Farbbahn

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Gelesen: 2 x Picasso, die Frauen und die Liebe

Im Reader speicherte ich zufälligerweise zwei Romane hintereinander ab, die sich beide um Picasso drehen:

Erstens.

Monsieur Picasso und der Sommer der französischen Köstlichkeiten“ von Camille Aubray

Es tauchen einige Kunstwerke und tatsächliche Personen aus dem Leben von Picasso auf, ansonsten entspinnt sich rundherum reine Fiktion. Die Erzählung spielt in zwei Zeitebenen rund um drei weibliche Hauptpersonen und das (voraussehbare) Geheimnis, das sie mit Picasso verbindet.

Locker, flockig, leicht geschrieben, eine perfekte Urlaubslektüre.

Zweitens.

Madame Picasso“ von Anne Girard.

Dieser Roman hier hat, obwohl nicht autobiographisch, sondern fiktiv um die Liebesgeschichte und all die tatsächlichen Personen rund um Picasso und Eva Gouel aufbauend, eine ganz andere Güte und dadurch wesentlich mehr Tiefgang. Sehr akribisch und merkbar mit Liebe, sehr intensiv geschrieben.

So sehr, dass ich mich nach der letzten Seite auf eine kleine Internetrecherche nach ihnen und z. B. auch Fernande Olivier begab. Die ganze Erzählung in sich hat mich sehr berührt, sodass ich das Buch, nicht mehr aus den Händen legen könnend, innerhalb kürzester Zeit las. Müsste ich mich für eines der beiden entscheiden, würde meine Wahl definitv auf dieses treffen.

 

Insgesamt eröffnete das erste weniger, das zweite sehr viel mehr, auch wenn beides „nur“ Romane sind, kurze Blicke in das Innenleben dieses einzigartigen Künstlers und die Menschen, die mit ihm, um ihn herum lebten.

Bei den, nun ja, einen oder anderen expliziten Verführungskraft des Genies, hörte ich in solchen Momenten James Brown, wie er mit seiner rauhen Stimme Sex Machine singt – ja, lacht ruhig, denn wenn mich eine Erzählung fesselt, dann ergeben sich mitten dabei immer wieder mal mit dem Gelesenen verknüpfte Assoziationen. Das ist einfach so :)!

 

Komma

In meinen Kopf bollern dumpf die Nachwehen der Regenmigräne gestern, während ich meine Soll-Zeiten kontrolliere.

Hin und her schiebe ich mich wie eines der Kommas in meinen Excel-Tabellen, wo ein ganzes Leben sich in teilnahmslose Nummern wandelt, deren einzige Verzierung die §-Paragraphen sind, die so viel Leid hinter ihren Bögen verstecken, für die, die sie nicht erkennen können.

Dem Schmerz dort widersetzen und dem, der in meiner Kalotte hallt. Widersetzen. So ein wichtiges Wort, bei dem ich eine jedes Mal an mit 14, 15 denke und daran, dass es mich die Regel von der Ausnahme, die die Regel bestätigt, zu begreifen und verstehen lehrte, um mir mein Lachen und meine Sicht auf all das Schöne um mich herum nicht wegnehmen zu lassen.

Nachher werde ich meine Gesicht mit geschlossenen Augen in die Sonne strecken, mich in den Duft der ersten Rosen hüllen, mich auf die kleinen Auszeiten freuen, in denen ich nichts muss, nur kann und aus diesem Können schöpfen so viel, bis es mich trägt wie Meereshaut.

Resignation

Der eine Nachbar schneidet alle seine Büsche während der Nistschutzzeit. So wie viele andere im Dorf.

Beim onnere entdeckt die Ehefrau empört und angeekelt „Guck, doh sen Ahmose!“ und er spricht davon, dass er sie „abspritze“ wird. Unter meinem Kirschbaum lauert deren hässliche (ich liebe Katzen, aber diese eine, die ist wirklich hässlich) Katze auf meine Vögel, wenn sie sich ihr Futter holen …

Der Dritte pflanzt nix Blühendes mehr an, weil das Round up trotzdem nur nicht das Blühende blühen lässt und spritzt für das Grün weiter was das Zeug hält „Moment eh mol, die Baure dort drübeh, des sinn die wahre Schuldige“!

Und bei der Vierten wird alles vernichtet, was nicht in Reih und Glied steht.

Operation gelungen, Feige hoffentlich gesund!

Als das Jahr über Wochen hinweg noch kalt, feucht und ohne strahlenden Sonnenschein war, entdeckte ich in einer Astgabel unserer Feige eine etwa halbhandtellergroße Stelle voller klitzekleiner roter Fleckchen; der Ast, der von dort aus abging, war etwas dunkler als alle anderen. Dank dem „kraut&rüben-Magazin, Ausgabe 03/2018“ – was für ein glücklicher Zufall – wusste ich schnell, was dahinter steckte: Der Zinnoberrote Pustelpilz war es, umgangssprachlich wohl besser bekannt als Rotpustelkrankheit.

Im Artikel ist beschrieben, dass das befallene Holz bis ins Gesunde hinein ausgeschnitten werden muss, also wartete ich trockene Tage ab und das Gefühl, dass die Temperaturen nun nicht mehr in den Minusbereich sacken würden, um zu entscheiden, ob ich die Operation wagen sollte oder nicht. Wagen deshalb, weil mir klar war, dass dafür viel fallen müsste:

Mein Mann half mir dabei am besonders kniffligen Bereich, weil immerhin die Gefahr bestand, dass das Bäumchen dann vielleicht doch ganz fallen müsste. Zum Schluss hin fühlte ich mich wie ein Zahnarzt bei der Wurzelbehandlung, so vorsichtig und genau musste ich millimeterweise schneiden und schaben, bis keine dunkle Stelle mehr zu sehen war.

Die Entscheidung, dem Baum die Chance zur Gesundung zu geben, fiel wegen dieser allerliebsten zwei Feigenleinchen:

Ich freu mich so, denn das sind die allerersten in diesen vielen Jahren, die seither vergangen sind, als ich mich dem sehr derangiert aussehenden Bäumchen in einer Pflanzenramschecke erbarmte und es mit nach Hause nahm.

Rhabarber-Sirup

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Mein Monsieur Cuisine ist nach wie vor kräftig im Einsatz.

Als letztes für den Vorrat fertig wurde ein feiner Rhabarbersirup, nachdem ich 1,5 kg wunderbar milden, rotstieligen bekommen konnte.

Sirupgrundrezept für 750 g Rhabarber:

Zutaten:

750 g Rhabarber, 1/2 Vanilleschote, 1 Bio-Zitrone, 150 g Zucker, 0,5 l Wasser

Zubereitung:

Rhabarber gründlich waschen, säubern, nicht schälen und zusammen mit der einmal längs aufgeschnittenen, halben Vanilleschote in den MC füllen, den halben Liter Wasser dazu gießen.

Für eine halbe Stunde mit Linkslauffunktion auf Stufe 1 und bei 90° C garen.

Durch ein feines Sieb abgießen, die Fruchtmasse vorsichtig ausdrücken (besser wäre es, diese durch ein Passiertuch auszudrücken; ich nehme mir zwar immer wieder vor, eines zu kaufen, vergesse es genauso regelmäßig aber wieder).

Den Rhabarbersaft mit dem Saft der ausgepressten Zitrone und dem Zucker zurück in den Gartopf füllen und alles weitere 3,5 Minuten auf Stufe 3 und 80° C noch einmal garen, dann in sterilisierte Flaschen füllen, mit ebenfalls sterilisierten Deckeln verschließen.