Luxuslüftung

Die alten Waggons mit ihren Schiebefenster sorgen für bessere Insassenbelüftung als die „tollen“ Regio-S-Bahnen, deren Klimaanlage zwar brummt, dich aber beim Aussteigen gut durchgekocht wie ein hartes Ei in die Freiheit entlassen

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40 km

auf dem Rad.

Durch Felder, Wiesen, Wälder, Stadt & Asphalt.

Auch auf Wegen, die ich so, obwohl ich hier lebe, bisher noch nicht einmal unbewusst wahrnahm.

Am schönsten dort, wo wir im Schatten fuhren, durch Wald. Ach, bis auf die Städteberührung eigentlich überall.

Immer wieder von Schmetterlingen umflattert gewesen, meist Kohlweißlinge. Durch eine große Spritzwasser-Pfütze neben einem Acker gefahren und so wie als Kind die Füße, die Beine dabei hoch in Richtung Lenker gehoben und gejohlt. Am Mittelpunkt der Autobahnbrücke wie Queen Mum huldvoll den Blechlawinen gewunken.

Trotz der herrlichen Pfütze aber von Anfang bis Ende überdeutlich und traurig die knochentrockene Landschaft wahrgenommen.

Auf den letzten Kilometern, aus dem letzten, kühlen Waldstück hinaus in die heiße Sonne, über eine Schotterstrecke gefahren, die mir unendlich erschien. Ganz vorsichtig, voll Angst und immer mit den Händen an den Bremsen, wegen dem Schutzblech, das mir in einer solchen Situation nach einem Sturz im Oberschenkel steckte.

Bis wir wieder auf ebener Strecke waren, fühlten sich meine Knie und der eine Ellbogen wie mit Scherben gespicktem Pudding gefüllt an.

Ich wusste nicht mehr, wieviel Spaß das Fahrradfahren macht. Aber auch nicht mehr, wie fertig man danach sein kann.

 

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mag ich mich immer wieder zwischen dem Kind, das ich war, der jungen in der Vergangenheit und der reifen Frau, die ich bin.

Zwischen dem Früher, als ich nie genug, immer zuviel war. Ich mit dem Satz aufwuchs „Mädchen dürfen und können alles“, nur um zu lernen, dass dieses so betonte ALLES nur ganz klein und in engen Grenzen lebte. Alls ich mein Lachen und den vorlauten Mund immer mit mindestens einer Hand bedeckte, die Worte in mir nicht Quell der Freude waren, sondern Scham in mir auslösten, mein größter Wunsch war, Teil zu sein und ich noch nicht wusste, dass ohne Liebe zu mir selbst dies gar nicht möglich ist.

Ja, ich lache laut.

Ja, ich rede viel und schnell.

Ja, manchmal noch schneller als ich denke.

Ja, ich habe kein Problem damit, deutlich „Nein“ zu sagen und in meine Hand reden zu lassen, was meine Ohren nicht interessiert.

Ja, ich mache das was ich will, setze mir meine eigene Grenzen, weil ich es will und weil ich es kann.

Ja, genau so und na und!

Diese Woche

hat mich auf emotionaler Ebene privat und beruflich an jedem einzelnen Tag auf Trab gehalten, mich überdeutlich daran erinnert, gemahnt, wie fragil unser Leben ist, auf wie wenig es sich reduzieren kann, wie wichtig es ist, sich gegenseitig gut zu tun und ehrlich zueinander zu sein, dann zu umarmen, wenn eine Umarmung das einfach richtige ist.

Als die liebe L. mir morgens mit einem herzlichen Lächeln eine Praline in die Hand drückte, fing ich einfach an zu heulen. Aus Dankbarkeit, tief empfunden.

Liebe, Resignation, Freude, Fassungslosigkeit, Mut, Respekt, Liebe, Dankbarkeit, Wut, Freundschaft, Familie, Einsam- und Zweisamkeit, Trauer, Ablehnung, Sympathie, Leben, Tod, Reduktion und Maßlosigkeit und einfach immer wieder weiter machen, nicht loslassen, was es wert ist, nicht losgelassen zu werden, Abstand zu dem gewinnen, was nicht geändert werden kann und letztendlich dann doch auch wieder manches einfach loslassen.

Und das alles, ohne dem, was dazu fassungslos in den Nachrichten kam …

Manches zuviel, von manchem zu wenig.

Ich bin froh, für alles, was mich umgibt. Froh, dankbar und demütig.

Das ist mein Wort für diese Woche:

Demut.

Gelesen: „Rose Grandisson – Gefangen in Heidelberg“

ein historischer Roman, der auf einem realen Kriminalfall ruht, von Dr. Michael Krausnick.

Das Buch berichtet von einem Skandal aus Heidelbergs besten Kreisen zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Rose und Carl Grandisson, ein eheliches Hochstaplerpaar mit zwei Kindern, fällt wegen einiger Diebstähle in Postkutschen zuviel auf. Er entleibt sich, seine Gattin, die als engelhaft schön beschriebene Rose, wird inhaftiert, im Unklaren über das Ableben ihres Angetrauten gelassen, um so zu versuchen, sie zu Geständnissen zu veranlassen.

Realität und Fiktion vermischen sich zu einer spannenden Geschichts- und Gesellschaftsbild, nicht zuletzt auch wegen des gekonnt verwendeten altmodischen  und geschraubten Schreibstils, der mir sehr gut gefiel und mit dem es sehr leicht fällt, sich in die damaligen Gegebenheiten zu versetzen.

Gewürzt wird alles mit einem sich sehr langsam entwickelnden Vexierspiel einer erwachenden Liebe, die keine Erfüllung finden wird, naja, immerhin schreibt hier auch jemand, dem es nicht um die Freunde, Töchter, Geliebten von wandernden Frauen jedmöglichen Gewerbes geht ;)!

 

Hier spielt die Musik

Hier steht sie, an diesem wenig einladenden Durchgang zwischen den verblühenden Seidenbäumen und dem Außenbereich der Bäckerei.

Vor kurzem stand hier ein abgerockter Rollstuhl voller alter Plastiktüten. Immer wieder teilt sich das kärgliche Grün diese Stelle mit leeren Bierflaschen, Zigarettenkippen und einmal auch mit einer Kotzepfütze.

Wer mag sie wo gespielt haben? War sie irgendwann nicht mehr gut genug? Trug sie zu viele Erinnerungen oder zu wenige

Samba pa ti oder Gamma ray?

 

Früher Morgen-Farben

Getaggte S-Bahn.

Fadengehaltener Überkopfmohn an Ladenpfeiler – dieses Bild tat mir wie es da vor sich hin hing so leid, dass ich kurz, es war definitiv noch viel, viel zu früh für Ladenöffnungszeiten, in Versuchung war, es aus seiner misslichen Lage zu befreien, um es ab sofort besser zu behandeln. Für solcherarten mir deuchenden Kunstraub bin ich aber viel zu redlich! Also habe ich mich einfach daran erfreut.