Im Handumdrehen

geht bei mir, wenn ich daheim bin, außerhalb von der Arbeit, grad gar nix mehr.

Ich habe so viele Bücher analog und digital auf Halde liegen und ich, die Bücher sonst regelrecht frisst, erkenne mich selber gar nicht wieder, denn ich muss mich selbst dazu aufraffen, einige Zeilen über einen schmonzigen Strickladen in den noch viel schmonzigeren Highlands und den oberschmonzigen, natürlich rothaarigen, wie Ed Sheeran singen könnenden Highlander zu lesen, der natürlich nicht auszuhalten schmonzig perfekt ist, körperlich wie seelenschmonzig … dabei habe ich mir diese Schmonzette absichtlich gekauft, weil ich selbst beim Lesen nicht nachdenken wollte. Hah, ich habe mich selbst schmonzig ausgetrickst!

Stricken tue ich auch nicht, allein der Gedanke daran lässt es mich wieder vergessen und so lege ich den zweiten Strumpf der Herzsocken nach einer gestrickten Reihe wieder beiseite …

Aber ich habe viele Ideen, die ich im Handumdrehen in die Tat umsetzen möchte, aber während ich noch daran denke und mich dafür umdrehe, stelle ich fest, dass Stunden während so einer Umdreherei vergehen können. Stunden! So viele passen gar nicht in einen Tag.

Edit:

Ich habe fertig … 🥴 … das Ende toppt alles … noch nicht mal ein Fleisssternchen von hier für die Strickanleitungen …

Maske auf – Masken runter

Soziale Begegnungen außerhalb meiner persönlichen Komfortzone sind für mich momentan eher anstrengend als normal, bezogen auf unser aller gerade stattfindende Lebenssituation – im Angesicht des Virus.

Unser Arbeitgeber verteilte in dieser Woche Mund-Nasen-Schutzmasken aus Baumwolle, die nach eintägiger Tragezeit mindestens 10 Minuten in kochendem Wasser auszuwaschen sind. Ich habe mich darüber gefreut und finde es gut, denn ich gehe da ganz d’accord: Es ist schlicht und einfach eines der möglichen Mittel, um die Infektionskurve so flach wie möglich zu halten. Außerdem wurden wir darum gebeten, diese Masken auch dann aufzusetzen, wenn wir öffentliche Verkehrsmittel nutzen und/oder Einkaufen, etc.

Es ist doch wie es ist: Wir werden alle erst danach wissen, was richtig, was falsch für und gegen den Virus war; bis dahin einfach mal jede Schutzmöglichkeit wahrnehmen und diese nicht nur auf Toilettenpapier, Flüssigseife, Hefe und Mehl beschränken.

Was mir bitter aufstößt, ist die unglaublich große Bereitschaft von Menschen, sich den unglaublichsten Verschwörungstheorien hin zu geben und diese mit einer Vehemenz und Aggression vorzutragen, die nichts mehr mit Respekt zu tun haben.

Ich nutze diese Masken bei der Arbeit und da bin ich damit nicht alleine. Beim Einkaufen aber ist das eine ganz andere Sache. Wie skurril das sein kann, das hatte ich bereits auf Twitter gelesen … mittlerweile kann ich alles bestätigen, angefangen, bei der Frau, die so erschrak, als sie bemerkte, dass ich eine Maske trug, dass sie unwillkürlich mitsamt Einkaufswagen rückwärts lief und einen großen, wirklich großen Bogen um mich schlug, über Männer, die unverhohlen aggressiv reagieren, hinüber zu der Frau, die aus der Apotheke kam vor der ich stand und mit aufgerissenem Mund und Augen stocksteif vor mir stehen blieb, bis ihr Mann sie am Arm wegzog. In solchen Momenten möchte ich dann gerne schreien: „Ich bin nicht krank – ich mache das, um Euch zu schützen!“

Das Schlimmste war auf der Poststelle, die nur noch einzeln betreten werden darf, als ich beim Rausgehen der mit drei großen Paketen beladenen Frau davor die Tür offen hielt und die Postlerin laut schreiend eine halbe Panikattacke bekam … es tut mir so leid, dass diese Frau solch schreckliche Angst hat.

Da die weißen Masken so groß sind, dass ich mich beim Aufsetzen immer fühle wie Ripley, über die sich ein Körperfresser stülpen will, versuche ich mich gerade daran, selber welche nach der wunderbaren Anleitung von Backsbeern.com nachzunähen, bunt natürlich, und mach dabei nacheinander jeden nur möglichen Fehler, den NichtnähGöttinnen nur machen können, was materialverschleißend und lustig zu gleich ist.

Und ganz ehrlich: Lachen war noch nie so wertvoll wie heute!

Brief an deine Romantik

Geschrieben und veröffentlicht 2007.

Manchmal nimmst du sie wie eine kokette Kokotte in die altersschlaffen Arme deiner goldverzierten Boudoirs. Hüllst sie in die Vorstellungen deiner Träume, verzauberst sie und spuckst sie mit glänzenden Augen zurück in die Trivialität glitzernder Verkaufsausstellungen, als wär’s dein einziger Lebenszweck. Rein, raus, immer lächelnd, immer bereit.

Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren … (sing ich für dich)

Nein, nicht mein Herz, mein Fühlen reibt sich immer wieder neu an den kleinen Stellen des Verfalls, die deine wahre Seele offenbaren. Bröckelnder Putz, ein eng vermauerter Raum für Mülltonnen, der nach Pisse stinkt und bei einem zufälligen Blick nach oben die Ornamente eines ehemals stolzen Eingangsbereichs zeigt.

An manchen heißen Tagen simmern deine Straßen in der Hitze wie eine stumpfe Nekropole der Romantik, begleitet von der Musik klappernder Absätze und abgesetzter Tassen vor den unvermeidlichen Cafés. Studentenküsse und Heidelberger Bisschen, zartbittere Confiserien und multikulturelles Fastfood, Falafel, Döner, Pizza, Fischbrötchen, Eis, Gebäckstücke, Laugenbrezeln, Duftschwaden aus Kaffeemaschinen und von künstlich bedufteten Seifen.

Bist käuflich, zuweilen recht billig und der Blick auf altertümliche Dachanlagen vom Parkdeck über dem Kaufhof aus straft die chrom- und glasschillernden Fassaden in den Erdgeschossen Lügen. Hier oben fühle ich mich dir sehr nah. Die Geräusche des Ameisengewusels Meter unter mit in den Ohren, lehne ich mich im Abgasatem an die Brüstung und träume wie ein Voyeur in fremde Fenster und Lebensräume, berauscht von dieser morbiden Heimlichkeit. Über mir nur noch der Himmel, dessen Palette von Bleifarbe bis wässrigem Vergissmeinnichtblau reicht. Unter mir die gehämmerten Steine, die noch heute helfen, deinen Mythos zu nähren.

Nein, deinem Charme kann auch ich mich nicht entziehen, wenn ich auch immer wieder anderes finde als die Scharen der Pauschaltouristen, die dich mit ihrem Abfall benutzen und tausendfach abfotografiert in den Karteikästen ihrer multimedialen Speicherkarten wie schmutzige kleine Geheimnisse verrotten lassen. Du weckst meine Leidenschaft wie eine heimliche Geliebte, unvermutet, aus heiterem Himmel und hinterlässt mir heiß lodernde Male der Lust, die ich wie verstohlene Initiationsnarben an meinem Busen nähre und im Neckarfruchtwasser kühle.

Liselotte von der Pfalz poussiert im Karzer mit dem Student Prince, während Gunter von Hagens im Schwarzen Walfisch die Wissenschaft zur Volksschau plastiniert. Traumverlorene Hinterhofoasen, in denen sich meine Phantasie aus verschwenderisch treibender Clematis und duftenden Kletterrosen einen Pfuhl bereitet. Bücher, Bücher, Bücher, mit denen ich die Windungen meines Gehirns pflastere und schmücke. Und über allem das Schloß rostroter Träume.

Memories of Heidelberg … (sing ich für dich)

Im Stechschritt kreuzt ein kurz geschorener Jüngling mit ernstem Blick und frischem Schmiss meinen Weg, den Trenchcoat artig um die Mitte gegürtet, während Cary Grant bis in alle Ewigkeit die Achse Heidelberg – Zuzenhausen als Kriegsbraut befährt und Perkeo im Schwimmbadclub dem Muff von tausend Jahren die Flötentöne beibringt.

Habe mich schon wie eine vaterlose Waise an dich gelehnt, während du mir als schildpattfarbene Katze in meine Ohren schnurrtest und ich versunken meine Gefühle für dich sezierte, um sie dann zu solchen Posamenten zu flechten, die denen ähneln, die unter manchen Regenrinnen versteckt auf ihre Entdeckung warten. Babylonische Sprachfetzen, servil lächelnde asiatische Schlupflider, breite amerikanische Schritte, italienische und ungarische Lebenslust prallen aufeinander. Brav und neugierig ihren Anführern folgend oder in Zweiergrüppchen auf der Pirsch durch einen Abenteuerspielplatz der Sinne für Erwachsene, senken sie diesen Tag wie ein Samenkorn in sich, das sie wie den Baum der Sehnsucht bei ihren daheim gebliebenen Lieben aufgehen lassen werden.

Du polarisierts, bedienst Forscherdrang, Hoffnung auf Heilung, Jurisprudenz, die schönen Künste und noch vieles mehr und machst es gerade durch diese Vielfalt nicht leicht, ein Urteil über die zu fällen.

Ist es legitim, dich, diese so abstrakte Faszination zu lieben?

Hab .. ich … mein … Herz … an … Heidelberg … verloren? (sing ich für dich)

Kaiserschmarrn für Mälzer und Raue

Nennts ruhig Werbung – ich nenn es nachgeschmeckten Sehgenuss!

Am Sonntag lief mit den Kombattanten Tim Mälzer und Tim Raue um die Königskrone von „Kitchen Impossible“ der kulinarische Höhepunkt dieser nun leider schon wieder am Ende angelangten aktuellen Staffel.

Köstlich amüsiert haben wir uns beim Zusehen und weil der als Aufgabe vorgestellte Kaiserschmarrn nicht nur dem Gatten gar zu köstlich deuchte, mal ganz abgesehen davon, dass er gegen all die anderen Varianten, die wir in jahrzehntelanger Arbeit ausprobierten, ohne jemals restlos begeistert zu sein, einfach zu einfach einfach mit seinen Zutaten und in der Ausführung erschien, wünschte er ihn sich für den nächsten Tag als Abendbrot und so bastelte ich nach, was in der Sendung gezeigt wurde, nach einem Rezept dazu habe ich nicht gesucht. 

Was soll ich sagen?

Ja, pupsieinfach, unglaublich fluffig in der Pfanne wie ein Kissen hochsteigend und einfach nur köstlich!

Hier nun meine Variante des TimTim-Kaiserschmarrns:

Zutaten und Zubereitung für 2 Personen:

Als Erstes habe ich im Gegensatz zum Original, weil ich es kann, für einige Stunden eine kleine Handvoll Rosinen im guten Bozkov eingelegt. Kurz vor dem Rühren des Teiges die Rosinen durch ein Sieb abgegossen und das aufgefangene Schnapsgläschen der vanilleduftenden Flüssigkeit für den Teig beiseite gestellt. 

Für den Teig 125 g ganz normales Weizenmehl mit einem gestrichenen Esslöffel Zucker, eine Prise Salz und 250 ml frische Milch aus der Glasflasche (jepp, ich schwöre auf die von Demeter) und den Bozkov aus dem Schnapsgläschen verquirlen und 4 frische, glückliche Hühnereier ohne Qualzuchthintergrund nur so kurz hineinquirlen, dass das Eigelb und das Eiweiss noch in feinen Schlieren sichtbar ist, denn so wurde es in der Sendung erklärt, nur so flufft der Kaiserschmarrn samtig auf ohne baazig (das hat nix mit TimTim zu tun und ist eines meiner Teiglieblingswörter) zu werden. 

In einer schweren Pfanne (believe me, das wird nix in dünnen Dingern) etwas Sonnenblumenöl bitte nicht zu heiß erhitzen – das ist wichtig, damit nichts anbrennt, den Teig rein, Deckel drauf, auf keinen Fall Hitze erhöhen und nach 5 Min. mal nachsehen, wie der Schmarrn von unten ausschaut, ist er noch nicht wirklich goldgelb, so für etwa 2 Min. weiter schmurgeln lassen.

Dann den Schmarrn vierteln, jedes Viertel mit Pfannwendern umdrehen und am Rand hinter jedes etwas Butter gleiten lassen, die Rosinen drauf und nur einen Hauch Zucker drüber, wieder mit dem Deckel für weitere 5 Min. drauf. 

Dann den aufgeflufften, herrlich schmackig riechenden Schmarrn mit den Pfannenwendern verrupfen, auf weitere Zuckergabe verzichten wir dankend und noch heiß servieren.

Für den Gatten gabs dazu eingeweckte Birnen, ich ließ ein Glas eingewecktes, stückiges Apfel-Himbeer-Kompott für einige Minuten auf niedriger Stufe in der Küchenhäxlerzaubermaschine rotieren wie in der Sendung und wurde mit einer sanft glänzenden Püree belohnt.

Unglaublich lecker – wird jetzt immer so gemacht!

 

Freundschaft funktioniert auch mit Abstand

Durch eine mentale Talsohle kämpfe ich mich gerade und der bonfortionöse Gatte ist mir darin Stärke und Halt.

Seit einigen Tagen ist in mir ein Auf und ein Ab, dass immer wieder mehr ins Ab als ins Auf pendelt; der Sorge Gestalt und Wörter zu geben, sie auszuhalten, durchzustehen, auch das ist wichtig.

Als mit der Post noch ein Klatscher oben drauf kam und die Tränen erst recht flossen, da rief mich die liebste Freundin an und fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr durch die Felder zu laufen. Natürlich mit Abstand. Und natürlich hatte ich Lust dazu.

Zwei Stunden liefen wir durch Wiese, Wege, Wald, bergauf und bergab. Immer Abstand haltend – körperlich ja, aber nicht in dem, was wir teilten.

Und davon gab es so viel:

Die Natur, die wir beide so lieben und bei der wir uns so sehr über selbst die kleinsten Dinge freuen können.

Wir standen neben der blühenden Schlehenhecke, in der es summte, brummte und zwitscherte, dass es eine wahre Pracht war und alles andere daneben verblasste, farblos wurde.

Löwenzahn, Veilchen, Buschwindröschen, Scharbockskraut, Osterglocken – gerade bei letzteren ist es ein großes Glück, dass hier am Dorfende immer wieder von Menschen, warum auch immer, Gartenabfälle über die Ränder der Feldwege hinunter weggeworfen werden. Nein, so ein Verhalten ist nicht richtig, aber an Stellen, wo gerade Osterglocken nie von der Natur vorgesehen waren, solch eine gelbe Pracht prangen zu sehen, das hat uns wirklich mit Freude erfüllt.

Wir begegneten anderen Spaziergängern, auch sie hielten Abstand zwischen sich und wir zwischen allen, aber wir grüßten einander auch, mal mit mehr, mal mit weniger Witz und wir freuten uns über einen spanischen Fuchshengst und seine Besitzerin, die den sonnenwarmen Tag nutzte, um ihm Vertrauen in sie und seine neue Umgebung zu schenken.

Viele neue Bienenkörbe zu sehen, gerade hier bei uns, wo das Bienensterben 2008 solch einen immensen Schaden anrichtete, auch das erfüllte mich mit Freude und der Hoffnung, dass jetzt, 12 Jahre später, hoffentlich, endlich doch sich manches vielleicht nicht direkt zum Guten, so doch in seine Richtung verändern mag.

Wir werden sehen, ob unsere Hügel sich auch in diesem Jahr wieder mit erbärmlichen, endlosen Maisfeldern füllen werden …

An den nur noch spärlichst vorhanden Streuobstwiesen ist fast schon alles zu spät, aber auch hier kleine Lichtschimmer der Hoffnung für wenigstens die der zum großen Teil schon sehr alten Bäume, die nun doch wieder ordentlich beschnitten werden.

Mitten drin, unter dem strahlend hellblau leuchtenden Himmel, fiel uns seine Makellosigkeit auf, denn er wurde von keinem einzigen Kondensstreifen zerschnitten und dann noch diese Ruhe dazu, denn auch wenn die Flugzeuge sonst sehr weit über uns hinweg fliegen, so konnte man sie doch immer wieder deutlich als monotones Hintergrundbrummen wahrnehmen, wenn man nur wollte.

Der Wald dann, der ist wie alle Waldstücke hier um uns herum, wahrlich in einem sehr traurigen Zustand nach den letzten zwei Dürrejahren. Nicht nur traurig, sondern erschreckend, auch wenn an seinem Rand Tagepfauenaugen, Kleine Füchse und – das war für mich die größte Freude, denn schon seit Jahren sah ich bei uns keinen mehr – ein kleiner Bläuling, wie eine schwebendes Vergissmeinnicht, in der warmen Luft gaukelten.

Am höchsten Punkt konnten wir uns über die Landschaft hinweg in immer neue Einblicke drehen. Nein, ich werde mich an dieser sanften Schönheit nie satt sehen können und bin auch nach Jahrzehnten immer wieder dankbar dafür, hier leben zu dürfen.

All das teilten wir und es ist eine große Gnade, eine solche Freundschaft erleben zu dürfen, die Angst und Schrecken, Liebe und Freude gleichermaßen teilt, ohne je einmal zurück zu weichen, auch nicht vor dem Dunkelsten, über das, was sich oft nur in einem Wort ausdrücken lässt, ohne dass man weiter erklären muss, ohne be- oder verurteilt zu werden, sondern sich im anderen zu erkennen und das Aushalten kein Muss, sondern Normalität ist wie das Ein- und das Ausatmen.

Dunkelheit und Liebe, das sind die gegenüberliegenden Enden eines einzigen Stabes, die Anfang und Ende zugleich sind, die sich gegenseitig bedingen, in der Angst und in der Freude. Sie existieren mit Abstand zu einander.

Wenn die Zeit des Abstands irgendwann wieder vorbei sein wird, dann werde ich alles, was sich umarmen lässt, auf Teufel komm raus umarmen – immer und immer und immer wieder!