“

Es gibt Wörter, die sich wie ein Schatten auf ein ganzes Leben legen können. 

„Aber“ ist so ein Wort. 

Das hast du gut gemacht, aber das geht noch besser. Gut gemeint ist aber noch lange nicht gut gemacht. Das ist ein guter Gedanke, aber du solltest das anders machen. Sag nicht Ja, wenn du Nein meinst, aber das gilt nicht, wenn ich etwas von dir will. Es tut mir leid, dass es dir schlecht geht, aber du verletzt mich damit. Das sieht toll aus, aber du bist zu alt, zu dick, zu jung, zu klein, zu nichtssagend. Das ist so ein tolles Projekt, aber warum bekommt die das, wo ich doch viel besser bin?!

Ein Aber nach dem anderen. Aber, an Aber, an Aber waagerecht und Aber, an Aber, an Aber senkrecht aufeinandergelegt, bis sich ein Gitter bildet, das gerade noch genug Luft zum Atmen bleibt, ohne weiteren Raum. 

Bis das Leben drunter in Aber, an Aber, über Aber, unter Aber geschmiedet ist. Bis alles Weiche weg ist, nur noch dieses Wort da, bis der Mensch nur noch diese Aber-Maske trägt, sich an ihr fest und für die einzige Wahrheit hält. Das Aber in die Mimik gegraben, Falten aus Aber, Aber-Narben, Aber-Pupillen und ein Aber-Helm, der alles bedeutet, alles bietet, nur keinen Schutz.

Das Aber – und sei es auch noch so grob geschnitzt und unperfekt, so wie dieses im Deckblatt, wird doch immer wieder unterschiedlichste Schatten werfen. 

Materialmix aus Papier, bedruckter Folie, Transparentpapier, zusammengenäht, 15 x 15 cm

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2021 – Das große Jahr der Miniaturen: 21/52 = „Luftikus“

„Luftikus“ ist ein wunderbar charmanter, leichtfüssiger, ein Lächeln ins Gesicht zaubernder Begriff. Ein Filou, ein Scherzkeks unter allen Bezeichnungen. 

Sein Duktus aber ist alles andere als das, denn per Definition ist ein Luftikus jemand, der sich durch Leichtsinn und Unzuverlässigkeit auszeichnet. 

Daneben gibt es ihn aber auch als Synonym dafür, dass ein solcher eine artistische Darbietung hoch über dem Boden sei. Eine solche aber hat etwas mit großartiger Kunst zu tun und nichts mit einem Vorhaben, das einer näheren Überprüfung nicht standhält. 

Mein Luftikus ist daher ein zauberhafter Bonvivant, der sich im Spiegel selbst bewundernd, auf einer alten, durch lange Nutzung krumm gewordenen Ahlennadel ein Blatt balanciert, welches dessen Löwenzahlpropeller genau dahin manövrierten, wozu es für eine solche Punktlandung großer akrobatische Flugkünste bedurfte. 

Welcher Luftikus würde sich nicht wünschen, solcherart behütet sein zu können?

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